Der Oktober wird den Anhängern der Bioenergie als schwarzer Monat in Erinnerung bleiben. Die EU plant, den bisher angepeilten Biospritanteil im Benzin und Diesel von zehn auf fünf Prozent zu halbieren. Diese »willkürliche Regelung« führe zu Arbeitsplatzverlusten und verhindere die einzige Alternative zu fossilen Kraftstoffen, klagte der Bundesverband BioEnergie. Obendrein musste die Bioenergielobby Ende vergangener Woche vernichtende Kritik einstecken, zuerst vom Umweltbundesamt UBA und dann vom Londoner Institute for European Environmental Policy (IEEP). Beide halten die gängigen Klima- und Ökobilanzen im Licht neuer Erkenntnisse für fehlerhaft. Die Bioenergie wurde schöngerechnet.

Das IEEP verdeutlicht dies am Verfeuern von Holz, dem Klassiker der Branche. Hier werde allgemein angenommen, es sei stets klimaneutral, weil beim Verbrennen genauso viel Kohlendioxid (CO2) entstehe, wie der Baum zuvor aus der Luft entnommen habe. Doch bei genauer Analyse stimme das oft nicht, moniert das IEEP, insbesondere bei intensiver Waldnutzung und grenzüberschreitendem Handel. Längst werden Holzpellets international gehandelt, auch Tropenholzpellets. Wachsender Bedarf an Bioenergie kann in anderen Ländern direkt oder indirekt Flächen beanspruchen. Von denen weiß aber niemand, wie nachhaltig sie bewirtschaftet werden.

Fachleute warnen zudem längst vor einer heimischen »Holzlücke« infolge des Bioenergiebooms. Wird mehr Holz entnommen als nachwächst, wirkt das klimaschädigend. Die Vorstellung, der CO2-Ausstoß beim Holzverfeuern werde sofort kompensiert, entlarvt das IEEP als verbreiteten Irrtum. Je nach Holzart und Region könne es 16 bis mehr als 100 Jahre dauern, bis der genutzte Wald wieder entsprechend viel Treibhausgas gebunden hat. In der Ökobilanz müsse ein ungenutzter Wald als Referenz dienen – das aber verhagelt die Rechnung. Statt Holzkraftwerke wie üblich mit Kohlekraftwerken zu vergleichen, wäre es auch realistischer, Bezug auf den realen Strommix zu nehmen. Zu dem gehören jedoch bald überwiegend Windkraft und Sonnenenergie.

Kurzum: Je genauer man hinschaut, desto mieser wird die Klimabilanz für Brennholz. Umweltexperten sind sich einig: Viel besser, als Rohholz zu verfeuern, wäre zunächst dessen stoffliche Verwertung, ob als Papier, Spanplatte oder Bauholz. Erst nach deren Recycling macht Verheizen Sinn.

Ähnlich kurzsichtig ist das Verfeuern von Biokraftstoffen. Auch sie erhöhen den Flächenbedarf im Ausland, zudem konkurrieren sie mit der Nahrungsmittelproduktion. Deshalb fordert jetzt das Umweltbundesamt, mittel- und langfristig vollständig auf Energie aus Anbaubiomasse wie Mais, Raps, Palmöl oder Rohholz zu verzichten. Der Bioenergiebranche bliebe künftig nur noch die Nutzung von Abfällen oder Gülle, also schwierig verwertbarer Reststoffe.

Die bisherige Biokraftstoff- und Biogasproduktion mutiert zum amtlich bescheinigten Auslaufmodell. Der »Zukunftsbranche« droht ein Niedergang, ähnlich dem der Solarindustrie. Milliardensubventionen beruhen auf Fehleinschätzungen, jeder Ausbau gehört gestoppt. Doch da weitere Großpleiten bei der Energiewende politisch unerwünscht sind, dürfte noch viel Geld fließen, um die sieche Biobranche vor dem Absturz zu bewahren.