Alternativer AntriebKürzer rollen

Elektroroller könnten Erfolg haben, wo Elektroautos scheitern: Sie werden nur für kürzere Fahrten genutzt. von Niklas Wirminghaus

Die Geschichte aus Shanghai findet Stefan Lippert noch immer zum Lachen. Zwei Jahre ist es her, dass dort im deutschen Pavillon auf der Weltausstellung der Baden-Württemberg-Tag begangen wurde und sich das Bundesland als Hightech-Standort profilieren wollte. »Es wurden die drei Stuttgarter Hersteller von Elektromobilität vorgestellt«, erinnert sich Lippert, »Daimler, Porsche und Elmoto.« Ein Weltkonzern mit 270.000 Mitarbeitern, einer mit 15.000 – und daneben Lipperts Klitsche ID-Bike GmbH, die das Elektromoped Elmoto herstellt, mit elf Mitarbeitern. »Wir sind kleiner als die Abteilung, die bei Daimler die Knöpfe für die Fensterheber entwickelt«, glaubt Lippert.

Stefan Lippert macht seine Geschäfte eigentlich mit Akkubohrern, Skibindungen und Rollatoren, mit Plastikspielzeug, Armbanduhren und Fahrradhelmen. Er ist Produktdesigner, sein Büro entwirft und konzipiert, was immer seine Kunden wünschen. Anfang 2008 aber entwickelt Lippert mit seinen Designern ein Produkt, das keinem Kundenwunsch folgt. Sie wollen ein elektrisch betriebenes Zweirad konstruieren, eines, das alltagstauglich sein, aber nicht alltäglich aussehen soll.

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Für Lippert ist es ein Stück Weltverbesserung – und diese Verbesserung, glaubt er, fange bei Produkten an. Die Tüftler werden angetrieben von Interesse, einer Spur Neugier und dem Wunsch, einmal zu den Ersten im Markt zu gehören. Das Besondere: Die Stuttgarter wollen ihr Gefährt selbst bauen und vermarkten.

Der Markt mit der Mobilität ist bislang Sache großer Konzerne. »Ein Start-up hat im Bereich der Fahrzeughersteller nichts zu suchen«, sagt Lippert. Eigentlich. Denn es gibt Ausnahmen von der Regel: »Nur ein Technologieumbruch macht es möglich, dass man tatsächlich eine Chance hat.« In diesem Fall ist es ein Umbruch der Antriebstechnologie, statt Benzin und Diesel sollen die Fahrzeuge der Zukunft Strom tanken – am besten aus erneuerbaren Energien, denn dann ist der Verkehr quasi emissionsfrei.

Die Politik setzt auf die Elektromobilität und schmiedet große Pläne: Eine Million Elektrofahrzeuge will sie im Jahr 2020 auf den Straßen sehen. In der Realität aber stockt der Aufbruch in die elektromobile Zukunft: Zu Jahresbeginn wurden deutschlandweit bloß 4.500 Elektroautos gezählt, weniger als 0,1 Prozent der neu zugelassenen Pkw haben derzeit einen Elektromotor.

Dennoch will Lippert im Jahr 2008 die Chance des Technologieumbruchs nutzen. Weil er keinen Investor findet, fertigt er das Produkt auf eigene Rechnung. Den Prototyp des Mopeds basteln seine Mitarbeiter noch mit dem Motor eines elektrischen Rollstuhls. Eine Million Euro steckt Lippert in die Entwicklung von Elmoto, einem Zweirad irgendwo zwischen Zündapp und Mountainbike. Leicht soll es sein, auf 47 Kilogramm reduzieren die Konstrukteure das Gewicht. Damit das Elmoto als Kleinkraftrad durchgeht, wird die Höchstgeschwindigkeit auf 45 Stundenkilometer gedrosselt. Die Akkuladung trägt 60 Kilometer weit, genug für die meisten Berufspendler.

Die Designer geben ihrem Zweirad eine futuristische, reduzierte Form, »damit wir uns abheben von dem uninspirierten Einerlei der Motorroller und der umständlichen Bauart der Fahrräder mit Hilfsmotor«, sagt Lippert. Man will mit einem Lifestyleprodukt punkten, »ohne überhaupt die Öko-Karte spielen zu müssen«. Die über 200 Bauteile kommen überwiegend von deutschen Zulieferern, montiert wird das Zweirad in Stuttgart. Fast 4.500 Euro kostet das Elmoto, in den ersten drei Jahren wurden 3.000 Stück verkauft. Noch wartet der Markt für Elektromopeds und -roller auf den Durchbruch. Exakte Zahlen gibt es nicht, doch Branchenexperten gehen von weniger als 10.000 bislang verkauften Exemplaren aus.

Leserkommentare
  1. was andere Menschen so können, könnten und tun sollen.
    Es geht doch nicht darum, ob man die Fahrt auch ohne E-Motor irgendwie schafft, sondern ob es für den Fahrer auf akzeptable Weise in den Tagesablauf und den "Mobilitätsplan" paßt.
    Die meisten Menschen betrachten das Fahrrad halt nicht als Sportgerät, sondern einfach als Transportmittel, mit dem sie möglichst effizient ihre täglichen Wege zurücklegen wollen. Wenn das mit elektrischer Unterstützung besser geht und so die Menschen öfter mal dafür ihr Auto stehen lassen, dann ist das doch eine positive Entwicklung.

    Antwort auf "Bewegung"

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