EU-AgrarreformGerangel um mehr Grün
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Gerd Sonnleitner, Bauernfunktionär

Der Funktionär: Gerd Sonnleitner

Gerd Sonnleitner klingt wie ein Fan des Agrarkommissars Cioloş. »Greening entspricht unserer grundsätzlichen Haltung zur Nachhaltigkeit, wenn damit Fruchtfolgen, Maßnahmen zur Biodiversität, Blühstreifen gemeint sind«, sagt der Bauernfunktionär.

Gerd Sonnleitner

ist Chef des europäischen Verbandes Copa-Cogeca, der weniger Greening zulassen will

Doch wenn Sonnleitner das sagt, schwingt ein großes Aber mit – und wenn’s an die Details geht, dann hat der Funktionär tatsächlich eine ganze Menge von Einwänden.

Gerade hat der Landwirt aus Passau sein Amt als deutscher Bauernpräsident an seinen Nachfolger Joachim Ruckwied übergeben. Als Chef des europäischen Verbandes Copa-Cogeca, der vor allem die Interessen großer Produzenten von Agrarrohstoffen vertritt, fliegt der politische Haudegen aber weiterhin regelmäßig nach Brüssel. Dort kritisiert er wie gewohnt: zu viel Papierkram. Zu viel Vorschrift. Zu viel europaweite Vereinheitlichung.

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Beispielsweise fordert Sonnleitner, bei den Ökoleistungen sollten die Landwirte unter mehr Optionen auswählen können. Er möchte, dass bestimmte Technologien auf dem Acker ähnlich anerkannt werden wie der Ökolandbau. Bei einigen wird Agrarchemie eingespart, doch nicht ersetzt, und der Boden geschont, aber nicht neu aufgebaut – sodass der zusätzliche Nutzen für die Umwelt im Vergleich zu den geplanten Maßnahmen des Kommissars Cioloş eher gering wäre.

Unter Greening versteht Sonnleitner »grünes Wachstum«, also »ökologische Effekte, aber ohne Abstriche bei der Produktivität«. Schließlich müsse gerade das fruchtbare, regenreiche Europa angesichts des Bevölkerungswachstums und der globalen Flächenkonkurrenz künftig weite Teile der Welt mit ernähren.

Nicht nur deshalb hat sich der Lobbyist auf die sieben Prozent Anbaufläche eingeschossen, die vorrangig ökologisch genutzt werden sollen. Sonnleitner fürchtet auch Einkommensverluste. Bei seinem eigenen Hof falle dann, kritisiert er, auf fünf Hektar die Ernte aus, während die 800 Euro für die Pacht trotzdem fällig blieben.

Tatsächlich hat der Agrarkommissar bislang nicht erklärt, was er auf dem geplanten neuen Ökoterrain zulassen will. Mittlerweile kursieren viele Vorschläge, dort nicht nur Hecken und Blühstreifen, sondern auch ökologische Formen des Anbaus zu erlauben; zum Beispiel Blumenmischungen, die man an Biogasanlagen verkaufen kann. Dacian Cioloş hat aber Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Trotzdem macht Sonnleitner weiter Stimmung bei seinen Bauern und wettert gegen die »Stilllegung produktiven Landes«. Deshalb wird man den Eindruck nicht los, dass für ihn doch möglichst alles beim Alten bleiben soll.

Leserkommentare
  1. Wenn man ganz zynisch ist, dann muss man feststellen, dass die Europäische Union nichts als eine riesige Umverteilungsmaschine ist. Es wird umverteilt von Nord nach Süd, von West nach Ost etc. DIe Erfolge dieser Politik sind mäßig, im Falle der GAP haben sie sogar einen negativen Effekt für Kleinbauern in der Dritten Welt. Auch aus den Regional- und Strukturfonds werden Jahr für Jahr riesige Beträge nach Südeuropa geleitet, um die divergierende wirtschaftliche Potenz auszugleichen. Erfolg? Gleich null. Transfers schaffen eben keinen Wohlstand und wenn die europäischen Politiker wirklich glauben, dass eine dauerhafte Transferunion, die Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland mit ständigen Ausgleichszahlungen vor dem endgültigen Absturz rettet, Erfolg hat, dann sollten sie (frei nach H. Schmidt) "zum Arzt gehen".

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie scheinen den Unterschied zwischen Zynismus und Ignoranz nicht begriffen zu haben. Die EU weit davon entfernt eine "Umverteilungsmaschine" zu sein. Sie werden abgesehen von dem Kohäsionsfonds und der gemeinsamen Agrarpolitik keine EU Richtlinien oder Verordnungen finden, die finanzielle Ressourcen einer Region zu einer anderen umverteilt. Für zweckmäßige Umverteilung fehlt es der EU schlichtweg an Budget und Kompetenzen. Rechnet bloß die Aufwendungen zusammen so kommt man auf maximal 40% der EU Budgets. Das, in Anbetracht der Tatsache dass Umverteilung im klassischen politischen Sinne komplett den Mitgliedsstaaten überlassen wird, sollte sie davon abhalten die EU als Umverteilungsapperat wahrzunehmen

  2. Für Agrarsubventionen ist das ein gewaltiger Topf.

    Über die Jahren hat es sich entwickelt. Ist das Geld für die Zukunft so gut angelegt oder verhindert sogar GAP dringende Reformen. Würde so die Industriepolitik agieren, stände die EU mit veralteten Fabriken, schlechten nicht wettbewerbsfähigen Produkten vor dem inneren Zusammenbruch. Planwirtschaftlichen Denken ist immer etwas schwierig. Subventionen können aiuch die Sinne "verkleistern".

    Bauern erhalten zu wenig Geld für Ihre Produkte, lokale EU-Herkunftsbezüge dürfen weiter stark verschleiert werden (nur Handelsadressen werden aufgeführt) und mehr und mehr Rohwaren kommen trotz Subventionsorgie aus Asien. Erdbeeren und Apfelprodukte beispielsweise. Nun sollen Bauern auch noch für die Landschaftspflege Subventionen erhalten; wo früher einfach wieder Wald aus einer Wiese wurde. soll der4 Bauern also Subeventionen dafür bekommen, wenn er auch einmal nichts tut und die Wiese der Natur überläßt. Welch eine schöne Welt. Einfach Geld für NICHTS zu erhalten.

    Für Ausstehende muss der Umstand, dass die EU sich solch eine Subventionsorgie leistet und die EU auch unter Globalisierungsdruck und Wissensverlust leidet, ein nicht nachvollziehbarer GAU sein. Die EU ist ein rohstoffarmes Land und muss von der Geistesleistung seiner Mitglieder leben ... und wo sind die Schwerpunkte der EU .. 42% des Haushaltes sind für Agrarumverteilungsmittel gedacht.

    Subventionsmittel können aber nur leistungsfähige Mitgliedsstaaten erbringen !

  3. Sie scheinen den Unterschied zwischen Zynismus und Ignoranz nicht begriffen zu haben. Die EU weit davon entfernt eine "Umverteilungsmaschine" zu sein. Sie werden abgesehen von dem Kohäsionsfonds und der gemeinsamen Agrarpolitik keine EU Richtlinien oder Verordnungen finden, die finanzielle Ressourcen einer Region zu einer anderen umverteilt. Für zweckmäßige Umverteilung fehlt es der EU schlichtweg an Budget und Kompetenzen. Rechnet bloß die Aufwendungen zusammen so kommt man auf maximal 40% der EU Budgets. Das, in Anbetracht der Tatsache dass Umverteilung im klassischen politischen Sinne komplett den Mitgliedsstaaten überlassen wird, sollte sie davon abhalten die EU als Umverteilungsapperat wahrzunehmen

    Antwort auf "Was ist die EU?"
  4. "Außerdem gelten fast die Hälfte der Agrarflächen in Europa als ökologisch geschädigt. Vom Mittelmeer bis nach Mecklenburg-Vorpommern werden überdüngte, versalzene oder vertrocknete Böden vom Winde verweht, Gewässer mit Gülle und Chemikalien verunreinigt und Lebensräume für Schmetterlinge und Bienen, Vögel und Pflanzen zerstört."
    Vergessen wurde bei der Aufzählung auf das Uran, welches mit Phosphatdüngern in den Boden und ins Trinkwasser gelangt. Wie jederzeit im Internet abzufragen, kommen im Jahr weit über 100 Tonnen(!) Uran in die deutsche Umwelt, was aber unglaublicher Weise seit Jahrzehnten(!) bekannt ist! Es mussten schon Tinkwasserbrunnen von der öffentlichen Versogung vom Netz genommen werden, weil die Grenzwerte um das 27-fache überschritten wurden! Warum das Uran nicht vom Dünger getrennt wird, liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Prozess den Kunstdünger verteuern würde...Bei einer Halbwertszeit von über vier Milliarden Jahren bei Uran bedeutet das, dass dieses radioaktive, giftige Schwermetall auf "ewig" von der Landwirtschaft bis zu den Hobby- Gärtnern in unserer Umwelt verteilt wird. Mangels Kennzeichnungspflicht weiß auch kaum jemand darüber Bescheid! Und da machen wir uns Sorgen um die Sicherheit der Atomkraftwerke und die Entsorgung des radioaktiven Mülls??

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