Evaluierungsinstitut : Gut gemacht oder nur gut gemeint?
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"Ich will vermeiden, dass die Erwartungen an unser Institut zu hoch werden"

ZEIT: Das klingt sehr defensiv. Der neue Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, sagt viel optimistischer: Evidenz ist unsere eigentliche Stärke, wenn wir etwas bewegen wollen!

Asche: Dem widerspreche ich nicht. Ich will nur vermeiden, dass die Erwartungen an unser Institut zu hoch werden. Politik reagiert in erster Linie auf ein komplexes Gefüge widerstreitender Interessen. Die Chance der Evaluierung ist es, in diesem Aushandlungsprozess die Grundlagen für rationale Entscheidungen zu verbessern.

ZEIT: Heute bestimmt das BMZ die Entwicklungspolitik nicht mehr allein. Auch das Auswärtige Amt oder Ressorts wie Umwelt, Landwirtschaft und Wissenschaft arbeiten in Entwicklungsländern. Müssten Sie deren Arbeit nicht auch begutachten?

Asche: Bislang konzentriert sich unser Mandat auf Maßnahmen, die aus dem Entwicklungsetat finanziert werden, und das müssen wir erst einmal stemmen. In der Sache liegt es nahe, sich auch um die Entwicklungsarbeit anderer Ministerien zu kümmern. Der Minister bietet unsere guten Dienste da gelegentlich auch schon an. Das wäre dann die Evaluierung der internationalen Zusammenarbeit schlechthin. Vielleicht heißen wir in zehn Jahren ja nur noch Deutsches Evaluierungsinstitut!

ZEIT: Dann müssten Sie aber auch die Bundesregierung zu Hause prüfen dürfen!

Asche: Die Südafrikaner haben im Präsidialamt schon ein eigenes Departement, das in aller Breite die Regierungstätigkeit begutachtet.

ZEIT: Offenbar fällt es uns anderswo leichter als im eigenen Land, das moderne Entwicklungsziel »gute Regierungsführung« zu fördern?

Asche: Ob wir in den Bundes- und Landesregierungen schon eine entsprechende Evaluierungskultur haben, kann man durchaus infrage stellen. Zum Entstehen dieser Kultur kann unser Institut seinen kleinen Beitrag leisten.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Mir fehlt ein wichtiger Punkt

Lausige Evaluierung VOR einem Projekt=lausig arbeitendes Projekt.

Gibt es keinen klaren und wahrheitshaltigen Aufschluß darüber, was am designierten Projektort/-region/-land vorhanden/nicht vorhanden ist, ist bereits die Planung schräg und die EZler vor Ort verschwenden unendliche Zeit und Energie darauf, zwischen den Büros der Geberorganisation und der Realität vor Ort zu vermitteln.

Ich las z.B. vor einigen Jahren die Planungs-Evaluierung einer deutschen Organisation in Sri Lanka, in der wichtige Teile 1:1 aus einem veralteten Lonely Planet übernommen waren. Das Projekt wurde nie umgesetzt, weil der Konflikt im Nord-Osten kurz danach noch einmal aufflammte, aber da zog's mir wirklich die Schuhe aus. Es mag ein Extrem-Beispiel sein, aber unsachgemäße Evaluierung zu jedem Zeitpunkt von Projekten sind in D eher die Regel als die Ausnahme.

Insofern: good luck, Helmut Asche! Sie werden hoffentlich ein paar überbezahlte Nieten arbeitslos machen. Ich kann auch kaum fassen, daß Dirk Niebel mal wirklich vernünftige Entscheidungen getroffen, das Institut gegründet und auch noch einen kompetenten Leiter dafür ernannt hat!
Selbst die taz titelt 'Dirk Niebels beste Wahl' http://bit.ly/yiuTUN

@2 johannakaroline

"Wir evaluieren uns selbst, oder wie jetzt?
Als Berater in Afrika tätig" - Ja genaun als GTZler nämlich. Wo da die Unabhängigkeit ist, wenn ein GTZler die GIZ evaluiert, dass ershcließt sich mir noch nicht ganz. ."

Das klingt plausibel, verkennt aber die dezentrale Struktur der GIZ - oder in anderen Worten: Wer mal in der Außenstruktur Projekte gestemmt hat, hat deswegen noch keineswegs lebenslänglich seine intellektuelle Integrität eingebüsst.

Andersrum wird ein Schuh draus: Wer das Feld nicht auch aus eigener (Projektverantwortungs-)Erfahrung kennt, verliert sich schnell in wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden, die für die Projektpraxis - im günstigen Fall - wenig relevant sind.

Außerdem evaluiert das BMZ keineswegs "sich selbst", sondern - als Autraggeber - die Arbeit seiner Auftraggnehmer. Und woher sonst sollen die Mittel für Evaluieungen kommen, wenn nicht aus dem öffentlichen Haushalt des jeweiligen Sektors (sprich: Ministeriums).

Zuguterletzt: Evaluierung ist nicht in erster Linie ein Kontroll-, sondern ein Lerninstrument.. Soll heißen: Unabhängigkeit ist wichtig, aber als MIttel zum Zweck. Noch wichtiger ist eine institutionelle Verankerung, die systeminternes Lernen ermöglicht.. Ein an das BMZ angedocktes, aber eben nicht in die BMZ-Struktur integriertes Institut , ist da schon eine ziemlich gute Lösung. Mit einer ziemlich guten Besetzung an der Spitze.

Was soll daran schlimm sein?

Was daran schlimm sein soll, dass ein Evaluator selbst praktische Erfahrung in der Tatigkeit hat, die er evaluieren soll, kann ich nicht nachvollziehen. M.E. ist das im Gegenteil geradezu eine fast unabdingbare Voraussetzung!

Uebrigens scheinen Sie ein etwas unrealistisches Bild der Personen zu haben, die bei der GIZ arbeiten. In der Regel handelt es sich dabei um hochqualifizierte und eigenstaendig denkende Persoenlichkeiten mit hoher Motivation. Und da es bei der GIZ in der Regel keine Lebensstellungen gibt (jedenfalls nicht im operativen Geschaeft) hat der typische "GIZ'ler" in der Regel ein breites Erfahrungsspektrum auch ausserhalb der GIZ.

Wenn man Ihren Beitrag liest, gewinnt man allerdings den Eindruck, dass Sie glauben, jeder der mal bei der GIZ ein Projekt umgesetzt hat, wurde einer Gehirnwaesche unterzogen, die ihn ein ganzes Leben zwingt, irgendwelche ferngesteuerten Befehle auszufuehren. Weiter entfernt von der Realitaet als Sie in diesem Fall kann man kaum sein.

Wuenschenswert waere uebrigens, wenn das neue Evaluierungsinstitut sich auch mit der Evaluierung von GIZ-Projekten befassen wuerde, die nicht aus Bundesmitteln finanziert werden (also z.B. EU, Weltbank usw.).

Waru nicht fragen ?

Warum fragt man eigentlich die Afrikaner nicht mehr was sie von den Projecten denken und was sie für sinnfoll halten ?

Ach ja ...... dann sagen sie noch das sie Einfursteuern auf Importirte Produkte bräuchten damit ihre eigene Industrie überhaupt eine chanse hat, und das wir keine Hänchenteile mehr dorthin schiken sollten so das wir dort die Viewirtschat nicht ruiniren.

Oder noch schlimmer .. sie schlagen vor das wir aufhören sollten mit Korrupten Regirungen zusammenzuarbeiten und unsere Firmen dazu bringen sollten ernsthaft Gehälter zu zahlen, oder die Wasserquellen wieder kostenlos zur verfügung zu stellen, oder ihre Fischfangrecht nicht mehr zu missachten ...

Da ist es beser zu sehen was wir wo noch machen müssen um im endeffect nichts zu erreichen da alle guten Masnahmen wieder von anderen Überschattet werden.

SATIRE

Grundsätzliche Fragen

Die grundsätzliche Frage, wollen wir wirklich helfen die Armut in den EZA-Ländern zum verschwinden zu bringen. Wo ist unsere Definition für Armut. Sollen sie genügend zu essen haben, sollen sie ihren Kindern ein sorgenfreies Leben (was ist das) ermöglichen, oder ist die Definition sie sollen mindestens 1/3 oder 1/2 unseres durchschnittlichen Einkommens haben. Wie können wir dann unseren “Standard” halten wenn die “Armen” bald soviel haben wie wir. Diese Fragen sollte der Volkswirt und Soziologe auch in der weiteren Einbinden der Investmentbanken und unserer Pensionsvorsorge, die Gesamtsystemrelevant sind in die EZA-Arbeit einfließen lassen. Die Antwort wäre interessant.
Gerhard Karpiniec
Laxenburg/Österreich