StaatsanleihenMeine Wette auf die Griechen

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Schon seit mehr als zehn Jahren halte ich mich beim Anlegen unserer Ersparnisse an eine einfache Erkenntnis: Kolja, du bist nicht schlauer als der Markt, du bist so doof wie alle anderen. Darauf beruht meine Anlagestrategie. Klingt komisch, ist aber so.

Diese Einsicht bedeutet für mich, dass ich nicht versuche, genau die Aktie zu finden, die demnächst durch die Decke geht. Und auch nicht anstrebe, genau den Moment zu erwischen, zu dem man sein Geld unbedingt in Anleihen, Gold, oder was auch immer gerade angesagt ist, stecken muss. Nein, ich verteile die Ersparnisse über einen breiten Mix einmal festgelegter Sparformen, und in die zahle ich dann stur ein – egal, wie die Märkte gerade schwanken. In regelmäßigen Abständen geht etwas Geld in verschiedene Typen von Aktien- und Anleihefonds, in Bundesanleihen, in einen Riester-Vertrag und in die betriebliche Altersvorsorge. Diese Streuung hat sich bewährt. Es gab keine Monstergewinne, aber einen langfristigen Wertzuwachs.

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Nur einmal bin ich von dieser Strategie abgewichen. Das war im vergangenen Dezember. Ein Kollege setzte mir den Floh ins Ohr, man müsse auf griechische Staatsanleihen setzen. Deren Kurs war aus Angst vor einem Schuldenschnitt stark gefallen. Der Kollege meinte: Die EU wird die Griechen nicht fallen lassen, sie werden ihre Schulden begleichen. Wer daran glaube, könne einen hübschen Gewinn einheimsen. Und selbst wenn es doch zu einem Schuldenschnitt um 30 bis 40 Prozent käme, erhielte man zumindest seinen Einsatz zurück. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund – Nervenkitzel, Gier? – machte ich mit. Natürlich nur mit einem kleinen Teil der Ersparnisse.

Im März kam der Schuldenschnitt. Meine Bank tauschte meine Anleihen im Depot einfach gegen neue Papiere, Widerspruch zwecklos. Der Nennwert von 100 Euro schrumpfte über Nacht auf die Hälfte, also noch stärker als erwartet. Und der Kurswert lag auch bei den neuen Anleihen noch mal darunter.

Inzwischen hat sich der Kurs zwar ein wenig erholt. Aber ein Reinfall war es trotzdem. Wie groß mein Verlust am Ende genau sein wird, zeigt sich erst, wenn alle Papiere fällig geworden oder verkauft sind. Zuletzt lag ihr Wert jedenfalls bei wenig mehr als der Hälfte des investierten Geldes.

Klar ist: Die anderen Anleger (»der Markt«) haben das Pleiterisiko nicht so schlecht eingeschätzt. Jedenfalls lagen mein Kollege und ich, in Erwartung des großen Reibachs, voll daneben. Womit ich mich wiederum bestätigt sehe: Kolja, du bist nicht schlauer als der Markt. Danach solltest du handeln.

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