Liebeskolumne Muss er ihr seinen Rückzug erklären?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss er ihr seinen Rückzug erklären?
© igit/photocase.com
Die Frage: Rike und Philip sind seit zwei Jahren ein Paar. Sie wollen zusammenziehen, wenn Rike ihr Studium abgeschlossen hat. Sie kommt aus einer Lehrerfamilie, Philips Eltern sind Handwerker, er arbeitet im Betrieb mit, den er später übernehmen soll. Sie haben viele gemeinsame Interessen. Aber es gibt Streite, die Rike vor allem deshalb Sorgen machen, weil sie sich nicht aufklären lassen – Philip zieht sich dann von ihr zurück, er verstummt, er will nicht sagen, warum, er wird patzig, wenn sie auf einer Begründung besteht, schlägt die Tür hinter sich zu, steigt auf sein Motorrad und braust davon. Wenn Rike später auf sein Angebot eingeht, so zu tun, als ob nichts gewesen wäre, ist er wieder der liebste Kerl der Welt.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: In Philips Welt redet ein Mann nicht über Schwächen. Er findet es am besten, so zu tun, als ob nichts wäre. Wenn das nicht gelingt, weil zu viel Energie verbraucht wird, um die aufgewühlten Gefühle zu beruhigen, hilft eine kurze Selbstverkapselung. Rike ist die Eloquentere von beiden. Wenn sich Philip nicht wohl mit ihr fühlt, ist für ihn sein Verstummen die einzige Möglichkeit, auf Augenhöhe zu bleiben. Sich ihr zu erklären hieße, sich ihr zu unterwerfen. Rike fährt am besten mit diesem Verhalten, wenn sie sich nicht schuldig fühlt, Philip ziehen lässt und seine Rückkehr abwartet. Wenn er sich nicht erklären muss, kann es gut sein, dass er sich irgendwann doch erklären will.
- Wolfgang Schmidbauer
ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen
- Datum 29.10.2012 - 14:15 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 31.10.2012 Nr. 45
- Kommentare 3
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Der Ratschlag an Rike Philip nicht unter Druck zu setzen zeigt, dass Herr Schmidbauer auf Rikes Seite, also wieder einmal auf Seiten der Frau, steht. Er hatte vorher korrekt herausanalysiert, was hinter einem solchen Sich-erklären steckt, nämlich sich zu unterwerfen, d.h. es geht darum, wer in der Beziehung die Oberhand hat. Er rät Rike nicht ungeduldig zu werden, dass so Hoffnung besteht, dass er sich noch unterwirft, ihn also weichzukochen. Ein entsprechender symmetrischer Ratschlag an Philip, durchzuhalten, erfolgt nicht. Ihn aufzumuntern und zu erzählen, wie gut seine Strategie des Rückzugs ist, in der Beziehung die Oberhand zu behalten. Ihm z.B. die negativen Konsequenzen einer Erklärung, nämlich die Unterwerfung unter seine sprachkompetente Frau, klar zu machen, mit all den Konsequenzen in seinem männlichen Bekannten- und Freundeskreis. Ihn auf die Gefahr aufmerksam zu machen, dass eine weiteres Drängen seiner Partnerin noch kein Kleinbeigeben ihrerseits ist, dass sie ihn nur, wie von Herrn Schmidbauer geraten, eben weichkochen möchte. Alle diese Informationen würden Philips Motivation stärken und darüberhinaus seine soziale Kompetenz erhöhen.
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"Ihn auf die Gefahr aufmerksam zu machen, dass ein VERZCIHT auf weiteres Drängen seiner Partnerin noch kein Kleinbeigeben ihrerseits ist,..."
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