ZEIT: Also bleiben die Griechen im Euro-Raum?

Schäuble: Wir werden den Bericht der Troika abwarten und dann entscheiden.

ZEIT: Es fällt uns schwer, zu glauben, dass die Beamten der Troika das Schicksal der Währungsunion bestimmen.

Schäuble: Das werden sie auch nicht. Aber sie werden uns eine realistische Einschätzung liefern, und dann müssen wir alle in der Euro-Gruppe unsere Schlussfolgerungen ziehen. Es geht vor allem darum, dass Griechenland das tut, was Griechenland tun kann und tun muss. Und das ist für die Regierung in Athen nicht leicht.

ZEIT: Dann muss sich der Bundestag möglicherweise schon bald wieder mit Griechenland beschäftigen und neues Geld bewilligen. Steht Ihre Mehrheit?

Schäuble: Ich spekuliere hier nicht vor dem Bericht der Troika. Aber im Zweifelsfalle brauchen wir jedenfalls keine Angst zu haben. Für die Opposition wäre das doch auch eine Chance, zu zeigen, ob sie ihrer Verantwortung gerecht werden will.

ZEIT: Sie schlagen sich jetzt seit fast drei Jahren mit dieser Krise herum. Das haben Sie auch Helmut Kohl zu verdanken, der eine gemeinsame Währung einführte, ohne die politischen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Schäuble: Für eine politische Union gab es damals keine Mehrheit. Deutschland und die anderen europäischen Staaten standen vor der Wahl, jetzt mit der gemeinsamen Währung anzufangen oder überhaupt nicht anzufangen. Kohl hat angefangen, und das war richtig. Wir hätten sonst heute den Euro nicht.

ZEIT: Darüber wären in Deutschland viele wahrscheinlich ganz froh.

Schäuble: Ich nicht, weil ich glaube, dass Europa und gerade auch Deutschland sehr von der Währungsunion profitieren.

ZEIT: Helmut Kohl hat sich kürzlich darüber beklagt, dass den heutigen Regierenden die Größe fehle.

Schäuble: Er ist nicht der einzige Helmut, der das so sieht. Die Älteren machen sich immer Sorgen, dass die Nachfolger nicht so groß sind wie sie selber. Das war in der Geschichte oft so und ist noch öfter widerlegt worden.