Museum of Modern ArtEine Revolution! In New York!

Deutsche Künstler übernehmen das MoMA. von Daniel Schreiber

Auch Werke der Künstlerin Katharina Fritsch werden im MoMa gezeigt. Das Bild zeigt sie mit ihrer Skulptur "Hahn/Cock" im Jahr 2011 in London.

Auch Werke der Künstlerin Katharina Fritsch werden im MoMa gezeigt. Das Bild zeigt sie mit ihrer Skulptur "Hahn/Cock" im Jahr 2011 in London.   |  © Peter Macdiarmid/Getty Images

Das Deutschlandbild vieler Amerikaner ist ja bekanntlich immer noch von Nazis, Autos und schmuddeligen Pornos geprägt. Einige haben wohl auch schon mal von Angela Merkel gehört, und zumindest in New York gehört es zum guten Ton, Berlin zu mögen.

Wenn es allerdings stimmt, dass tief greifende Umwälzungen immer an den Rändern beginnen, könnte sich eine kleine Revolution ankündigen: Das Image der Deutschen verwandelt sich. Besucht man dieser Tage das MoMA in New York, das sich selbst das »weltweit führende Museum für moderne Kunst« nennt, stellt man erstaunt fest, dass es fest in deutscher Hand ist. Nicht nur der Chefkurator Klaus Biesenbach, seine Mitarbeiterriege und der Hauptsponsor des Museums stammen aus Deutschland, sondern unterdessen auch eine beeindruckende Zahl von Kunstwerken. Jedenfalls sehr viel mehr, als das noch vor drei, vier Jahren der Fall war.

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Neben Rodins berühmtem Täufer-Johannes und Picassos Ziege erstrahlt nun schon im Skulpturengarten des Museums eine neunteilige Figurengruppe der Düsseldorferin Katharina Fritsch in den schönsten Neonfarben, in deren Mittelpunkt nicht zufällig eine lebensgroße rheinländische Wallfahrts-Madonna steht. Besonders auf der zweiten Etage des Hauses, wo in regelmäßigen Umhängungen die Kunst seit 1980 präsentiert wird, sieht man neuerdings ebenso viel Deutsches wie in vielen hiesigen Museen. Zum einen sind natürlich Arbeiten der jüngeren Berliner Künstlergeneration vertreten, von dem Gebrauchttextilkünstler Sergej Jensen zum Beispiel. Zum anderen trifft man auch auf erstaunlich viele Werke der Konzeptkunst aus den achtziger Jahren, die aus Köln oder München stammen. Ein ganzer Raum ist den Installationen von Martin Kippenberger gewidmet, und Georg Herold darf mit ein paar Sperrholzlatten Fragen wie »Ziehen die Russen in den Krieg?« stellen. Günther Förg, Reinhard Mucha und Albert Oehlen werden hier gezeigt, und ein Maschinenstrickbild der großen Rosemarie Trockel liefert einen unfreiwilligen Metakommentar auf diese Entwicklung: »Made in Western Germany« steht da beigefarben auf brauner Wolle.

Doch zur eigentlichen Überraschung kommt es auf der vierten Etage, die der Nachkriegsmoderne zwischen Abstraktem Expressionismus, Minimalismus und Pop-Art gewidmet ist und wo sich die wahre Bedeutungshoheit des Hauses konzentriert. Denn hier sind die Werke von Mark Rothko, Jasper Johns, Donald Judd und Andy Warhol zu sehen, die das definieren, wofür das MoMA jahrzehntelang stand. Lange hätte man es nicht für möglich gehalten, dass über Joseph Beuys und Gerhard Richter hinaus auch deutsche Künstler Einzug in diesen Kanon halten können. Aber offenbar ist nun genau das geschehen. Beuys hat gleich einen ganzen Ausstellungsraum bekommen. Ein schwarz-weißes Richter-Porträt hängt in Sichtweite eines Holzfäller-Gemäldes von Georg Baselitz. Anselm Kiefer und Sigmar Polke befinden sich in den heiligen Hallen, auch die Bilder des viel zu früh verstorbenen Düsseldorfer Pop-Künstlers Blinky Palermo. Gerade mal zwei von Pollocks Drip-Paintings sind zu sehen, auch von Barnett Newman gibt es nur zwei kleine Leinwände, und selbst der Hamburger Bahnhof in Berlin zeigt eine größere Auswahl von Werken Robert Rauschenbergs.

Dahinter den Einfluss der Berliner Kuratoren zu vermuten liegt nahe. Doch vielleicht ist diese Umhängung und Neugewichtung – die nicht zuletzt den Trend des in ernste deutsche Nachkriegskunst verliebten Kunstmarkts reflektiert – auch ein Zeichen für ein neues, ein bescheideneres Selbstverständnis der Amerikaner. Anscheinend hat man nun auch in Midtown verstanden, dass die Zeiten vorbei sind, in denen New York unbestritten als der Nabel der Kunstwelt galt.

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Leserkommentare
  1. die einen bedeutungslosen bilder(newman usw) werden durch andere bedeutungslose ausgetauscht-

    die gagfabrikation überzieht den globus mit einem zähen,
    undurchdringlichen schleim-

    was sind das für leute,die diese primitiv-gags brauchen?

  2. für ein bild von meese oder vonhemmer können die sich den
    ganzen jahrmarktsgag-und aesthetoschrott von trockel oder hirst
    an den hut stecken-

    da können noch so viele kritiker mit glühenden bäckchen deren bedeutung beschwören

  3. Das Rezept für diese Art von Kunst ist denkbar einfach:
    Man nimmt einen Gegenstand und versetzt ihn in ein Umfeld,für das er nicht gedacht ist.-
    Hier liegt eine Kameea- gut- ich tue die auf einen Teller,garniere mit Salat und sauce- und fertig ist das Kunstwerk.Dafür braucht ein normaler Mensch 10 sec maximal.-

    Oder ein Löffel. Wo gehört er nicht hin? : In Leibesöffnungen.für die er nicht gedacht ist.
    Man fertige also naturgetreu eine Dame aus Polyester- den Rest mag sich jeder denken-
    fertig ist das Kunstwerk,das schockiert und Sehgewohnheiten aufbricht.-

    Wenn ich mit derartigem meine Zeit vertun würde,könnte ich 12 Millionen solcher Kunstwerke produzieren.(Mal abgesehen vom design.)-
    Wie wärs,auf dem Mond eine tiefe Furche zu ziehen,dass er aussieht wie ein weiblicher Hintern?
    Das wäre dann Konzeptkunst.-

    Nein- es ist Verblödung total- bestenfalls design,wie mit Recht Meese schimpft.
    Was soll er auf der Dokumenta- wenn man das hirnrissige Konzept hört,ärgert man sich schon genug.-
    Aber Provokation- das gilt ja auch schon als Kunstwerk.

  4. Oder man vergrössert etwas enorm.Löffel,Ratten,oder was auch immer- male sie poppig an: Kunstwerk. -

    Oder ein U-Bahneingang.Wo passt er nicht hin? In die Arktis.
    Baut man einen hin- es gibt für jeden Blödsinn Sponsoren.- Fertig ist das Kunstwerk.-
    Früher waren so was Studentengags.-

    Wie ausgetrocknet muss ein Gehirn sein,das so etwas sich nicht selbst ausdenken kann.-
    Diese sog. Moderne ist in Wahrheit eine schonungslose Diagnose des modernen,emotional verkümmerten Menschen.

  5. Das ist das gleiche armselige Konzept,mit der der weltberühmte Neuenfels den Lohengrin verhunzen muss.Soll er doch selbst eine Oper schreiben-oder wenigstens den Text-
    oder,wenn es dazu nicht reicht,eine Pantomime.-

    Aber natürlich: Wenn man Wagners Musik als Tranportmittel missbraucht,kommen die Leute.
    Und keiner will sich als banause outen- und alle sondern dann Begeisterung ab.Armselig.

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    Na meckern ist schon einfach und ich bin auch gut darin .Aber wer will heute eigentlich diese geistige Anspruchslosigkeit?,diese" Reichendeko"?Wer zahlt dafür?Kunstverstand und Reichtum scheinen sich zu widersprechen.

    • Mari o
    • 11. November 2012 11:58 Uhr

    Solange die Kunstwelt durch die Kunstmafia (sogenannte Kuratoren,Galeristen,Kulturämter usw)gelenkt wird,solange ist
    es kein freies Künstlertum,dessen wir uns erfreuen dürfen,sondern unsere Künstler sind eingespannt in Profit-
    und Machtinteressen.Erst wenn diese von mir so bezeichnete
    Kunstmafia verschwunden ist,kann der Künstler wirklich ein freier Künstler sein.Erst wenn die Herrschaftsstrukturen der Gesellschaft verschwunden sind,kann die Kunst frei sein.
    so ungefähr nach Robert Schurz Essay und Diskurs deutschlandfunk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    schon mal so 'ne arbeit von der fritsch oder dem meese gesehen? das ist für mich kleinbürgerliche kunst. so hat sich 'fritzchen' schon immer die kunst vorgestellt. die kuratoren, galeristen befriedigen mit ihrem geschmack das zu geld gekommene kleinbürgertum. das gibt es auch in massen in einer stadt wie new york. warum hat louise bourgeois so lange unbeachtet in dieser stadt gewohnt.

    oder welche künstlerin hat biesenbach entdeckt?

  6. schon mal so 'ne arbeit von der fritsch oder dem meese gesehen? das ist für mich kleinbürgerliche kunst. so hat sich 'fritzchen' schon immer die kunst vorgestellt. die kuratoren, galeristen befriedigen mit ihrem geschmack das zu geld gekommene kleinbürgertum. das gibt es auch in massen in einer stadt wie new york. warum hat louise bourgeois so lange unbeachtet in dieser stadt gewohnt.

    oder welche künstlerin hat biesenbach entdeckt?

    Antwort auf "empört euch"
  7. Na ein Ive Klein blauer Hahn ist nicht gerade der Gipfel der Kunst.Mit diesem Blau wurde schon ewig herumgekünstelt.Ich selbst habe damit schon vor 20 Jahren eine Installation mit Gartenzwergen gemacht.Man sollte sich schon etwas kundig machen,eh man dauernd meint, das Wagenrad neu erfinden zu müssen.

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  • Schlagworte Künstler | Museum | Ausstellung | New York | Moderne Kunst
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