Dabei gibt es bereits ein erfolgreiches Elektrozweirad: das Pedelec, ein Fahrrad, bei dem ein Elektromotor das Treten unterstützt und das ohne Führerschein und Helm gefahren werden darf. 2007 wurden noch 70.000 von den Elektrofahrrädern in Deutschland verkauft, in diesem Jahr werden es nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbands 400.000 sein. Mittlerweile gibt es fast 1,3 Millionen E-Fahrräder in Deutschland.

Achim Marten vom Industrieverband Motorrad ist skeptisch, ob ein solcher Boom auch bei Elektrorollern und -mopeds zu erwarten ist. »In dieser Dimension wird es den Aufschwung nicht geben, weil vor allem die Großroller zu teuer sind.« Dazu kommt: Für Roller und Mopeds sind Führerschein, Versicherung und Helm vorgeschrieben. Trotzdem, glaubt Marten, wird sich etwas tun. »Der Markt wird boomen, das steht ganz außer Frage. Denn das Elektrozweirad ist dem Elektroauto überlegen.«

Marten ist überzeugt, dass die Roller und Mopeds mit Batterieantrieb viel alltagstauglicher seien – weil man sie vor allem für kurze Strecken nutzt. Das Hauptargument gegen Elektroautos, ihre geringe Reichweite, gilt also bei Zweirädern nicht.

Neben Pendlern interessieren sich vor allem Lieferbetriebe mit begrenztem Zustellgebiet dafür; im Sommer rechnete eine Hamburger Filiale des Pizzalieferanten Joey’s nach einigen Monaten Testbetrieb vor, dass sich der Einsatz von Elektrorollern rentieren kann. Zwar lag deren Anschaffungspreis um etwa 2.500 Euro höher, doch mit Betriebskosten von 315 Euro pro Jahr (Elektro) gegenüber 1.730 Euro (Benzin) hat sich die Anschaffung nach 20 Monaten amortisiert. Eine Strom-Tankladung, mit der man 100 Kilometer weit fahren kann, kostet nämlich je nach Modell nur 50 bis 100 Cent.

Das deutlichste Zeichen für eine gute Perspektive ist aber, dass sich zu den Marktpionieren allmählich die großen Konzerne gesellen. Nach und nach steigen sie in den Markt mit den Elektrozweirädern ein. Seit diesem Frühjahr vertreibt Peugeot einen Elektroscooter im klassischen Design, Smart und BMW wollen 2014 mit eigenen Modellen nachziehen, auch Honda hat entsprechende Pläne. VW will einen Roller zunächst nur für den chinesischen Markt bauen – der heute schon riesig ist. 60 Millionen E-Roller sollen dort fahren, allerdings auch, weil in vielen Millionenstädten Zweitakter einfach verboten wurden.

Für die Pioniere, für Start-ups wie Elmoto, bedeutet der Markteintritt der Großen verschärften Konkurrenzkampf. Für einige wird es ums Überleben gehen. Ob sie es schaffen, hängt auch davon ab, »wie schnell sie Strukturen für Service und Vertrieb aufbauen«, sagt Manuela Dannenberg vom Fahrzeughändlerverbund »Lautlos durch Deutschland«. »Peugeot, Honda und BMW haben hier natürlich einen riesigen Vorsprung.« Eine zweite Überlebensstrategie: Marktlücken besetzen. »Solange die Kleinen den Kundenwünschen besser entgegenkommen, haben sie eine Chance«, sagt Dannenberg. So bieten einige Fabrikate herausnehmbare Akkus. Das kommt besonders den »Laternenparkern« in den Innenstädten entgegen – sie können auch ohne eigene Garage ihre Batterie im Wohnzimmer laden.

Achim Marten ist zuversichtlicher: »Die Kleinen werden überleben, weil sie das Know-how schon haben.« Das macht auch Stefan Lippert Hoffnung: »Wir haben jetzt seit drei Jahren Fahrzeuge auf dem Markt und haben wahrscheinlich mehr Wissen zu dem Thema, als die Großen in der nächsten Zeit entwickeln können.« Das wiederum kann seine Firma auch für etablierte Unternehmen interessant machen. Eine Allianz, ein größerer Investor – Lippert will nichts ausschließen.

Er sagt aber auch: »In diesem Markt kann man nicht wirklich etwas planen.« Lippert erzählt dazu die Geschichte von den Japanern, es ist eine Erfolgsgeschichte. »Seit ich auf Fahrradmessen gehe, seit 18 Jahren also, stehen die Japaner immer in einer Ecke und stellen dort ihre Pedelecs vor.« Die Elektrofahrräder fristeten jahrelang ein Nischendasein. Man habe sie als »Hilfskrücken« und »Unsinn hoch zehn« verlacht, sagt Lippert.

Und dann, auf einmal, »sind die Dinger Mode geworden«.