Pro und ContraDarf man Hausfrau sein?
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Das Leben als Hausfrau betrifft auch den Partner, meint Christoph Drösser

Contra: Zwingt mich nicht, alleine eine Familie zu ernähren!

Man muss kein klischeehafter Frauenversteher oder selbst ernannter Feminist sein, wenn man als Mann sagt: Ich will keine Hausfrau zur Frau! Denn die Entscheidung einer Frau, sich für den absehbaren Rest ihres Lebens nur noch um die Familie und den Haushalt zu kümmern, betrifft ja nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das des Mannes. Sie verpasst ihm im Umkehrschluss die Rolle des »Ernährers«, wie es so schön heißt. Und dieser Rolle kann ich überhaupt nichts abgewinnen.

Das sage ich aus der Position eines Mannes heraus, der im Moment halbtags arbeitet, weil vor gut einem Jahr ein Kind geboren wurde, und dessen Frau im Moment noch viel sporadischer einer Erwerbsarbeit nachgeht. Die Betonung liegt dabei auf »im Moment«. Es ist eine Entscheidung, die wir gemeinsam getroffen haben, für eine absehbare Zeit. Andere Paare kommen vielleicht zu dem Entschluss, dass es für alle am besten ist, wenn die Mutter ein paar Jahre zu Hause bleibt. Biologisch notwendig ist das nicht länger als bis zum Ende der Stillzeit, und erfreulicherweise nehmen ja auch immer mehr Väter die Chance wahr, zumindest einen Teil der Elternzeit zu Hause zu verbringen. Das ist ungemein beglückend, vor allem wenn man (wie ich) der Kinderhölle ein paarmal in der Woche entfliehen kann.

Unter »Hausfrau« verstehe ich aber eine Frau, die eine solche Entscheidung auf Zeit zu einer Entscheidung für ihr ganzes Leben macht. Und da kann ich nur fragen: Mit welchem Recht? Es geht dabei, zumindest in der Mittel- und Oberschicht, gar nicht so sehr ums Geld, das der zum Ernährer ernannte Partner nun exklusiv heranschaffen muss. Es geht um Lebenszeit: Die findet dann nämlich in den allermeisten Fällen während der Woche außer Haus statt, in einem mehr oder weniger befriedigenden Beruf.

So wie es viele glückliche Hausfrauen gibt, gibt es auch genügend Männer, die mit Begeisterung Ernährer sind und sich jeden Morgen freuen, den engen vier Wänden zu entkommen. Aber man hört auch die Klagen der um die 50-Jährigen, wenn deren Kinder sich anschicken, das Nest zu verlassen: Hoppla, war es das schon? Wie ist aus dem hilflosen Kind ein erwachsener Mensch geworden, ohne dass ich es mitbekommen habe? Wenn einem das klar wird, ist es zu spät. Das ist nicht rückholbare Lebenszeit, in der man vielleicht ein paar Sprossen mehr auf der Karriereleiter erklimmen konnte als die Kollegin, die eine Babypause gemacht hat. War das die Sache wirklich wert?

Die Zeiten, in denen der Mensch, vor allem der Mann, am Anfang des Berufslebens einen Weg einschlug, der vorhersehbar mit der Aushändigung des Rentenbescheids endete, sind vorbei – die Wirtschaft funktioniert einfach nicht mehr so, weil die Welt um uns herum sich immer schneller ändert. Das kann Angst machen, aber es kann auch eine Chance sein für Veränderung, für ständiges Sich-neu-Erfinden. Früher war eine Eheschließung ein Versorgungspakt, der jedem der beiden Beteiligten seine Rolle zuschrieb. Heute ist eine Partnerschaft eine Vereinbarung, diesen unberechenbaren Hindernisparcours gemeinsam zu bewältigen. Zwei sind stärker als einer, der eine hält dem anderen den Rücken frei in unsicheren Zeiten – und ein paar Jahre später ist es vielleicht andersherum. Eine Frau, die von mir erwartet, dass ich »bis dass der Tod uns scheidet« für sie und den Nachwuchs sorge, bürdet mir eine Last auf, von der auch der Stärkste heute gar nicht mehr sagen kann, ob er sie tragen kann, selbst wenn er will. Abgesehen davon, dass wir alle wissen, dass die Scheidung oft schon vor dem Tod geschieht.

Mir gefällt die Vorstellung (Chef, bitte weghören), dass wir in ein paar Jahren die Situation einfach umkehren: Meine Frau findet irgendwo auf der Welt einen interessanten Job, und ich gehe mit und arbeite entsprechend weniger. Vielleicht passiert das auch nie, und alles bleibt so, wie es »im Moment« ist – dann aber deshalb, weil wir beide es so gewollt haben. Am besten, davon bin ich überzeugt, wäre sowieso, wenn in einer Partnerschaft beide Teilzeit arbeiteten, vielleicht zusammen anderthalb Stellen. Davon könnten die meisten gut leben – und keiner müsste sich komplett aufgeben für seinen Job.

Christoph Drösser

Siehe auch ZEITmagazin

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Leserkommentare
  1. Mein Mann ist ein prima Hausmann. Er macht den Job total gerne und gut. Ich gehe total gerne arbeiten. Anerkennung, Einlommen, Rente usw. werden redlich geteilt.

    Ich fände es schrecklich wenn wir beide arbeiten gingen. Kein gepflegter Garten, keine Hunde, kein gefüllter Kühlschrak, lene frisch bezogenen Betten. Ginge mein Mann arbeiten, hörte ich sofort auf.

    Selbstverwirklichung ist ein Versprechen irgendwelcher karrieregeilen Dumpfbacken. Das hat nichts kut Emanzipation zu tun, mehr mit Egozentrik.

    12 Leserempfehlungen
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    Sorry für all die Fehler.

    Ist doch - ganz und gar ehrlich gemeint - alles schön und gut!
    Aber ich finde, auch die im Artikel beschriebene Hausfrau soll es geben dürfen! Wie eine Freundin von mir vor kurzem sagte: "Der Fortschritt ist nicht, dass die Frau nicht mehr zu Hause bleiben muss, der Fortschritt ist, dass die Frau gar nichts mehr müssen muss! Dass sie Hausfrau sein kann, wenn sie das möchte, und dass sie arbeiten gehen kann, wenn sie das möchte!"

  2. Sorry für all die Fehler.

    Eine Leserempfehlung

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