YahooDie Supermom muss es richten

Marissa Mayer hat einen der schwierigsten Jobs im Silicon Valley: Sie muss den alternden Internetkonzern Yahoo neu positionieren. Dabei setzt sie auf mobile Werbung. von Johannes Gernert

Yahoo-Chefin Marissa Mayer (Archiv)

Yahoo-Chefin Marissa Mayer (Archiv)  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Ende September hat Marissa Mayer kurz einen Sohn bekommen, jetzt muss sie wieder ihren Konzern retten. Sie ist zurück im Büro, sie beruft neue Leute, sie arbeitet an den Produkten, an einer Strategie. Mayer, 37 Jahre alt, ist seit dem Sommer die Chefin von Yahoo, das einmal eines der wichtigsten Internetunternehmen der Welt gewesen ist. Und jetzt? Ja, jetzt...

Wenn Journalisten über das amerikanische Unternehmen schreiben, tun sie das meist mit einem leichten Seufzen: Als der Softwarekonzern Microsoft das viel kleinere Yahoo vor vier Jahren kaufen wollte, war die Firma noch 44 Milliarden Dollar wert. Seitdem ist der Börsenkurs um mehr als die Hälfte gesunken. Yahoo ist ein Konzern, mit dem es bergab geht, und Marissa Mayer muss schnell herausfinden, wofür dieses Unternehmen noch gut sein kann.

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Vor zwei Wochen hat Mayer sich ihren Aktionären stellen müssen. Yahoo verkündete die Zahlen fürs dritte Quartal 2012. »Ich bin begeistert, hier zu sein«, sagte die neue Chefin in einer Telefonkonferenz mit Investoren. Sie sagte Sätze wie:

»Yahoo hat eine großartige Zukunft vor sich.«

»Wir werden gewinnen.«

»Yahoos beste Tage liegen vor uns.«

Der Umsatz erreicht nach neun Monaten drei Milliarden Dollar und liegt damit ähnlich hoch wie der des Sozialen Netzwerks Facebook, erreicht aber nur ein Zehntel dessen, was Google erlöst. Und: Die beiden letztgenannten Unternehmen wachsen, Yahoo stagniert.

Mayers neue Firma hat zudem ein Identitätsproblem. Facebook und Twitter sind die Sozialen Netzwerke. Google ist der Suchgigant. Aber was macht Yahoo? Irgendwas mit Medien.

Yahoo ist vieles auf einmal. Man sieht das auf der Startseite. Es gibt dort nicht nur einen Suchschlitz, sondern in einer Randspalte all diese kleineren und größeren Tochterfirmen, Nachrichtenkanäle und Unterhaltungsangebote, die zum Konzern gehören: Sport, Finanzen, Lokales, Immobilien, eine Partnerbörse, ein Filmportal, Spiele, einen populären E-Mail-Dienst – und auch die hierzulande bekannte Foto-Community Flickr.

Yahoo, gegründet 1994, war einmal das Bibliotheksverzeichnis des weltweiten Netzes. Die Startseite war in Rubriken unterteilt. Heute erkunden die meisten Leute das Netz über die Nachrichtenströme von Facebook oder Twitter, über die Suche von Google, die Clip-Kaskaden von YouTube. Yahoo hat seit 2009 nicht einmal mehr eine eigene Suchmaschine, sondern nutzt die von Microsoft.

Trotzdem: 715 Millionen Nutzer pro Monat, 20 Millionen davon in Deutschland, prüfen Börsenkurse auf Yahoo Finance, schauen Spielergebnisse auf Yahoo Sports nach, und 300 Millionen Nutzer schreiben ihre E-Mails mit Yahoo.

Leserkommentare
    • 2b
    • 10. November 2012 12:41 Uhr

    finde ich Yahoo's (ein Backronym?) Vorbereitungsarbeit in den YahooGroups, als Unterstützung gesellschaftlicher Entwicklungsinitiven ...

    ... dazu würde auch Babel Fish passen für den einerseits erleichterten Zugang zu englischsprachigen FachInhalten und andererseits als Gesellschaftsprojekt für einen "culturalTranslator" (http://de.wikipedia.org/wiki/Babel_Fish)???

  1. Viel potenzial hatte Yahoo meiner Meinung schon immer, aber erst seit dem Marissa Mayer CEO ist, besteht die Möglichkeit, dass sie ihr Potenzial endlich mal ausschöpfen. Grade Flicker hätte Instagram wirklich ausstechen können. Um die Seite wieder konkurrenzfähig zu machen, braucht es wirklich nur einem App für Android und iOS, auch eine überarbeitung der Fotogramms könnte nicht schaden. Auch das Mail system sollte endlich in das Jahr 2012 geholt werden. Eigentlich braucht es nichts was nicht schon mal einer der anderen Internet-Giganten gemacht hätte, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass Marissa Mayer das hinbekommt.

  2. ... was mich bei Yahoo interessiert sind "Börsenkurse auf Yahoo Finance " .

    Es gab auch schon Zeiten, da laßen sie heimlich meine
    E-Mail Adresse aus und bombardierten mich mit Spam.

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