Stimmt's? Heißt es "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"?

...fragt Mirco Speck aus Bad Wimpfen.

Orthografiefeste ZEIT-Leser wissen es: Das Sprichwort hat nichts mit der Frage zu tun, welches Kita-Kind morgens als Erstes mit den Wachsmalstiften spielen darf. Es bezieht sich auf das Mahlen von Korn und regelt die Reihenfolge an der Mühle.

Die Redensart ist nicht nur ein simpler Sinnspruch, sondern sie hatte einmal quasi Gesetzeskraft. Auf Deutsch (beziehungsweise Mittelniederdeutsch) wurde sie erstmals im Sachsenspiegel aktenkundig, einer Sammlung von Rechtsprinzipien, die Eike von Repkow zwischen 1220 und 1235 aufschrieb. Diese war kein Gesetzbuch, sondern eine Systematisierung der in Sachsen herrschenden Rechtsregeln. Das Buch ist auch das erste in deutscher Sprache veröffentlichte Prosawerk. Eine der Regeln: »Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen.«

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Aber braucht man einen Paragrafen, der eine scheinbare Selbstverständlichkeit formuliert?

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Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht ja auch nicht, wie man sich an der Supermarktkasse anzustellen hat. Im Mittelalter war es aber keineswegs selbstverständlich, dass jeder an der Mühle gleich behandelt wurde. Es gab auch »Herrenmühlen«, wo der jeweilige Fürst Vorrang genoss. Aber zumindest für die »Kundenmühlen« legte der Spruch fest, dass sich niemand aufgrund seines Standes vordrängeln durfte.

Hinter dem Sprichwort steckt also eine urdemokratische Rechtsregel.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. dass der Komplementierer 'dass' nicht mit einem, sondern mit zwei s geschrieben wird. ("Das Sprichwort aus dem Mittelalter regelt, das niemand vordrängeln darf.")

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    "Vordrängeln" ist nämlich reflexiv, ergo muß noch ein "sich" hinzu.

    "Vordrängeln" ist nämlich reflexiv, ergo muß noch ein "sich" hinzu.

  2. "Das Sprichwort aus dem Mittelalter regelt, das niemand vordrängeln darf." Mal abgesehen davon, dass dieser Satz schon vom Ausdruck her miserables Deutsch ist, enthält er auch einen orthografischen Fehler. Es muss "dass" heissen, nicht "das". Aber diesen Unterschied kennen viele nicht mehr. Der Satz müsste eigentlich heissen: "Das Sprichwort aus dem Mittelalter sagt, dass sich niemand vordrängeln darf." "Vordrängeln" ist reflexiv, verlangt also ein "sich", und "regeln, dass" ist schlechtes Deutsch. Bei einem Artikel, bei dem es u.a. um Rechtschreibung geht (malen vs mahlen), sind die genannten Fehler besonders peinlich.

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    • tk1986
    • 03.11.2012 um 10:25 Uhr

    Der Satz "Der Satz müsste eigentlich heissen" müsste eigentlich "Der Satz müsste eigentlich heißen" heißen...

    ...werfe den ersten Stein.

    Korinthenkacker und Erbsenzähler aller Länder vereinigt Euch.

    P.S. Wer einen Fehler findet, darf ihn gerne behalten.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

    • tk1986
    • 03.11.2012 um 10:25 Uhr

    Der Satz "Der Satz müsste eigentlich heissen" müsste eigentlich "Der Satz müsste eigentlich heißen" heißen...

    ...werfe den ersten Stein.

    Korinthenkacker und Erbsenzähler aller Länder vereinigt Euch.

    P.S. Wer einen Fehler findet, darf ihn gerne behalten.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

  3. Es fällt auf, daß dieses Gesetz bereits von kleinen Kindern formuliert wird, wenn die Nutzungsprivilegien von Spielzeug streitgegenständlich sind: "Ich hab's zuerst gesehen!"

    Könnte es nicht sein, daß die Vorrechte des Zuerstgekommenen angeborenes Rechtsempfinden sind, die nur durch starke andere Konventionen übertüncht werden können (wie Standesdenken einst, oder z.B. Behindertenvorrechte jetzt)?

    2 Leser-Empfehlungen
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    Es gibt keine Vorrechte für Behinderte, das sind maximal Nachteilsausgleiche und um die muss man zu oft noch zu sehr kämpfen.

    Es gibt keine Vorrechte für Behinderte, das sind maximal Nachteilsausgleiche und um die muss man zu oft noch zu sehr kämpfen.

  4. Dass sich hier Leute dermaßen darüber aufregen, dass ein Wort falschgeschrieben wurde und dadurch ein Grammatikfehler entstanden ist, ist dermaßen lächerlich.
    Eine kleine Bemerkung ist nicht verboten, aber dermaßen auf dem Verfasser herumzuhacken, vermutlich aufgrund der eigenen unermesslichen Langeweile, ist PEINLICH. Nicht etwa, einen Fehler einzubauen, auch wenn er normalerweise vermieden werden sollte.

    19 Leser-Empfehlungen
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    dass (sic!) in der ZEIT korrektes Deutsch geschrieben wird.

    Für den Praktikanten, der den Text verfasst hat, hier noch ein Link, dessen Ziel helfen soll, derlei Fehler fürderhin zu vermeiden:
    http://www.das-dass.de/

    Die Leute hier im Forum regen sich über diese stilistischen, grammatikalischen und orthographischen Mängel wahrscheinlich deswegen auf, weil es eine bestimmte Haltung zu reflektieren scheint. Wenn die textproduzierenden Professionellen nicht mehr darauf achten wollen, dass alles, was sie erstellen und publizieren fehlerfrei ist und eine gewisse Qualität aufweist, dann wird langsam alles mögliche akzeptabel. Ist ja dann vielleicht auch egal, wie gut recherchiert wird.
    Wenn man sich als Profi selbst respektiert, dann sollte so etwas eigentlich nicht vorkommen, auch wenn das Publikum, welches sich an eine Art telegraphische Ausdrucksweise dank SMS, Chats, und sogar eMails gewöhnt hat, dies nicht unbedingt zu schätzen weiss. Aber der eigene innere Standard sollte sich vielleicht durch eine gewisse Unabhängigkeit von der Populärkultur und öffentlichen Meinung auszeichnen, und sich vielleicht eher an Prinzipien orientieren. Und eins dieser Prinzipien üblicherweise ist, möglichst fehlerfrei zu arbeiten, oder zumindest nach Perfektion streben.

    dass (sic!) in der ZEIT korrektes Deutsch geschrieben wird.

    Für den Praktikanten, der den Text verfasst hat, hier noch ein Link, dessen Ziel helfen soll, derlei Fehler fürderhin zu vermeiden:
    http://www.das-dass.de/

    Die Leute hier im Forum regen sich über diese stilistischen, grammatikalischen und orthographischen Mängel wahrscheinlich deswegen auf, weil es eine bestimmte Haltung zu reflektieren scheint. Wenn die textproduzierenden Professionellen nicht mehr darauf achten wollen, dass alles, was sie erstellen und publizieren fehlerfrei ist und eine gewisse Qualität aufweist, dann wird langsam alles mögliche akzeptabel. Ist ja dann vielleicht auch egal, wie gut recherchiert wird.
    Wenn man sich als Profi selbst respektiert, dann sollte so etwas eigentlich nicht vorkommen, auch wenn das Publikum, welches sich an eine Art telegraphische Ausdrucksweise dank SMS, Chats, und sogar eMails gewöhnt hat, dies nicht unbedingt zu schätzen weiss. Aber der eigene innere Standard sollte sich vielleicht durch eine gewisse Unabhängigkeit von der Populärkultur und öffentlichen Meinung auszeichnen, und sich vielleicht eher an Prinzipien orientieren. Und eins dieser Prinzipien üblicherweise ist, möglichst fehlerfrei zu arbeiten, oder zumindest nach Perfektion streben.

  5. dass (sic!) in der ZEIT korrektes Deutsch geschrieben wird.

    Für den Praktikanten, der den Text verfasst hat, hier noch ein Link, dessen Ziel helfen soll, derlei Fehler fürderhin zu vermeiden:
    http://www.das-dass.de/

    5 Leser-Empfehlungen
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    Wenn Sie sich den Artikel mal aufmerksam durchgelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass er die Regel meistens eingehalten hat.

    Für Sie habe ich übrigens auch einen Link herausgekramt:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Redaktion

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben das geändert.

    Werter Tengri Lethos,
    hätten sie genau hingeschaut,hätten sie feststellen können,dass der Autor dieses Artikels kein Praktikant ist sondern Christoph Drössler. Er gründete das Magazin "Zeit Wissen" und er ist seit 1998 in der Redaktion vertreten. Das nächste Mal bedenken sie bitte, erst zu lesen und dann zu kommentieren.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wenn Sie sich den Artikel mal aufmerksam durchgelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass er die Regel meistens eingehalten hat.

    Für Sie habe ich übrigens auch einen Link herausgekramt:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Redaktion

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben das geändert.

    Werter Tengri Lethos,
    hätten sie genau hingeschaut,hätten sie feststellen können,dass der Autor dieses Artikels kein Praktikant ist sondern Christoph Drössler. Er gründete das Magazin "Zeit Wissen" und er ist seit 1998 in der Redaktion vertreten. Das nächste Mal bedenken sie bitte, erst zu lesen und dann zu kommentieren.

    Mit freundlichen Grüßen

  6. ...betrifft kleine Rosinen.

    Ihr seit doch alle nur neidisch, dass der Ferfasser mit einer intresanten Information aufwaten kann, wehrend ihr euch nur mit der blöden Rechtschreibung aufhaltet und dabei selbst beweireuchert.

    Danke für den kurzen, aber netten Artikel.

    14 Leser-Empfehlungen
    • tk1986
    • 03.11.2012 um 10:25 Uhr

    Der Satz "Der Satz müsste eigentlich heissen" müsste eigentlich "Der Satz müsste eigentlich heißen" heißen...

    11 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Peinlich, peinlich"
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    > Der Satz "Der Satz müsste eigentlich heissen" müsste
    > eigentlich "Der Satz müsste eigentlich heißen" heißen...

    dann darf ich auch mal: Bitte kein Kulturimperialismus! In der Schweiz muss heißen heissen heissen.

    > Der Satz "Der Satz müsste eigentlich heissen" müsste
    > eigentlich "Der Satz müsste eigentlich heißen" heißen...

    dann darf ich auch mal: Bitte kein Kulturimperialismus! In der Schweiz muss heißen heissen heissen.

  7. Außer natürlich, dass der der die Stifte zuerst hat, auch zuerst malt. Im Übrigen ist Reformrechtschreibung ein tolle Sache. Wenn ich aber Worte sehe wie "ortografiefest", dann ist die Reform aber zu weit gegangen. Das tut ja schon rein vom Sehen her weh.

    Eine Leser-Empfehlung

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