Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen © Nicole Sturz

Als Angela Merkel in Griechenland war, haben dort Demonstranten aus Protest Hakenkreuzfahnen gehisst. Da war ich irritiert, weil meines Wissens die Deutschen den Griechen Milliarden an Krediten und Bürgschaften zur Verfügung stellen . So etwas hätte Adolf Hitler niemals getan. Hitler hatte selber einen Haufen Schulden. Bei der Recherche bin ich auch auf den Schützenpanzer Leopard 2 gestoßen. Griechenland hat seit 2005 von der deutschen Firma Krauss-Maffei 170 Leopard-Panzer geliefert bekommen, Preis: 1,7 Milliarden Euro. Ich glaube nicht, dass Hitler den Griechen massenhaft Panzer geliefert hätte, das war nicht sein Stil. Kritiker sagen, es war unmoralisch, den Griechen die Panzer zu verkaufen, weil eh klar war, dass die Griechen solch eine riesige Panzerstreitmacht nur wieder mit neuen Krediten finanzieren können .

Ich finde ja, Leute oder Länder müssen selber wissen, ob sie sich einen Panzer, eine Rolex oder eine Ostimmobilie leisten können oder nicht. Jede andere Position wäre doch paternalistisch, chauvinistisch und arrogant. Wenn die Deutschen gesagt hätten, nein, liebe Griechen, ihr kriegt unsere Panzer nicht, ihr könnt sie euch nämlich gar nicht leisten, gebt euer Geld lieber für was Vernünftiges aus, oder wie wäre es denn mal mit Sparsamkeit, dann hätte es auch wieder ein Riesenbohei gegeben, wegen Einmischung in die griechische Politik, und dann wären in Athen auch wieder Hakenkreuzfahnen gehisst worden.

Sie haben sogar acht Brückenlegepanzer gekauft, Typ »Leguan«. Mit dem »Leguan« legt man, wie der Name schon sagt, Brücken. Jeder, der mal in Griechenland war, weiß, dass dort die Flüsse im Sommer ausgetrocknet sind. Wozu braucht Griechenland eine Schwadron Brückenlegepanzer? Wollen die Griechen Norwegen besetzen, das Land der Fjorde? Na gut, der Kunde ist König.

Ich habe dann aber festgestellt, dass fast alle Länder der Erde Leopard-Panzer besitzen. Der Leopard ist ein deutscher Export-Hit wie der Mercedes oder die Band Kraftwerk . Er ist der einzige Panzer, der vier Meter tief unter Wasser fahren kann. Indonesien hat 100 Stück gekauft , Chile 172, Finnland 124, Katar 200, die Türkei sogar 300. Die Schweiz besitzt 380 Leopard-Panzer, nun, die Schweiz kann sich das zweifellos finanziell erlauben. Aber wo auf den engen Schweizer Bergstraßen 380 deutsche Panzer Platz finden sollen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht fahren sie auf dem Grunde des Bodensees herum. Noch irrationaler kommt mir das Verhalten Singapurs vor. Ich war in Singapur , das ist ein winziger Stadtstaat. Sie haben 102 Leopard-Panzer gekauft. Wenn man all diese Panzer nebeneinander aufstellt, bedecken sie vermutlich ein Drittel des Staatsgebietes. Wenn die Singapurer wirklich mal eine richtige Panzerschlacht veranstalten wollen, müssen sie vorher die halbe Stadt abreißen. Asien ist und bleibt ein Rätsel.

Jedenfalls sind Leopard-Panzer weltweit für Staaten aller Art ein Statussymbol. Erst ein Land, das sich keine deutschen Panzer mehr kaufen kann, ist wirklich am Ende. Das zerstrittene Belgien , das finanziell nicht auf Rosen gebettete Ecuador , das friedliche Dänemark , alle haben welche. Deswegen wäre es eine solche Kränkung des griechischen Nationalstolzes gewesen, ihnen die Panzer zu verweigern, dass ich die Kritik der Kritiker zurückzuweisen geneigt bin. Allerdings erlaube ich mir, an die Adresse Griechenlands, den Hinweis, dass Kanada , ein relativ wohlhabender Staat, seine Leopard-Panzer gebraucht gekauft hat, von den Holländern .

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