Das Urbike © Urbike

Ganz in Weiß, mit wenigen, goldglänzenden Teilen. Reduktion auf das Nötigste, wie es auf dem Fahrradmarkt gerade modern ist. Das Urbike ist ein Single Speed Bike . Befreit euch von Ballast, aber vergesst nicht, dabei gut auszusehen. Meinen ersten Impuls, das Kunstwerk an die Wand zu hängen, musste ich unterdrücken. Ein Rad gehört auf die Straße. Und Berlin-Mitte hat genau das richtige Pflaster für so ein Angeberrad. Zunächst genieße ich die bewundernden Blicke. Ich erkenne darin aber auch ein gewisses Begehren. Mein Beschützerinstinkt (für das Rad) ist geweckt. Reduktion hin oder her, das Kleine braucht unbedingt ein Schloss, das schwerste, größte bitte!

Was taugt es im Dauereinsatz? Macht das Fahren auch Spaß, wenn keiner guckt? Als Ziel habe ich mir Neuhardenberg ausgesucht, ein kleiner Ort zwischen der Märkischen Schweiz und dem Oderbruch.

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Die radfahrerunfreundlichen Ostberliner Vororte mit ihren radspurfreien Schnellstraßen durchquere ich lieber mit der S-Bahn. Am Strausberger Bahnhof geht es los. Von da folgt man dem perfekt ausgebauten Radweg nach Bienenwerder, einem verschwundenen Ort, von dem nur der Name geblieben ist. Das Rad schnurrt über den Asphalt durch Wälder, ab und zu ergibt sich ein Ausblick auf die Brandenburger Hügellandschaft. Aber irgendwann ist Schluss, man muss den Radweg verlassen und sich über Landstraßen dem Ziel nähern. Mitten in der Märkischen Schweiz komme ich nicht umhin, an die altbewährte Gangschaltung zu denken. Jetzt heißt es Haltung bewahren, also im Wiegetritt über die Berge. In diesen Momenten frage ich mich, warum fahre ich so gerne Rad? Hinter jeder Biegung beginnt Neuland, lauert eine schöne (eine kleine Holzofenbäckerei in Klosterdorf) oder auch schlimme Überraschung (das Kopfsteinpflaster in Ihlow). Das Unvorhergesehene, das wir sonst so sorgfältig aus dem Leben verbannen, macht auch eine kurze Strecke zum kleinen Abenteuer.

Mein Fazit: Es gibt bequemere Räder, auch sportlichere, aber nur wenig stilvollere für relativ wenig Geld. Nach 30 Kilometern ist es gleich, mit welchem Rad man unterwegs ist, jetzt muss eine Pause her. Ich belohne mich mit einem Besuch im Neuhardenberger Feinschmeckerlokal, der Brennerei. Wer mit einem Gang die Märkische Schweiz durchfahren hat, hat sich ein Drei-Gänge-Menü verdient. Umgekehrt hätte es weniger Spaß gemacht.

Technische Daten

Rahmen: Stahl
Reifengröße: 28 Zoll
Gewicht: 10,9 kg
Schaltung: keine, optionale 2-Gang-Nabenschaltung
Bremsen: Zwei-Gelenk-Felgenbremse
Basispreis: 475 Euro

Michael Biedowicz ist Bildredakteur beim ZEITmagazin