Der Landkreis Elbe-Elster liegt in Brandenburg, zwischen Wittenberg und dem Spreewald. Auen, Waldflächen und Äcker bestimmen das Landschaftsbild – und immer wieder kleine Seen und Flüsse. Wer den Ehrgeiz besitzt, alle dortigen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen abzufahren, braucht dafür kaum zwei Tage. Menschen wird er dabei wenige zu Gesicht bekommen: Nur 60 Einwohner leben in der Region auf jedem Quadratkilometer. Deutschlandweit sind es im Schnitt fast viermal so viele.

Das ist gut für die Autofahrer im Elbe-Elster-Kreis. Denn wenn der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jeweils im Herbst seine neue Regionalstatistik vorlegt, gehören sie seit Jahren zu den besten. Wo wenige Menschen leben, gibt es wenige Fahrzeuge, wenige Unfälle – und je seltener es in einer Region kracht, desto niedriger ist die sogenannte Regionalklasse, die der GDV für die Haftpflicht-, Teil- oder Vollkaskoversicherung errechnet. Und umso günstiger ist die Autoversicherung. Auch in diesem Jahr war das im Landkreis Elbe-Elster wieder so. Er bekam erneut die beste Regionalklasse in der Kfz-Haftpflichtversicherung: Stufe eins. In Regionen mit der schlechtesten Stufe zwölf hingegen wird es für die Besitzer teuer.

Die Veröffentlichung der GDV-Regionalstatistik ist alljährlich der Startschuss für einen heftigen Kampf um die Kunden in der Kfz-Versicherung. In keiner anderen Versicherungsart wird so oft der Anbieter gewechselt wie bei den Auto-Policen. Die Verträge laufen stets nur ein Jahr – und sie enden meist zum 31. Dezember. Wer wechseln will, muss seine Versicherung spätestens einen Monat vorher kündigen. Der November ist daher die Zeit, in der sich die meisten Wechselwilligen nach einem neuen Anbieter umschauen.

Mit 1,8 Millionen Wechslern rechnet die Branche in diesem Jahr. Für ihre Suche haben sie diesmal besonders gute Gründe: Denn 2013 werden die Tarife steigen – und das zum Teil kräftig. Unter anderem gehen die Preise für Neuabschlüsse in der Vollkaskoversicherung im Schnitt um zehn Prozent hoch, haben die Marktbeobachter von Nafi ausgerechnet. Die Beratungsfirma sammelt die Tarife sämtlicher Kfz-Versicherer. In der Teilkasko wird es demnach ab 1. Januar um durchschnittlich fünf Prozent teurer, in der Haftpflicht um drei Prozent.

Hauptgrund für den Preisanstieg ist die notorisch schlechte Ertragslage der Versicherer. »Die meisten schreiben in der Kfz-Sparte seit Jahren Verluste«, sagt Nafi-Geschäftsführerin Ivana Höltring. Schuld ist der harte Wettbewerb in der Branche. Er drückte jahrelang die Preise. Noch heute liegen die Prämien für Haftpflicht- und Kaskoversicherung unter jenen von 1985, heißt es beim Branchenverband GDV. Lange glichen die Versicherer das durch Gewinne an anderer Stelle aus. Seit Beginn der Finanzkrise schrumpfen ihre Erträge jedoch, und deshalb erwartet Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten, dass »wir nächstes Jahr nun den Anstieg auf breiter Front sehen werden«. Steigende Preise bei den Neuabschlüssen seien ein Frühindikator. »Im Bestand werden die Beiträge ebenfalls nach oben gehen«, sagt Rudnik.

Für Autofahrer kann das schnell einige Hundert Euro im Jahr ausmachen. Das zeigt sich am Beispiel eines 35-jährigen verheirateten Mannes aus Hamburg. Schließt er für seinen VW Golf (Baujahr 2011) ab Januar 2013 eine Vollkasko-Versicherung ab, steigt nach Nafi-Berechnungen seine Prämie, verglichen mit Januar 2012, im Extremfall um mehr als 250 Euro jährlich. Noch glimpflich davon kommen Kunden des Marktführer Huk, dessen Klassiktarif um knapp 20 Euro teurer wird. Im Tarif Grundschutz der Allianz sind es gut 50 Euro mehr, beim Axa-Tarif Mobil kompakt macht die Steigerung knapp 100 Euro aus.

Der Anstieg kann noch höher ausfallen, weil sich im nächsten Jahr auch die sogenannten Typklassen der Fahrzeuge verändern. Die Versicherer berücksichtigen fortan, wie oft ein Automodell in Unfälle verwickelt ist. Rutscht ein Auto in eine höhere Klasse, kostet auch die Versicherung mehr. Schon eine einzige Typklasse kann bei der Prämie rund 20 Prozent ausmachen. Damit nicht genug: Von 2013 an bieten die Versicherer neue Kfz-Policen nur noch zu so genannten Unisex-Tarifen an. Vom Jahreswechsel an müssen die Beiträge für Männer und Frauen also gleich hoch sein. Bisher fuhren Frauen günstiger, weil sie, statistisch gesehen, weniger Unfälle bauen. Für die Zukunft haben »einige Anbieter für die Frauen einfach die teureren Tarife der Männer übernommen«, berichtet Ivana Höltring von der Beraterfirma Nafi.

Um die Kunden trotzdem zu ködern, haben die Unternehmen zuletzt verstärkt Billigtarife aufgelegt. So verkauft mittlerweile ein Kfz-Versicherer im Schnitt drei verschiedene Policen. »Vor zehn Jahren war es kaum mehr als eine«, sagt Henrich Blase, Geschäftsführer beim Internet-Vergleichsportal Check24, das sein Geld vor allem mit der Vermittlung von Kfz-Policen verdient. Insgesamt, räumt daher auch ein Sprecher des GDV ein, sei der Markt »nicht gerade durchschaubarer geworden«. 

Lockangebote als Türöffner

Der Grund für die Lockangebote ist einfach: Die Kfz-Police gilt als eine Art Türöffner für Versicherungshäuser. Wer sein Auto versichert hat, schließt beim gleichen Makler später oft noch andere Verträge ab – von der Hausratversicherung über die Lebens- bis zur Berufsunfähigkeitspolice. »Über das Auto kann ein Vertreter den Kunden jedes Jahr neu ansprechen«, meint Ivana Höltring. »Und dabei versuchen sie, ihm noch etwas anderes zu verkaufen.« Das Problem bei den Billigtarifen ist folgendes: Sie bieten teilweise auch deutlich weniger Schutz als die gewöhnlichen Kfz-Policen. »Das Angebot leistungsschwacher Tarife hat stark zugenommen«, meint Henrich Blase.

Wer eine neue Versicherung sucht, sollte daher nicht bloß auf den Preis achten. »Vor allem in der Kaskoversicherung sind auch die Leistungen wichtig«, meint Verbraucherschützer Rudnik. So sollte die Police nicht nur eine Schadensumme von mindestens 100 Millionen Euro abdecken. Die Versicherung sollte überdies auch dann zahlen, wenn der Fahrer grob fahrlässig einen Unfall verursacht. Neuwagenbesitzer sollten außerdem darauf achten, dass bei einem Totalschaden mindestens während der ersten zwölf Monate der Neuwert erstattet wird.

Für solche Leistungen verlangen manche Versicherer zusätzlich Geld. Andere schließen in ihre Policen viele Extras gleich mit ein. Ein Vergleich der Tarife ist deshalb ratsam. »Wer jetzt eine relativ teure Versicherung hat, kann beim Wechsel schnell 50 Prozent sparen«, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Besonders groß fällt der Unterschied zwischen der teuersten und der günstigsten Police bei jungen Frauen aus, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet: Alleine in der Haftpflichtversicherung kann er bis zu 2.500 Euro im Jahr betragen. Eine junge Familie würde bei einer Haftpflicht plus Vollkasko manchmal mehr als 700 Euro sparen können.

Zum Tarifvergleich lassen sich Rechner im Internet nutzen. Die Stiftung Warentest etwa bietet dort einen solchen an (Kosten: 16 Euro). Darin sind jedoch nicht alle Versicherungen und Tarife enthalten. Dasselbe gilt für Vergleichsportale wie Check24, Transparo oder Toptarif, die zudem ihr Geld mit der Vermittlung von Policen verdienen. Der einzige Online-Rechner, in dem alle Versicherer und Tarife zu finden sind, ist jener von der Beraterfirma Nafi. Letztere stellt Verbrauchern ihre Datenbank kostenlos zur Verfügung.

Wer eine günstige Police gefunden hat, muss allerdings nicht zwingend den Anbieter wechseln, um zu sparen. »Oft lohnt es sich, mit dem günstigen Preis zum bisherigen Versicherer zu gehen und noch mal zu verhandeln«, meint der GDV-Sprecher. Wechseln kann man im Zweifel immer noch. Übrigens auch dann, wenn die Mitteilung des Versicherers über eine Beitragserhöhung erst nach dem 30. November eintrudelt. Bei Tariferhöhungen können Versicherte immer zu dem Termin kündigen, ab dem die Erhöhung gilt. Sie haben dafür einen Monat Zeit.