Hochschulreform : Bologna 2012
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Mit dem Bachelor in den Beruf?

Ziel: Arbeiten schon nach dem Bachelor

Was daraus wurde: Der Wille ist da. 84 Prozent der Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, wollen Bachelorabsolventen einstellen, so die Studie Mit dem Bachelor in den Beruf vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Am beliebtesten sind dem Bericht zufolge Wirtschaftswissenschaftler mit Bachelor. Bundesweite Projekte wie die »Bachelor Welcome!«-Initiative fördern junge Berufseinsteiger.

Das HIS hat ermittelt, dass drei Prozent aller Bachelorabsolventen ein Jahr nach ihrem Abschluss noch keinen Job gefunden haben, bei Absolventen mit traditionellem Examen sind dies vier Prozent. Allerdings ergab eine Untersuchung des Forschungszentrums Incher unter den Uni-Absolventen der Jahrgänge 2007 und 2008, dass sich der Anteil der unbefristet Beschäftigten anderthalb Jahre nach ihrem Abschluss je nach Fach erheblich unterscheidet: In Mathematik und Naturwissenschaften waren die Bachelorabsolventen mit 45 Prozent weit entfernt von traditionellen Abschlüssen (68 Prozent) und Masterabschlüssen (69 Prozent), in Kultur- und Sozialwissenschaften unterschieden sich die Quoten dagegen kaum. Ingenieure mit Diplom haben heute immer noch eine deutlich höhere Beschäftigungsquote als solche mit Bachelor und Master.

Die Unterschiede kommen auch daher, dass ein Bachelorabsolvent oft erst einmal nur zum Ausprobieren auf den Arbeitsmarkt geht – und auch so von außen wahrgenommen wird. Wer keinen Job findet, kann sich ja einfach wieder einschreiben. Das nimmt Arbeitgebern den Druck, tatsächlich unbefristete Stellen anzubieten.

Ziel: Europäische Hochschulen sollen attraktiver werden

Was daraus wurde: Der Anteil ausländischer Studenten in Deutschland lag 1999 bei 6 Prozent und stieg 2011 auf 8,3 Prozent, ergab eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes und des HIS. 2011 wurden fast 10 Prozent aller Hochschulabschlüsse von ausländischen Absolventen erreicht, die meisten kamen aus den Nicht-EU-Ländern China, Türkei und Russland. Auch die Zahl ausländischer Professoren ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.

Mit dem Bologna-Prozess scheint die Vereinheitlichung der Hochschulbildung in Europa voranzukommen, viele Punkte in der Praxis sind aber noch umstritten. Daher unterscheiden viele zwischen den Zielen des Prozesses und deren Umsetzung, kritisiert wird oft nur die Verwirklichung, so auch von der GEW: »Die Ziele sind gut, an der Umsetzung muss man noch arbeiten«, sagt Andreas Keller. Die nächste nationale Bologna-Konferenz des Bildungsministeriums war für Mai dieses Jahres angekündigt. Bislang hat sie noch nicht stattgefunden.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Propaganda?

Für mich ist diesre Artikel sehr fragwürdig, denn er bietet explizit keine Antwort, auf die Frage, ob es nun ein Erfolg war, während implizit schon darauf verwiesen wird, dass dem so sei.

Allerdings, die größten Fehler der Reform werden umgangen.

Zur Vergleichbarkeit. Das was da steht, heißt einfach nur: Viele Studenten haben eine Abschluss mit gleichem Namen. Mehr auch nicht.
Ein "Bachelor" kann vieles bedeuten, es heißt noch lange nicht, dass die Studiengänge vergleichbar sind. Beispielsweise ist die Notengebung oft sehr unterschiedlich (in einigen Bereichen ist eine 2,7 schon höchster Tadel) und die Arbeitsbelastung sowieso. Das ein Semester 30 Credits sind, egal was, ist eine typisch bürokratische, dämliche Entscheidung.

Zum Job mit Bachelor: Da muss differenziert werden! Das hängt extrem vom Studiengang ab! Wer beispielsweise Naturwissenschaftler werden will, muss einen Master machen. Wer in die Richtung Management geht, nicht unbedingt. Was die 84% angeht: So eine Zahl in einen Artikel einzuflechten bringt nur dann etwas, wenn der Kontext dazu auch geliefert wird.

Was die 3% angeht: Diese Angabe ist in dieser Form völlig wertlos. Wovon 3%? Von allen Absolventen, also auch denen, die gleich weiter machen? Von denen, die nicht im selber Jahr weiter machen? Von denen, die sich direkt nach dem Bachelor als Arbeitssuchend melden? Von einer beliebigen befragten Gruppe Absolventen?
Das klingt für mich wie eine klassische Beschönigung von statistischen Daten.

Ein Glück...

...dass wir willfährig ein Bildungssystem aus Staaten kopiert haben, die allesamt gravierende Probleme mit dem Arbeitsmarkt haben, auch wegen eben dieser Systeme.

Und das alles für die OECD-Bildungsquote... klar, wenn ich so eine Quote erreichen will, dann senke ich einfach die Anforderungen und erzeuge mehr Abschlüsse, indem ich z.B. das Vordiplom zum Bachelor mache.

Sogar an den Schulen werden die Abinoten immer besser, wie man dieser Tage wieder lesen konnte.

Nachbar-Uni statt Nachbarland kann schon ein Problem werden

Die OECD-Bildungsquote wäre einfacher zu erreichen gewesen: Die Fachoberschulen werden zu "Collges" und die Medizinisch-Technische Assistentin zum "Bachelor of Medical Management". So ähnlich sieht es nämlich in den Ländern mit den höchsten Akademikerquoten aus.

Hauptproblem dürfte die Zersplitterung der Studiengänge sein. Konnte früher ein Chemiker nach dem Vordiplom von Köln nach Münster oder Heidelberg wechseln, jetzt ist für den Bachelor in Geowissenschaften von der Uni Bochum der Wechsel zum Master in Geowissenschaften nach Marburg vielleicht schon nicht mehr möglich, weil sich die Schwerpunkte innerhalb des Gebietes zu sehr unterscheiden könnten (willkürliches Beispiel, kann sein, dass es in dieser Konstellation doch möglich ist), selbst ein Wechsel von Bochum nach Essen könnte bei manchem Fach schon ein Problem darstellen. Das ist dann das Gegenteil des vorgeblich gewollten...

Was ändert sich am direkten

Studienbetrieb? Die Probleme, vor allem der überfüllten Lehrveranstaltungen, des Personalnotstands, der mangelnden individuellen Förderung und Betreuung sind nicht nur geblieben, sie haben sich vermehrt, weil die finanziellen Mittel fehlen, es jedoch jährlich mehr Studienbeginner gibt.
Es bleibt dann noch die Frage ob 6Semester Studium wirklich schon qualifizierend sind, bzw. ob es sich lohnt, mit 22Jahren dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung zu stehen, anstatt das Wissen zu vertiefen.
Die wichtigste Frage ist jedoch die, der Nachhaltigkeit, bei der Menge an vermittelten Lernstoff, innerhalb kurzer Zeit. Hier besteht meiner Meinung nach das größte Problem. Die meisten Bachelorstudenten, welche mir bekannt sind, lernen innerhalb kürzester Zeit eine Unmenge, geben diese in den Prüfungen wieder und drücken danach den Löschenknopf im Kopf, weil sie sonst keinen Platz für neue Inhalte haben. Da kann man die Frage stellen, ob eine Erweiterung auf 8Semester sinnvoll wäre, wobei man dann fast schon wieder auf dem Level des Magisters wäre.
Insofern ist es sicher ok, das Studium international anzupassen, aber man muss sich auch die Frage stellen, was die grundsätzliche Aufgabe der Universität ist und ob diese Aufgaben wirklich noch erfüllt werden können.

und im MINT-Bereich...

Dies ist wohl auch in so manchem MINT-Fach mancherorts passiert. Der Bachelor soll halt "berufsqualifizierend" sein.

Diese Anforderungen ist in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern absurd: Entweder werden konkurrierend zur gewerblichen dualen Ausbildungen Techische Assistenten und Laboranten (Chemisch-Technischer Assistent, Biologielaborant etc.) ausgebildet, diese können aber in 2 Jahren nie und nimmer einen wissenschaftlichen Abschluss im Master nachholen, oder aber alle wesentlichen Inhalte des Diploms (4 Jahre plus Abschlussarbeit) werden in den Bachelor (3 Jahre minus Abschlussarbeit) gequetscht. Und bei Fächern wie Chemie, Physik, Mathematik, Maschinenbau und Elektrotechnik war schon im Diplom nicht nur der Anteil der Abbrüche, sondern auch der Anteil von "Ehrenrunden" nicht gering...