YahooDie Supermom muss es richten
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Yahoo war nie ein aufregendes Start-up

Aber was soll das Unternehmen mit all den Nutzern anstellen? Man wolle sie in ihren Alltagsroutinen begleiten, wolle inspirierend und erhellend für sie sein, sagt Mayer. Yahoo wolle wieder wachsen, vor allem im mobilen Internet. Es gebe zwar 76 Apps, bisher aber keine vernünftige Strategie für den mobilen Werbemarkt, sagt die Chefin. Wenn Yahoo irgendeine Zukunft haben will, dann muss es dort mit seinen Produkten überzeugen, das ist ihr Credo.

Yahoo war nie ein aufregendes Start-up. Am Anfang stand ein solider Verwaltungsgedanke, wie er gut zu einem Bibliothekar aus Detmold passen würde. In dieser Hinsicht ist Yahoo das Gegenteil von Google, wo Marissa Mayer vom Frühjahr 1999 bis zum Sommer 2012 gearbeitet hat. Sie war die Google-Mitarbeiterin mit der Nummer 20.

Mayer, die unter anderem Informatik an der Stanford University studiert hat, die sich selbst einen Geek nennt, die gern Designerkleider trägt, berüchtigte Partys in ihrem Apartment in San Francisco schmeißt und, wenn es sein muss, auch häufiger mal eine Nacht durchprogrammiert: Sie war bei Google lange Zeit für die schlichte Startseite mit dem Suchschlitz zuständig. Sie war bekannt dafür, dass sie Daten mochte, dass sie Dinge gern vermaß – in Klickzahlen, um herauszufinden, ob sie funktionierten.

Als Google-Gründer Larry Page, der mit Mayer einmal eine Affäre gehabt hatte, im April 2011 die Unternehmensleitung wieder übernahm, warf er sie aus dem engsten Führungszirkel. Sie durfte sich nur noch um Kartendienste und Lokales kümmern. Die ehrgeizige Mayer wird das Angebot von Yahoo auch deshalb so wohlwollend geprüft haben. »Der Job ist wie maßgeschneidert für mich«, sagt sie.

Sie will die Unternehmenskultur verändern. Das Essen in der großen Kantine auf dem Campus in Sunnyvale ist jetzt gratis, wie bei Google. Freitags stellt sich die Chefin in dieser Kantine auf einer Bühne den Fragen ihrer Mitarbeiter – wie die Chefs bei Google. Außerdem genehmigte Mayer jedem ein neues Smartphone. Die Mitarbeiter sollen sich mit Yahoos mobilen Produkten beschäftigen. Sie will Programmier-Talente anziehen, vor allem für ihre mobile Offensive. »Yahoo soll der absolut beste Arbeitsplatz werden.« Die Managerin galt bei Google als kühl und entschieden; und so wirken auch ihre ersten Schritte als Chefin. Wenige Tage vor der Geburt ihres ersten Kindes, an einem Dienstag Ende September, bestellte Mayer die Belegschaft ein, um ihre Pläne vorzustellen. Ein neues Produkt, sagte sie, müsse innerhalb von sechs Monaten marktfähig sein, lieferbar. Es müsse eine realistische Chance haben, 100 Millionen Menschen zu erreichen – oder 100 Millionen Dollar zu generieren. Wenn nicht: nichts mehr für Yahoo. Von Entlassungen, von Umstrukturierungen ist bisher nicht die Rede. Auch bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse sagte sie, Yahoo habe doch gerade erst umstrukturiert und im Januar Mitarbeiter entlassen.

Vor Kurzem war Marissa Mayer auch bei Markus Spiering. Spiering stammt aus Dresden, er hat in Berlin ein Unternehmen namens Pdassi gegründet, ein Buch über Flickr geschrieben, dann ging er zu Yahoo und wurde 2011 zum obersten Produktentwickler von Flickr.

Dieser Fotodienst war einmal eine gute Idee. Wer ihn benutzt, kann digitale Fotos speichern, zu Alben zusammenstellen, sie öffentlich machen oder nur einer kleinen Gruppe zeigen. So wurde Flickr zu einer Community von Foto-Enthusiasten. Und der Ort, an dem junge Weltreisende ihre Fotos mit den Daheimgebliebenen teilten.

Yahoo hat Flickr 2005 gekauft und danach wenig investiert und viel falsch gemacht. Der Konzern hat es etwa versäumt, rechtzeitig eine anständige Flickr-App für die allgegenwärtigen Smartphones zu entwickeln. Auch deshalb wurde Flickr inzwischen von Facebook und einer anderen, viel jüngeren Foto-Community namens Instagram rechts überholt. Am Tag, als bekannt wurde, dass Mayer übernehmen würde, setzte deshalb ein treuer Nutzer eine eigene Homepage auf: »Liebe Marissa Mayer, machen Sie Flickr wieder groß!«, schrieb er dort. Also: Macht die neue Chefin Markus Spiering Hoffnung?

Leserkommentare
    • 2b
    • 10. November 2012 12:41 Uhr

    finde ich Yahoo's (ein Backronym?) Vorbereitungsarbeit in den YahooGroups, als Unterstützung gesellschaftlicher Entwicklungsinitiven ...

    ... dazu würde auch Babel Fish passen für den einerseits erleichterten Zugang zu englischsprachigen FachInhalten und andererseits als Gesellschaftsprojekt für einen "culturalTranslator" (http://de.wikipedia.org/w...)???

  1. Viel potenzial hatte Yahoo meiner Meinung schon immer, aber erst seit dem Marissa Mayer CEO ist, besteht die Möglichkeit, dass sie ihr Potenzial endlich mal ausschöpfen. Grade Flicker hätte Instagram wirklich ausstechen können. Um die Seite wieder konkurrenzfähig zu machen, braucht es wirklich nur einem App für Android und iOS, auch eine überarbeitung der Fotogramms könnte nicht schaden. Auch das Mail system sollte endlich in das Jahr 2012 geholt werden. Eigentlich braucht es nichts was nicht schon mal einer der anderen Internet-Giganten gemacht hätte, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass Marissa Mayer das hinbekommt.

  2. ... was mich bei Yahoo interessiert sind "Börsenkurse auf Yahoo Finance " .

    Es gab auch schon Zeiten, da laßen sie heimlich meine
    E-Mail Adresse aus und bombardierten mich mit Spam.

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