JobsucheDas Zitat... und Ihr Gewinn

Gerhart Hauptmann sagt: Man darf nicht das Gras wachsen hören, sonst wird man taub. von 

Firmen sind wie Mausefallen: Wer sich als Bewerber vergreift, merkt es erst, wenn er schon festsitzt. Im Vorstellungsgespräch zeigen sich Unternehmen erst einmal von ihrer besten Seite.

Doch drinnen sieht es dann ganz anders aus. Mal entpuppt sich das, was als gutes Betriebsklima verkauft wurde, als Dauerfrost. Mal verdient die Einarbeitung ihren Namen nicht. Mal ist der Vorgesetzte ein Tyrann. Was tun, wenn der Vertrag schon unterschrieben ist? Eine schnelle Flucht per Kündigung dient weder dem Lebenslauf noch dem Selbstwertgefühl.

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Anders als Gerhart Hauptmann es empfiehlt, sollte man als Bewerber das Gras durchaus wachsen hören. Das geht los bei der Stellenausschreibung. Erschien sie mehrfach, alle drei bis sechs Monate wieder? Dann ist klar: Hier springen neue Mitarbeiter ab. Oder werden über Bord geworfen. Wird ein Mitarbeiter zum »nächstmöglichen Zeitpunkt« gesucht? Dann muss ein Arbeitsbrand gelöscht werden. Wer Feuerwehr spielen soll, wird eher verheizt als eingearbeitet.

Auch das Format der Anzeige kann vielsagend sein: Angebliche »Marktführer«, die im Briefmarkenformat inserieren, sind Hochstapler. Oder nur Marktführer in Sachen Geiz. Dasselbe gilt, wenn Sie zum Vorstellungsgespräch gebeten, aber doch nicht eingeladen werden: »Wir können die Kosten für Ihre Anreise leider nicht übernehmen.« Glauben Sie ernsthaft, als angeheuerter Mitarbeiter erwartet Sie später mehr Großzügigkeit?

Warnsignale frühzeitig beachten

Die wichtigsten Warnsignale liefert das Vorstellungsgespräch. Wie wirken die Mitarbeiter, die Ihnen auf dem Flur begegnen? Locker, unbeschwert, fröhlich? Oder ähneln sie eher einer Trauerprozession? Welcher Ton herrscht zwischen den Gesprächsführern? Sprechen sie wertschätzend und herzlich miteinander, oder sind ihre Stimmen eher kalt und ätzend? Und wie wird die Sekretärin behandelt, die den Kaffee bringt? Hört sie ein paar nette Worte? Wird sie ignoriert? Gar angepfiffen, weil der Süßstoff fehlt?

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Auch die Vorbereitung Ihrer Gesprächspartner spricht Bände. Wenn Ihnen Fragen gestellt werden (»Waren Sie eigentlich schon mal im Ausland?«), die verraten, dass Ihr Lebenslauf nicht gelesen wurde, weil Sie mehrfach im Ausland waren und das auch angegeben haben, dann kann das zweierlei bedeuten: Entweder herrschen hier Chaos und Arbeitsdruck – darum sind alle ziemlich unvorbereitet. Oder die Mitarbeiter und Ihre Auswahl werden gar nicht erst ernst genommen. Dann: Gute Nacht!

Dutzende solcher kleinen Warnsignale fügen sich schließlich zu einem Gesamtbild zusammen. Wer diese Zeichen beachtet, kann eine Mausefalle rechtzeitig wittern und sie umgehen.

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Leserkommentare
  1. Sehr guter Beitrag dem ich aus Erfahrung zustimmen kann. Zwar waren meine Erfahrungen nicht so extrem, aber die im Artikel angesprochenen Hinweise und Zeichen, die eher unterschwellig sichtbar wurden, sind gute Indizien.

    In größeren Firmen ist es allerdings so, daß dort die Personalabteilungen das uneingeschränkte Sagen haben und dort sind es oft frische Absolventen, die meinen, durch subtile Fragestellungen die Psyche des zukünftigen Mitarbeiters durchleuchten zu können.

    Da ist es dann schon hilfreich, bei der Frage nach der privaten Lektüre keine zu ausgefallenen Schriftsteller bzw. nur Mainstream Schriftsteller anzugeben weil es den Interviewern suspekt vorkommt, wenn man z.B. antwortet, daß man den neuesten DeLillo liest anstatt Steven King, welcher denen eher geläufig. (mir mal bei einem großen deutschen Automobilhersteller passiert).

    Das kann dann dazu führen, dass die Fachabteilung einem schon die Zusage gegeben hat weil man bis in letzte technische Detail schon das Aufgabengebiet und das nächste Projekt geklärt hat, aber die Personalabteilung einem dann ein Strich durch die Rechnung macht :-|

    Aber die größten Windbeutel und Aufschneider habe ich bei den (Print)Medien erlebt (auf die sich hier der Artikel wohl auch eher bezieht, die "ZEIT" möge mir meine Erfahrungen verzeihen) weil es dort oft nach dem Hire-und Fireprinzip geht, denn Ingenieure sind, im Gegensatz zu Redakteuren eher rar.

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    • IQ130
    • 13. Dezember 2012 21:43 Uhr

    gibt es übrigens auf beiden seiten.

    Ein Bewerber behauptete, er könne Spanisch. Dann wechselte ich in diese Sprache. Dann meinte er, er hätte erst ein paar Stunden gelernt.

  2. Mittlerweile habe Sie sich zurecht den Ruf erworben, realistisch auf die Arbeitswelt zu schauen. [...]
    Zum Thema: Ich kann mich Nimzo nur anschließen: Kündigen und zwar möglichst schnell, ansonsten besteht nicht nur die Gefahr das das Selbstbewusstsein im Keller verschwindet, sonder das man selbst auch so ein A... wird.
    Ich selber habe schon Bewerbungsgespräche nach einigen Minuten abgebrochen als ich merkte das ich Blender gegenübersaß. Kann ich jedem nur empfehlen, macht Spaß....

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie darauf, Autor_innen persönlich anzugreifen. Danke, die Redaktion/jp

  3. Auch mir ist es passiert, dass ich bei einem Arbeitgeber angefangen habe, der ein Blender war. Hier gibt es nur eine Möglichkeit: Glatten Lebenslauf vergessen, kündigen, notfalls eine Zeitlang arbeitslos sein. Nichts schädigt die Seele mehr, als jeden Tag zu einem Unternehmen zu müssen, wo so einiges im Argen liegt. Wir verbringen den größten Teil des Tages auf der Arbeit, und wenn die nicht überwiegend stimmig ist (ich rede hier nicht von den kleinen Herausforderungen, die selbst der beste Job mit sich bringt), dann kann die knappe Freizeit nicht für Erholung und neue Kraft sorgen.
    Es ist die Mühe wert, vor dem endgültigen Schnitt festzulegen, auf welche Dinge, Dienstleistungen, Verpflichtungen man verzichten kann, um den Gehaltsverlust auszugleichen, und dann aktiv an der vielbeschworenen "Work-Life-Balance" zu arbeiten.
    Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Arbeit überwiegend zufriedenstellen sollte, und dass jedes Ungleichgewicht einfach nur krank macht, gleichgültig, wie die Gehaltsstruktur aussieht.

    Liebe Grüße
    Bastetqueen

  4. Klar ist, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zeigen sich beim Bewerbungsgespräch in der Regel von der besten Seite. Selten sind beide Seiten im regulären Arbeitsverhältnis positiv überrascht.

    Obige "Tips" im Text möchte ich auch noch von anderer Seite beleuchten:

    >Erschien sie mehrfach, alle drei bis sechs Monate wieder? Dann ist klar: Hier springen neue Mitarbeiter ab.

    -> oder: hier werden mehrere Stellen gleichen Typs aufgebaut - eventuell gar eine neue Abteilung mit dementsprechenden Chancen. Eventuell gehen auch mehrere personen zeitnah in Rente/Babypause etc.
    Hier würde ich statt "dann ist klar..." empfehlen: einfach mal nachfragen, warum dies so ist.

    >Wird ein Mitarbeiter zum »nächstmöglichen Zeitpunkt« gesucht? Dann muss ein Arbeitsbrand gelöscht werden.

    --> Eventuell ein Arbeitsbrand, eventuell wird auch hier etwas neues aufgebaut - da ist der Zeitpunkt egal. Eventuell möchte man auch die Übergabe vom Vorgänger (Rente, Babypause etc..) baldestmöglich einleiten.
    Hier würde ich statt "dann ist klar..." empfehlen: wieder einfach im Bewerbungsgesrpäch oder schon davor am Telefon nachfragen.

    >Auch das Format der Anzeige kann vielsagend sein: Angebliche »Marktführer«, die im Briefmarkenformat inserieren, sind Hochstapler. Oder nur Marktführer in Sachen Geiz.
    --> Hier würde ich eher eine Recherche (idealer weise nicht nur online) empfehlen statt voreilig Schlüsse zu ziehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Trypsin
    • 18. November 2012 13:57 Uhr

    Kein Personaler würde einem die Wahrheit sagen, warum einige Stellen immer wieder ausgeschrieben werden.
    Da ich mich schon einige Jahre mehrmals bewerben musste, kenne ich mittlerweile sehr viele Firmen, die seit Jahren, die gleichen Stellenanzeigen schalten. Und parallel dazu sollte man sich dann die AG-Bewertungen, z.B. bei Kununu oder mein-chef.de anschauen. Wenn die AGs massenweise schlecht bewertet wurden und von einer extrem hohen Mitarbeiterfluktuation berichtet wird, kann man daraus einiges erkennen. In meiner Ex-Firma wurden innerhalb eines Jahres über acht Leute entsorgt (max. 50 Mitarbeiter insgesamt in der Firma) Diese Firma schreibt regelmäßig Stellenanzeigen aus- warum wohl?!
    Übrigens ist das gleiche Phänomen auch in der Forschung zu finden. Beliebte kompetente Arbeitsgruppen brauchen gar keine Stellen ausschreiben, weil sie auch so großen Zulauf haben. Die Gruppen, die oft Stellen ausschreiben, haben in der Regel in ihrem Institut einen sehr schlechten Ruf und finden deshalb keine neuen Praktikanten, Diplomanden und Postdocs Vorort.

  5. >Auch die Vorbereitung Ihrer Gesprächspartner spricht Bände. Wenn Ihnen Fragen gestellt werden, die verraten, dass Ihr Lebenslauf nicht gelesen wurde...Dann: Gute Nacht!

    --> Es gibt HR-Experten, die genau dies zum Einstieg empfehlen: sich teile des Lebenslaufs nochmals erzählen zu lassen - soll unter Anderem die Aufregung beim Bewerber zu Beginn des Gesprächs senken.

  6. Wichtig für jeden Bewerber ist und bleibt, bereits beim ersten Gespräch über die eigenen Ziele zu verhandeln und darauf zu bestehen, diese soweit möglich in den Arbeitsvertrag einfließen zu lassen.
    Später Soll-Ist-Situation regelmäßig überprüfen und Abweichungen sofort ansprechen.
    Gibt es Anzeichen, dass der/die Personaler(in) überfordert oder nicht vorbereitet ist, sollte Bewerber die Initiative ergreifen und das Gespräch selbst steuern.
    Wer das vernachlässigt und den Dingen ihren Lauf lässt, outet sich als Maus und sollte sich nicht wundern, wenn sich die Bedingungen nach Einstellung peu a peu verschlechtern.

    Wer nach ein paar Monaten in der Falle das Handtuch wirft, sollte offensiv damit umgehen; die Kurzanstellung ins CV aufnehmen und Rückfragen beim nächsten Bewerbungsgespräch dahingehend beantwoten, dass sich die Organisation als weit weniger passgenau präsentiert hat, als in der Selbstdarsstellung impliziert wurde. Selbstbewußtsein an der richtigen Stelle zeigen und den Reinfall akzeptieren, ohne sich als armes Opfer darzustellen. Shit happens.

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