Hochschuldidaktik : Humor im Hörsaal
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"Wissenschaftler sind insgesamt zu ernst"

ZEIT: Ein anderes Ihrer typischen Stilmittel ist der vorgetäuschte Handyanruf – wie funktioniert der?

Suda: Wenn ich erzählen will, was in der Vorlesung vorkommt, tue ich so, als ob ein Student aus der U-Bahn bei mir anruft und erzähle ihm, was er heute verpasst.

ZEIT: Allein dass Sie in ein Handy sprechen, erhöht schon die Aufmerksamkeit?

Suda: Es ist gar kein Handy. Meistens nehme ich die Fernsteuerung des Beamers. Das funktioniert. Was man anwendet, muss aber zum Stoff passen. Es geht nicht um Klamauk, sondern in erster Linie darum, Aufmerksamkeit zu wecken, zu halten oder wiederzugewinnen.

ZEIT: Haben Sie sich diese Art der Wissensvermittlung selber beigebracht?

Suda: Ich habe in der Schweiz, bei Emil Herzog, eine Ausbildung zum Manager of Business-Entertainment gemacht.

ZEIT: Wie ist die Reaktion der Kollegen? Sieht Sie mancher als Klassenkasper?

Suda: Es gibt sicherlich das ein oder andere Kopfschütteln. Manche Kollegen sind neugierig, den anderen sind ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen wichtig, und wieder andere machen humorlose, aber trotzdem sehr gute Vorlesungen. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich gebe aber auch zusammen mit meiner ehemaligen Kollegin Renate Mayer Kurse über »Humor in der Wissensvermittlung«. Das Potenzial der Kollegen ist gewaltig, da haben wir schon viele wunderbare »Auftritte« erlebt.

ZEIT: Besteht eine reelle Chance, dass sich Humor in der Wissenschaft auf breiterer Front durchsetzt?

Suda: Der kleine Überlappungsbereich hat durchaus das Potenzial, etwas größer zu werden. Aber gänzlich werden sich Wissenschaft und Humor niemals überlappen. Dazu sind die Wissenschaftler insgesamt zu ernst. Humor erfordert auch, von sich selber Abstand zu nehmen, sich selber nicht so ernst zu nehmen.

ZEIT: Gibt es ein typisches Element, mit dem Sie die Vorlesung beenden?

Suda: Ja, die »Schlagzeile«. Ich teile die Studenten in Vierergruppen ein und sage: »Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer Redaktion und sollen über die heutige Stunde eine Schlagzeile entwickeln. Sie haben 60 Sekunden Zeit.« Dann frage ich die einzelnen Gruppen ab: Welche Zeitung, welche Schlagzeile? Schließlich sage ich: »Der Chefredakteur hat jetzt jede Menge gute Vorschläge, vielen Dank, kommen Sie gut nach Hause.«

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nun ja

Hört sich ehrlich gesagt nach Bildungskindergarten an.

Eine trockene Vorlesung ist nicht schön und hier und da ein Scherz oder ein Gack ist eine gute Sache.

Aber ehrlich, das hier sind Dinge, die ich eher in einem Kindergarte erwarte.

Summ-Abstimmung?

Und wer so etwas plant, ist meist einfach nur peinlich. Es gibt nichts schlimmeres, als geplante Gacks. (Mal den künstlerische Betrieb ausgenommen)

Gag oder "Gack"?

Oder um es anders zu sagen: Ist es wirklich lustig oder eher peinlich?

Ich denke das muss zur Person passen. Es gibt Leute, bei denen ich sowas saukomisch fand, bei anderen eher nicht. Das ist immer situativ und muss passen und authentisch sein. Aber durch allgemeines Ablehnen kann man eine Position ja wohl kaum nachvollziehen.

Sicherlich auf den ersten Blick merkwürdig aber im Zweifelsfall sollte man immer im Praxistest herausfinden ob es wirklich hilft. Und ich würde mir persönlich in den Hörsälen wünschen. Weil aufmerksames Zuhören funktioniert da wirklich sehr selten auch wenn viele das beschwören. Effektives Lernen funktioniert was immer über viele Sinne.

Eine Summ-Abstimmung ist durchaus sinnvoll

Wie sie sicher gelesen haben, hilft es, die Anonymität des einzelnen zu wahren. Bei kritischen Fragen kann so was sehr gut funktionieren, um überhaupt Feedback zu erhalten. Über ein akustisches Signal kann man auch den Grad der Zustimmung variieren. Hand heben ist nur ein ja/nein-Signal, aber ich kann lauter oder leiser summen.

Wenn ich mal frech sein darf: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.

Ehrlich gesagt:

Ich finde seine Ideen sehr interessant und hätte mich zur Studienzeit über etwas mehr Humor in den Vorlesungen gefreut.

Die meist sehr nüchterne Herangehensweise der Professoren war in erster Linie betäubend, ein kleiner Scherz ab und an waren die wenigen Ausnahmen des ansonsten klassischen Frontalunterrichts (vom Beamer abschreiben und dabei zuhören).

Selbst in solchen auf den ersten Blick ungeeigneten Fächern wie höherer Mathematik sind hunorvolle Ausgestaltungen möglich, wenn der Prof mathematische Therme mit unterhaltsamen Beispielen erklärt.

Ich würde gern eine seiner Vorlesungen hören, es klingt spannend. Allerdings braucht für diese Art des Vortrags eine gewisse Lockerheit und Ausstrahlung, die vermutlich die wenigsten Professoren, die an Unis unterrichten, besitzen. Bei vielen meiner Profs hätte es einfach nur aufgesetzt gewirkt und damit vermutlich den gegenteiligen Effekt gehabt.

Kritische Fragen

sollten offen diskutiert werden und nicht anonym per Summen abgenickt werden.

Zum einen ist das ganze subjektiv, wer kann denn genau sagen, welche Gruppe nun lauter ist, wenn es nicht eine extreme Mehrheit gegenüber einer extremen Minderheit ist?

Bei einer Abstimmung per Handzeichen ist wenigstens Objektivität gesichert.

Und weiter: Studenten sind keine Kinder und sollten eigentlich erwachsen genug sein, offen für ihre Meinung zu stimmen.

Insgesamt will ich ja gar nichts gegen Humor und Spaß bei der Arbeit sagen, nur ist ein Dozent kein Clown.
Wie gesagt, jemand, der es versteht, ohne zu übertreiben seine Vorlesungen und Seminare aufzulockern macht einen sehr guten Job.

Ich habe beides erlebt, auch in der höheren Mathematik kann man, wenn man es kann, scherzen.
Allerdings ist mir ein nüchterner Unterricht lieber, als eine übertriebene Show mit vorher vorbereiteten Witzen und ähnlichem.

Selten...

...so gelacht!

Zwar ist Politikwissenschaft an sich keine ernstzunehmende Fachrichtung, doch für den Wissenschaftsbetrieb insgesamt ist diese Entwicklung höchst bedenklich!

Es ist ein Charakteristikum der Wissenschaft, dass sie ernst - "trocken - ist, das ist ihr Wesen. Wer "Spass" haben will, sollte sich die Sendung mit der Maus anschauen oder populär"wissenschaftliche" Bücher lesen. Als nächstes lädt Herr Suda wahrscheinlich die Galileo-Redaktion ein...

Was wohl Aristoteles zu Herrn Suda sagen würde...?

mit solidarischem Gruß,
besorgter_mitbuerger