GeringverdienerWir Lohndrücker

Niedrige Gehälter sind eine Ursache für Altersarmut. Vier Unternehmer erklären, warum sie so wenig zahlen – und was sich ändern muss. von , Philip Kovce, Anne Kunze und

Wer für Peter Kowol arbeitet, dem droht Altersarmut. Das ist auch Peter Kowol klar. »Natürlich ist das Lohnniveau an der untersten Grenze«, sagt er. »Für eine anständige Rente reicht das niemals.« Knapp sechs Euro die Stunde verdienen seine Angestellten im Durchschnitt. Kowol sagt, er würde gern mehr bezahlen, aber: »Woher soll ich das Geld für höhere Löhne nehmen?«

Der 65-Jährige aus Göttingen ist Taxiunternehmer. In seinem Gewerbe arbeiten fast 90 Prozent aller Beschäftigten für extrem wenig Geld. In keinem Wirtschaftszweig sind niedrige Löhne weiter verbreitet, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Keine andere Branche entlässt mehr Beschäftigte in eine Rente, die nicht zum Leben reicht.

Anzeige

In diesen Tagen wird viel über Altersarmut diskutiert. Seit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ihre Pläne für eine Zuschussrente vorgestellt hat, streiten Koalitionspartner und Oppositionsparteien darüber, wie durch Änderungen im Rentensystem verhindert werden kann, dass Millionen ein Alter in Armut droht. Am vergangenen Sonntag haben die Spitzen der Regierungskoalition ihr Konzept beschlossen.

Aber ist der Ruhestand überhaupt der richtige Ansatzpunkt, um Armut zu bekämpfen? Müsste man nicht schon früher ansetzen – bei denen, die heute niedrige Löhne verdienen? Wer Altersarmut wirklich verhindern will, sollte sich die Situation im Taxigewerbe genauer anschauen – oder die Friseursalons. Denn die folgen in der traurigen Rangliste der Niedriglohnzahler an zweiter Stelle.

Die ZEIT hat Unternehmer aus dem Niedriglohnsektor gefragt, warum sie so schlecht bezahlen – und was sich ändern müsste, damit die Löhne in ihrer Branche steigen. Die Antworten zeigen: Kunden, Berufsberater, Unternehmer, der Staat – sie alle könnten etwas tun.

Peter Kowol ist so etwas wie der Prototyp eines Taxiunternehmers. Er besitzt zwei Autos und beschäftigt sechs Fahrer. Die Mehrheit der 22.000 Taxiunternehmer in Deutschland sind kleine Selbstständige wie er. Und wie viele seiner Kollegen klagt Kowol über das schlechte Geschäft: »Im Durchschnitt nimmt ein Fahrer bei einer Acht-Stunden-Schicht 120 Euro ein. Da bleibt am Ende wenig übrig.« Kowol bezahlt wie die meisten in der Branche keinen festen Stundenlohn, sondern beteiligt seine Fahrer am Umsatz.

Dass Unternehmer jammern, ist normal. Taxiunternehmer können jedoch nur wenig tun, damit die Dinge besser laufen: Kowol kann zum Beispiel seine Preise nicht erhöhen. Ausgerechnet in der Niedriglohnbranche Nummer eins diktiert der Staat die Regeln. Er setzt die Preise fest, er bestimmt, wie viele Taxibetriebe auf den Straßen fahren dürfen, er begrenzt sogar die Zahl der Fahrzeuge. »All das regeln die Kommunen, jede einzelne unterschiedlich«, erklärt Kowol. »Neben dem öffentlichen Dienst gibt es keine Branche, die stärker reguliert wird als meine.«

Das bedeutet aber auch, dass es der Staat nirgendwo leichter hätte, etwas gegen die geringen Verdienste zu tun. Die Kommunen könnten ganz einfach per Verordnung die Taxitarife heraufsetzen oder über Konzessionen die Zahl der Wettbewerber begrenzen. »Die einzelnen Unternehmen würden dann mehr einnehmen und ihren Fahrern auch mehr bezahlen«, meint Kowol.

Die Grenze zwischen einem normalen und einem besonders niedrigen Lohn zieht das Statistische Bundesamt bei 10,36 Euro pro Stunde. Das entspricht zwei Dritteln des mittleren Lohns, der in Deutschland gezahlt wird. Wer weniger als diesen Betrag bekommt, gilt als Niedriglohnempfänger. Im Jahr 2010 – neuere Zahlen gibt es nicht – betraf das jeden Fünften oder etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland. Bei manchen Berufsgruppen kommt noch Trinkgeld zum Lohn hinzu, aber selbst damit bewegen sich etwa Taxifahrer, die im Durchschnitt 6,85 Euro pro Stunde verdienen, am untersten Rand der Gehaltsskala. Außerdem sind Trinkgelder nicht planbar, und sie erhöhen die Rente nicht.

Die Angestellten von Wolfgang Löffler können nicht einmal mit Trinkgeld rechnen. Sie verkaufen Sandwiches, belegt mit Thunfisch, Hähnchenbrust, Gemüsebratlingen, in Vollkorn- oder Weißbrotstangen, 15 oder 30 Zentimeter lang. Die Kunden zahlen meist passend. 20 Mitarbeiter, darunter drei Azubis, arbeiten in den drei Subway-Filialen, die Löffler im Raum Stuttgart betreibt.

Leserkommentare
  1. Ach ja, die armen Taxifahrer, Subway-Händler etc. ...
    Das es auch anders geht zeigen:

    manomama.de (Textil)
    premium-cola.de (Getränke)

    Erstens wissen viele Leute gar nicht wie viel/wenig in manchen Branchen an Lohn gezahlt wird. Warum sind die Niedriglöhner nicht fähig sich zu organisieren, und wenn es nur dafür ist, eine Anzeige (z.B. im Taxi) einzurichten auf der der Lohn des Fahrers pro Fahrt angezeigt wird?
    Wenn ich mal Taxi-Fahre, dann gebe ich auch gerne Trinkgeld, sofern der Fahrer nett war. Außerdem gibt es MyTaxi und andere Möglichkeiten, einen festen Kundenstamm aufzubauen, die dann regelmäßig Geld bringen, aber das verschweigt der Herr Unternehmer natürlich.

    Es gibt den großen Hebel und der heißt: Verantwortung.
    Wir müssen mit dem neo-kapitalistischen Quatsch, der versucht alles und jeden zu monetarisieren, endlich aufhören und uns überlegen was wir für gute Arbeit zahlen wollen.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sondern schlicht und einfach das Resultat von Können und guter Leistung. Deshalb:Bildung, Bildung und Ausbildung. Dann braucht man natürlich Tatkraft und in Ausnahmefällen nur noch etwas Glück. Wer eben nur Auto fahren kann, kann das was, was andere bei ihrer Arbeit als Monteur oder Vertreter neben her machen. Es wird nicht einmal besonders erwähnt.

    "neo-kapitalistisch" - schön ein neuer kampfbegriff ohne aussage und inhalt.

    "monetarisiert" - ja eh. irgendwie. jedenfalls falsch verwendet. und was daran schlecht sein soll wenn man arbeitskraft in einem geldwert misst sollte auch erklärt werden.

    "Wenn ich mal Taxi-Fahre, dann gebe ich auch gerne Trinkgeld, sofern der Fahrer nett war."

    In den besagten Branchen wird das Trinkgeld von den Arbeitskräften implizit zum Arbeitslohn hinzukalkuliert. Man hat also Trinkgeld zu geben unabhängig davon ob der Taxifahrer nett war oder nicht. Sie berauben den Fahrer um seinen Lohn/Kalkulation wenn sie es nicht tun. Ihnen kürzt auch niemand das Gehalt wenn sie mal nicht nett waren.

    Allein dieses Geschwafel vom neo-kapitalistischen Quatsch in irgendwelchen Foren erhöht keinen Lohn auf ein erträgliches Maß.

    Gerade in den Branchen wo knapp gezahlt wird hat man Trinkgeld zu geben. Aber Sie können halt Kapitalismus besser als alle anderen. Wenn der Fahrer nett war (=höhere Leistung) geben sie ihm auch nen bissl mehr...Heuchelei

    #Es gibt den großen Hebel und der heißt: Verantwortung.
    Wir müssen mit dem neo-kapitalistischen Quatsch, der versucht alles und jeden zu monetarisieren, endlich aufhören und uns überlegen was wir für gute Arbeit zahlen wollen.#

    Sie sind doch Teil des monetarisierwilligen "neo-kapitalistischen Quatsch", wenn ihnen nichts besseres einfällt, als das die zur Ware verkommenen Menschen entsprechend ihrer Leistungseigenschaft bezahlt werden sollen.

    Hätte Sie ein Ende der Warengesellschaft, Erwerbsarbeit, des Aquivalenztausches und damit des Geldes gefordert, ja, das wäre revolutionär gewesen...

    • Rudi059
    • 18. November 2012 18:53 Uhr

    Muss mich immer wieder über Menschen wundern, die sich für Almosen den A.... aufreißen. Es wird allerhöchste Zeit, dass ein Mindestlohn von minm. 10,-€ für alle ohne Ausnahme, eingeführt wird. Wer als selbsernannter Almosenverteiler nicht Willens ist, den Mindestlohn zu zahlen, hat in dieser Wirtschaftswelt nichts verloren. Denn diese "Arbeitgeber" verlassen sich auf das System des Allgemein-Ausgleichs durch die Argen. So kann es aber nicht weitergehen, wie soll so ein Allmosenbezieher für sein Alter vorsorgen? Gar nicht, da alles, was er bekommt, gerade so, für ein karges dahinsichen reicht.

    • Gerry10
    • 08. November 2012 6:52 Uhr

    ...und schon ist der große Hebel gedrückt.
    Sicher kurzfristig wird das zu mehr Arbeitslosen führen, aber mittel und vorallem langfristig sind alle Arbeitnehmer, der Binnenmarkt und damit die Arbeitgeber und auch der Steuern eintreibende Staat besser dran.
    MMn...

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 08. November 2012 7:09 Uhr

    deutscher Unternehmer: Die Lohndrückerei.

    Der Mindestlohn, den Sie verlangen, das hiesse ja, dass alle Unternehmen unter den selben Dedingungen arbeiten! Das hiesse ja, dass sie sich um attraktive Produkte kümmern müssten, um schnelle und kostengünstig organisierte Produktion (und Spedition). Und, wenn es sich nicht gerade um reine Dienstleistung habdelt, natürlich um billige Bank-Kredite.

    Sie müssen doch zugeben: es ist natürlich viel einfacher Löhne zu drücken, auch in Form unbezahlter Überstunden oder "Antreten auf Abruf", als von der Bank eine Zinsreduktion um 0.1 zu erlangen!

    Da ist es doch viel einfacher, die sauber konstruierte Abwärtsspirale in Gang zu halten:
    Die Leute haben kein Geld, das geben sie nicht aus, daher müssen die Löhne sinken, da haben die Menschen kein Geld, ...

    • Chali
    • 08. November 2012 6:58 Uhr

    So gut es ist, der Krise ein Gesicht zu geben:
    Mit etwas Abstraktion ist schon geholfen.

    "Die Binnennachfrage ist seit 1998 flach wie ein Brett", sagt Heiner Flassbeck.
    Und wie man an den ausgewählten Beispielen sieht:
    Alles Binnenmarkt, vorzugsweise Dienstleistung.
    (War das nicht so gewollt? Weg mit den "Relikten des 19.Jahrhunderts, Maschinenbau, hin zur Dienstleistungsgesellschft? Nicht nur im SPIEGEL, auch hier!

    Die "Leute" haben kein Geld, sie sparen. Ist das nicht gewollt? Predigt die Regierung das nicht? Alle Tage?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rudi059
    • 17. November 2012 13:21 Uhr

    Wer von den sogenannten Arbeitgebern sagt, er könne keinen höheren Lohn zahlen, Lügt. Wer nicht in der Lage ist vernünftige Löhne zu zahlen, kann nicht die Allgemeinheit dafür haftbar machen, indem er weinig zahlt und sich darauf beruft, dass die "Arbeitnehmer" ja Aufstocken könnten, eben auf Kosten der Allgemeinheit und ihr Scheffelchen anschließend ins Ausland transferieren. Solche Möchtegern-Arbeitgeber sollten entweder selst Arbeiten, oder aber ihren Betrieb schließen. Denn es kann überhaupt nicht angehen das solches Ungebahren weiterhin gedultet werden kann. Ich kenne übrigens einen Friseur, der jammert genau so, hat aber Geld ohne Ende. Sehr merkwürdig, oder?

    • Chali
    • 08. November 2012 7:09 Uhr

    deutscher Unternehmer: Die Lohndrückerei.

    Der Mindestlohn, den Sie verlangen, das hiesse ja, dass alle Unternehmen unter den selben Dedingungen arbeiten! Das hiesse ja, dass sie sich um attraktive Produkte kümmern müssten, um schnelle und kostengünstig organisierte Produktion (und Spedition). Und, wenn es sich nicht gerade um reine Dienstleistung habdelt, natürlich um billige Bank-Kredite.

    Sie müssen doch zugeben: es ist natürlich viel einfacher Löhne zu drücken, auch in Form unbezahlter Überstunden oder "Antreten auf Abruf", als von der Bank eine Zinsreduktion um 0.1 zu erlangen!

    Da ist es doch viel einfacher, die sauber konstruierte Abwärtsspirale in Gang zu halten:
    Die Leute haben kein Geld, das geben sie nicht aus, daher müssen die Löhne sinken, da haben die Menschen kein Geld, ...

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das klingt alles so schön in dieser schwachen Theorie. Warum?

    Es handelt sich bei den Personen, die kalkuiert werden um Menschen. In der Theorie (des Modells, steht folglich nicht für eine eigene Theorie im engeren Sinne...) fällt gerne herunter, dass menschliche Entscheidungen

    a) nicht immer rational sind (im Sinne des homo economicus)

    bedeutet: Eine ausgelernte Einzelhandelsfachverkäuferin die jahrelang bei Schlecker gearbeitet hat nicht dem Geheiß der Politik folgt und sich umschulen lässt als Erzieherin. Viele Gründe sind gar nicht in dem Modell (der Theorie im weiteren Sinne) vorhanden.

    1) Kann die Person mit Kindern? Manche Menschen mögen kleine Kinder nur mit Abstand.

    2) Ist diese Person geeignet in einem Kindergarten/ Kita zu arbeiten?
    Zum Beispiel altersbedingt, kurz vor der Rente noch mal umschulen... Dann die zuweilen anstrengenden Dienste mit vielen kleinen Kindern, denen die Person ggf. physisch nicht mehr gewachsten ist.

    3) Fragen Sie mal Personen, die nicht in der Tätigkeit beschäftigt sind, hinter deren Entscheidungen zwar die Politik aber sie selber nicht stehen. Die Motivation kann durchaus sehr in den Keller sinken.

    Das sind alles Faktoren, die aufgrund er Unkalkulierbarkeit in das Modell bzw. in die Theorie im weiteren Sinne nicht mit einfließen.

    Soweit my 2 cents... Best E.

  2. kann man natürlich was; das nennt man Politik. Das ließe sich zwar teilweise nur noch auf europäischer Ebene regulieren, aber da auch in Brüssel seit 30 Jahren die Lobbys aus Industrie und Finanz bestimmen, wo es lang geht, wird sich da kaum etwas ändern.
    Dazu kommt das "eherne" Gesetz des Marktes von Angbot und Nachfrage: Um so mehr Arbeitslose einfach irgendeinen Job suchen, um so mehr werden die Löhne natürlich weiter sinken. In Zeiten der Globalisierung bedeutet das schlicht, dass solange irgendwo auf der Welt ein Mensch bereit ist für einen Dollar pro Tag zu arbeiten, wird diese Entwicklung wohl anhalten.
    ...Außer die Politiker beschließen, irgendwann vielleicht wirklich die Interessen ihrer Wähler zu vertreten.

    Eine Leserempfehlung
    • meander
    • 08. November 2012 7:17 Uhr

    Das Problem ist vor allem die Sichtweise: Arbeitslohn ist Teil des Gewinns, Teil des Einkommens, der aus dem Unternehmen erzielt wird. Der Arbeistlohn stellt volkswirtschaftlich KEINE Kosten dar, sondern ist vertraglich gesehen der Anteil am Gewinn bei Verzicht auf Risikobeteiligung.

    Das reale Modell in der Betriebswirtschaft aber hat diese Wirklichkeit verfremdet: Das Risiko liegt heute beim Mitarbeiter und Einzelunternehmer, angestellte Manager arbeiten oft ohne Risiko, können über einen goldenen Handschlag sogar noch an ihren Fehleinschätzungen bzw. -handlungen verdienen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    von denen wir hier sprechen, gibt es keine Manager (Ausnahmen: Sicherheitsunternehmen und Reinigungsbranche fallen mir auf die Schnelle ein), sondern es sind Klein- und Kleinstunternehmer, die selbst von der Hand in den Mund leben.

    Wir Verbraucher sind halt nicht (mehr) bereit, für viele Dinge so viel Geld zu bezahlen, das es braucht, um die Arbeitnehmer halbwegs auskömmlich zu bezahlen. Hemdenbügeln ist ein schönes Beispiel. Und wer möchte für einen Herrenhaarschnitt alle 6-8 Wochen über EUR 40 bezahlen?

    Auch in anderen Branchen hat sich billig durchgesetzt: eine Kinderjacke bekommen Sie bei H&M und Co. für ca. EUR 30, bei Kik oder Aldi noch weniger. Ich kann mich nicht erinnern, als Kind oder Judgendlicher in der 80ern sobillige Jacken getragen zu haben (vor 30 Jahre). Deshalb gibt es fast nur noch Filialisten in den Innenstädten, die Inhaber-geführten Geschäfte sind nach meiner Wahrnehmung in den 90ern weitgehend verschwunden.

    Der Internet-Vertrieb setzt nun auch noch den Vertrieb über Geschäfteunter Druck.

    Diese Preisspirale nach unten/billiger zeigt sich konsequent auch inden dargestellten Branchen.

    • Chali
    • 08. November 2012 7:23 Uhr

    ... lehnen aus solchen Gründen Mindestlöhne ab: Sie fürchten, dass einfache Arbeit endgültig verloren gehen wird."

    Da sind die meisten Ökonomen aber eher Volkserzieher (und Schmalst-Spur-Betriebswerte) und eben keine Marktwirtschaftler.

    Eine Marktwitschaft dient dazu, Fehlallokation von Ressourcen zu vermeiden. Und genau das wird durch Billiglöhne unterbunden.

    Wnn eine Arbeit weder zu einem eigenständigen Lebensunterhalt noch zu einer Grundrente langt, sondern dies durch die "produktiv Beschäftigen" subventionniert werden muss, ist sie marktwirschaftlich fehlallokiert. (Nota bene: Die Arbeit, NICHT die Menschen!)

    Wenn es keinen Markt für das Falten von Hemden gibt - gut. Dafür gibt es einen Markt für Haushalshilfen, (die das schwarz machen,) dann 10 Hemden pro Stunde rür 10 Euro - da können sie dann mit dem Taxi zur Arbeit fahren.

    Wenn es zu viele thütingische Friseusen gibt:
    Gut, schulen wir sie zu schwäbischen Schweissern um. Das mag schmerzlich sein, aber ist wenigstens ein Ende mit Schrecken. Helfen "wir" ihnen dabei.

    Zurück zur Marktwirtschaft!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist immer wieder beeindruckend, welch' "gute" Tipps doch die Menschen zum Vermeiden von "Armut" in unseren Kreisen haben...

    Volks- und betriebswirtschaftliches Halbwahrheiten-Gestammel von ökonomischen Laien mit in Stein gemeißelten Ideologien sind interessant zu hören/lesen, aber keinesfalls Ziel führend und/oder Problem lösend...

    • meander
    • 08. November 2012 7:27 Uhr

    Interessant ist der Blick in die Empirie

    http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/mindestloehne_sch...

    Außerdem: Volkswirtschaftlich haben wir bereits einen Mindestlohn, der allerdings über den Steuerzahler finanziert wird. Nichts anderes verbirgt sich hinter dem Begriff "Aufstocker". Die ökonomische Frage heißt also nicht Mindestlohn ja oder nein, sondern wer bezahlt ihn.

    Wenn dieser über Steuergelder finanziert wird, kommen wir in das typische Moral Hazard Problem. Für Unternehmen ist unsere heutige Regelungen die Chance, Arbeit unter dem Marktpreis anzubieten, da der Ausgleich hierfür ja über die Allgemeinheit stattfindet. Ökonomisch gesehen führt dies in eine Spirale nach unten, denn nicht nur der Aufstocker wird von dieser Regelung getroffen, auch alle Steuerzahler verzichten auf Einkommen bzw. es fehlt an anderen Stellen wie Bildung oder Infrastruktur.

    Die Mindestlohn-Debatte wird in Deutschland zu sehr von Ökonomen bestimmt, deren Ansichten nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen und rein ideologische Argumente verwenden, die noch nicht einmal mit der klassischen Ökonomie haltbar sind.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    *Volkswirtschaftlich haben wir bereits einen Mindestlohn, der allerdings über den Steuerzahler finanziert wird.*
    -
    das sehe ich nicht so,
    der Unterschied ist:

    - einen Mindestlohn bekommt man auch dann ausgezahlt,
    wenn man sich vorher dank verantwortlichen Umgangs mit Geld bereits ein kleines Polster angespart habe

    - Hartz4/Aufstockung nicht,
    womit es sich nicht wirklich um einen Mindestlohn handelt,
    sondern um eine Variante von "Der verantwortungsvoll handelnde ist der Dumme" sowie eine Variante von "verordnete Armut"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service