EvaluierungsinstitutGut gemacht oder nur gut gemeint?

Den Erfolg der deutschen Entwicklungshilfe prüft künftig ein neu gegründetes Institut. Ein Gespräch über Ziele und erste Projekte mit dem Leiter Helmut Asche von  und

DIE ZEIT: Herr Asche, Sie waren Entwicklungsexperte in Afrika. Haben Sie etwas bewirkt?

Helmut Asche: Das würde ich schon sagen. In Kenia habe ich die Regierung beraten und dazu beigetragen, dass sie ziemlich regelmäßig nationale Armutsberichte veröffentlicht. Heute kann man dort im Armuts-Atlas genau sehen, wo die Not am größten ist. Und auch, wo sich etwas zum Guten verändert hat.

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ZEIT: Aber Sie sollten die Armut doch nicht berechnen, sondern bekämpfen.

Asche: So haben Bundesregierungen auch lange argumentiert. Deswegen wollten sie auch in Deutschland keinen Armutsbericht. Aber eine solche Analyse hilft, gezielte Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ich muss allerdings zugeben: Ob die Erkenntnisse in Kenia längerfristig zur richtigen Politik geführt haben, hat im Nachhinein niemand mehr überprüft.

ZEIT: Ist Ihr Projekt damals begutachtet worden?

Helmut Asche
Helmut Asche

Der 1951 geborene Volkswirt und Soziologe war lange als Berater in Afrika tätig. Später lehrte der bekennende Grüne am Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig. Heute ist er Leiter des neu gegründeten Deutschen Evaliuierungsinstituts für Entwicklungszusammenarbeit (DEval).

Asche: Natürlich gab es Fortschrittskontrollen. Da kommt ein Gutachter und gibt nützliche Ratschläge. Aber der bekommt sein Honorar von der Institution, die das Projekt durchführt. Der politische Clou unseres neuen Evaluierungsinstituts ist seine Unabhängigkeit. Wir entscheiden allein, was wir wie beurteilen. Und die Ergebnisse werden veröffentlicht.

ZEIT: Ein Blick auf die Website des Ministeriums zeigt: Schon heute belegen Studien, dass nicht alle Maßnahmen helfen.

Asche: Sicher, auch die bisherige Evaluierungspraxis war nicht unkritisch. Aber man kann eine Staffelung beobachten: Prüft das Ministerium, ist das Urteil meistens kritischer als das, was die durchführenden Organisationen selbst publizieren. Am Ende kann der Auftraggeber Berichte eben doch noch mal im eigenen Interesse umschreiben lassen.

ZEIT: Kritiker fragen trotzdem, ob wir Ihr Institut wirklich brauchen. Denn trotz aller Mängel wird doch kein anderer Politikbereich derart gut durchleuchtet wie Entwicklungspolitik.

Asche: In der Bildung oder bei der Steuerung des Arbeitsmarkts wird auch viel geprüft. Denken Sie nur an die Pisa-Studien. In der Entwicklungspolitik ist es besonders wichtig, genauer hinzuschauen. Der zuständige Minister hat einen großen Etat, und die Entscheidungsspielräume beim Ausgeben des Geldes sind größer als bei den meisten Kabinettskollegen. Er kann große Summen zwischen Ländern, Regionen und Instrumenten ziemlich frei hin und her schieben. Und es gibt noch viele weitere Gründe, warum unser neues Institut Sinn macht.

ZEIT: Als da wären?

Asche: Die Ausgaben für Entwicklungshilfe steigen, wir steuern auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu. Da sollte der deutsche Steuerzahler besser als bisher erfahren, was mit dem vielen Geld erreicht wird. Außerdem ist es wichtig, dass sich unsere Partner in den Entwicklungsländern ihr eigenes Urteil bilden können. Um die geht es ja schließlich. Beim Begutachten werden wir eng mit ihnen zusammenarbeiten. Ihre wissenschaftlichen Fähigkeiten müssen so gestärkt werden, dass wir für sie in zehn, zwanzig Jahren überflüssig sind.

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