GesellschaftskritikÜber Ratschläge

Kürzlich hielt Rapper Jay-Z ein Fundraising Dinner für Barack Obama ab. Der revanchierte sich mit Ratschlägen zur Kindererziehung. von 

Jay-Z und Ehefrau Beyoncé

Jay-Z und Ehefrau Beyoncé  |  © Clive Brunskill/Getty Images

Während hierzulande noch gegrübelt wird, ob Peer Steinbrück käuflich ist und wenn ja, warum, läuft in Amerika, dem Land unserer Träume und Vorbilder, alles mal wieder viel easier und absolut transparent: Vor wenigen Wochen hielt dort der Rapper Jay-Z in seinem 40/40 Club zusammen mit seiner Ehefrau Beyoncé Knowles ein Fundraising Dinner für Barack Obama und seine Ehefrau ab. Für lumpige 40000 Dollar konnte man dort mit dem First Couple speisen und die Oberarme von Michelle aus nächster Nähe bestaunen. Mit dem Präsidenten befreundet zu sein, hatte Obama kurz zuvor bei einer ähnlichen Gelegenheit einen Freund zitiert, sei wie ein Kind auf dem College zu haben: Alle paar Monate müsse man einen dicken Scheck zücken.

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Weitere Artikel zur Serie "Gesellschaftskritik". Bitte klicken Sie auf das Bild.  |  © kallejipp

Bei Jay-Z und Beyoncé, mit denen die Obamas befreundet sind, revanchierte sich Obama nun mit etwas, das mit Geld kaum aufzuwiegen ist: einem präsidialen Ratschlag in Sachen Kindererziehung. »Ich habe sichergestellt, dass Jay-Z Beyoncé hilft und nicht alles Mutter und Schwiegermutter überlässt«, sagte Obama in einem Interview. Die Rede war von Blue Ivy, dem wenige Monate alten Töchterchen der Z-Knowles. Der Präsident weiß, wovon er spricht: Seinen Vater hat er praktisch nie gesehen, die Mutter zog ihn alleine groß, nachdem die Eltern sich hatten scheiden lassen, als der Junge knapp drei Jahre alt war. Obamas eigene Ehe erlebte ihren ersten Stresstest, als er sich vor rund zehn Jahren zunächst erfolglos für den Kongress bewarb und seine Frau Michelle, damals mit der zweiten Tochter Sasha schwanger, sich mit Tochter Malia alleingelassen fühlte. Das Motiv des abwesenden Vaters füllt ganze feministische Vor-, Haupt- und Oberseminare und zahllose psychotherapeutische Praxen.

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Schlimmer als der abwesende Vater ist womöglich nur der anwesende Vater. Snoop Dogg, ein Kollege von Jay-Z, wurde kürzlich beim Vater-Sohn-Kiffen mit seinem Sprössling Corde, 18, abgelichtet. Der Sohn stellte das Foto einvernehmlich ins Internet, positiv ausgelegt wurde das den beiden aber nicht. Moderne Väter können es uns nicht recht machen. Wenn sie weg sind, sind sie nicht da, und wenn sie da sind, fegen sie die Krümel nicht weg. Der einzige Ausweg, das wusste schon Pa Cartwright, der Archetyp des amerikanischen Vaters, wäre eine Haushaltshilfe. Auf der Ponderosa kochte Hop Sing, ein Mann mit Migrationshintergrund, gesundem Menschenverstand und Handfeger. Über Interventionen der damaligen Präsidenten ist nie etwas bekannt geworden.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 31. Oktober 2012 15:31 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Beiträge. Danke, die Redaktion/jp

    • TDU
    • 31. Oktober 2012 17:50 Uhr

    s.o.

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