Pro und Contra : Darf man Hausfrau sein?
Seite 2/2:

Das Leben als Hausfrau betrifft auch den Partner, meint Christoph Drösser

Contra: Zwingt mich nicht, alleine eine Familie zu ernähren!

Man muss kein klischeehafter Frauenversteher oder selbst ernannter Feminist sein, wenn man als Mann sagt: Ich will keine Hausfrau zur Frau! Denn die Entscheidung einer Frau, sich für den absehbaren Rest ihres Lebens nur noch um die Familie und den Haushalt zu kümmern, betrifft ja nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das des Mannes. Sie verpasst ihm im Umkehrschluss die Rolle des »Ernährers«, wie es so schön heißt. Und dieser Rolle kann ich überhaupt nichts abgewinnen.

Das sage ich aus der Position eines Mannes heraus, der im Moment halbtags arbeitet, weil vor gut einem Jahr ein Kind geboren wurde, und dessen Frau im Moment noch viel sporadischer einer Erwerbsarbeit nachgeht. Die Betonung liegt dabei auf »im Moment«. Es ist eine Entscheidung, die wir gemeinsam getroffen haben, für eine absehbare Zeit. Andere Paare kommen vielleicht zu dem Entschluss, dass es für alle am besten ist, wenn die Mutter ein paar Jahre zu Hause bleibt. Biologisch notwendig ist das nicht länger als bis zum Ende der Stillzeit, und erfreulicherweise nehmen ja auch immer mehr Väter die Chance wahr, zumindest einen Teil der Elternzeit zu Hause zu verbringen. Das ist ungemein beglückend, vor allem wenn man (wie ich) der Kinderhölle ein paarmal in der Woche entfliehen kann.

Unter »Hausfrau« verstehe ich aber eine Frau, die eine solche Entscheidung auf Zeit zu einer Entscheidung für ihr ganzes Leben macht. Und da kann ich nur fragen: Mit welchem Recht? Es geht dabei, zumindest in der Mittel- und Oberschicht, gar nicht so sehr ums Geld, das der zum Ernährer ernannte Partner nun exklusiv heranschaffen muss. Es geht um Lebenszeit: Die findet dann nämlich in den allermeisten Fällen während der Woche außer Haus statt, in einem mehr oder weniger befriedigenden Beruf.

So wie es viele glückliche Hausfrauen gibt, gibt es auch genügend Männer, die mit Begeisterung Ernährer sind und sich jeden Morgen freuen, den engen vier Wänden zu entkommen. Aber man hört auch die Klagen der um die 50-Jährigen, wenn deren Kinder sich anschicken, das Nest zu verlassen: Hoppla, war es das schon? Wie ist aus dem hilflosen Kind ein erwachsener Mensch geworden, ohne dass ich es mitbekommen habe? Wenn einem das klar wird, ist es zu spät. Das ist nicht rückholbare Lebenszeit, in der man vielleicht ein paar Sprossen mehr auf der Karriereleiter erklimmen konnte als die Kollegin, die eine Babypause gemacht hat. War das die Sache wirklich wert?

Die Zeiten, in denen der Mensch, vor allem der Mann, am Anfang des Berufslebens einen Weg einschlug, der vorhersehbar mit der Aushändigung des Rentenbescheids endete, sind vorbei – die Wirtschaft funktioniert einfach nicht mehr so, weil die Welt um uns herum sich immer schneller ändert. Das kann Angst machen, aber es kann auch eine Chance sein für Veränderung, für ständiges Sich-neu-Erfinden. Früher war eine Eheschließung ein Versorgungspakt, der jedem der beiden Beteiligten seine Rolle zuschrieb. Heute ist eine Partnerschaft eine Vereinbarung, diesen unberechenbaren Hindernisparcours gemeinsam zu bewältigen. Zwei sind stärker als einer, der eine hält dem anderen den Rücken frei in unsicheren Zeiten – und ein paar Jahre später ist es vielleicht andersherum. Eine Frau, die von mir erwartet, dass ich »bis dass der Tod uns scheidet« für sie und den Nachwuchs sorge, bürdet mir eine Last auf, von der auch der Stärkste heute gar nicht mehr sagen kann, ob er sie tragen kann, selbst wenn er will. Abgesehen davon, dass wir alle wissen, dass die Scheidung oft schon vor dem Tod geschieht.

Mir gefällt die Vorstellung (Chef, bitte weghören), dass wir in ein paar Jahren die Situation einfach umkehren: Meine Frau findet irgendwo auf der Welt einen interessanten Job, und ich gehe mit und arbeite entsprechend weniger. Vielleicht passiert das auch nie, und alles bleibt so, wie es »im Moment« ist – dann aber deshalb, weil wir beide es so gewollt haben. Am besten, davon bin ich überzeugt, wäre sowieso, wenn in einer Partnerschaft beide Teilzeit arbeiteten, vielleicht zusammen anderthalb Stellen. Davon könnten die meisten gut leben – und keiner müsste sich komplett aufgeben für seinen Job.

Christoph Drösser

Siehe auch ZEITmagazin

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

96 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Entschleunigung für alle!

Ich habe mit dem Pro-Artikel so meine Probleme.

Zum einen erscheint es mir historisch etwas ungenau davon zu sprechen, dass die bürgerliche Hausfrau über Jahrhunderte eine machtvolle Person war, um im nächsten Schritt diverse Tätigkeiten aufzulisten, die bäuerliche oder handwerkliche Voraussetzungen erfüllt. In der vorindustriellen Haus- und Familienform mag das - was dort beispielhaft mit Luthers Ehefrau umrissen wird - zutreffen. Die Frau hatte dort viele Aufgaben und war, genauso wie der Mann auch, für das wirtschaftliche Überleben der Familie verantwortlich.
Erst mit der Industrialisierung kam die krasse Trennung zwischen Arbeit (außer Haus) und Hausarbeit (im Haus). Hier würde ich allerdings eher nicht von einer bürgerlichen Hausfrau sprechen - sondern von Bäuerinnen oder Handwerkerfrauen, o.ä.
Und auch erst mit der Industrialisierung kam die bürgerliche Hausfrau, die viel zitierte, in dieser Form auf den Plan. Diese war allerdings gerne auch von Hauspersonal unterstützt. Ferner konnten sich diese Lebensform auch nicht viele leisten. Und - und das finde ich fast noch interessanter: sie war politisch ohne Rechte! Wie machtvoll ist das?

Zum anderen schrieb Frau Rückert von der Entschleunigung, für die die Hausfrau steht. Das hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Aber dann bitte doch nicht nur für die Hausfrau! Sondern auch für den Vater und die Kinder (Leistungsdruck schon in der Grundschule). Ist nicht für alle mehr Entschleunigung drin?

Entschleunigung

Natürlich Entschleunigung für alle, wie könnte ohne Haus"frau" der Partner nach der Arbeit sich nicht um Steuererklärung, Bank, Garten, Hausreparaturen, Putzen, Hausaufgaben und sonstiges kümmern müssen. Was Hausfrauen/Hausmänner zu der Leistungsfähigkeit ihrer Ehepartner beitragen, das merken die Partner erst wenn die Haus"frau" wieder anfängt zu arbeiten (trotz Studium, Fortbildung und freiberuflicher Arbeit zu Hause natürlich erheblich unter Niveau...) oder bei der Kündigung.

Entschleunigung auch für die Kinder, weil man den Leistungsdruck abfangen kann und viel mehr Möglichkeiten hat als ein Kindergarten oder Nachhilfe. Dieses Modell ist für die Haus"frau" selbst Stress pur bei P"freier" Zeiteinteilung und eigentlich nicht zu empfehlen, aber die Kinder haben keine 08/15 Erziehung und stattdessen eine Lebensphilosophie.

"One size fits all" gab's früher auch nicht

Das Frauenleben stellte, genauso wie bei Männern, noch nie ein einheitliches Bild dar. Jede Frau lebte wie sie konnte, durfte oder musste.

Das ist heute nicht anders, auch wenn manche das Gefühl haben, dass der einer oder anderer Lebensweg überholt geworden ist.

Beispiel: Zwei Mütter haben jeweils ein Kind, das ungefähr gleich alt und ähnlichen gravierenden Lernschwierigkeiten hat. Die Lehrer empfehlen eine Sonderschule. Es ist dort die Hölle, da sind sowohl Lernschwäche als auch sehr aggressive Kinder zusammengefrachtet.

Die eine Mutter nimmt das Angebot wahr, sie muss sowieso arbeiten gehen, da ihre Familie große Bedürfnisse in Richtung Markenklamotten, Heimaturlaub, großes Auto und Tapetenwechsel alle zwei Jahre hat.

Die andere lehnt zusammen mit dem Ehemann das Angebot ab, mit seiner Unterstützung darf sie zu Hause bleiben um das gemeinsame Kind ein erfolgreichen Regelschulbesuch zu ermöglichen. Jahrelang verzichtet man auf oben genannten Konsumgüter, man wird als Loser behandelt.

Irgendwann hat das erste Kind es zu einer Ganztagsklasse der Hauptschule geschafft. Der Alltag dort ist rau und gefährlich. Leistung wird verpönt.

Das zweite Kind besucht eine höhere Schule. Es gibt auch Probleme z.B. ständiger Unterrichtsausfall. Das es aber erheblich besser zugeht, dürfte klar sein.

Fortsetzung folgt.

"One size fits all" gab's früher auch nicht 2

Ist die eine Mutter besser als die andere nur weil sie zu Hause geblieben ist oder putzen geht? Kaum. Beide sind gleich gut/schlecht auf ihre Art.

Die eine hat dies ermöglicht, die andere jenes.

Beide werden eine Sinneskrise in der Zukunft haben, beide sind vom Altersarmut bedroht. (Schließlich bekommt Frau auch keine große Rente vom Putzen.)

Die arbeitende Frau war ein höherer Schulbesuch des Kindes selbstverständlich auch sehr wichtig. Sie hat nur darauf vertraut, dass die Schule das Problem schon bügeln wird.

Für die Hausfrau war es viel billiger die Sache selbst in der Hand zu nehmen als eine Nachhhilfe zu bezahlen. Zu viele waren die Problemen und zu groß. Dafür muss sie mitansehen wie andere Mütter ihr Studium/Karriere problemlos nachholen. Schließlich das bisschen Betreuung eines nicht behinderten Kindes pack die Grossmutter oder die Ganztagsklasse auch.

Jede muss mit den Konsequenzen ihrer Wahl leben.

Die gute alte Mittel- und Oberschicht

Ach ja, die ZEIT, das Hausblatt des deutschen Bürgertums: Sabine Rückert fabuliert in der ersten Hälfte ihres Textes über "die bürgerliche Hausfrau", als sei das nicht ein eher kleiner Teil der weiblichen Bevölkerung gewesen, und auch Christoph Drösser kann es nicht, ohne die Reichweite seiner Analyse auf die "Mittel- und Oberschicht" einzuschränken. Deutsche Lebenswirklichkeit jenseits davon scheint für ZEIT-Autoren nicht stattzufinden. Auch schade.

Meine Rede, danke

Vielen Dank für diese Bemerkung, genau das fiel mir auch gleich auf!

Liebe Zeit, Mittelschicht sind auch die ausgebildeten Fachkräfte (anderswo läuft das unter Akademiker, da ein so exzellentes duales Ausbildungssystem wie in Deutschland oder Österreich leider nicht überall existent ist - dafür aber unsere Jugendarbeitslosigkeit schön niedrig hält).
Öfter mal über den Tellerrand schauen. Auch der Mechaniker, die Erzieherin, die Floristin, der Altenpfleger, der Bankkaufmann etc. gehören zur Mittelschicht. Manch ein Schreiner-Meister soll sogar mehr Geld verdienen und sozial engagierter (siehe Sportvereine, freiwillige Feuerweht etc.) sein, als manch ein Pädagoge, Geistenwissenschaftler etc.

Auch Realschüler, Hauptschüler oder Gesamtschüler können lesen und schreiben, manch einer soll sogar Zeitung lesen und seine Kinder nicht zur Verdummung bringen.