KündigenAnleitung zum Schweinsein

Der ehemalige Aldi-Manager und Buchautor Andreas Straub erklärt mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus, wie man Mitarbeiter effizient unter Druck setzt und rausschmeißt. von Andreas Straub

Streng vertraulich, nur für den internen Gebrauch. Für Anfänger und Fortgeschrittene. Zum Aufhängen an der Pinnwand, als Spickzettel im Dienstwagen, auch für die kleine Entlassung zwischendurch.

1. Köpfe müssen in einem Unternehmen regelmäßig rollen, nur so lassen sich Disziplin und Ordnung dauerhaft gewährleisten. Eine gesunde Angst um den Arbeitsplatz hat der Motivation noch nie geschadet. Wer sich zu sicher fühlt, erschlafft, neue Mitarbeiter hingegen sind anfangs in der Regel billiger und vor allem motivierter als Bestandsmitarbeiter. Und Sie, den Manager, muss man fürchten. Das wird Sie in Ihrer Karriere voranbringen.

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2. Fokussieren Sie Ihre Anstrengungen auf teure Mitarbeiter, also solche mit den höchsten Gehältern, die Sie anschließend durch billigere Kräfte ersetzen. So macht die Entlassung am meisten Sinn und wirkt sich positiv auf die Personalkosten aus. Am besten etwas ältere, solche, die langsamer oder ineffizienter arbeiten als die anderen. Oder die häufiger krank sind. Oder die sich immer wieder kritisch äußern. Für Anfänger aber eignet sich am besten eine alleinerziehende Mama oder 400-Euro-Hilfskraft zum Üben. Da erwartet Sie üblicherweise die geringste Gegenwehr. Arbeiten Sie sich dann Schritt für Schritt hoch.

3. Sie haben sich entschieden, wen Sie entlassen wollen. Fahnden Sie jetzt nach Gründen. Ideal ist es, wenn es tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Mitarbeiter gibt. Wenn nicht, ist Ihre Kreativität gefragt! Interviewen Sie Kollegen und Vorgesetzte des Mitarbeiters, irgendwas kommt dabei immer raus. Wichtig ist, dass Sie sich gegenüber den Quellen über den Mitarbeiter abwertend äußern, damit gleich klar ist, was Sie hören wollen. Sie sollten allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchblicken lassen, dass Sie einen Rauswurf planen, sonst könnten einige Quellen versiegen. Stellen Sie eine Liste mit den Kritikpunkten zusammen. Dokumentation ist das A und O.

4. Mahnen Sie alles ab, was geht. Idealerweise an einem Geburtstag oder Jubiläum. »Erst das Angenehme oder erst das Unangenehme?« wäre eine geeignete einleitende Frage. Versuchen Sie, aus jedem Fehler einen Verstoß gegen den Arbeitsvertrag zu konstruieren. Ob die Abmahnung zu halten ist, spielt zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Die meisten Mitarbeiter verfügen doch ohnehin kaum über juristisches Wissen! Es wird dennoch im Normalfall zu einigen Tränen und Gewinsel beim Mitarbeiter kommen. Wenn Sie Ihre soziale Ader ausleben wollen, halten Sie ein Taschentuch bereit. Beschränken Sie sich auf kurze Gespräche, seien Sie hart, aber suggerieren Sie, dass Sie weiter zusammenarbeiten wollen. Sonst meldet sich der Mitarbeiter womöglich krank oder geht zum Anwalt!

5. Empfehlenswert ist, sich in dieser Phase etwas Zeit zu lassen. Pflegen Sie kleine Schikanen. Neben verstärkten Kontrollen grüßen Sie zum Beispiel den Mitarbeiter nicht mehr, schlagen Sie einen härteren Ton an, halten Sie wichtige Informationen zurück. So entstehen Gerüchte, und wenn Sie später exekutieren, wissen alle, »dass da mal was war«. Hilfreich sind auch unangenehmere oder längere Arbeitszeiten, Spätdienst und Einsätze am Wochenende. Die Aufgaben vergeben Sie nur noch nach »Können«, sie werden also immer sinnloser, primitiver und langweiliger.

Versetzen Sie den Mitarbeiter. Bereits im Vorfeld sollten Sie die neue Umgebung auf den »Problemkandidaten« vorbereiten: Erzählen Sie »mal ganz im Vertrauen«, was da wirklich für ein Mitarbeiter kommt.

6. Bestellen Sie den Mitarbeiter ins Büro, wenn er es nicht erwartet. Lassen Sie ihn ins Besprechungszimmer bringen, das sollten Sie nicht selbst machen. Schließlich haben Sie den Status des Chefs. Lassen Sie ihn ruhig zehn Minuten warten, das erhöht die Anspannung. Sie haben mindestens einen Kollegen mit dabei. Damit bauen Sie eine Übermacht auf und haben im Notfall einen wohlgesonnenen Zeugen. Auf dem Schreibtisch liegt die vorbereitete fristlose Kündigung, eine ordentliche Kündigung und ein Aufhebungsvertrag.

7. Phase eins des Trennungsgesprächs. Jetzt müssen Sie und nur Sie performen! Wenn Sie jetzt nicht Vollgas geben, war die ganze Mühe umsonst! Pauschale Ratschläge sind hier schwierig. Eventuell müssen Sie je nach Verlauf kurzfristig Ihre Taktik ändern. Nutzen Sie jede Äußerung des Mitarbeiters zu Ihren Gunsten: Verdrehen Sie ihm die Worte im Mund, und arbeiten Sie viel mit Unterstellungen. Sagt der Mitarbeiter dagegen fast nichts oder verhält er sich passiv, fragen Sie, ob ihm alles egal sei oder ob er »bereits abgeschlossen« habe.

Stellen Sie sich auf Pausen ein, in denen sich der Mitarbeiter die Tränen aus dem Gesicht wischen muss. Reagieren Sie diesmal darauf mit Unverständnis, und stellen Sie klar, dass die »Mitleidstour« bei Ihnen nicht zieht. Gehen Sie alle Kritikpunkte durch, sodass sich der Mitarbeiter ständig rechtfertigen muss. Sie müssen ihn richtig weichkochen. Stellen Sie Fragen, bei denen der Mitarbeiter nur verlieren kann, wie zum Beispiel: »Haben Sie mir etwas zu erzählen?«, »Woran merke ich, dass Sie noch motiviert sind?«

Provozieren Sie ungeschickte Äußerungen des Mitarbeiters. Stellen Sie beispielsweise einen Sachverhalt bewusst falsch dar. Wenn Ihr Gegenüber das korrigieren möchte, rasten Sie aus: »Wollen Sie damit sagen, dass ich lüge?« Fragen Sie: »Hat Ihr Arbeitgeber etwas falsch gemacht?« oder »Haben wir Ihr Gehalt etwa nicht pünktlich bezahlt?«

Leserkommentare
  1. 2. Tja...

    Solche Typen ändern sich doch nie. Menschen die ihre Karriere über alles stellen und auch über Leichen gehen, braucht keine Gesellschaft. Nun schreibt der HansWurst ein Buch, über genau diese Menschenverachtung und sahnt wahrscheinlich nochmal ab.

    Motivation??? So ein Quark...

    9 Leserempfehlungen
  2. Desahb meide ich Großunternehmen, wo es nur geht. Zu Aldi, Lidl und Co. gehe ich nie. Ich weiß, dass sich das nicht alle leisten können oder meinen, es sich nicht leisten zu können.
    Aber je mehr Menschen sich von solchen verkappten Sklavenhalterbereichen fern halten, um so eher bricht dieses zynische System zusammen. Hartz IV, von Götz Werner als offener Strafvollzug bezeichnet, ist natürlich die politische Grundlage dieser Sklavenhaltung, dieses zynischen Beherrschungssystems.

    14 Leserempfehlungen
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    • wulflam
    • 11. Dezember 2012 15:15 Uhr

    ... auf die Realität dürfte nicht schaden: der hochgelobte Götz Werner zahlt niedrige Löhne und beschäftigt massenweise geringfügig Beschäftigte mit allen Nachteilen für die Betroffenen sowie die Sozialkassen. Aldi, Schlecker und Lidl zahlen dagegen branchenweit am besten und beschäftigen viele Vollzeitkräfte. Schlecker hat vor allem im Osten viele Menschen beschäftigt, die keine Ausbildung = keine Chancen am Arbeitsmarkt haben. Lidl zahlt einen Mindestlohn von 10,50€ pro Stunde, der weit über dem Forderungen von SPD und Linken liegt.

    Aber der Herr Werner verpackt das eben so nett und macht mit seinen Mitarbeitern Theaterworkshops anstatt sie anständig zu bezahlen. Und schwarz/weiß in Reportagen hebt die Auflage ...

  3. moral gibt es hier nicht.

    wer bestimmte unternehmen meidet bewirkt nichts.

    ich kenne nur Leute die bestimmte Unternehmen meiden,die selbst aus GEZ-Geldern bzw. Steuern bezahlt werden,Lehrer,Journalisten etcpp.

    Wenn die jetzt in den Bio oder Gutmensch-Laden gehen,geben sie dort nur das Geld aus,welches der Brutalo-Schlachter oder Ausbeuter vorher der GEZ oder dem Staat als Gebühr oder Steuer gegeben hat.Somit ist solch ein Verhalten pure Augenwischerei und Heuchlerisch.
    Es hat nichts damit zu tun ob man es sich leisten kann,sondern WOHER das Geld kommt,womit man es sich leistet.
    Deshalb kann man das System nur von unten reformieren,dh die standards für eben diese Mini oder kleinstjobs verbessern.
    Bleibt zu hoffen das die Kulturen von bestimmten Einwanderern oder die Demographie auch scheinbar wenig schulisch gebildeten Menschen ein monstermässiges Anspruchsdenken angedeihen lässt,welches Manager zur Verzweiflung bringen lässt.

    2 Leserempfehlungen
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    Werden Sie doch selbst Lehrer oder Journalist! Dann werden auch Sie "aus GEZ-Geldern bzw. Steuern bezahlt". Sie können ja trotzdem bei Lidl einkaufen oder Ihre Kinder dort arbeiten lassen, um das System " von unten (zu)reformieren".
    Falls Ihre Kinder noch zu klein dafür sind, suchen Sie ihnen eine Privatschule, sonst füttern Sie öffentlich bezahlte Lehrer. Wenn das bald alle machen, dürften die Steuern sinken...

  4. Werden Sie doch selbst Lehrer oder Journalist! Dann werden auch Sie "aus GEZ-Geldern bzw. Steuern bezahlt". Sie können ja trotzdem bei Lidl einkaufen oder Ihre Kinder dort arbeiten lassen, um das System " von unten (zu)reformieren".
    Falls Ihre Kinder noch zu klein dafür sind, suchen Sie ihnen eine Privatschule, sonst füttern Sie öffentlich bezahlte Lehrer. Wenn das bald alle machen, dürften die Steuern sinken...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "naja-nicht so ganz"
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    1. beziehe ich selbst gelder aus einer Tätigkeit die von Ausbeutergelder gespeist wird.Ich kann daher auf der Einnameseite nicht boykottieren

    2. meine kinder würde ich überall arbeiten lassen,aber zu Löhnen,die gesetzlich festgelegt sind und mindeststandards haben wie zb in skandinavien.Alles andere gehört verboten.

  5. Ekelhaft. Es wäre interessant zu erfahren, wo der Sarkasmus hier die Realität übersteigt oder ob die Inhalte für bare Münze zu nehmen sind.

    In letzterem Fall wäre es dringend Zeit für einen ALDI-Boykott.

    4 Leserempfehlungen
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    Erinnert mich sehr an das Verhalten meines letzten Vorgesetzten. Nach und nach wird der jeweils älteste oder teuerste Mitarbeiter raussgeekelt. Ziemlich genau auf die beschriebene Weise. Da scheint es irgendwo schon eine ähnliche Anleitung zu geben. Oder es ist Zufall. War schon sehr merkwürdig, das so zu lesen.

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