Armutsrisiko ScheidungArme Frau

Sie gab ihren Beruf auf, obwohl sie es eigentlich besser wusste. Dann scheiterte ihre Ehe und damit auch das Lebensmodell. Jetzt ist ihr größtes Problem das Geld. von Julia Friedrichs

Katrin Steinbrenner sagt, dass das Geld nicht reicht, um am Leben teilzunehmen.

Katrin Steinbrenner sagt, dass das Geld nicht reicht, um am Leben teilzunehmen.  |  © Sigrid Reinichs

Ein reinweißer Kittel, gestärkt und gebügelt, der verbirgt so manches. Die Armut und die Scham zum Beispiel. Solange Karin Steinbrenner diesen Kittel trägt und ihr Namensschild auf der Brust fühlt, ist sie mit sich im Reinen. Es ist kurz nach zwölf Uhr. Karin Steinbrenner thront auf einem hohen Stuhl hinter ihrer Kasse in der Filiale der Drogerie Rossmann in der Lüneburger Fußgängerzone. Alles an ihr ist in Bewegung. Das dichte, lockige Haar wippt. Die Hände rasen über den Warenscanner. Schokoriegel, Apfelschorle, Grußkarten. Feuchttücher, Stilleinlagen, Entwässerungskuren. Wer Karin Steinbrenner zuschaut, versinkt nach wenigen Minuten in diesem Strom aus Waren und Menschen, der an ihr vorbeizieht. Ein Strom, der den Beobachter anstrengt und ermüdet.

Karin Steinbrenner aber strahlt. Hinter ihrer Kasse sieht die 42-Jährige jünger aus, als sie tatsächlich ist. Sie wirkt souverän, auf eine rührende Art fast stolz. Und sie sagt Sätze, die man von einer Kassiererin nicht erwarten würde: »Das hier, die Kasse, das ist mein Leben, mein Glück. Alle kaufen hier ein. Mich kennt die halbe Stadt.«

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Nach Dienstende ist sie eine Mutter, die oft in der Mitte des Monats fürchten muss, dass das Geld nicht reichen wird, um ihrem Sohn Sascha etwas anderes aufzutischen als Nudeln und Toast, weil das billig ist. Eine Mutter, die ihm fast all die Dinge verweigern muss, die nicht wirklich lebenswichtig sind, die aber das Leben ausmachen, wenn man 14 Jahre alt ist: mal ins Kino gehen, eine Playstation kaufen oder ein Mal im Leben in den Urlaub fahren. »Ich hasse mich dafür, dass ich meinem Sohn so wenig ermöglichen kann«, sagt sie. Geschichten wie die der Rossmann-Kassiererin Karin Steinbrenner werden selten erzählt, weil sie auf den ersten Blick so gewöhnlich wirken. Es ist die Geschichte eines normalen Frauenlebens in einem reichen Land, das sich daran gewöhnt hat, dass Mutterwerden eines der großen Armutsrisiken ist. Vor allem weil es in der Regel die Mütter sind, die den Beruf unterbrechen, Hausfrau werden und merken, dass der Arbeitsmarkt diese Entscheidung später mit aller Härte bestraft.

Zwischen dem wirtschaftlichen Status von Männern und Frauen klafft noch immer eine gewaltige Lücke: 70 Prozent der Niedriglöhner sind Frauen. 97 Prozent der Vorstandschefs der börsennotierten Unternehmen sind Männer. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, jede Dritte ist arm, hat also weniger als 1015 Euro im Monat, um sich und ein Kind zu versorgen. Das verfügbare Durchschnittseinkommen von Vätern dagegen steigt nach einer Trennung.

Vor dem Gesetz sind Männer und Frauen seit über fünf Jahrzehnten gleich. Wer verstehen will, warum die Kluft zwischen den Geschlechtern dennoch so gewaltig sei, heißt es im ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011, der muss den Blick von der Momentaufnahme lösen und ein ganzes Frauenleben betrachten. Jeder Mensch gelangt an Knotenpunkte, analysieren die Wissenschaftler: Berufswahl, Partnerschaft, Geburt der Kinder, Familienzeit, Trennung. Mit überraschender Verlässlichkeit entscheiden sich die meisten Frauen an jedem der Knotenpunkte für die Familie und gegen die Karriere. Ein zeitweiliges Zurückstecken mag sich richtig und vernünftig anfühlen. Das Problem aber ist, dass mit jeder dieser Entscheidungen die Wahlmöglichkeiten am nächsten Knotenpunkt geringer sind. Und dass es so unglaublich schwer ist, einen einmal eingeschlagenen Pfad zu verlassen, wenn er sich als Sackgasse erwiesen hat.

Karin Steinbrenner kommt 1970 in Lüneburg als drittes Kind eines Gaststättenwirts und einer Hausfrau zur Welt. Ihre Eltern haben wenig Zeit für sie. »Wir liefen so mit«, sagt sie. »Wenig Hilfe in der Schule, wenig Ermunterung.« Karin Steinbrenner ist ein wildes Mädchen, liebt Fußball statt Puppen und sucht überall das, was sie zu Hause so selten bekommt: Aufmerksamkeit. »Ich habe mich immer in den Vordergrund gedrängt«, sagt sie.

Karin Steinbrenner ist kein typisches Mädchen. Trotzdem nimmt sie nach dem Hauptschulabschluss, am ersten Knotenpunkt ihres Lebens also, den Weg, den auch heute noch viele Mädchen gehen, sie macht eine Lehre als Verkäuferin in einem Lebensmittelmarkt. Studien, die die Berufswünsche von Kindern untersuchen, kommen seit Jahrzehnten zu nahezu identischen Ergebnissen: Schon im Alter von fünf Jahren wissen die meisten Kinder, welche Berufe als angemessen für ihr Geschlecht gelten. Als Teenager wählen sie dementsprechend aus: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Arzthelferin und Friseurin sind auch heute noch die häufigsten Ausbildungsberufe junger Frauen.

Karin Steinbrenner vermag nicht zu sagen, warum sie Verkäuferin geworden ist. »Es kam einfach so«, sagt sie. War ihr klar, dass es mit dem Beruf schwer sein würde, eine Familie zu ernähren? »Nee, überhaupt nicht. Wenn man so jung ist, dann denkt man darüber gar nicht nach. Aus heutiger Sicht war das sicher ein Fehler.«

Damals aber hat Karin Steinbrenner das Gefühl, das Richtige zu tun. »Ich war fasziniert von der Ware, von den Kunden«, sagt sie. »Warum wählen die welches Produkt? Werbung, Marketing, das war immer mein Traum.« Und doch schlägt sie den Weg einer Verkäuferinnenlehre ein. Im ersten Berufsjahr entwirft sie in ihrer Freizeit Fantasie-Slogans für ihre Arbeitgeber, beklebt damit ihr erstes eigenes Auto. Sie liebt ihren Laden, deckt Fehler in der Inventur auf. Karin Steinbrenner steigt schnell auf. Bald leitet sie ihre erste Filiale. Sie verdient gut, kauft sich einen BMW , tiefer gelegt, mit breiten Reifen. »Traumhaft viel Geld« habe sie in dieser Zeit gehabt, sagt sie. Mit 26 dann steigt sie bei Rossmann ein, übernimmt eine umsatzstarke Filiale in der Innenstadt, hat zwölf Leute unter sich. »Das hat Spaß gemacht. Natürlich. Aber ich hatte einen anderen Lebensplan. Ich habe von Kindern geträumt und von einem tollen Mann.«

Den Mann, mit dem das wahr werden soll, trifft Karin Steinbrenner im Fitnessstudio. Er arbeitet nicht nur dort, sondern ist auch Profibodybuilder. »Das war mein Mann, mein Typ, mein Mensch. Ich habe ihn wirklich geliebt«, sagt sie. Er zieht zu ihr in die Wohnung. Es ist eine Partnerschaft unter Gleichen. Jeder hat sein eigenes Geld, die Arbeit im Haushalt teilen sie. »Ich fand seine Nase toll, seinen Mund. Und ich habe mir gedacht: Unsere Kinder sollen genau so aussehen. Und auch er wollte mit mir eine Familie.«

1998 kommt Sascha, das Wunschkind, zur Welt, und alles wird anders. Kurz vor der Geburt hat Karin Steinbrenner die Stelle als Filialleiterin gekündigt. Sie will als Hausfrau ganz für ihren Sohn sorgen. An den meisten Abenden ist ihr Freund bis um zehn Uhr im Fitnessstudio, das er mittlerweile selbst leitet. Karin Steinbrenner sitzt zu Hause, und ihr Alltag ist so ganz anders als ihr Traum vom Familienleben. Sascha schreit viel. Sie ist überfordert und versinkt über Monate in einem Strudel aus Brüllen und Stillen, benebelt von Talkshows, die sie den ganzen Tag laufen lässt. »Es war schrecklich. Ich glaube, am Anfang habe ich nur geweint. Geweint, weil ich allein bin, geweint, dass ich kein Geld mehr habe, dass mein Job weg ist, dass die Bestätigung weg ist. Ich fiel in ein Loch.« War das klar, dass die Betreuung des Kindes ihre Aufgabe sein würde? »Ja. Eigentlich blöd. Dabei hätte er gerne mehr gemacht. Er hat es so oft gesagt: Karin, lass doch mal was liegen. Aber ich habe ihn nicht gelassen.« Es ist, sagt sie, als habe sie damals den Verstand abgeschaltet. Dass sie bald wieder in den Beruf zurückkehren könnte oder sich die Kindererziehung mit ihrem Mann teilen könnte, diese Möglichkeit existierte nicht in ihrem Weltbild. Und der deutsche Staat unterstützt dieses Rollenmodell seit jeher. Im Gegensatz zu Skandinavien und Frankreich , wo der Staat gezielt die Kinderbetreuung fördert , oder Großbritannien , wo viele Frauen gar nicht anders können, als schnell wieder zu arbeiten, ist Deutschland immer noch konservativ, der Staat unterstützt nicht in erster Linie die Kinderbetreuung, sondern die Mutter, die zu Hause bleibt.

Das erste Kind, so beschreiben es Wissenschaftler, ist und bleibt der große »Traditionalisierer« im Leben der meisten Paare. Das erste Jahr gilt fast allen Eltern als Aufgabe der Mutter. Danach hat sich die Arbeitsteilung im Haushalt oft dauerhaft verändert. In einer aufwendigen Langzeitstudie hat eine Gruppe Bamberger Forscher über Jahre die Rollenverteilung von Ehepaaren untersucht. Im Moment der Eheschließung teilten noch gut 40 Prozent der Paare die Hausarbeit relativ partnerschaftlich auf, schreiben die Wissenschaftler. Dieser Anteil sinkt über die Jahre und betrug bei der letzten Befragung nach 14 Jahren Ehe nur noch 13,7 Prozent. Vor allem nach der Geburt des ersten Kindes zögen sich viele Väter zurück.

Mutmaßungen über die Gründe dieser überraschend klaren Rollenverteilungen füllen Regalmeter. Zwei mögliche Ursachen aber liefern fast alle Forscher: Zum einen scheint es vielen Frauen schwerzufallen, die Macht im Haushalt abzugeben. Sie wünschen sich zwar, dass die Männer mithelfen, lassen aber selten zu, dass diese auch wirklich mitbestimmen. Und so verharrt der putzwillige Partner oft in der wenig attraktiven Rolle des Schülers, der ständig etwas falsch macht, und gibt irgendwann auf. Zum anderen beobachten die Forscher, dass die Aufgabenteilung bei den wenigsten Paaren ausgehandelt wird. Die meisten gleiten gemächlich in über Generationen erlernte Verhaltensweisen hinein. Und so, staunt ein Forscher, schafften es selbst die Paare, die in den Interviews verbal die Idee der Gleichheit der Geschlechter priesen, die Ungleichheit im Haushalt einfach so hinzunehmen.

Als Karin Steinbrenners Sohn ein Jahr alt ist, trennt sich ihr Freund von ihr. »Er meinte immer: Du siehst mich nicht mehr«, sagt sie. »Wir leben zusammen. Aber du nimmst mich nicht wahr. Und so war es wohl auch.« Schon bald hat er eine andere Frau. Den Unterhalt für seinen Sohn überweist er stets pünktlich. Weil Karin Steinbrenner nicht verheiratet war, hat sie nach der Trennung keinen Anspruch auf Versorgung. »Das geht ganz schnell«, sagt sie. »Alleinerziehend und sofort Sozialhilfe.«

In einer gediegenen Kanzlei am Kurfürstendamm füllen solche Abstiege von Frauen ganze Aktenmeter. Lore Maria Peschel-Gutzeit, die 1960 eine der ersten Richterinnen Deutschlands war, später Justizsenatorin in Berlin , sitzt am Konferenztisch. Peschel-Gutzeit ist Spezialistin für Familienrecht. Sie hält oft Vorträge, spricht an Schulen und an Universitäten. Peschel-Gutzeit ist 80 Jahre alt, trägt ein rosafarbenes Jackett, onduliertes Haar. Eine konservative Frau, denkt man, bis sie zu reden beginnt. »Wenn ich jungen Frauen davon abrate, sich finanziell abhängig zu machen, dann schauen die mich an und sagen: ›Aber wir lieben uns doch!‹. Es sind archaische Vorstellungen, die sie aus den Köpfen nicht herausbekommen: Er verdient das Geld, und sie hält ihm den Rücken frei.« Zu Lore Peschel-Gutzeit kommen die Frauen ganz am Anfang, vor der Trauung, wenn sie über einen Ehevertrag nachdenken. Dann rät Peschel-Gutzeit ihnen, meist vergeblich, schriftlich zu vereinbaren, wer wie lange zu Hause bleiben wird, wenn Kinder da sind – und wie der arbeitende Ehepartner den sorgenden dafür entschädigt. Und vor ihr sitzen die Frauen am Ende der Ehe, wenn sie einsehen müssen, dass der Traum nicht hielt. »Meine Mandantinnen sind dann völlig erschüttert. Ich habe nicht eine dabei, die gesagt hat: Ich habe einen Plan für den Ernstfall.« Selbst wenn das Ende nicht überraschend käme, weil der Mann zum Beispiel seit langem eine Freundin habe, würden viele Frauen nichts unternehmen, um finanziell autark zu werden. Offenbar sind die alten Leitbilder zu tief in ihnen verankert und die Frauen zu träge, sie zu überwinden. Es fehlen die Vorbilder dafür und ein staatlicher Anreiz.

Im Jahr 2008 wurde das Unterhaltsrecht neu geregelt . Seitdem gilt der Grundsatz der Eigenverantwortung. »Wie das dann im Falle der meisten klassischen Frauenberufe abläuft, kann ich Ihnen erzählen«, sagt Lore Peschel-Gutzeit. »Da kommt dann eine Mutter, die Einzelhandels- oder Bürokauffrau oder Friseurin gelernt hat, und die trifft auf einen Arbeitsmarkt, der zerteilt ist in Minijobs und Midijobs und Teilzeitjobs und Zeitarbeit. Diese Mütter können mit ihrem erlernten Beruf keine sichere Lebensgrundlage mehr schaffen.«

Karin Steinbrenner verließ Rossmann als Filialleiterin. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes fängt sie als Packhilfe im selben Laden wieder an. 10,5 Stunden die Woche will sie zunächst arbeiten. Einen Kita-Platz für Sascha hat sie nicht, deshalb weiß sie nicht, wohin mit ihrem Sohn, wenn der Vater keine Zeit hat. Ihre Chefin ist nachsichtig, auch wenn Karin Steinbrenner häufig kurzfristig absagen muss. »Ich habe ständig geweint. Das Kind, die Trennung, die Sozialhilfe. Es war alles zu viel. Als Sascha zwei Jahre alt war, hab ich dann gekündigt, obwohl ich meine Arbeit liebe.« Mehr als zwei Jahre lang bleibt Karin Steinbrenner zu Hause. Dann kehrt sie zurück. Diesmal hält sie durch. Auch weil sie für Sascha einen Halbtagsplatz im Kindergarten bekommen hat. Sie ist dankbar, dass Rossmann ihr noch mal eine Chance gewährt, aber wieder ist sie Packhilfe für 10,5 Stunden pro Woche. Es ist, als seien all ihre Qualifikationen durch Saschas Geburt und die Zeit als Hausfrau entwertet worden.

Von den 400 Euro, die Rossmann ihr monatlich zahlt, darf sie 160 behalten. Der Rest wird auf ihr Hartz-Geld angerechnet. »Man arbeitet, aber man ist trotzdem ausgegrenzt, am Rande«, sagt Karin Steinbrenner. »Bei uns hat das Geld einfach nie gereicht, um am Leben wirklich teilzunehmen.« Das Hartz-Geld, das laut Gesetz die Existenz sichern soll, ist einfach zu wenig. Als Karin Steinbrenner schließlich zur Lüneburger Tafel geht, um dort um Essen zu bitten, zieht sie den Kragen ihrer Jacke hoch. »Das war so peinlich«, sagt sie. »Weil mich ja so viele vom Rossmann kennen.« Sie ist überrascht, wie viele ihrer Kunden in der Schlange stehen und auch auf ein paar Lebensmittel hoffen. Solange sie Hartz IV bekommt, geht Karin Steinbrenner von da an zwei Mal pro Woche zur Tafel. »Es ist wie betteln«, sagt sie. »Aber ich bin glücklich, dass es solche Hilfen gibt.« Sechs Jahre lang lebt Karin Steinbrenner mit dieser Mischfinanzierung aus Hartz IV, dem Job und schließlich den Essensspenden.

Sieben Millionen Menschen arbeiten als geringfügig Beschäftigte. 63 Prozent sind Frauen. Aus der »Perspektive der Geschlechtergleichstellung« seien die Minijobs »desaströs« urteilt eine Expertenkommission, die das Familienministerium berät. Der Gesetzgeber dränge durch die steuerliche Bevorzugung dieser Jobs viele Frauen in die Arbeitsverhältnisse, die niemanden ernähren, mache sie finanziell abhängig von staatlicher Hilfe oder dem Gehalt des Ehemanns. Aus der Perspektive vieler Arbeitgeber scheint das Modell dagegen lohnend zu sein. Bei den Gebäudereinigern und in der Gastronomie sind inzwischen 40 Prozent der Beschäftigten 400-Euro-Jobber. Auch der Einzelhandel setzt massiv auf die Aushilfskräfte. Nur darüber reden möchte kaum jemand. Lidl, Aldi, KiK : Sie alle lehnten ab, für diesen Text den Kontakt zu einer 400-Euro-Kraft zu vermitteln. Es ist ihnen wohl unangenehm, wenn nach außen dringt, dass ein beträchtlicher Teil der Mitarbeiter von der Arbeit nicht leben kann.

Der Abstieg von Karin Steinbrenner war rasant. Der Versuch, sich wieder aufzurappeln, dauert nun schon dreizehn Jahre. 2009 bietet ihr Rossmann endlich einen Teilzeitjob an. 52 Prozent der deutschen Frauen arbeiten Teilzeit, viele mit geringer Stundenzahl, obwohl sie gerne mehr arbeiten würden. In den letzten Jahren ist in Deutschland zwar die Zahl der Frauen, die berufstätig sind, gestiegen. Die Zahl der Stunden aber, die jede Frau im Schnitt arbeitet, ging zurück. Damit ist Deutschland ein europäischer Sonderfall. Ein Grund für diese Zerfaserung der Erwerbstätigkeit sind die Minijobs. »Ich glaube nicht, dass dieses deutsche Modell weiblicher Erwerbstätigkeit zukunftsfähig ist«, kommentiert das der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow.

»Seit ich auf zwanzig Stunden bin, habe ich das Gefühl, dass ich mehr wert bin«, sagt Karin Steinbrenner. »Ich wohne direkt beim Amt und sehe die Arbeitslosen da immer in der Schlange stehen. Es ist wunderschön, nicht mehr dazugehören zu müssen. Aber mehr Geld habe ich immer noch nicht.« Karin Steinbrenner, die mal eine schlechte Schülerin war, hat gelernt, zu rechnen. Ihr Monatsbudget addiert sie aus dem Stand: Das Gehalt für 20 Stunden bei Rossmann, der Unterhalt von Saschas Vater und das Kindergeld machen zusammen 1371 Euro netto. Davon gehen 413 Euro für die Miete ab, 240 Euro für Strom, den vor allem der Warmwasseraufbereiter zieht. Dann noch weitere Kosten für Handys, Versicherungen, Schuldenrückzahlung und einiges mehr. »Für Essen, Kleidung, Schulsachen bleiben uns 350 Euro im Monat. Wir sind immer noch arm.«

In einem schmucklosen Altbau in Berlin-Pankow ist diese Armut der Mütter der Hauptgrund für die vielen Kreuze, die Sozialarbeiterin Regina Ruhm auf ihren Beratungsbögen macht. Jedes Kreuz steht für ein Leben, das vermutlich nie beginnen wird. »Als ich bei der Schwangerenkonfliktberatung angefangen habe, war ich überrascht«, sagt Regina Ruhm. »Man denkt ja, die klassischen Gründe für eine Abtreibung seien andere: Der Partner ist abgehauen oder will kein Kind. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die meisten Frauen wirtschaftliche Gründe nennen.« Die Frauen, die vor ihr sitzen, haben Zeit-, 400-Euro- oder Niedriglohnverträge. »Es kommen Bäckereiverkäuferinnen, die wissen, dass keine Kita zu ihren Arbeitszeiten ab vier Uhr morgens geöffnet hat, oder Verkäuferinnen, die ständig am Wochenende und am Abend arbeiten müssen. Die haben Angst, dass der Job weg ist, wenn sie sich für das Kind entscheiden, dass sie dann für immer arm sind.« Vor allem Frauen, die das zweite oder dritte Kind erwarten, säßen vor ihr, sagt Regina Ruhm. Frauen, die nach einem langen Weg wieder ins Berufsleben zurückgekehrt seien. »Die entscheiden sich dann oft gegen das Kind, weil sie nicht wieder zu Hause sein wollen«, sagt Regina Ruhm. »Weil sie wissen, wie schwer es wird. Und ich kann denen dann nicht einmal sagen: Die Gemeinschaft kümmert sich, es gibt Kita-Plätze, es gibt Arbeitgeber, die Rücksicht nehmen.«

Bald endet Karin Steinbrenners Schicht. Die Plastikkassette mit den Einnahmen in der Hand, verlässt sie ihre Kasse. Als sie den weißen Kittel ausgezogen hat, sieht sie müde und geschafft aus. Vor Kurzem hatte sie ihren Rentenbescheid in der Post. Seitdem gibt es eine weitere Zahl in ihrem Leben, die ihr Angst macht. Wenn es ihr nicht gelingt, mehr zu arbeiten, wird sie einen Rentenanspruch von 300 Euro haben. Die wirtschaftliche Bilanz eines normalen Frauenlebens in Deutschland. Im Schnitt haben Frauen rund 60 Prozent niedrigere Rentenbezüge erarbeitet als Männer. Karin Steinbrenner hat einen Beruf erlernt, ein Kind erzogen und sich angestrengt, dennoch immer zu arbeiten. »Und dann«, sagt sie, »sitze ich vor diesem Zettel und frage mich: Karin, was hast du falsch gemacht?«

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Leserkommentare
  1. Die Überschrift des Artikels ist irreführend. Die Ehe konnte nicht scheitern, weil Frau Steinbrenner nicht verheiratet war, so steht es zumindest im Text.
    Sozialpolitisch liegen die Konsequenzen des Beschriebenen auf der Hand: Minijobs abschaffen, Mindestlöhne einführen. Und Anreize setzen, die Versorgungsaufgaben partnerschaftlich zu teilen (inklusive eines besseren Betreuungsangebots).

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    Es gibt bereits genug Anreize, die Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen.
    Nicht zuletzt das neue Unterhaltsrecht, das den Ehegattenunterhalt praktisch nicht mehr kennt.

    Frauen gehen mit dem ersten Kind aus ihrem Beruf, nach einiger Zeit zurück in Teilzeit, verspielen damit Aufstiegs- und Gehaltserhöhungschancen, obwohl eigentlich alles gegen ein derartig irrationales Verhalten spricht.

    Das will mir nie und nimmer in den Kopf.

    Wahrscheinlich helfen nur Vorbilder.

    Meine Großmutter war in Vollzeit berufstätig, meine Mutter war es und ich bin es auch.
    Für meine Töchter kommt nichts anderes in Frage.

    Alles ohne Mindestlöhne.
    Die werden auch nichts ändern, solange in Frauenköpfen noch herumspukt, daß sie die besseren Mütter und Köchinnen und Kindererzieherinnen sind.

    k.

    • ad hoc
    • 02. November 2012 10:42 Uhr

    Außer dass Frau Steinbrenner gar nicht verheiratet war sehe ich da noch mehr Ungereimtheiten.
    Im Artikel wird suggeriert hätte Frau Steinbrenner ihren Beruf nicht aufgegeben und gäbe es Kinderbetreuungsmöglichkeiten hätte sie keine Probleme.
    Das mag mit dem Gehalt einer Filialleiterin noch zutreffend sein, aber es sind nun mal nicht alle Filialleiter. Überhaupt wird in den Medien als warnendes Beispiel gerne die Führungskraft oder Karrierefrau herangezogen, die durch Unterbrechung ihrer Berufstätigkeit dauerhaft in die Perspektivlosigkeit abdriftet.
    Nun gibt es aber verhältnismäßig mehr Untergebene als Führunskräfte, mehr Menschen die Vollzeit zu niedrigem Lohn arbeiten, gebraucht werden und aus verschiedenen Gründen keine Karrieren machen werden.
    Stehen die Niedriglöhner - Frauen wie Männer - nach einer Trennung oder Scheidung mit Kind/Kindern wirklich besser da, selbst wenn sie ihre Berufstätigkeit nicht unterbrochen haben und ihre Kinder in Krippen geben ?

    Das Problem liegt nicht am Scheidungsrisiko, es liegt am System.

    Was für ein wunderbarer Artikel,
    vielen Dank.
    Für mich ein ganz wichtiges Thema : Gleiches Geld für gleiche Arbeit bzw. ausreichend Geld für Tätigkeiten, die der Gesellschaft wichtig sind
    wie Kindererziehung und Altenpflege.

    • IQ130
    • 03. November 2012 15:52 Uhr

    Arbeitgeber riechen es förmlich, wenn Bewerber im Einstellungsgespräch auf die Entlohnung angesprochen werden. Ist man von der Bezahlung abhängig, werden niedrigere Forderungen gestellt.

    Eine Absolventin wurde in einem befreundeten(!) Unternehmen gefragt: Wo ist denn Ihr Existenzminimum? Sie war auf das Gehalt angewiesen und hätte tatsächlich diesen Hungerlohn akzeptiert. Gott sei Danke konnte ich ihr eine bessere Stelle verschaffen.

    Ein Absolvent wurde mit einem "maximal zahlbarem" Gehalt konfrontiert (andere Firma). Er sagte klipp und klar, dass er es nicht nötig habe.

    Von solchen Gesprächen könnte ich mittlerweile ein Buch schreiben. Die FDP wäre begeistert!

  2. Es gibt bereits genug Anreize, die Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen.
    Nicht zuletzt das neue Unterhaltsrecht, das den Ehegattenunterhalt praktisch nicht mehr kennt.

    Frauen gehen mit dem ersten Kind aus ihrem Beruf, nach einiger Zeit zurück in Teilzeit, verspielen damit Aufstiegs- und Gehaltserhöhungschancen, obwohl eigentlich alles gegen ein derartig irrationales Verhalten spricht.

    Das will mir nie und nimmer in den Kopf.

    Wahrscheinlich helfen nur Vorbilder.

    Meine Großmutter war in Vollzeit berufstätig, meine Mutter war es und ich bin es auch.
    Für meine Töchter kommt nichts anderes in Frage.

    Alles ohne Mindestlöhne.
    Die werden auch nichts ändern, solange in Frauenköpfen noch herumspukt, daß sie die besseren Mütter und Köchinnen und Kindererzieherinnen sind.

    k.

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    Entfernt. Kein sachlicher Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

    • Mokasi
    • 02. November 2012 10:51 Uhr

    lassen?
    Glaubt man, es werden noch weniger Kinder geboren,
    wenn Frauen die Realität erkennen?
    Will man durch die Hintertüre die Abhängigkeit
    vom Mann wieder einführen.
    Müssen Frauen alles daran setzen, dass die Beziehung
    erhalten bleibt, weil sie sonst den solzialen Abstieg
    befürchten müssen. Das gibt den Männer unverhältnismäßig
    viel Macht über Frauen.

    • claubro
    • 02. November 2012 11:06 Uhr

    Ja ich übernehme auch Verantwortung für mein Leben und für mich kam auch nie infrage, mir eine Mann zu suchen und dann, wenn ein Kind da ist, zu Hause zu bleiben. Ich kenne es auch nicht anders, denn ich bin in der DDR geboren. Aber aus dieser Verantwortung heraus habe ich kein Kind. Das ist nämlich auch ein Teil der Wahrheit, dass ich mir solch einen Luxus, trotz Vollzeitstelle, nicht leisten kann. Ganz ohne Mindestlohn...Also müsste ich mir zumindest einen sehr gut verdienenden Kindsvater suchen, der ordentlich Unterhalt für das Kind bezahlt, was hat das dann aber noch mit Verantwortung zu tun?

    Und als nächstes sollte es im freien D doch eigentlich möglich sein, den Lebensentwurf zu wählen, den man für gut und richtig hält - ohne Angst vor Armut haben zu müssen. Das so etwas in diesem reichen Land immer wieder passiert ist eigentlich peinlich.

    die Mini- und Midijobs, wenn alle eigenverantwortlichen, selbstbewussten Frauen in Vollzeit arbeiten, neben der Familientätigkeit?
    Wer wird dann der Buhmann, die Buhfrau der Gesellschaft. Der Arbeitsmarkt hat dann nämlich noch immer nicht Arbeit für alle in Vollzeit zur Verfügung gestellt.

    In eingien Kommentaren wird es verschiedentlich angesprochen - die individuelle Seite eines Menschen, der individuelle Lebensweg und die individuelle Anschauung über die Welt und das Leben, persönliche Dispositionen und damit zusammengenommen die Vielfalt von individuellen Gruppen- Partnerschaftskonstellationen, die dann wieder auf eine Kategorie, z.B. Trennung, runtergebrochen werden.

    Meine Frage an dieser Stelle ist simpel - wer plant (z.B. Ehevertrag usw.) bleibt von den Unwägbarkeiten des Lebens verschont?

    Meine eigene Beantwortung, noch sehr allgemein: Nein, niemand bleibt, weil er/sie plant und kontrolliert, aus diesem Grunde davon verschont. Das Leben besteht aus zu vielen, komplex zusammenwirkenden Details, dass keiner allein sie überschauen kann. Eine Portion Glück, Gnade der Geburtsstunde und der nicht geplante Weg nach links, statt nach rechts bei einem Weg am z.B. 15.3.2004 um 15:29 Uhr, bei dem Lieschen Müller Hugo Anders begegnet ist, entscheiden mit.

    Aber auch: Sobalb sich die Gelegenheit ergibt, der Funken springt - raus aus dem Opfergestus. Falsche Scham hilft nicht weiter.

    • isma
    • 08. November 2012 11:16 Uhr

    ... wenn es duldet, dass des Kind an del Grenze der Armut leben soll! Denn: was soll für es heißen "jeder ist für sich verantwortlich"? Dass nur Mama sich für sein Leben sich kümmern wird? Wie wurde sein (und wie wird überhaupt das der anderen Kindern) Unterhaltsgeld gerechnet? Wenn es wirklich so ist, dass der Papa nicht mehr als das, was schon gibt, beitragen kann, dann hätte die ganze Familie sowieso, mit oder ohne Scheidung, an der Grenze der Armut gelebt. Wenn das neue Unterhaltsrecht die Frauen zu mehr Verantwortung für ihr Leben bringen will, ist sehr gut. Wenn es das REcht der Männer anerkennen möchten, diesen Joch des Unterhalts der Ex nicht ewig tragen zu müssen, ist auch recht. Aber dass es dazu führen soll, dass den Kinder auch finaziell schlechter gehen wird, als es in der Ehe gewesen wäre, das kann ich nicht richtig glauben; und wenn es tatsächlich so ist, dann sehe ich darin einen riesigen Schritt zurück. Erlauben die Richter den Väter wirklich in der Maße sich ihren Pflichten wieder zuentzihen? Oder wollte di Frau Friedichs eher zeigen, dass die Frau jetzt finanziell mehr Problemen hat als die, die sie hätte, wenn sie ihre urspungliche beschäftigung nicht verassen hätte? Man könnte aber sagen, dass ihre Entscheidung auch beim Überleben der Ehe ihre Familie ärmer gemacht hätte, oder? Nach der Scheidung sollte eigentlich den Kindern nicht schlechter gehn als vorher; dem Elternteil mit dem es wohnt sollte nicht mehr Last zufallen als dem anderen.

  3. Einen ganzen Tag ist der Artikel jetzt schon online und 2 magere Kommentare sind hier (von denen einer noch sagt, die Frau sei ja selbst schuld). Der 137. Artikel über was irgendein Republikaner wieder dummes gesagt hat, hätte in derselben Zeit wahrscheinlich Hunderte aufgebrachte Kommentare gehabt. Was in diesem Land mit den Frauen gemacht wird, ist ein Skandal! Im Artikel ist alles beschrieben. und nein, die Frau ist nicht selbst schuld, das liegt im System! Wir brauchen ganz dringend Veränderungen. Etliche! Aber es scheint keinen so richtig zu interessieren. 2 Kommentare...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Frauen sind mündige Bürger und können für sich selber entscheiden.
    Nachteile durch Gender Pay Gap und fehlende Karriereförderung können wir gerne diskutieren, aber Familienauszeiten sind selbst gewählt.
    Hier ist Mut zur Auseinandersetzung mit dem Partner gefragt, vorausschauende Planung und eben auch der Wille zur Autarkie.

    • tinnef
    • 02. November 2012 9:38 Uhr

    das was dt. Frauen und der dt. Staat will.

    Wenn ich lese »Das war mein Mann, mein Typ, mein Mensch. Ich habe ihn wirklich geliebt« habe ich Dejavus ohne Ende in meinem dt. Bekanntinnenkreis, übrigens alles alleinerziehende Mütter, wobei die Akademikerinnen darunter alle kurz vor dem mentalen Zusammenbruch stehen. Alle hatten ihren Traummann gefunden, der dann spätestens nach zwei Jahren weg war (oftmals schon während der Schwangerschaft), weil Familie doch nicht das Ziel war. Übrigens bei einem Profibodybuilder, der ja per se auf Grund seiner sportlichen Leidenschaft schon sehr Ich fixiert ist, absehbar.

    Und wo ist das Problem mit den 1371 Euro netto, viele mehrköpfige Familien haben nicht mehr. Und so schlecht ist das auch nicht für einen Hauptschulabschluss, Akademiker in D arbeiten für das Gehalt Brutto teilweise auf Vollzeitstellen.

    Die "Armut" der Frau und weiter Teile Ds ist der Preis für die Agenda 2010 und den Titel Exportweltmeister. Dies ist aber erst der ANfang.

    Einen ganzen Tag ist der Artikel jetzt schon online (...). Was in diesem Land mit den Männern gemacht wird, ist ein Skandal! Im Artikel ist alles beschrieben. und nein, die Mann ist nicht selbst schuld, das liegt im System! Wir brauchen ganz dringend Veränderungen. Etliche! Aber es scheint keinen so richtig zu interessieren.

    Einen ganzen Tag ist der Artikel jetzt schon online und 2 magere Kommentare sind hier.

    Das scheint in letzter Zeit häufiger vorzukommen, dass hier Artikel zu an und für sich durchaus interessanten Themen nicht an prominenter Stelle platziert werden und so weitgehend unter dem Radar bleiben. Mich würde ja brennend interessieren, was die jeweiligen Autoren von dieser Praxis halten.

    Ansonsten sehen Sie es ja: Der Artikel war ursprünglich noch im Oktober veröffentlicht worden, keine Reaktion, nun wurde er auf 2.11.2012 nachdatiert und besser sichtbar eingestellt und auf einmal schwimmen wir in Leserkommentaren.

  4. Frauen sind mündige Bürger und können für sich selber entscheiden.
    Nachteile durch Gender Pay Gap und fehlende Karriereförderung können wir gerne diskutieren, aber Familienauszeiten sind selbst gewählt.
    Hier ist Mut zur Auseinandersetzung mit dem Partner gefragt, vorausschauende Planung und eben auch der Wille zur Autarkie.

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    Ob die Auszeit tatsächlich eine eigene Entscheidung oder eine Notwendigkeit dastellt, will ich mal dahingestellt lassen. Aber die Frauen entscheiden sich ganz sicher nicht selbst dafür, dass sie nach der Pause nur noch in minderwertigen Stellen eingesetzt werden, wo sie nur noch einen Bruchteil verdienen, dass die Auszeiten erhebliche Nachteile bei der Rente verursachen und dass geschiedene Ehepartner nach einer Scheidung dank den Familienrechtsreformen der letzten Jahre so gut wie keinen Unterhalt mehr bekommen, daher weder ausreichend verdienen können noch durch Unterhaltszahlungen abgesichert sind und letzten Endes trotz guter Ausbildung auf Hartz 4 landen.
    Dass Kinder in Deutschland das größte Armutsrisiko darstellen ist doch nicht die Schuld der einzelnen Frau! Es gibt viele andere Länder, wo das nicht so ist. ich bleibe dabei, der Fehler liegt im System.

    1) Die meisten Mütter wollen stillen. Das bedeutet natürlich, dass die Mutter zu Hause bleiben muss, zumindest 6 Monate.

    2) Wenn die Frau weniger verdient als der Mann, muss man sich auch erst leisten können, als Wenig(er)verdienerin weiter dem Beruf nachzugehen. Das muss man auch gegenüber dem Partner durchsetzen. Es zählen ja letztlich auch innerhalb der Familien die Zahlen. Pekuniäre Schieflagen wirken bei dieser Entscheidung also sehr wohl mit.

    bedingt selbst gewählt. wenn es keine betreuungsplätze gibt, ist es auch mit der auswahl nicht weit her. und anstatt den ausbau mal ein bisschen flotter voranzutreiben, diskutiert man eine herdprämie - und das bei eindeutigen statistiken. würde ich in deutschland wohnen, würde ich auch keine kinder wollen. denn erstens habe ich einen interessanten job und zweitens kenne ich die scheidungsstatistik. ich bin ja mal gespannt, wie weit die geburtenrate noch sinken wird - und sinken muss, bevor die politik die zeichen der zeit erkennt.

  5. Ob die Auszeit tatsächlich eine eigene Entscheidung oder eine Notwendigkeit dastellt, will ich mal dahingestellt lassen. Aber die Frauen entscheiden sich ganz sicher nicht selbst dafür, dass sie nach der Pause nur noch in minderwertigen Stellen eingesetzt werden, wo sie nur noch einen Bruchteil verdienen, dass die Auszeiten erhebliche Nachteile bei der Rente verursachen und dass geschiedene Ehepartner nach einer Scheidung dank den Familienrechtsreformen der letzten Jahre so gut wie keinen Unterhalt mehr bekommen, daher weder ausreichend verdienen können noch durch Unterhaltszahlungen abgesichert sind und letzten Endes trotz guter Ausbildung auf Hartz 4 landen.
    Dass Kinder in Deutschland das größte Armutsrisiko darstellen ist doch nicht die Schuld der einzelnen Frau! Es gibt viele andere Länder, wo das nicht so ist. ich bleibe dabei, der Fehler liegt im System.

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    aber doch nicht geschlechtsspezifisch!

    Das Unterhaltsrecht ist vor 4 Jahren reformiert worden, das muß doch endlich mal in allen Köpfen angekommen sein.

    Die Rente bemißt sich nach erworbenen Rentenpunkten, das ist weder Hexerei noch intransparent.

    Es ist NICHT naturgegeben und ans Frausein geknüpft, das Erwerbsleben zu unterbrechen/einzuschränken, nur weil Kinder kommen.
    Väter können das genauso gut.

    Sie schreiben:
    "Es gibt viele andere Länder, wo das nicht so ist"

    Das ist auch so eine Mär (Seiten 4/5)

    http://ec.europa.eu/socia...

    D ist keineswegs eine Ausnahme.

    Das "System", das Sie bemängeln, ist ein Konstrukt sozialpolitischer Rahmenbedingungen und belohnt ungebrochene Erwerbsbiografien.

    Selbstbestimmte Frauen richten sich danach und warten nicht auf eine Revolution.

    k.

    Kinder sind übrigens auch ein Armutsrisiko, wenn man sich als Tagesmutter um sie kümmert - vgl. http://www.taz.de/Einkommen-von-Tagesmuettern/!104714/

    Insofern existiert das Problem auch dann, wenn die Eltern beide berufstätig sind. Es wird nur verschoben....

    der Frauen,
    da stimme ich Ihnen zu, Guau Guau.

    Ich nenne mal 3 Beispiele:

    1. Sie ist Architektin im öffentlichen Dienst. Nach der Babypause von 1 Jahr ist sie aufgrund der gegebenen Umstände gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten. Als Teilzeitkraft bekommt sie aber keine eigenständigen Projekte mehr, sondern ist mehr oder weniger zuarbeitende Hilfskraft. Sie ist sehr unglücklich und macht sich schließlich selbstständig. Die ersten Jahre der Selbständigkeit sind sehr hart.

    2. Eine Ingenieurin als Angestellte in einem Ingenieursbüro. Sie ist mit dem 3. Kind schwanger. Ihr wurde innerhalb der Firma zugetragen, dass die Geschäftsleitung eine Ingenieurin mit 3 Kindern eigentlich nicht mehr für tragbar hält. Wenn Personal in Zukunft abgebaut werden muss, ist sie wohl die erste, die gehen wird.

    3. Sie hat einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag in der Ausbildung im Handwerk mit der Option, bei Eignung diesen Vertrag nach Ablauf des Jahres in einen unbefristeten umzuwandeln. Man ist sehr zufrieden mit ihr, ihr macht die Arbeit sehr viel Spaß. Kurz vor Ablauf des Jahres wird sie schwanger. Die Geschäftsführung verlängert den Vertrag nicht. Der Frau wird mitgeteilt, die Firma sei davon ausgegangen bei ihrem Versprechen, dass man mit 40 Jahren die Familienplanung definitiv beendet habe.

    Kinder als Armutsrisiko betreffen zumeist Frauen. Ich habe noch nie gehört, dass ein Arbeitgeber einem Mann drohte, in hinauszuwerfen, wenn er ein weiteres Kind zeugen würde.

    ist ser Zerfall der Familie. Darueber willl niemand sprechen, weil das scheinbar nicht PC ist. Bei dieser armen Frau fing es damit an, dass sie ein Kind wollte ohne mit dem Vater verheiratet zu sein. Was danach kam war vorprogrammiert. Und obwohl dies mehr als bedauerlich ist, ist es nicht ein " Fehler des Systems" sondern ein Fehler der Frau, die selbst diesen Weg gewaehlt hat. Es ist nichts Neues: sowohl die Korrelation als auch die Kausalitaet zwischen "unverheirateten Muettern" und "Armut" ist hundertfach und international untersucht und bestaetigt worden. Es ist bekannt, das in gewissen Gesellschafts Segmenten von einem hoch entwickelten Land drei Viertel der Kinder ohne Vater aufwachsen und in den meisten Faellen nicht einmal wissen wer ihr Vater ist. Es versteht sich von selbst, dass dies fuer die Kinder meist katastrophale Folgen hat.
    Heiraten ist natuerlich per se keine Garantie, aber eine notwendige Voraussetzung. Und genauso waere es eine Voraussetzung Scheidungen, die Kinder involvieren, wieder zu erschweren. Aber auch das ist nicht PC und der Vorschlag die "Bindung" die bei einer Heirat erfolgt wieder ernst zu nehmen wird Wahrscheinlich als weltfremd abgetan.

  6. ... Thema ist:

    - Warum kann man nach einen - wie auch immer begründeten temporären (!) Ausstieg - nicht wieder in den Beruf gut einsteigen?

    - Warum gibt es so schlechte Stundenlöhne in bestimmten Berufsgruppen?

    - Warum werden Jobs durch Minimaljobs ersetzt?

    - Warum gibt es keinen vernünftigen 30-35-Stunden-Jobs?

    - Warum gibt unsere Gesellschaft Leuten keine Chance mehr, wenn sie einmal vom arbeitgeberfreundlichsten Weg abgewichen sind?

    Und - ja - es trifft vor allem Mütter. Aber nicht nur.

    Hoffentlich legt die Zeit bzw. Frau Friedrichs weiterhin die Finger in die Wunde. Nötig ist es.

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    • NyNome
    • 03. November 2012 16:15 Uhr

    Weil niemand was zu verschenken hat.

    Es lohnt sich schlicht und einfach nicht, dass man Ihren Wünschen nachkommt.

  7. aber doch nicht geschlechtsspezifisch!

    Das Unterhaltsrecht ist vor 4 Jahren reformiert worden, das muß doch endlich mal in allen Köpfen angekommen sein.

    Die Rente bemißt sich nach erworbenen Rentenpunkten, das ist weder Hexerei noch intransparent.

    Es ist NICHT naturgegeben und ans Frausein geknüpft, das Erwerbsleben zu unterbrechen/einzuschränken, nur weil Kinder kommen.
    Väter können das genauso gut.

    Sie schreiben:
    "Es gibt viele andere Länder, wo das nicht so ist"

    Das ist auch so eine Mär (Seiten 4/5)

    http://ec.europa.eu/socia...

    D ist keineswegs eine Ausnahme.

    Das "System", das Sie bemängeln, ist ein Konstrukt sozialpolitischer Rahmenbedingungen und belohnt ungebrochene Erwerbsbiografien.

    Selbstbestimmte Frauen richten sich danach und warten nicht auf eine Revolution.

    k.

    Antwort auf "selbst entscheiden"
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    • Columna
    • 31. Oktober 2012 23:34 Uhr

    es ist für mein Ermessen zumindest immer wieder schade, dass das sogenannte Hausfrauendasein immer wieder auf die Bequemlichkeit oder Rückständigkeit der Mutter ursächlich zurückgeführt wird. Solange Arbeitgeber die Regelungen zur Elternzeit als nettes Accessoire betrachten, wenn es eben reinpasst und solange auch Männer von niemanden, außer vielleicht von ihren Partnerinnen (und manchmal funktioniert das, und je nach finanzieller und persönlicher Konstellation eben manchmal auch nicht) dazu angehalten werden, auch bei der Kinderbetreuung aktiv zu werden, solange wird es Hausfrauen geben, und was meines Erachtens noch fataler ist als "überzeugte" Hausfrauen diese Frauen, die aus der Not und oder/Verantwortungsgefühl (ob nun tatsächlich notwendig oder nicht) nichts anderes können als Teilzeit oder auf 400 EUR Basis zu arbeiten, und, obwohl bei Licht betrachtet, nichts anderes sind, sich nicht als Hausfrauen mit leicht erweitertem Tätigkeitsbereich, sehen. Liebe frau Friedrichs, bitte machen Sie weiter, ich möchte weder, dass meine Generation weiblicherweise geschlossen in der Altersarmut landet, noch dass uns unsere Kinder fragen, ob es dass geänderte Unterhaltsrecht wirklich wert war, dass beide Elternteile keine Zeit für uns hatten..von journalistischen Bohemiens vielleicht abgesehen, die dann beide zurückstecken konnten und wollten - wirklich nett, aber eben einfach nur für einen verschwindend kleine Gruppe praktizierbar - was sollen denn die ganzen "Normalos" tun?

    Nein, geschlechtsspezifisch ist es nicht. Ich bin dafür, dass Frauen und Männern nach einer Auszeit die Chance gegeben wird, zu angemessenen Bedingungen in die Arbeitswelt zurückzukehren. Gesellschaftliche Realität ist aber, dass es zum großen Teil noch immer die Frauen trifft.

    Die Änderung des Unterhaltsrechts ist durchaus in meinem Kopf angekommen. Ich halte sie aber für einen Fehler.

    Das Rentensystem habe ich ebenfalls verstanden, vielen Dank. Ich fordere aber eine Berücksichtigung der Erziehungszeiten bei der Rentenberechnung.

    Ich sage nicht, dass Deutschland eine Ausnahme ist.

    "Das System belohnt ungebrochene Erwerbsbiographien" schreiben Sie. Richtig, und das kritisiere ich. Das finden Sie offensichtlich gut, oder wie? Ich bin dafür, dass Menschen, die wegen Kindererziehung, Krankheit, Pflege von Angehörigen oder jedem anderen Grund einen Bruch in der Biographie nicht gleich auf der gesellschaftlichen Müllkippe landen.

    Und selbstbestimmte Frauen fressen nicht alles, was die Gesellschaft ihnen vorsetzt, sondern machen eine Revolution!

    • Columna
    • 31. Oktober 2012 23:34 Uhr

    es ist für mein Ermessen zumindest immer wieder schade, dass das sogenannte Hausfrauendasein immer wieder auf die Bequemlichkeit oder Rückständigkeit der Mutter ursächlich zurückgeführt wird. Solange Arbeitgeber die Regelungen zur Elternzeit als nettes Accessoire betrachten, wenn es eben reinpasst und solange auch Männer von niemanden, außer vielleicht von ihren Partnerinnen (und manchmal funktioniert das, und je nach finanzieller und persönlicher Konstellation eben manchmal auch nicht) dazu angehalten werden, auch bei der Kinderbetreuung aktiv zu werden, solange wird es Hausfrauen geben, und was meines Erachtens noch fataler ist als "überzeugte" Hausfrauen diese Frauen, die aus der Not und oder/Verantwortungsgefühl (ob nun tatsächlich notwendig oder nicht) nichts anderes können als Teilzeit oder auf 400 EUR Basis zu arbeiten, und, obwohl bei Licht betrachtet, nichts anderes sind, sich nicht als Hausfrauen mit leicht erweitertem Tätigkeitsbereich, sehen. Liebe frau Friedrichs, bitte machen Sie weiter, ich möchte weder, dass meine Generation weiblicherweise geschlossen in der Altersarmut landet, noch dass uns unsere Kinder fragen, ob es dass geänderte Unterhaltsrecht wirklich wert war, dass beide Elternteile keine Zeit für uns hatten..von journalistischen Bohemiens vielleicht abgesehen, die dann beide zurückstecken konnten und wollten - wirklich nett, aber eben einfach nur für einen verschwindend kleine Gruppe praktizierbar - was sollen denn die ganzen "Normalos" tun?

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    Frau Friedrichs ist eine ganz tolle Frau,es hat sehr viel Freude mit ihr gemacht.Es kann sich kaum jemand vorstellen,wie es ist immer am "Rand der Gesellschaft" zu stehen.Ich kann nur meinem Arbeitgeber von Herzen danken,meinem Arbeitgeber Firma Rossmann.Das Verständnis für meine Situation,die Geduld..

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