EU-AgrarreformGerangel um mehr Grün
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Benedikt Härlin, Aktivist

Der Aktivist: Benedikt Härlin

Benedikt Härlin geht Dacian Cioloş’ Projekt längst nicht weit genug. Die Direktzahlungen etwa würde er am liebsten ganz abschaffen. In Deutschland, wo 62 Prozent der Anbaufläche Pachtland sind, stellten sie »ein Sicherungsprogramm für die Rentabilität privaten Eigentums« dar.

Benedikt Härlin

Der Umweltaktivist und seine Mitstreiter fordern noch viel weitreichendere ökologische Verbesserungen

Der Aktivist von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft war mal EU-Abgeordneter für die Grünen, hat bei Greenpeace die Gentechnik bekämpft und im Weltagrarrat über die Welternährung nachgedacht. Jetzt gehört er zu den Organisatoren einer neuen europäischen Agraropposition, der Agricultural and Rural Convention (ARC). Darin haben sich nicht nur Verbände von Bio-, Milch- und Kleinbauern zusammengeschlossen, die sich vom europäischen Dachverband Copa-Cogeca nicht vertreten fühlen. Auch Umwelt-, Regional- und Naturschutzverbände, Dritte-Welt- und Verbraucherschutzgruppen, Köche und Genießer entdecken die zentrale Bedeutung der Agrarpolitik.

Jüngst verkündeten Unterstützer dieses Bündnisses nach einem Fahrradkorso durch 15 Länder auf dem Vorplatz des EU-Parlamentes in Brüssel ihre Forderungen: Die GAP solle nicht nur Ressourcen, Tiere und das Klima schonen, sondern auch, so Härlin, jene »regionale Vielfalt fördern, die Europa ausmacht«. Der italienische Slow-Food-Gründer Carlo Petrini war unter den Rednern, der französische Agrarrebell und EU-Parlamentarier José Bové, die grüne Ex-Agrarministerin Renate Künast. Gemeinsam streiten sie für ein noch grüneres Greening.

Cioloş’ Vorschriften für Fruchtfolgen zum Beispiel sind Benedikt Härlin zu lasch, weil sie noch immer 70 Prozent von einer Kultur ermöglichen und deshalb keine Maiswüsten verhindern. Oder: Wieso eigentlich nur sieben Prozent Öko-Fläche und nicht zehn, wie es auch wissenschaftliche Beiräte der Bundesregierung fordern?

Außerdem fehle der GAP eine Strategie für den Anbau von Eiweißpflanzen, die den Boden mit Stickstoff anreichern würden. Sie könnten die Sojaimporte ersetzen, mit denen Europa Flächen in anderen Ländern beanspruche, »um die Verschwendungsmaschine unserer intensiven Tierproduktion am Laufen zu halten«, kritisiert Härlin. »Diese Monokulturen für Futtermittel ruinieren den Boden und vertreiben Kleinbauern in Asien und Lateinamerika.« Die Vorstellung der konventionellen Agrarlobby, dass Europas subventionierte Landwirtschaft die Welt ernähren solle, bringt Härlin deshalb auf die Palme: »Wir führen doch viel mehr Lebensmittel ein als aus.«

Im Zweifel stehen er und seine Mitstreiter daher an Dacian Cioloş’ Seite. Dessen Vorschläge gingen »immerhin in die richtige Richtung«.

Leserkommentare
  1. Wenn man ganz zynisch ist, dann muss man feststellen, dass die Europäische Union nichts als eine riesige Umverteilungsmaschine ist. Es wird umverteilt von Nord nach Süd, von West nach Ost etc. DIe Erfolge dieser Politik sind mäßig, im Falle der GAP haben sie sogar einen negativen Effekt für Kleinbauern in der Dritten Welt. Auch aus den Regional- und Strukturfonds werden Jahr für Jahr riesige Beträge nach Südeuropa geleitet, um die divergierende wirtschaftliche Potenz auszugleichen. Erfolg? Gleich null. Transfers schaffen eben keinen Wohlstand und wenn die europäischen Politiker wirklich glauben, dass eine dauerhafte Transferunion, die Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland mit ständigen Ausgleichszahlungen vor dem endgültigen Absturz rettet, Erfolg hat, dann sollten sie (frei nach H. Schmidt) "zum Arzt gehen".

    2 Leserempfehlungen
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    Sie scheinen den Unterschied zwischen Zynismus und Ignoranz nicht begriffen zu haben. Die EU weit davon entfernt eine "Umverteilungsmaschine" zu sein. Sie werden abgesehen von dem Kohäsionsfonds und der gemeinsamen Agrarpolitik keine EU Richtlinien oder Verordnungen finden, die finanzielle Ressourcen einer Region zu einer anderen umverteilt. Für zweckmäßige Umverteilung fehlt es der EU schlichtweg an Budget und Kompetenzen. Rechnet bloß die Aufwendungen zusammen so kommt man auf maximal 40% der EU Budgets. Das, in Anbetracht der Tatsache dass Umverteilung im klassischen politischen Sinne komplett den Mitgliedsstaaten überlassen wird, sollte sie davon abhalten die EU als Umverteilungsapperat wahrzunehmen

  2. Für Agrarsubventionen ist das ein gewaltiger Topf.

    Über die Jahren hat es sich entwickelt. Ist das Geld für die Zukunft so gut angelegt oder verhindert sogar GAP dringende Reformen. Würde so die Industriepolitik agieren, stände die EU mit veralteten Fabriken, schlechten nicht wettbewerbsfähigen Produkten vor dem inneren Zusammenbruch. Planwirtschaftlichen Denken ist immer etwas schwierig. Subventionen können aiuch die Sinne "verkleistern".

    Bauern erhalten zu wenig Geld für Ihre Produkte, lokale EU-Herkunftsbezüge dürfen weiter stark verschleiert werden (nur Handelsadressen werden aufgeführt) und mehr und mehr Rohwaren kommen trotz Subventionsorgie aus Asien. Erdbeeren und Apfelprodukte beispielsweise. Nun sollen Bauern auch noch für die Landschaftspflege Subventionen erhalten; wo früher einfach wieder Wald aus einer Wiese wurde. soll der4 Bauern also Subeventionen dafür bekommen, wenn er auch einmal nichts tut und die Wiese der Natur überläßt. Welch eine schöne Welt. Einfach Geld für NICHTS zu erhalten.

    Für Ausstehende muss der Umstand, dass die EU sich solch eine Subventionsorgie leistet und die EU auch unter Globalisierungsdruck und Wissensverlust leidet, ein nicht nachvollziehbarer GAU sein. Die EU ist ein rohstoffarmes Land und muss von der Geistesleistung seiner Mitglieder leben ... und wo sind die Schwerpunkte der EU .. 42% des Haushaltes sind für Agrarumverteilungsmittel gedacht.

    Subventionsmittel können aber nur leistungsfähige Mitgliedsstaaten erbringen !

  3. Sie scheinen den Unterschied zwischen Zynismus und Ignoranz nicht begriffen zu haben. Die EU weit davon entfernt eine "Umverteilungsmaschine" zu sein. Sie werden abgesehen von dem Kohäsionsfonds und der gemeinsamen Agrarpolitik keine EU Richtlinien oder Verordnungen finden, die finanzielle Ressourcen einer Region zu einer anderen umverteilt. Für zweckmäßige Umverteilung fehlt es der EU schlichtweg an Budget und Kompetenzen. Rechnet bloß die Aufwendungen zusammen so kommt man auf maximal 40% der EU Budgets. Das, in Anbetracht der Tatsache dass Umverteilung im klassischen politischen Sinne komplett den Mitgliedsstaaten überlassen wird, sollte sie davon abhalten die EU als Umverteilungsapperat wahrzunehmen

    Antwort auf "Was ist die EU?"
  4. "Außerdem gelten fast die Hälfte der Agrarflächen in Europa als ökologisch geschädigt. Vom Mittelmeer bis nach Mecklenburg-Vorpommern werden überdüngte, versalzene oder vertrocknete Böden vom Winde verweht, Gewässer mit Gülle und Chemikalien verunreinigt und Lebensräume für Schmetterlinge und Bienen, Vögel und Pflanzen zerstört."
    Vergessen wurde bei der Aufzählung auf das Uran, welches mit Phosphatdüngern in den Boden und ins Trinkwasser gelangt. Wie jederzeit im Internet abzufragen, kommen im Jahr weit über 100 Tonnen(!) Uran in die deutsche Umwelt, was aber unglaublicher Weise seit Jahrzehnten(!) bekannt ist! Es mussten schon Tinkwasserbrunnen von der öffentlichen Versogung vom Netz genommen werden, weil die Grenzwerte um das 27-fache überschritten wurden! Warum das Uran nicht vom Dünger getrennt wird, liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Prozess den Kunstdünger verteuern würde...Bei einer Halbwertszeit von über vier Milliarden Jahren bei Uran bedeutet das, dass dieses radioaktive, giftige Schwermetall auf "ewig" von der Landwirtschaft bis zu den Hobby- Gärtnern in unserer Umwelt verteilt wird. Mangels Kennzeichnungspflicht weiß auch kaum jemand darüber Bescheid! Und da machen wir uns Sorgen um die Sicherheit der Atomkraftwerke und die Entsorgung des radioaktiven Mülls??

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