HausfrauenDie will doch nur spülen

Drei Frauen, eine Entscheidung: Ein Leben als Hausfrau. Warum tun sie das? Antworten aus Leipzig, Wilferdingen und Hamburg von Elisabeth Raether

In der hellen, großen Wohnung im Erdgeschoss des alten Klinkerhauses herrscht die Stille, die an einem Vormittag unter der Woche einkehrt, wenn Kinder in der Schule sind und Männer bei der Arbeit. Kein Mensch geht draußen auf den Bürgersteigen vorbei. Es ist eine der schönen Gegenden Hamburgs , in denen die weißen Fassaden strahlen. Ursula Olinde war zwölf Jahre lang Hausfrau gewesen, als sie an einem dieser stummen, nicht enden wollenden Vormittage anfing, nach Jobs zu googeln, als Verkäuferin, Packhilfe, Briefträgerin, egal, Hauptsache, Arbeit.

Sie war wie eine der unglücklichen Hausfrauen aus Betty Friedans The Feminine Mystique von 1963, deutscher Titel: Weiblichkeitswahn. Darin berichten Frauen von den Qualen des Hausfrauendaseins. »Wir dürfen die inneren Stimmen der Frauen nicht länger ignorieren, die sagen: Ich will mehr als meinen Mann, meine Kinder und mein Heim«, schreibt Friedan. Das Buch ist eines der wichtigsten Werke weiblicher Befreiungsliteratur und prägt bis heute das Bild, das man sich von Hausfrauen macht: Frauen, die die patriarchale Gesellschaft zu Hause einsperrt, Frauen, denen man helfen muss.

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Aber bei Ursula Olinde war es anders gewesen. Bevor sie ihre Kinder bekommen hatte, war sie Rechtsanwältin für Zivilrecht gewesen, und ihre innere Stimme hatte gesagt: Ich will mehr als einen Job. Ich will einen Mann, Kinder und ein Heim. Sie hörte auf zu arbeiten, als 1998 ihr erster Sohn geboren wurde. Als drei Jahre später ihr zweiter Sohn auf die Welt kam, gab sie ihre Zulassung als Anwältin zurück. Der jährliche Beitrag an die Rechtsanwaltskammer rechnete sich nicht mehr. Und wozu, dachte sie, brauche ich eine Anwaltszulassung, da ich doch jetzt Mutter bin?

Bis 1977 machte das Bürgerliche Gesetzbuch alle Frauen zu Hausfrauen. »Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist«, stand in Paragraf 1356 . Das ist lange her, im Gesetzbuch sind die Geschlechter gleichgestellt. Immer weniger Frauen wollen heute Hausfrau sein. Laut amtlicher Statistik liegt der Anteil der »Nichterwerbspersonen im erwerbsfähigen Alter mit Einkünften durch Angehörige« an der weiblichen Bevölkerung bei 13,8 Prozent. 2001 waren es noch 19,6 Prozent. Hans Bertram, Soziologe an der Berliner Humboldt-Universität , schreibt in einem Gutachten für das Bundesfamilienministerium , dass in allen Bildungsgruppen der Anteil der Frauen sinke, die sich als »haushaltsorientiert« bezeichnen, die nicht außerhalb der Familie arbeiten wollen und für die Kinder, Haushalt und das eigene Haus die entscheidende Rolle spielen. Bertram sagt, dass dieser Wandel »sich jedoch nicht von der Hausfrauenrolle zur Vollerwerbstätigkeit, sondern zur Teilzeittätigkeit« vollziehe. Seit Arbeitnehmern im Jahr 2001 das Recht zugesprochen wurde, in Teilzeit zu arbeiten, ist die Zahl der in Vollzeit arbeitenden Frauen sogar zurückgegangen. Das wirft vielleicht neue Fragen auf, die Hausfrau dagegen ist nicht mehr die Norm.

Abhängigkeit von einem Mann

Wer sind die Frauen, die trotzdem Hausfrau sein wollen? Warum entscheiden sie sich dafür, über einen längeren, nicht absehbaren Zeitraum oder ihr Leben lang kein Geld zu verdienen, in einer Gesellschaft, in der unser Beruf bestimmt, zu welchen Kreisen wir uns zählen, wie wir leben, wer wir sind? Was verspricht eine Frau sich davon, in der Abhängigkeit von einem Mann zu leben in einer Zeit, in der mehr als ein Drittel aller Ehen geschieden wird?

Ist das Hausfrauendasein heute eine frei gewählte weibliche Lebensform unter vielen – die einen werden Professorin, die anderen Hausfrau? Oder ist die Hausfrau ein Anachronismus, der gesellschaftlich unbedingt überwunden werden muss, vergleichbar mit einem niedrigen Bildungsstand unter manchen Einwanderergruppen?

»Das Muttersein hat mir viel mehr gegeben als mein Beruf«, sagt Ursula Olinde. Sie kochte, kaufte Tischwäsche und Blumen. Ein schreiendes Kind war nichts gegen das Gefühl, den beruflichen Anforderungen nicht zu genügen, das sie als Anwältin für Zivilrecht ständig begleitet hatte. Sie saß jetzt nicht mehr diesen Mandanten gegenüber, die sie fragend ansahen und ihren Rat wollten. »Ich dachte immer, es wäre eine Frage der Zeit, bis ich einen Fehler mache«, sagt sie, »bis alle merken, was für eine schlechte Anwältin ich in Wahrheit bin.« Als Mutter verließ sie sich auf ihre Intuition – was ihr im Beruf nie gelungen war. Es gab keine Selbstzweifel mehr, Ruhe kehrte ein, es war eine Auszeit von allem.

Frei gewählte Lebensform

Erst als beide Kinder in der Schule waren, fiel es Ursula Olinde manchmal schwer, den Tag zu füllen. Zweimal in der Woche spielte sie Basketball in einem Team der Oberliga. Sie lief einen Marathon, für den sie einen Winter lang trainierte. Wenn sie nach dem Laufen nach Hause kam, befand sie sich in einem angenehmen Zustand der Erschöpfung, wie andere sie vielleicht nach einem Arbeitstag empfinden. Aber es ließ sich nicht mehr ignorieren, dass es ihr jetzt unangenehm war, wenn sie gefragt wurde, was sie beruflich tue. »Ich bin zu Hause«, stammelte sie oder: »Ich bin Mutter.« Ihr älterer Sohn fragte sie einmal, warum sie als Einzige in der Familie weder arbeiten noch in die Schule gehe.

In einem Café am Hamburger Dammtor treffen sich Frauen und Männer zum Mittagessen. Sie kommen aus den umliegenden Büros, tragen Kostüm und Anzug und essen Salate und Bagels. Ursula Olinde guckt ihnen zu. Wie bei vielen großen Frauen sind ihre Schultern etwas nach vorne gesunken, als sollte niemand sehen, dass sie über 1,80 Meter groß ist. Beim Sprechen macht sie Pausen, in denen sie überlegt, wie in ihrer Geschichte eigentlich eins zum anderen kam. Olinde sagt, dass es ihr so erscheine, als gelinge den jungen Frauen heute der berufliche Erfolg mühelos. Sie führen Gehaltsverhandlungen, sprechen auf Konferenzen, leiten Projekte, als hätten Frauen nie etwas anderes gemacht. In ihrer Vorstellung gehört zu einem solchen Leben eine bestimmte Art von Selbstvertrauen, das ihr immer gefehlt hat. Es ist für sie nicht denkbar, dass sie zu diesen Frauen hätte gehören können.

Leserkommentare
    • K_A_B
    • 31. Oktober 2012 18:22 Uhr

    Der größte Teil des Artikels entspricht tatsächlich den aktuellen Lebensumständen von Frauen. Von Vollblutmüttern bis Karrierefrauen reichen die Lebensentwürfe. Leider ziehen politisch Verantwortliche daraus die falschen Schlüsse. Schon allein die Tatsache, dass mehr Frauen in Teilzeit arbeiten wollen, sollte zum Nachdenken zwingen. Aber die heutigen "Simone de Beauvoirs" wollen kein Frauenbild, das weibliche Züge trägt.
    Was mich jedoch an diesem Artikel wahnsinnig ärgert, ist die wiederholt falsche Darstellung des Ehegattensplittings: wann endlich hat auch der/die Letzte kapiert, dass das Ehegattesplitting das Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit nicht auf den einzelnen Ehegatten, sondern auf die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft anwendet (jedes Unternehmen handelt genauso und keiner hinterfragt dort die steuerlichen Vergünstigungen!!!!) - welcher der Ehegatten wie viel zum ehelichen Gesamteinkommen beiträgt, ist unerheblich. Sollen jetzt alle wenig verdienenden Ehegatten (es gibt übrigens auch Männer die weniger verdienen als ihre Frauen) sich zu Tode schämen, weil Sie nicht mehr Steuern zahlen können???? Wie bescheuert ist das denn?

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    • Joi-Fan
    • 06. November 2012 11:22 Uhr

    Nun, ich persönliche habe nichts gegen eine gute Polemik einzuwenden, gute Polemik bedeutet aber diese nicht auf das Erwecken falschen Anscheins aufzubauen. Wenn Sie schon Keulen wie "wann endlich hat auch der/die Letzte kapiert" auspacken, dann sollten Sie sich auch an die Fakten halten:

    Sie sprechen zwar richtig vom "Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit nicht auf den einzelnen Ehegatten, sondern auf die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft" (oder viel mehr der Wikipediaartikel aus dem Sie kommentarlos 1:1 kopieren), was sie daraus folgern ist aber falsch. Richtig ist, dass die totale Steuerlast nicht von der Verteilung abhängt. Warum aber dann überhaupt Splitting? Weil es eben nicht unerheblich ist, welchen Anteil am gemeinsamen Einkommen die Partner jeweils beisteuern. Der Splitting-Vorteil ist gerade dann am größten, wenn ein Ehepartner allein das gesamte Einkommen erzielt.

    Soweit die Theorie, wie sieht die Praxis aus? Wir sprechen hier von jungen Paaren mit Kind(ern) vor dem Hintergrund bestehender Engpässe bei Betreungsplätzen. Es ist also keineswegs so, dass beide Elternteile beliebig ihre Arbeitszeit disponieren: Man muss sich arrangieren. Wenn nun ein Teil schon ein hohes Einkommen hat ist ein weiterer Euro relativ leichter erzielt, als der Erste aus einer weiteren (neuen) Beschäftigung. In der Folge ist es vernünftiger, wenn der eine Partner noch mehr verdient, bevor der andere damit beginnt. Das Ehegattensplitting verstärkt diesen Anreiz per Gesetz.

  1. Ein Hausfrauendasein ist nur dann möglich wenn eine Hausfrau mit einem Mann zusammen ist, der alle ihre Kosten übernehmen. Hausfrauen bekommen kein Gehalt, sonder ein Taschengeld von ihrem Mann plus die Deckung der Lebensunterhaltskosten, wie Wohnen, Essen, Urlaub etc. Und das ist, finde ich, nicht wenig.

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    Mal davon abgesehen, dass es höchst individuell ist, wie viel Geld einer Hausfrau tatsächlich zur Verfügung steht; es ist doch völlig irrelevant, ob sie jeden Cent 3mal umdrehen muss oder ihr unbegrenzte Mittel zur Verfügung stehen.
    Es geht hier darum, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird!
    Und es ist ARBEIT, was sie jeden Tag tut. Sicherlich gibt es da Abstufungen, die gibt es aber im Berufsleben ebenso. Aber niemand würde jemanden schief angucken, wenn er sagt, er müsse viel arbeiten für wenig Geld. Den würde man vielleicht bedauern, würde aber nie auf die Idee kommen, dass er "nichts" macht - denn er wird für diese Tätigkeit bezahlt. Oder jemand, der bei seiner Arbeit nicht viel tun muss, aber richtig gut verdient. Den würde man sogar zu dieser Arbeit beglückwünschen.

    Eine Hausfrau und Mutter wird aber für ihre Arbeit nicht bezahlt, sie erhält, wie sie hier so nett schreiben, ein "Taschengeld" und Kost und Logis. Würde sie für all ihre täglichen Aufgaben jemanden einstellen, also Putzfrau, Köchin, Kindermädchen, Chauffeur usw. wären das alles Personen, die ja einer "richtigen Arbeit" nachgehen. Erledigt sie die Aufgaben selbst, dann ist das keine "richtige Arbeit". Wieso nicht? Die Tätigkeit ist die selbe. Liegt es daran, dass sie keinen Chef hat? Das haben aber Selbständige auch nicht. Es liegt wohl daran, dass sie keine Steuern zahlt, und das ist ja "so fies der Gemeinschaft gegenüber". Daher auch immer der verzweifelte Seitenhieb aufs Ehegattensplitting.

    Das Modell "Hausfrau" ist ohnehin nur bei entsprechendem Einkommen des Partners denkbar. Nach der Scheidung wird das vom Ehemannn erwirtschaftete Vermögen aufgeteilt. Argumentation: Die Hausfrau hat für die Familie auf Karriere verzichtet.

    Der Mann ist dann der Depp- kaum Zeit für die Familie gehabt, und am Ende bekommt Mama die Hälfte der Kohle. Wie bei Managern, so etwa "goldener Handschlag".

    • allesup
    • 01. November 2012 19:10 Uhr

    Wenn man solche Artikel liest, könnte man meinen, die Welt wäre voll interessanten, gutbezahlten Jobs und jede Frau hätte selbstverständlich eine tolle Familie bzw. freien Kita- oder Hortplatz in der Nähe, so wie einen 9-17 Uhr arbeitenden Ehemann und, natürlich, Kinder die, trotz anhaltende Schulmiserie ohne jegliche Hilfe, super mitkommen und lauter einser haben.

    Ja, dann kann der liebe Leser sich nur schwer vorstellen warum eine Frau überhaupt zur Hause bleibt heutzutage. Ist sie vielleicht faul? Erfolgslos? Liebeskrank? Die drei Beispiele des Artikels tun's auf jeden Fall suggerieren. (ie. "Sie ist Hausfrau, wäre sie ein Mann, würde man sie als Lebenskünstler bezeichnen.")

    Warum wurden keine Frauen befragt, die zu Hause bleiben MUSSEN? Ach ja genau, es gibt z.B. keine behinderte Kinder oder kranke Eltern. Frau bleibt zu Hause weil sie "bock" hat.

    Leider sieht die Wirklichkeit für viele Hausfrauen ganz anders aus. Und am Ende werden sie dafür auch noch bestraft.

    PS. Ich liebe diese Passage:

    "Sie erhielt außerdem eine Broschüre, in der ihr versichert wurde, dass es okay sei, mal eine Putzfrau kommen zu lassen. Es ist das Erste, was die Hausfrauen lernen müssen: zu delegieren."

    Realitätsfern? Ja, bitte!

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    man sollte sich eher fragen, WARUM die frauen zu hause bleiben müssen. solche trivialitäten wie nicht vorhandene kinderbetreuung zum beispiel... in deutschland will man i.a. an diesem bild festhalten, das ist ja kein ungeschriebenes naturgesetz, dass keine qualitativ hochwertigen krippen eingerichtet werden können. in anderen ländern gehts ja auch - nur in deutschland muss (!) frau zu hause bleieben... lächerlich.

  2. Dass es eine Errungenschaft ist, dass Frauen außerhäuslich arbeiten dürfen/müssen, halte ich für einen Mythos.

    Ab der Generation meiner Großmütter bis in die ferne Vergangenheit, waren und mussten Frauen arbeiten, sei es als Arbeiterin, sei es als Magd, sei es als Geschäftsfrau, sei es als Bauersfrau.

    Es war der Traum der Arbeiterin und ein Ziel der Arbeiterbewegung, die Frauen vom Zwang zu Arbeiten frei zu stellen, ihnen ein privates Leben mit ihren Kindern zu ermöglichen.

    Von 1925 - 1975 war es möglich, diesen Traum zu leben.

    Zur Hausfrau gehört ein Pendant, nämlich den Mann, der genug verdient, um eine ganze Familie zu ernähren. Denn an die Freistellung des Mannes von den Zwängen des Berufslebens, war nicht gedacht. Der Begriff Karriere war noch nicht erfunden, jedenfalls hätten die Malocher und die Lohnknechte in den Büros ihre Arbeit nicht als solche beschrieben. Auch der Gedanke, dass Arbeit frei macht, war unter den gegebenen Arbeitsbedingungen noch niemandem gekommen.

    Dass die Freistellung von Lohnarbeit und der ausschließliche Bezug auf die private Sphäre auch Nebenwirkungen hat, war denen, die diese Möglichkeit anstrebten, so nicht klar.

    Diese Nebenwirkungen den Männern zum Vorwurf zu machen, die durch ihre Hingabe an das Leben als Lohnknecht dieses Arrangement erst möglich machten, übrigens auch mit gewalttigen Nebenwirkungen, das ist zynisch.

    Carl Jung

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    • bernd64
    • 06. November 2012 10:10 Uhr

    wurde 1897 geboren und war das 10. Kind ihrer Mutter.
    Sie wollte gerne stenographieren lernen, was sie aber nicht in einer öffentlichen Schule lernen durfte sondern nur als Privatunterricht beim Kantor. Es schickte sich nämlich nicht.
    Sie hätte gern Fahrrad fahren gelernt. Das durfte sie nicht, denn es schickte sich nicht. Später hat sie es doch noch gelernt, aber dann war sie zu alt dafür und sie ist nie richtig mit einem Fahrrad klargekommen.
    Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde sie wie alle Arbeitsfähigen zwangsverpflichtet und hat in einer Firma an einer Tablettiermaschine gearbeitet. Die Arbeit hat ihr Spaß gemacht, Kinder waren aus dem Haus, der Ehemann ging arbeiten, .... Sie durfte nach dem 2. Weltkrieg nicht weiter arbeiten, denn zu Brote gingen ja nur Arbeiterfrauen.

    Das Leben ist mehr als Schwarz-Weiß. Hören wir doch endlich auf immer das eine gegen das andere auszuspielen. Und ja, es gibt auch Männer, die zumindest zeitweilig, gern Hausmänner wären. Aber die laufen erst recht gegen Mauern.

    • lonetal
    • 06. November 2012 11:45 Uhr

    Sie schreiben: "Von 1925 - 1975 war es möglich, diesen Traum zu leben."

    Anscheinend haben sie noch nie etwas von der Weltwirtschaftskrise 1929 gehört, von der Farikarbeit der Frauen während des Krieges 1939-1945, von den Trümmerfrauen und den Frauen, deren Männer gefallen oder noch jahrelang in Gefangenschaft waren...

    Wenn es eine Zeit gab, in der Frauen diesen Traum nicht leben könnten, dann war es die Zeit zwischen 1925 -1975.

  3. Mal davon abgesehen, dass es höchst individuell ist, wie viel Geld einer Hausfrau tatsächlich zur Verfügung steht; es ist doch völlig irrelevant, ob sie jeden Cent 3mal umdrehen muss oder ihr unbegrenzte Mittel zur Verfügung stehen.
    Es geht hier darum, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird!
    Und es ist ARBEIT, was sie jeden Tag tut. Sicherlich gibt es da Abstufungen, die gibt es aber im Berufsleben ebenso. Aber niemand würde jemanden schief angucken, wenn er sagt, er müsse viel arbeiten für wenig Geld. Den würde man vielleicht bedauern, würde aber nie auf die Idee kommen, dass er "nichts" macht - denn er wird für diese Tätigkeit bezahlt. Oder jemand, der bei seiner Arbeit nicht viel tun muss, aber richtig gut verdient. Den würde man sogar zu dieser Arbeit beglückwünschen.

    Eine Hausfrau und Mutter wird aber für ihre Arbeit nicht bezahlt, sie erhält, wie sie hier so nett schreiben, ein "Taschengeld" und Kost und Logis. Würde sie für all ihre täglichen Aufgaben jemanden einstellen, also Putzfrau, Köchin, Kindermädchen, Chauffeur usw. wären das alles Personen, die ja einer "richtigen Arbeit" nachgehen. Erledigt sie die Aufgaben selbst, dann ist das keine "richtige Arbeit". Wieso nicht? Die Tätigkeit ist die selbe. Liegt es daran, dass sie keinen Chef hat? Das haben aber Selbständige auch nicht. Es liegt wohl daran, dass sie keine Steuern zahlt, und das ist ja "so fies der Gemeinschaft gegenüber". Daher auch immer der verzweifelte Seitenhieb aufs Ehegattensplitting.

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    Vielleicht haben Sie ja den Eindruck, dass Hausfrauenarbeit nicht wertgeschaetzt wird, weil andere Menschen das nebenher erledigen? Schon mal drueber nachgedacht, das erwerbstaetige Eltern auch Haushalt und Kinder zu versorgen haben? Auch Kinder, deren Eltern berufstaetig sind, haben Geburtstag, Klassenfeste (Kuchen backen!), brauchen Zeit mit ihren Eltern ... Ja und der Haushalt macht sich auch nicht magisch und von selbst.
    Und vielleicht koennen sich erwerbstaetige Eltern nicht vorstellen, was man zu Haus so den ganzen Tag lang machen kann.

    • Wibe
    • 02. November 2012 9:31 Uhr

    Es ist unerträglich, wie der Beruf der Hausfrau herabgewürdigt wird. Egal, welchen Schwachsinn ich in einer außerhäuslichen Tätigkeit mache, sie wird bezahlt und geachtet. Die wohl vielfältigste Tätigkeit von Hausfrauen dagegen wird diffamiert und kleingeredet. Nur, wenn die Hausfrau und Mutter nicht mehr da ist, fällt auf, was sie alles getan hat. Hört endlich auf, diesen Berufsstand zu beleidigen und bezahlt diese Tätigkeit angemessen. Das ist billiger als Krippen- und Hortplätze.

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    • Tarms
    • 06. November 2012 9:37 Uhr

    Ich weiß nicht, ob es billiger ist. Die Qualität von Ernährung und Kinderbetreuung/Erziehung ist jedenfalls höher. Die Botschaft an die aufwachsenden Kinder ist eine andere. Ich kenne beide Situationen: Voll berufstätig mit Kind und Hausfrau mit Kind. Ich habe meinen Beruf gerne ausgeübt, mein Ideal war das einer beruflich erfolgreichen Mutter. Und habe doch gerne darauf verzichtet, als ich gesehen habe, was Ganztagsbetreuung in der Grundschule für Kind/Familie bedeutet. Ab dem 6. Lebensjahr 8-Std-Tag, ohne Privatsphäre, durchgetaktet, fremdbestimmt, laut. Essen aus der Großküche. Hausaufgabenbetreuung im Pulk, von einer Praktikantin betreut, die darauf achtet, dass jeder ruhig an seinem Platz sitzt und in sein Heft schreibt. Ab 18 Uhr trifft sich die Familie, jeder nach einem anstrengenden Tag, jeder mit seinen Bedürfnissen. Es muss noch Essen gekauft, gekocht, Kleidung gewaschen, gebügelt, eingeräumt die Wohnung saubergehalten etc. etc. werden.

    Andererseits ein Kind, das Mittags nach Hause kommt, bei frisch gekochtem Mittagessen seine Erlebnisse, Sorgen/Nöte erzählt. Später in Ruhe Hausaufgaben macht, Fragen oder weitergehenden Interessen nachgehen kann, individuell unterstützt wird. Freizeitbeschäftigungen, die Kinder/Mütter initiieren.

    Ich bin überzeugt, dass es sehr wichtig für unsere Gesellschaft ist, unsere Kinder bestmöglich zu fördern. Massenabfertigung kann das nicht leisten.

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