SchönheitsidealeSchöner, als die Natur erlaubt

Frauen aller Schichten perfektionieren ihren Körper heute mit allen Mitteln: Mit Diäten, Sport und zur Not mit dem Skalpell. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der plastischen Operationen verdoppelt. Der Wahn, ideal auszusehen, erfasst schon Kinder. Reise durch eine gnadenlos schöne neue Welt. von Nadine Ahr

Makellose Taille: Heidi Klum bei den Emmy Awards in Los Angeles im September 2012

Makellose Taille: Heidi Klum bei den Emmy Awards in Los Angeles im September 2012  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Wie eine Märchenprinzessin steht sie da: die Haare lang und blond, die Beine schlank und glatt, die Nase schmal, die Lippen voll, die Augen grün. Wer könnte sie ignorieren, einfach so an ihr vorübergehen?

Gerade steht sie in Halle 10 der Düsseldorfer Messe und verkauft Parfum. Sie ist jung, erst 21 Jahre, und heißt Isabel Gülck. Gülck wie Glück, nur zwei Buchstaben sind vertauscht. Seit Februar trägt Isabel ein Prädikat: Miss Germany. Dieser Rang ist ein Versprechen – es lautet: Ein Jahr lang bist du die Schönste im ganzen Land. Alle werden dich für deinen Glanz bewundern. Du darfst als Model paradieren, auf roten Teppichen flanieren.

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In Halle 10 ist die Auslegware nicht rot, sondern schmuddelig grau mit Kaffeeflecken. Das silberglänzende Abendkleid, das Isabel ihre märchenhafte Aura verleiht, gehört nicht ihr selbst, sondern der Miss Germany Corporation Klemmer GmbH & Co KG. In dieser Robe verkauft Miss Germany Parfum. Ihre Vorgängerin aus dem Jahr 2011 hat die gleichen Flakons auch schon verkauft. Die Prinzessinnen wechseln, der Duft bleibt. »Haben Sie schon mein neues Parfum probiert?«, fragt Isabel all die vorbeiziehenden Besucherinnen, Kosmetikerinnen und Nageldesignerinnen auf der Beauty, der größten Kosmetikmesse Deutschlands. Ihre Frage klingt abgenutzt. Seit sechs Uhr früh ist sie auf den Beinen, jetzt ist es später Nachmittag, ihre Füße sind geschwollen, ihr Magen knurrt. Das Make-up fängt an zu zerfließen.

Acht Stunden lang hat Isabel an diesem Tag ihre Schönheit an ein Parfum verliehen. Am Ende ihrer Schicht zieht sie sich in einem Abstellraum der Messehalle zwischen Saure-Gurken-Gläsern, Buletten und Putzzeug die Schuhe aus und blickt auf ihre Schärpe, die ihr von der Schulter über die Hüfte reicht. »Miss Germany 2012« steht darauf, hinterlegt mit Schwarz-Rot-Gold.

»Ich lebe den Traum aller Mädchen«, sagt sie.

In einer Stunde muss Isabel Gülck den Zug nach Hannover nehmen, dort soll sie eine Misterwahl schmücken. Bis nachts um zwei. In der knappen Zeit, die ihr zwischen den Terminen bleibt, versucht sie ihren Lebensweg aus dem holsteinischen Dorf Horst in diese Düsseldorfer Messehalle zu erklären. Das, was sie »den Traum aller Mädchen« nennt: Um sich diesen Traum zu erfüllen, hat die Tochter einer Friseurin und eines Versicherungskaufmanns lange und hart gekämpft. Die Sehnsucht nach Wertschätzung, die Freude an dem zufälligen Glück, schöner als die anderen zu sein – vermutlich hat Isabels Mutter diese Gefühle geweckt, als sie eine Zusatzausbildung zur Visagistin machte und aus Mangel an Modellen ihre damals zwölfjährige Tochter schminkte. Anschließend machte ein befreundeter Fotograf Aufnahmen von ihr: Isabel als Engel mit halb geöffneten roten Lippen, als sexy Vamp in zerrissenen Jeans. Die Bilder hängen heute noch im Laden der Muter. »Das machst du toll«, sagte der Fotograf. »Was für ein bildschönes Mädchen«, raunten die Kunden. Isabel hörte es und spürte zum ersten Mal: Ich bin etwas Besonderes. Ich werde für mein Aussehen gelobt.

Miss Germany Isabel Gülck

Isabel Gülck wird im Februar 2012 zur schönsten Frau Deutschlands gewählt. Sie setzte sich gegen 6530 Mitstreiterinnen durch.  |  © Patrick Seeger dpa/lsw

Isabel Gülcks Geschichte ist eine wie keine, und doch ist sie die Geschichte der Frau an sich. Die Frau ist »das schöne Geschlecht«. Ihr Zeichen ist das Venussymbol, weltweit verwendet in der Wissenschaft wie in feministischen Zeitschriften: Der Kreis mit dem angehängten Kreuz stellt den Handspiegel der Venus dar. Immer geht es um die Frage: Sehe ich gut aus? Schönheit – oder eben Nichtschönheit – war immer eine entscheidende Eigenschaft aller Frauen und Mädchen.

Schon Homer erzählt, wie ein zehnjähriger Krieg zwischen Griechen und Trojanern entbrennt, der eine einzige Ursache hat: den Raub der schönsten Frau Griechenlands, Helenas – einer Art antiker Isabel Gülck.

Vielleicht kennt Isabel die uralte Geschichte der Helena nicht, aber ihre Botschaft trägt auch sie tief in sich: Eine schöne Frau hat Bedeutung. Eine schöne Frau wird geliebt. Um eine schöne Frau kämpfen die Männer. Deshalb arbeiten Millionen Frauen bis heute mit allen Mitteln daran, schön zu werden oder schön zu bleiben. Obwohl sie wissen, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist. Denn die Schönheit hat einen hässlichen, welken Bruder: den Verlust. Und der bleibt immer Sieger, zuletzt.

Im Grimmschen Märchen Schneewittchen versucht die böse Königin, ihre jugendliche Konkurrentin zu liquidieren – um dem eigenen Niedergang nicht ins Auge blicken zu müssen.

Früher badeten Frauen in Eselsmilch, sie mieden die Sonne, hungerten und schnürten sich ein, um makellos zu erscheinen. Heute stehen ihnen noch ganz andere Mittel der Selbstoptimierung zur Verfügung, die der Schönheitschirurgie, und davon machen mehr und mehr Frauen, auch ganz junge, blutigen Gebrauch. Eine halbe Million Schönheitsoperationen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland durchgeführt, vor fünf Jahren waren es noch nicht halb so viele.

Welches neunjährige Mädchen will heute noch Tierärztin werden, wenn es die physische Ausstattung zum Model hat? Zahllose Teenager tun alles, um das vorgegebene Schönheitsideal zu erreichen. »Streng dich an, und du kannst es schaffen!«, ruft Heidi Klum den drei bis vier Millionen Zuschauerinnen ihrer Fernsehshow Germany’s next Topmodel zu. »Streng dich an!« Das heißt: Wer heute nicht schön ist, trägt selbst die Schuld.

Isabel Gülck hat sich angestrengt: Zweimal bewarb sie sich bei Germany’s next Topmodel, wo das Fotomodell Klum wort- und gestenreich erklärt, dass es nichts Erstrebenswerteres gibt, als schön zu sein. Der Prinz von heute ist eine Jury, der Palast ein Fernsehstudio. Beim Casting im vergangenen Jahr war Gülck eine von 15711 Bewerberinnen. Stundenlang hatte sie vor der Agentur angestanden, um sich dann von einem wildfremden Mann begutachten zu lassen: Beine, Po, Busen. Nach fünf Minuten war alles vorbei. Die spätere Schönheitskönigin Isabel Gülck hatte es nicht mal in die erste Runde geschafft.

»Ich bin zu klein«, sagt sie, wenn das Aufnahmegerät läuft.

»Meine Oberschenkel sind zu dick«, sagt sie, wenn es aus ist.

»Vielleicht«, fügt sie leise hinzu, »hätte ich härter an mir arbeiten müssen.« Sie macht fünfmal in der Woche Sport.

Wenn Isabel Gülck von ihrem Leben als Miss Germany erzählt, dann spricht auch eine ganz normale junge Frau aus ihr. Ein Mensch auf der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein, der vielleicht die letzte Ausfahrt ins Abenteuer nimmt – nur nicht durch Revolte oder Auslandsjahr, sondern durch Schönheit.

Gemessen an den Idealen der Fernsehwelt, stand Isabel Gülck ein trauriges Leben in Unscheinbarkeit bevor: Ausbildung im heimischen Büro des Vaters, danach lebenslänglich Versicherungskauffrau. Die Misswahl war ihr letzter Versuch. Der Ruhm von Deutschlands schönster Frau währt nur ein Jahr, aber manchmal kann man ihn verlängern: Einige Vorgängerinnen Gülcks wurden Schauspielerinnen, andere endeten bei Shoppingkanälen.

Isabel Gülck trat gegen 22 Konkurrentinnen an. In der Jury: der Boxer Arthur Abraham, der Schauspieler Heiner Lauterbach und – wie ein Hohn auf die Kandidatinnen – der unförmige, alte Fußballfunktionär Reiner Calmund. Fragt man Isabel, warum die Wahl auf sie gefallen ist, antwortet sie: »Ich bin pünktlich, diszipliniert und ehrgeizig.«

Dann verschwindet die aktuelle Miss Germany in Richtung Hannover, zurück bleiben Fragen: Was bedeutet es, wenn Schönheit nicht mehr als Geschenk gilt, sondern als Verdienst – durch Fleiß und Disziplin erarbeitet? Und wenn selbst die amtlich Attraktivste in der Schönheit ihres Körpers keinen schicksalhaften Zufall mehr erkennen kann?

Im Osten Hamburgs sitzt eine Frau mittleren Alters in einem Straßencafé und spricht leise über ihre elfjährige Tochter. Niemand soll den Namen der Mutter wissen, auch nicht den des Mädchens zu Hause, mit dem sie viel Kummer hat. Nennen wir das Kind Marie.

Seit einigen Monaten besucht Marie eine Klinik für Essgestörte. Ein Mädchen von 1,50 Meter, 26 Kilogramm leicht. Normal wären 40.

»Marie war immer schon ein ehrgeiziges Kind«, sagt die Mutter, »seit sie eingeschult wurde, war sie eine der Besten in der Klasse.« Ein perfektionistisches, aber auch empfindsames Mädchen – genau darum soll die Journalistin nicht mit dem Kind selbst über Magersucht sprechen. »Sonst käme sie noch mehr ins Grübeln.« So ist es die Mutter, die mit einer Kuchentheke im Rücken erzählt, was geschieht, wenn der Wunsch nach Schönheit zum Wahn wird.

Der Druck des Zeitgeistes ist stärker als die Geborgenheit der Familie

Marie: In den Worten ihrer Mutter war sie ein »lebenslustiges Kind, das gern tanzte, schwamm und Einrad fuhr«. Geborgen in einer intakten Familie, sogar die Großeltern wohnen ganz in der Nähe. Ein Kokon, der zerriss, als Marie aufs Gymnasium kam. Marie musste sich neu beweisen, neue Freundschaften schließen. »Auf einmal war sie in einer Gruppe von Mädchen, denen es nur ums Aussehen ging. Es ging darum, wer schlanker ist und wer die längeren Beine hat.«

Maries Mutter martert bis heute die Frage, wie der Schlankheitswahn so schnell die Seele ihrer Tochter besetzen konnte. Sendungen wie Germany’s next Topmodel darf Marie nicht sehen. Sie wächst auf in einem Haushalt, in dem es keine Modezeitschriften gibt. Und doch fängt Marie an zu hungern. Wie in Mathe, Deutsch und Englisch will sie auch im Wettstreit um den schönsten Frauenkörper die Beste sein. Dabei ist sie noch ein Kind. Isst morgens und mittags eine Scheibe trockenen Toast. Geht abends früh ins Bett und hofft, dass der Schlaf vor dem Hunger kommt.

Die Großmutter merkt: Ihre Enkelin lehnt plötzlich alle Süßigkeiten ab.

Die Mutter bekommt zu hören, Pizza mache dick.

Sie will ihrem Kind helfen, weiß aber nicht, wie. Als sie selbst ein Teenager war, ging es nur um die teuerste Jeans. Heute ist nicht mehr die Marke entscheidend, sondern an wem eine hautenge Hose am besten aussieht. Es sind mittlerweile die Körper, um die die Mädchen konkurrieren. Was soll sie tun? Ihre Fragen werden mit Schweigen oder mit Gebrüll beantwortet. »Ich will nicht so fett sein wie du!«, schreit Marie ihre Mutter an. Die trägt Kleidergröße 38. Sie muss zusehen, wie ihr Kind immer durchsichtiger wird und sich trotzdem zu dick fühlt. Der Druck des Zeitgeists war stärker als die Geborgenheit in dieser Familie, in der es für ein elfjähriges Kind eigentlich keinen Grund zur Verzweiflung geben müsste. Doch wenn es heißt, man könne sich Schönheit erarbeiten, sie sich verdienen, wer wäre dann gefährdeter als eine gewissenhafte Gymnasiastin?

In keinem anderen Land der Welt, das belegt eine Studie der Universität Bielefeld, gibt es so viele normalgewichtige junge Frauen, die sich zu dick finden. In der Untersuchung geht es nicht um Schauspielerinnen oder andere Frauen, deren Körper ihr Kapital ist. Deutschland wird klassenlos schlank und faltenfrei. Ist das Zufall? Wieso wollen gerade deutsche Mädchen dünner sein als die Norm? Bilder von mageren Models in Illustrierten können nicht alleine die Ursache für das kranke Körperbild sein. Die Medien verbreiten sie schließlich global. Das Schönheitsideal der Europäer unterscheidet sich kaum noch von dem der Japaner oder der Argentinier.

Der Körper als Kapital: Gina Lisa, bekannt durch die Reihe "Germany's next Topmodel", ist zur Kunstfigur geworden.

Der Körper als Kapital: Gina Lisa, bekannt durch die Reihe "Germany's next Topmodel", ist zur Kunstfigur geworden.  |  © Hannibal/dpa

Es geht nicht um das Schlanksein an sich, sondern darum, was damit verbunden wird: Dick bedeutet faul und träge, schlank verbindet man mit Disziplin, Kontrolle und Leistungsbereitschaft. Eine schlanke Frau, so die Assoziation, ist diszipliniert, weil sie ihr Essverhalten kontrolliert und regelmäßig Sport treibt. Die Deutschen gelten im Ausland als besonders gewissenhaft und strebsam im Beruf. Haben wir diese ökonomistische Leistungsethik auf unsere Körper übertragen?

Mit dem Kapitalismus sei der menschliche Körper »vergesellschaftet« worden, sagt der Philosoph Michel Foucault, zunächst »in seiner Funktion als Produktiv- oder Arbeitskraft«. Seither wird im und am eigenen Körper ein Kampf zwischen Fremdbestimmung und Freiheit ausgetragen. Nun, ausgerechnet im Zeitalter des Individualismus, arbeiten alle an ein und derselben Selbstoptimierung, am Erreichen und Einhalten eines weltweit gültigen Schönheitsideals. Es hat nichts mehr mit Fügung zu tun, wie ein Mensch aussieht, seit jede schiefe Nase gerichtet und jede schlaffe Wange gestrafft werden kann.

Noch in den neunziger Jahren warb die Lebensmittelmarke »Du darfst« mit dem Slogan »Ich will so bleiben, wie ich bin«. Inzwischen will keine Frau mehr bleiben, wie sie ist. Und die Töchter leben es ihren Müttern nach. Auch Maries Mutter hatte schon Diäten gemacht. Auch von ihr lernte Marie, dass Frauen Salat essen, nicht weil der schmeckt, sondern weil er sie schlank bleiben lässt.

Nicht jedes Mädchen, das abnimmt, hungert sich an den Rand des Todes. Aber Abnehmen ist Normalität geworden, denn schon normale Körper werden als zu dick empfunden. Laut einer Umfrage der Jugendzeitschrift Bravo – die nicht jedem als seriöse Quelle gilt, aber nach wie vor ein Seismograf für die Stimmungen der Jugend ist – hat fast jedes zweite 14 Jahre alte Mädchen in Deutschland schon mindestens eine Diät gemacht. Und warum? Vielleicht weil jedes zweite Mädchen zwischen 12 und 21 Jahren, das regelmäßig Germany’s next Topmodel sieht, Model werden möchte. Dies geht aus einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen hervor. Bereits Fünftklässlerinnen wünschen sich Körper wie die der Models im Fernsehen. Um das zu erreichen, tun sie genau das, was Heidi Klum in ihrer Sendung fordert: an sich arbeiten. Die Show, so ein Ergebnis der Studie, veranlasst Mädchen dazu, weniger zu essen. Deshalb machen schon Zwölfjährige Diät.

Risiken, Schmerzen und Kredite

Für eine Umfrage der Frauenzeitschrift Petra wurden im vergangenen Jahr 1000 Frauen gefragt, ob sie zehn Punkte ihres Intelligenzquotienten opfern würden, wenn sie dafür einen Schönheitsmakel ausgleichen könnten. Fast drei Viertel der Frauen antworteten mit Ja.

Der Blick in den Spiegel kennt keine Gnade mehr. Nicht mehr nur Hässlichkeit, sondern schon Normalität ist Makel.

Ein Drittel aller Schönheitsoperierten in Deutschland ist jünger als 30 – ein Alter, das früher für sorglose Jugend und natürliche Schönheit stand. Jetzt schenken Eltern ihren Töchtern Brustvergrößerungen, manchmal zu Weihnachten, manchmal zum Abitur.

»Sich operieren zu lassen wird in ein paar Jahren so normal sein, wie zum Friseur zu gehen«, sagt die Psychologin Ada Borkenhagen, die über die Gründe und die Auswirkungen der Schönheitschirurgie forscht. Ihrer Meinung nach wird es in zwanzig Jahren ohnehin kaum eine Frau mittleren Alters geben, die nicht operiert ist, egal ob Akademikerin oder Arbeiterin. In ihrer Praxis begegnet Ada Borkenhagen einer Generation von Frauen, die genau weiß, wie ein Körper auszusehen hat: makellos. Dafür nehmen die Patientinnen alles auf sich: Risiken, Schmerzen und Kredite. Und für wen? Für die Männer?

Das Paradoxe ist: Die Überzahl der Männer finden eine operierte Frau nicht besonders anziehend. Akademische Untersuchungen gibt es nicht, aber die Zeitschrift Bild der Frau befragte 1000 Männer unterschiedlichen Alters, ob sie operierte Frauen attraktiver fänden. Drei Viertel der Männer gaben an, dass sie »natürliche Frauen« bevorzugten. Regelrecht abstoßend fanden die Befragten künstlich aufgeblähte Schlauchbootlippen und steife Silikonbrüste. Es sind offenbar nicht die Männer, die die Frauen in die Operationen treiben. Wer aber ist es dann?

Das Streben nach Schönheit hat sich längst von seinem eigentlichen Zweck gelöst. Es braucht den Betrachter, den Mann, nicht unbedingt. Die Frauen wollen sich selbst genügen. All den Ansprüchen, die sie an sich stellen. Sie wollen aussehen wie die tausendmal retuschierten Schönheiten in der Vogue . Wie die 16-jährigen Bikini-Models auf den haushohen Werbefotos von H&M. Wir sind öfter vom Anblick perfekter Körper umgeben als je zuvor. Wir sehen mehr nackte Haut auf Plakaten und in Zeitschriften als im echten Leben. Niemand kann diesen Bildern entkommen, niemand kann ihnen entsprechen.

Brigitte wollte es anders machen. Vor zwei Jahren verkündete die Frauenzeitschrift, ihre Fotostrecken nicht mehr mit Models, sondern mit Frauen »wie Ihnen und uns« produzieren zu wollen. Eine Revolution sollte es werden. Doch das System war stärker. Vor wenigen Wochen kündigte Brigitte an, wieder auf professionelle Models zurückzugreifen. Die offizielle Begründung: Leserinnen hätten sich beschwert. Und tatsächlich kann man auf der Brigitte -Homepage Kommentare wie diesen lesen: »Meist bin ich frustriert von Ihrer Auswahl, da Sie nur superschöne und superschlanke Frauen zeigen.« Oder: »Ich fühle mich von Ihrer Kampagne unter Druck gesetzt.«

Die »normalen Frauen«, die Brigitte zeigte, überschritten selten die Kleidergröße 38 und waren dazu noch erfolgreich im Beruf. Superfrauen, die dem Diktat des Gutaussehens genügten, plus dem der Karriere.

Zum Ende der Alleskönnerinnen in Brigitte führte auch ein wirtschaftlicher Grund: Die Fotoshootings mit normalen Frauen waren aufwendiger und zeitraubender, gleichzeitig war die Zahl der Anzeigen rückläufig. Die Leserinnen, so Brigitte, hätten die Kehrtwende kaum kritisiert. Warum auch? Brigitte zeigt jetzt wieder Abbilder professionell makelloser Frauen. So wie alle. Wir haben diese Bilder verinnerlicht. Wir glauben, dass ein schöner Körper, dass Glück so auszusehen hat.

Auch Katrin Spangenberg wollte glücklich sein. So wie die Frauen in den Zeitschriften, wie die Menschen in den TV-Serien. Es ist zwei Jahre her, da saß Spangenberg, 42 Jahre alt, geschieden, Mutter eines Sohnes, auf dem Sofa ihrer Dreizimmerwohnung und sah im Fernsehen die Ankündigung einer Reality-Dokumentation. Sie sah eine verzweifelte Frau – so wenig perfekt wie sie selbst. Und sie sah einen Schönheitschirurgen, der versprach, mit kleinen Eingriffen große Wirkung zu erzielen. Dann kam wieder die verzweifelte Frau ins Bild – aber jetzt lachte sie, umringt von Freunden und Familie. Sie hatte sich operieren lassen, trug eine neue Frisur, war geschminkt. »Jeder hat das Recht darauf, glücklich zu sein«, sagte der Sprecher aus dem Off.

Es ist der Werbefilm von Extrem schön! , einer Sendung auf RTL2, in der Frauen vor laufender Kamera mehrfach operiert werden, um dann ihrer Familie als schöner Schwan präsentiert zu werden. Es sind Frauen, die sich nicht mehr vor die Haustür trauten, weil sie sich für irgendwelche Makel schämten. Frauen wie Katrin Spangenberg. Seit ihrer Kindheit leidet sie an einer Kieferfehlstellung. Die Unzufriedenheit damit griff auf ihren ganzen Körper über: Ihre Nase findet sie zu groß, ihre Brüste zu klein. Dass sie schlank ist, lange Beine hat, sieht Katrin Spangenberg nicht mehr. Sie sieht nur noch, was an ihr nicht stimmt. Ihre Makel, glaubt sie, seien schuld daran, dass ihr Mann sie mit einer anderen Frau betrog. Und sie sind der Grund für ihre selbst gewählte Einsamkeit: Auch Katrin Spangenberg verlässt das Haus nur noch mit einem Tuch vor dem Gesicht. Der Werbefilm wirkte auf sie wie ein Versprechen. Vielleicht, hoffte sie, käme das Glück und damit auch ihr Mann zurück, wenn sie sich operieren ließe. Einen Tag später bewarb sie sich bei Extrem schön!.

Bei zwei Castings konkurriert sie mit anderen Frauen um den hässlichsten Körper, die niederschmetterndste Lebensgeschichte. Als RTL2 anruft und ihr sagt, dass sie gewonnen hat, weint sie vor Glück. Drei Operationen in nur fünf Monaten lässt Katrin Spangenberg über sich ergehen. Zweimal wird ihr Kiefer operiert, Brustvergrößerung und Nasenverkleinerung werden gleich in einem Aufwasch gemacht. Ihren elfjährigen Sohn sieht sie während der ganzen fünf Monate nicht, dafür ist die Kamera stets zur Stelle, filmt die Operationen und die Patientin, wie sie vor Schmerzen weint und auch, wie sie wieder mit ihrem Exmann telefoniert. »Es sieht so aus, als wenn wir wieder eine Familie werden«, sagt sie in die Kamera. Und dann: »Ich bin so glücklich. Endlich finde ich mich schön.«

Ein Dreivierteljahr nach ihrer letzten Operation sitzt Katrin Spangenberg in einem Einkaufszentrum ihrer Heimatstadt Kiel. Sie trägt ein rosa T-Shirt mit der Aufschrift »Beauty«, das sich eng um ihren Busen schmiegt. Das Tuch, das sie sich früher um Nase und Mund gebunden hat, ist weg.

»Ich bin jetzt viel selbstbewusster geworden«, sagt sie. Die Pressesprecherin neben ihr nickt. Das sind Sätze, die RTL2 gerne hört.

Bei der Frage nach dem Mann kommt Katrin Spangenberg ins Stottern. Die Pressesprecherin rührt hektisch in ihrem Kaffee. »Nein, es hat leider nicht geklappt.« Für einen Moment lässt Katrin Spangenberg die Schultern hängen.

War es das alles wert? Jede Operation birgt ein Risiko, all die Vollnarkosen, sie hätte schlimmstenfalls sterben können. »Dann wäre das eben so«, sagt Frau Spangenberg. »Ich wäre lieber gestorben, als hässlich weiterzuleben.«

Mag sein, dass Katrin Spangenberg in einem anderen Milieu zu Hause ist als Isabel Gülck, die Schönheitskönigin, und als Marie, die Gymnasiastin. Aber ein Motiv ist durchgängig dasselbe: Abweichungen zuzulassen, zu ertragen, vielleicht sogar liebenswert zu finden, das ist in der Welt der drei fast schon unmöglich. Und es wird in der gesamten Gesellschaft immer schwieriger – ob es um einen runzeligen Körper geht, einen ungeschickten Mitarbeiter in der Firma oder um ein aufgedrehtes Kind. Was nicht passt, wird therapiert, rationalisiert, operiert.

Bei Extrem schön! ist viel vom Glück die Rede. »Auf der Suche nach ein bisschen Glück bist du einen steinigen Weg gegangen. Jetzt bist du angekommen«, lautet ein Spruch, mit dem die Kandidatinnen vor der Kamera begrüßt werden. Wer wissen will, warum Schönheit und Glück dasselbe sind, kann Holger Andersen fragen, Programmchef von RTL2 und verantwortlich für Extrem schön!. Verantwortung übernehmen möchte er dann aber lieber doch nicht. Auf die Frage, ob sein Sender Frauen nicht ein sehr brüchiges Glücksversprechen gebe, ob er nicht eine problematische Botschaft vermittle und ob Kandidatinnen wie Katrin Spangenberg nicht besser mit einer Therapie als mit einer Operation geholfen wäre, möchte er nicht antworten. Nach langem Hin und Her schickt die Pressesprecherin per E-Mail ein paar Zeilen voller Allgemeinplätze. »Die Menschen, die in der Sendung zu sehen sind, wünschen sich sehnlichst eine Veränderung ihres äußeren Erscheinungsbildes«, steht da zum Beispiel. Genauere Antworten bekommt man von RTL2 keine.

Der Schönheitschirurg Werner Mang will reden. Mang ist Chef der Klinikgruppe Mang Medical One mit acht Kliniken und neun »Aesthetic Centern«. Es sind seine Operationssäle, in denen die Protagonistinnen von Extrem schön! umgemodelt werden. Mang gilt als medienfreundlich, als einer, der es genießt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Für ein Interview mit der ZEIT, sagt er am Telefon, werde er extra eine Operation verschieben. Das Thema Schönheitswahn sei ihm ein Anliegen. Schließlich habe er ein Buch darüber geschrieben, Titel: Verlogene Schönheit.

Ein paar Tage später. In der porzellanweißen Bodenseeklinik von Lindau öffnet Mang die Tür zu seinem Büro. An den Wänden hängen Fotos von ihm mit Münchner Oktoberfest-Prominenz. Mang umgibt sich gern mit bekannten Gesichtern. Einige davon hat er operiert, andere angeblich nicht. »Der Schönheitswahn«, sagt er, »so wie wir ihn in Amerika haben, ist furchtbar.« Mang räsoniert über die grotesken Gesichter amerikanischer Stars, die vor lauter Lifting kaum noch Mimik zustande bringen. Bei der Frage nach Extrem schön! wird er unruhig, rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Er hat nicht erwartet, über die Fernsehsendung reden zu müssen, von der er profitiert. Er schaut aus dem Fenster. Die Sonne scheint auf den Park vor seiner Klinik, auf das Ufer des Bodensees. Mang wäre jetzt wahrscheinlich lieber da draußen oder wenigstens im Operationssaal.

Dann sagt er: »Wenn ich ehrlich bin, wird bei der Sendung nach meinem Geschmack viel zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt. Ich hätte mir mehr medizinische Aufklärung und weniger Drama gewünscht.« Die Frauen, die sich für Extrem schön! casten ließen, hätten nicht nur körperliche Leiden, es werde da ein ganz falsches Bild von der Schönheitschirurgie vermittelt. »Die Seele kann man mit einer Operation nicht heilen«, sagt Mang. Er macht 1000 Schönheits-OPs im Jahr, er muss es wissen.

Dass Frauen wie Katrin Spangenberg in wenigen Monaten mehrfach einer Vollnarkose mit allen dazugehörigen Risiken unterzogen werden, findet Mang unverantwortlich – und er wisse auch nichts davon, dass so etwas in einer seiner Kliniken vorgekommen sei. Vier bis sechs Monate brauche der Körper, um sich von einem chirurgischen Eingriff zu erholen. Mehr will Mang nicht sagen zum Thema RTL2. Er schweigt. Dann aber sagt er doch noch was: »Manchmal bin ich beunruhigt, wo mein Name so alles druntersteht. Solche Sendungen sind wohl der Zeitgeist.«

Zeitgeist. Ein Wort, das Mang oft im Munde führt. Als sei er selber nicht mitverantwortlich. Dafür, dass Sender wie RTL2 seine Arbeit als Allheilmittel präsentieren. Dafür, dass Schönheitschirurgen sich ihre Operationen inzwischen in Raten bezahlen lassen wie Möbelhändler eine Einbauküche. Schönheitsoperationen sind längst nicht mehr nur etwas für die ganz Reichen, die sich so etwas leisten können, oder für die ganz Armen, die sich ihren großen Schönheitstraum von einem Fernsehsender finanzieren lassen. In den Wartezimmern der ästhetischen Chirurgen sitzen heute nicht mehr nur die Frauen ab einem gewissen Alter, sondern auch die ganz jungen. Mang sagt: »Jede Woche habe ich eine Minderjährige hier sitzen, die sich die Brüste oder die Nase machen lassen will. Und daneben sitzt die Mutter.« Mang schickt die Jugendlichen wieder weg, auch wenn Schönheitsoperationen an Minderjährigen mit Zustimmung der Eltern in Deutschland erlaubt sind.

»Das ist wohl der Zeitgeist«, sagt Mang.

Der Zeitgeist dringt immer weiter vor. Der neueste Trend: Schamlippenoperationen. Seitdem Frauen sich im Intimbereich rasieren, seitdem in den Umkleiden der Fitnessstudios und Wellnesstempel alles sichtbar ist, muss auch das weibliche Geschlechtsorgan einem Schönheitsideal entsprechen: Die äußeren Schamlippen sollen die inneren umschließen. Mehr als 1000 Frauen pro Jahr lassen sich in Deutschland die inneren Schamlippen kappen. Andere lassen sich die äußeren aufspritzen oder ihre Vagina verengen. Tendenz steigend. In allen Altersgruppen.

Das Dr.-Sommer-Team, das Sexualberatungsressort der Jugendzeitschrift Bravo, bekommt immer häufiger Briefe wie diesen: »Ich habe ein Problem, und zwar sind meine inneren Schamlippen so groß, dass sie herausschauen. Ich war auch schon bei einer Frauenärztin, die gesagt hat, dass das normal ist. Aber ich schäme mich so. Im Schwimmbad sitze ich nur noch am Rand, weil ich Angst habe, dass mir jemand die Badehose runterzieht und sich über meine Schamlippen lustig macht. Ich habe von einer Operation gehört, bei der man sich die Schamlippen verkleinern lassen kann. Was haltet Ihr davon?« Die Schreiberin ist 14.

»Ich bin gegen Operationen im Intimbereich«, sagt Mang. Trotzdem hat er eine Ärztin angestellt, die nichts anderes tut. »Bevor die Frauen irgendwo anders hingehen, wo es schlecht gemacht ist, sollen sie lieber zu mir kommen.« Der Autor der Verlogenen Schönheit präsentiert sich gern als Ketzer seiner eigenen Religion. Lasset die Frauen zu mir kommen! Rund 3.000 Euro kostet eine Schamlippenverkleinerung. Bevor andere daran verdienen, verdient lieber Mang.

Spielfiguren, die aussehen wie Models

Wie viel der Arzt erwirtschaftet, sagt er nicht. Muss er auch nicht. Seine Villa, seine Boote, seine Oldtimersammlung, all das hat er schon so oft vor den Fernsehkameras gezeigt, dass der Letzte kapiert hat: Mang ist reich. Und nicht nur er. Das Geschäft mit der Schönheit läuft bombastisch: 800 Millionen Euro ließen die Deutschen im vergangenen Jahr bei den Schönheitschirurgen. Die Kosmetikindustrie setzte 1,8 Milliarden um, die Fitnessbranche vier Milliarden.

Diese Zahlen sind erhoben. Aber nicht, wie viele Millionen Stunden Frauen vor dem Spiegel verbringen, grübelnd und gefangen in den Endlosschleifen der Beschäftigung mit sich selbst. Als könnte man ein gelungenes Leben ertrimmen. Als könnte man sich Ausstrahlung spritzen lassen.

In dem Maße, in dem Frauen sich perfektionieren wollen, scheint der Markt der Eitelkeiten zu wachsen: Nachfrage generiert neue Angebote, die wieder Nachfrage wecken – und immer so weiter. In den vergangenen Jahren ist es vor allem die Spielzeugindustrie, die das Thema für sich entdeckt hat. Längst ist es nicht mehr nur Barbie, die Mädchen an die Kaufhausregale lockt. Auf der Spielwarenmesse 2012 stellte Lego eine Serie speziell für Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren vor. Lego friends heißt das ganz in Pink und Lila designte Produkt. Die Figuren sind fünf Freundinnen, die aussehen wie Models und – den beiliegenden Spielutensilien nach – nichts anderes zu tun haben, als am Pool zu sitzen, in Handspiegel zu schauen und sich die Haare zu machen.

Die Firma Depesche, die mit der Plüschfigur Diddl-Maus bekannt wurde, vertreibt ein Malbuch mit dem Namen TopModel. In dem Heft für Mädchen ab sieben geht es um das Leben von 13 Models. Die gezeichneten Figuren heißen Christy, Fergie und Candy, haben große, weit auseinanderstehende Augen, Stupsnase, Schmollmund, lange Beine und ein sorgenfreies Leben. Alles, worüber die Models sich den Kopf zerbrechen, sind das nächste Fotoshooting, ein Umstyling und »der süße Fotograf«.

Neben dem Malbuch gibt es noch weitere Produkte wie einen TopModel-Lidschatten, TopModel-Lipgloss und ein eigenes TopModel-Fotobuch. Wie viel Depesche mit TopModel verdient, will die Firma nicht bekannt geben. »Fakt ist, dass wir Fantasiefiguren zeigen und keine Menschen«, teilt die Pressesprecherin mit. Als hätten diese Fantasiefiguren keine Auswirkungen auf das reale Leben von Erstklässlerinnen.

Der Homepage von TopModel ist der folgende Eintrag einer Zwölfjährigen zu entnehmen: »Hey, ich bin 1,64 klein, wiege 46 Kilo und hab BH größe 75 a (ich weiß, leider sehr wenig) und ich fühle mich total dick und zwar laufe ich nicht mehr gern in kurzen Hosen und Bikini herum. Was kann ich dagegen tun?« Und eine Elfjährige fragt: »Habt Ihr Übungen für den schmaleren Po?« Die starke Pippi Langstrumpf wird als Vorbild abgelöst von Candy, dem biegsamen Fotomodell.

In Seligenstadt, einem kleinen Ort in der Nähe von Frankfurt, steht eine Achtjährige vor einer schlanken blonden Frau mit großen Brüsten und aufgespritzten Lippen. Das Mädchen zieht am schlauchförmigen Kleid, das der Frau nur knapp über den Hintern reicht. »Du bist so schön«, sagt das Kind, als die Frau sich zu ihr herunterbeugt. »Du siehst genauso aus wie Barbie.« Die fleischgewordene Barbie lächelt. Es ist Gina-Lisa Lohfink. Die Frau, die es zuletzt im Juni dieses Jahres wegen einer angeblichen Affäre mit dem Fußballnationalspieler Jérôme Boateng in die Schlagzeilen schaffte. Die Bild- Zeitung druckte Fotos, wie sie mit dem Fußballstar in Richtung Hotelzimmer verschwand. »So (ober)weit hat es Gina-Lisa gebracht«, schrieb Bild und zeigte ein Foto dazu: Lohfink nackt am Strand, die Doppel-D-Brüste der Sonne entgegenreckend.

Ihr Beruf ist es, gut auszusehen

Vor fünf Jahren bewarb sich Gina-Lisa Lohfink bei Germany’s next Topmodel und schaffte es unter die besten zwölf. Hier hätte ihre Geschichte enden können. In einem Interview sagte sie damals, sie wolle nach der Sendung ihr Abitur nachmachen. Doch sie entschied sich dann lieber fürs Schönsein als fürs Gescheitsein, dafür, eine Frau zu sein, die ein ganzes Land beim Vornamen nennt. Sie ließ sich die Brust vergrößern, nahm ansonsten aber 15 Kilo ab. Auf die erste Operation folgte der erste Job: ein Werbespot mit dem damals 104-jährigen Schauspieler Johannes Heesters, für eine Mietwagenfirma. Das Honorar investierte Gina-Lisa in noch größere Brüste. Jetzt buchte sie der Playboy . Gina-Lisa ließ sich die Lippen aufspritzen.

Vier Jahre hat sie gebraucht, um sich von einer attraktiven jungen Frau in eine Kunstfigur zu verwandeln. Gina-Lisa gehört nun zu jenen Frauen, die von gemachten Brüsten und aufgespritzten Lippen leben. Ihr Körper ist das Ergebnis eines zum Exzess getriebenen Schönheitswahns.

»Meine Schönheitschirurgen sind Heroes für mich«, sagt Gina-Lisa. »Sie haben mich erschaffen. Wenn du langweilig bist, wenn du so aussiehst wie alle anderen, bekommst du kein Geld und keine Aufträge. Du musst diese Extreme haben, um bekannt und erfolgreich zu sein.« Es stimmt. Wäre Gina-Lisa Arzthelferin in Seligenstadt geblieben, anstatt sich unters Messer zu legen, wäre sie heute ein Niemand. Der Kampf um Attraktivität und Anerkennung, dieser Kampf, den im Stillen auch die Gymnasiastin Marie und die alleinerziehende Mutter Katrin Spangenberg führen – Gina-Lisa hat ihn besonders laut und bis zum Äußersten ausgefochten. Und sie findet: sehr erfolgreich.

Ihr Beruf ist es, gut auszusehen. Sie bietet ihrem Publikum den superoptimalen Reiz. So nennt die Verhaltensforschung einen Reiz, der stärker ist als jeder natürliche.

Gina-Lisa ist heute 26 Jahre. Was macht sie, wenn sie älter wird? »Ich denke nicht so viel übers Alter nach«, sagt sie. »Wenn etwas hängt, kann ich mich ja operieren lassen.«

Jetzt ist Gina-Lisa noch einmal in ihren Heimatort Seligenstadt zurückgekehrt. An einen Ort, an dem alle Schönheit zu Ende ist: ein Altersheim. Gina-Lisas Mutter arbeitet hier als Pflegerin. Heute ist Sommerfest, Gina-Lisa moderiert eine Modenschau. Die Models sind 80-Jährige, die ihre Rollatoren über den Catwalk schieben.

Im Garten steht Gina-Lisa, ein Mikrofon in der Hand. Um sie herum Rentner in Rollstühlen. Das kleine Mädchen hängt noch immer an ihrem Rockzipfel. Gina-Lisa wirft ihrer Managerin einen »Hol mich hier raus«-Blick zu. Die Modenschau beginnt, die erste Frau mit Rollator steht neben Gina-Lisa parat. Eine sehr alte Dame mit faltigem Hals, schlaffen Armen und Wasser in den Beinen. Für ein paar Sekunden treffen sich ihre Blicke, Gina-Lisa schaut der Zukunft ins Gesicht.

»Es ist schön, hier zu sein!«, ruft sie – ein bisschen schrill – ins Mikrofon. Eine halbe Stunde lang präsentieren die Bewohner des Altersheims Strickjacken, Röcke, Hüte einer ortsansässigen Boutique.

Bevor sie geht, will Gina-Lisa in der Lobby noch ein paar Autogramme geben. Doch bis auf das kleine Mädchen, das sie anbetet, kommt kaum einer. Die naturbelassenen Alten wissen mit dieser rätselhaften Frau nichts anzufangen. »Hübsches junges Ding«, flüstert eine betagte Frau der anderen zu, »aber die Arme: So große Brüste.«

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Leserkommentare
  1. „Die Überzahl der Männer finden eine operierte Frau nicht besonders anziehend. Akademische Untersuchungen gibt es nicht, aber die Zeitschrift Bild der Frau befragte 1000 Männer unterschiedlichen Alters, ob sie operierte Frauen attraktiver fänden. Drei Viertel der Männer gaben an, dass sie »natürliche Frauen« bevorzugten“,

    heißt es im Text, und daraus wird gefolgert:
    „Es sind offenbar nicht die Männer, die die Frauen in die Operationen treiben.“

    Das ist eine sehr gewagte Schlussfolgerung. Denn erstens müssten die Frauen diese Studien kennen und zweitens überzeugt sein, dass die Männer auch wirklich wahrheitsgemäß geantwortet haben.

    Zudem wirkt Erwartungsdruck subtil und auf vielfältige Art und Weise, nicht zuletzt durch die Medien. Über das Aussehen von Frauen wird auch heutzutage noch extrem streng geurteilt. Gerade Frauen gehen mit vermeintlichen äußeren Makeln anderer Frauen oft geradezu unbarmherzig um. Das Aussehen einer Frau, ob Politikerin, Schauspielerin oder Managerin, ist in den Medien praktisch immer ein Thema, es spielt eine Rolle, auf die eine oder andere Art, während dies bei Männern in denselben Positionen nicht unbedingt der Fall ist.

    Und: Mit Sicherheit gibt es auch Männer, die sich zwar keine operierten Frauen wünschen, aber doch Frauen, die äußerlich perfekt sind – von Natur aus.

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    Ich halte die Schlussfolgerung, dass es nicht die Männer seien, welche die Frauen zu den OPs treiben, ebenfalls für gewagt. Nochmals zu dem Satz:

    Die Überzahl der Männer finden eine operierte Frau nicht besonders anziehend. Akademische Untersuchungen gibt es nicht, aber die Zeitschrift Bild der Frau befragte 1000 Männer unterschiedlichen Alters, ob sie operierte Frauen attraktiver fänden. Drei Viertel der Männer gaben an, dass sie »natürliche Frauen« bevorzugten

    Man sollte sich hier durchaus die Frage stellen, was genau die bevorzugte, natürliche Frau sein soll: eine 20jährige natürliche Frau, oder eine 50jährige? Bei den Schönheits-OPs geht es nicht nur um ein Schönheitsideal, sondern ebenfalls um einen Jugendwahn. Bevor man solche Umfragen zu ernst nimmt, sollte man dann doch eine akademisch fundierte Untersuchung starten. Wahrscheinlich würden die Männer -- vielleicht unbewusst -- dann doch die "unnatürlichen" Frauen bevorzugen.

    Diese Bevorzugung hat sich mittlerweile verselbstständigt, und ist leider auf die Jugend übergeschwappt. Hier prägt meines Erachtens dann eher die mediale Verfügbarkeit von Hochglanzfrauen und Pornos das Frauenbild. Hinzu kommen dann noch die (Selbst-)Bilder in den sozialen Netzwerken, mit denen untereinander konkurriert wird.

    Die Zeiten haben sich geändert, die Konkurrenz ist global geworden, und somit ist man wieder ganz nah dran an der Kapitalisierung des Körpers, wie im dritten Teil des Artikels erwähnt.

    > Das ist eine sehr gewagte Schlussfolgerung.

    Natürlich. Denn selbstverständlich wollen Männer attraktive Frauen - auch gänzlich unattraktive Männer gönnen sich diesen Anspruch bekanntlich -, und wenn diese Frauen dann nicht ganz so attraktiv sind, aber unoperiert, werden sie ja deshalb nicht etwa bevorzugt. Wenn Männer so antworten wie im Artikel beschrieben, dann ist das bloß das "Ertappten-Phänomen", das "Ich-doch-nicht-Phänomen" (dem natürlich Frauen genauso unterliegen).

    • MacTime
    • 09. November 2012 14:20 Uhr
    2. Wieso?

    @ZeitBettina: Wieso müssten die Frauen diese Studien kennen?
    Meinen Sie, sie "sollten" sie kennen, weil diese Frauen sich eh schon mit dem Thema beschäftigen?

    Also ich kann nicht für die 1000 Befragten aus dieser Studie sprechen. Ich hätte aber wahrheitsgemäß genauso geantwortet wie die besagten Dreiviertel. Ich finde operierte Brüste, Nase, Po etc. absolut abtörnend und wirklich nicht sehr attraktiv. In meiner persönlichen Erfahrung ist es sogar so, daß meine damalige Partnerin sich trotz(!) meiner Ansicht ernsthaft mit dem Thema Schönheits-OP beschäftigte. Sie war diejenige, die sich als nicht "schön genug" beurteilte, und das obwohl ich ihr immer wieder versicherte, daß ich sie wunderschön fand und sie (manchmal händeringend) bat, nicht an sich herumschneiden zu lassen. Muß wohl doch eine subtile Kritik von mir an ihrem Äußeren drin versteckt gewesen sein, sonst hätte sie sich kaum unter Druck gesetzt gefühlt. ;-)

    Nein, im Ernst - ich sehe es ähnlich, daß ein völlig absurdes Schönheitsideal vorallem junge Mädchen oder Frauen in eine seltsame Eigenwahrnehmung drängt. Ich will damit auch nur sagen, daß es (wie in dem sehr guten Artikel beschrieben) bei weitem nicht nur "die Männer" sind, die Frauen unter's Messer treiben.
    Ok, Alice Schwarzer würde mir mit Sicherheit darlegen können, daß für dieses verquere Schönheitsideal und seine Durchsetzung ausschließlich Männer verantwortlich sind und Frauen es völlig schuld- und willenlos aufgedrängt wurde. ;-)

    Grüße,
    Mac

    15 Leserempfehlungen
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    @ZeitBettina: Wieso müssten die Frauen diese Studien kennen?
    Meinen Sie, sie "sollten" sie kennen, weil diese Frauen sich eh schon mit dem Thema beschäftigen?

    Nein. Ich meinte, sie müssten sie kennen, damit die von mir als voreilig bezeichnete Schlussfolgerung gerechtfertigt ist.

    Ich glaube auch nicht, dass Frauen sich immer "nur" für ihre Männer unters Messer legen. So einfach lässt sich das sicher nicht erklären.

    Aber ich glaube, Sie tun Alice Schwarzer Unrecht. Für solche pauschalen, unreflektierten Schuldzuweisungen ist sie zu intelligent. :)

  2. @ZeitBettina: Wieso müssten die Frauen diese Studien kennen?
    Meinen Sie, sie "sollten" sie kennen, weil diese Frauen sich eh schon mit dem Thema beschäftigen?

    Nein. Ich meinte, sie müssten sie kennen, damit die von mir als voreilig bezeichnete Schlussfolgerung gerechtfertigt ist.

    Ich glaube auch nicht, dass Frauen sich immer "nur" für ihre Männer unters Messer legen. So einfach lässt sich das sicher nicht erklären.

    Aber ich glaube, Sie tun Alice Schwarzer Unrecht. Für solche pauschalen, unreflektierten Schuldzuweisungen ist sie zu intelligent. :)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wieso?"
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    • MacTime
    • 09. November 2012 16:48 Uhr

    Der kleine Seitenhieb auf Frau Schwarzer war auch nicht wirklich ernst gemeint. Auch wenn ich mit manchen ihrer Ansichten bei weitem nicht übereinstimme, so respektiere und begrüße ich doch auf jeden Fall ihre Verdienste für das bisherige Vorankommen der Gleichberechtigung in unserem Land.

    Hmm, aber die Logik Ihres Urteils über die Schlussfolgerung in dem Artikel erschliesst sich mir immer noch nicht.
    Ich formuliere es einmal bewußt simple und einzig aus meiner Perspektive: Meine Partnerin will sich die Brüste vergrößern lassen. Ich bin ein Mann und sage, ich mag keine künstlich vergrößerten Brüste, sondern wöllte lieber, meine Partnerin beließe ihren Körper so, wie er ist. Und ich sage ihr das auch so. Also bin ich als männlicher Partner nicht derjenige, der sie dazu bewegt, sich unter's Messer zu legen.

    So versteh ich auch die Schlußfolgerung der Autorin aus dem Ergebnis besagter Studie, abstrahiert auf einen wie auch immer repräsentativ gearteten Querschnitt durch die Bevölkerung.

    Oder hab ich da einen Denkfehler?

    Grüße,
    Mac

    • MacTime
    • 09. November 2012 16:48 Uhr

    Der kleine Seitenhieb auf Frau Schwarzer war auch nicht wirklich ernst gemeint. Auch wenn ich mit manchen ihrer Ansichten bei weitem nicht übereinstimme, so respektiere und begrüße ich doch auf jeden Fall ihre Verdienste für das bisherige Vorankommen der Gleichberechtigung in unserem Land.

    Hmm, aber die Logik Ihres Urteils über die Schlussfolgerung in dem Artikel erschliesst sich mir immer noch nicht.
    Ich formuliere es einmal bewußt simple und einzig aus meiner Perspektive: Meine Partnerin will sich die Brüste vergrößern lassen. Ich bin ein Mann und sage, ich mag keine künstlich vergrößerten Brüste, sondern wöllte lieber, meine Partnerin beließe ihren Körper so, wie er ist. Und ich sage ihr das auch so. Also bin ich als männlicher Partner nicht derjenige, der sie dazu bewegt, sich unter's Messer zu legen.

    So versteh ich auch die Schlußfolgerung der Autorin aus dem Ergebnis besagter Studie, abstrahiert auf einen wie auch immer repräsentativ gearteten Querschnitt durch die Bevölkerung.

    Oder hab ich da einen Denkfehler?

    Grüße,
    Mac

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Antwort auf "Wieso?""
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    M.E. besteht dieser darin, dass Frau Komplimente ja auch annehmen können muss. Wie oft hab ich es selbst schon erlebt, dass ich einer Frau ein wirklich ehrlich gemeintes Kompliment erteile, nur, um dann als Reaktion leichten Zweifel, Beschämtsein oder gar Fremdbeschämtsein zu ernten. Einer (vielleicht nicht so selbstbewussten?) Frau ein Kompliment für etwas zu machen, dass sie selbst an sich nicht mag, kann sich als ganz schöner Bumerang erweisen. Bzw. Frau erweist sich dann als komplimentresistent. Weil sie sich ihre eigene Meinung bereits gebildet hat, was dann wiederum etwas mit dem Selbstbild zu tun hat - und für dessen Entstehung lassen sich eben schon gesellschaftliche Einflüsse vermuten (Wo steh ich als Frau, was bin ich als Frau unter diesen und jenen Bedingungen wert usw.), aber natürlich auch persönliche Einflüsse wie Perfektionismus - oder auch nur Oberflächlichkeit.

  3. Ich halte die Schlussfolgerung, dass es nicht die Männer seien, welche die Frauen zu den OPs treiben, ebenfalls für gewagt. Nochmals zu dem Satz:

    Die Überzahl der Männer finden eine operierte Frau nicht besonders anziehend. Akademische Untersuchungen gibt es nicht, aber die Zeitschrift Bild der Frau befragte 1000 Männer unterschiedlichen Alters, ob sie operierte Frauen attraktiver fänden. Drei Viertel der Männer gaben an, dass sie »natürliche Frauen« bevorzugten

    Man sollte sich hier durchaus die Frage stellen, was genau die bevorzugte, natürliche Frau sein soll: eine 20jährige natürliche Frau, oder eine 50jährige? Bei den Schönheits-OPs geht es nicht nur um ein Schönheitsideal, sondern ebenfalls um einen Jugendwahn. Bevor man solche Umfragen zu ernst nimmt, sollte man dann doch eine akademisch fundierte Untersuchung starten. Wahrscheinlich würden die Männer -- vielleicht unbewusst -- dann doch die "unnatürlichen" Frauen bevorzugen.

    Diese Bevorzugung hat sich mittlerweile verselbstständigt, und ist leider auf die Jugend übergeschwappt. Hier prägt meines Erachtens dann eher die mediale Verfügbarkeit von Hochglanzfrauen und Pornos das Frauenbild. Hinzu kommen dann noch die (Selbst-)Bilder in den sozialen Netzwerken, mit denen untereinander konkurriert wird.

    Die Zeiten haben sich geändert, die Konkurrenz ist global geworden, und somit ist man wieder ganz nah dran an der Kapitalisierung des Körpers, wie im dritten Teil des Artikels erwähnt.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Trugschluss?"
    • thekork
    • 10. November 2012 10:06 Uhr

    Mich würde wirklich interessieren, warum sich Frauen gegenseitig wegen ihrer Durchschnittlichkeit fertig machen. Wie kann man Glauben, "einen Traum zu leben", wenn man nichts mehr ist, als ein einjähriges Produkt einer menschlichkeitsverachtenden Industrie? Warum ist es erstrebenswert, das ultimative Objekt zu sein?
    Wo ist denn der Feminismus, wenn es darum geht, die Frauen aus ihrer selbstgewählten Unmündigkeit zu befreien? Achso ich vergaß, er ist ganz damit beschäftigt, für seine eigene kleine Elite Vorstandsquoten auszukungeln...

    18 Leserempfehlungen
  4. Ich bin schon 33, demnach war ich wohl in meiner Kindheit noch nicht so gefährdet durch die ganzen dürren Models auf großen Plakaten.
    Dennoch war ich mit meinem äußeren nie im Reinen. Darum haben sich auch meine Eltern gekümmert. Meine Mutter schleppte mich mit 10 zu einem Abnehmkurs, und die Leiterin schickte sie wieder nach Hause. Aber ich war für sie einfach immer zu dick, meine Mutter nahm mir das Essen weg, ihre Blicke sprachen oft Bände.
    Irgendwie hab ich es wohl trotzdem geschafft: Ich wurde geheiratet, habe drei Kinder, schlank bin ich immer noch nicht (und vielleicht klappts deswegen nicht mit dem Job??!!), aber ich kugel auch nicht durch die Gegend, allgemein würd ich mich als "Vollweib" beschreiben.

    Durch meine eigenen Erfahrungen halte ich das Thema Figur vor meinen Kindern fern. Sie dürfen essen was sie wollen, es wird nichts verboten, sie sind alle schlank. Ich meckere nie vor ihnen über meine Figur und das Wort "hässlich" fällt auch nicht vor ihnen.
    Doch neulich kam meine Tochter (5,5) auf mich zu, strich über ihren Bauch und meinte: "Der ist zu dick! Der muss flach sein!!"
    Ich weiß nicht, woher sie das hat, das hat mich total aus der Bahn geworfen... seitdem mach auch ich mir Sorgen.

    12 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 10. November 2012 10:33 Uhr

    Perfektion empfinde ich als langweilig. Und dann ist es ja so, es gibt knapp 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt. Wer glaubt denn ernsthaft, all diesen 7 Milliarden Menschen gefallen zu können? Wie heißt es so schön? Auf jeden Topf passt ein Deckel.

    Der eine mag große Brüste, der andere kleine Brüste, der ein steht auf superschlank, der andere auf vollschlank, so mancher ja sogar auf dick. Welchen Kampf will Frau da eigentlich gewinnen?

    Wer sich nicht selbst so liebt, wie er ist, kann auch nicht von anderen geliebt werden. Da helfen auch keine aufgespritzten Lippen, geglättete Gesichter und aufgepumpte Brüste.

    Meine Ärtztin spritzt sich regelmäßig Botox und ich bin jedesmal versucht zu sagen, dass sie von Jahr zu Jahr schlimmer aussieht.

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