ZEIT: Mit welchen Kulturräumen haben Deutsche am wenigsten Probleme?

Thomas: Die direkte Kommunikation funktioniert am besten in deutschsprachigen Ländern, in den Niederlanden und Skandinavien. Danach kommen die USA. Dann wird es schrittweise schwieriger in Frankreich, Italien, Großbritannien, und später China oder Japan. Die meisten Kulturen wollen mehr Beziehungsaufbau haben, als wir das in Deutschland gewohnt sind.

ZEIT: Gibt es überhaupt den richtigen Umgang mit dem Japaner, dem Inder?

Thomas: Ich gebe die Frage zurück: Gibt es den Japaner überhaupt?

ZEIT: Es gibt sicher Tendenzen, Eigenheiten, die sich bei den meisten Japanern finden.

Thomas: Genau. Wir reden von häufig auftretenden Verhaltensweisen. Aber es ist gefährlich, festen Knigge-Schritten zu folgen: »Wenn Sie A sagen, wird B als Reaktion zurückkommen.« Das sorgt für eine trügerische Sicherheit. Wer einfach versucht, ein Rezept anzuwenden, dem fliegt es um die Ohren. Wer dagegen generell wertschätzend mit einer Kultur umgeht, dem werden auch Fehler verziehen.

ZEIT: Sie sagten bereits, dass Deutsche sehr direkt sind. Für welche weiteren Eigenheiten sind wir im Ausland noch so berühmt?

Thomas: In Deutschland ist die Bereitschaft sehr hoch, Regeln freiwillig einzuhalten. Es ist zulässig, auf Fehlverhalten hinzuweisen. Wer bei einer roten Ampel über die Straße geht, dem wird oft zugerufen: »Es ist rot!« Oder ein Fahrradfahrer hört in der Fußgängerzone: »Absteigen!« In Großbritannien, wo ich herkomme, macht man das nicht. So ist das auch beim Geschäftlichen: Feedback ist in Deutschland als sachliche Rückmeldung zum Verhalten einer Person gemeint und funktioniert unter Deutschen auch wunderbar. In Ländern mit einer höheren Personenorientierung fällt es den Leuten schwerer, Feedback zum Verhalten vom generellen Urteil über die Person zu trennen. Das wird schneller persönlich genommen.

ZEIT: Auf welche Länder lassen sich die meisten Teilnehmer Ihrer Seminare vorbereiten?

Thomas: Derzeit geht der Trend in Richtung Golfstaaten, Indien, Rumänien und Ägypten. China ist natürlich wichtig. Auch Japan ist dabei – gerade hier haben Deutsche oft Probleme: Japaner sind sehr harmoniebedürftig, der Unterschied zu den direkten Deutschen ist da besonders groß.