TransplantationsgesetzSpender gesucht

In dieser Woche tritt in Deutschland das neue Transplantationsgesetz in Kraft. Die Krankenversicherten müssen sich für oder gegen die Organspende aussprechen. Wird das den Organmangel beheben? von 

Sein letztes Dienstjahr hatte sich Günter Kirste wohl anders vorgestellt. Der Mann ist so etwas wie der Bundesbeauftragte für die Organspende. Nur wenige kennen das schwierige Gewerbe der guten Tat nach dem Tod so wie der 64-Jährige. Seit vielen Jahren bemüht sich der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) , die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot gespendeter Herzen, Lungen und Nieren zu verkleinern. Bislang ohne großen Erfolg.

Neue Hoffnung setzte die DSO daher auf das neue Transplantationsgesetz . Am 1. November startet die bislang größte Informationskampagne zur Organspende in Deutschland. Alle Krankenkassen müssen ihre Mitglieder schriftlich bitten, sich für oder gegen die Spende auszusprechen. Nach zähen Debatten hatte der Bundestag parteiübergreifend für die Entscheidungslösung gestimmt – in der Erwartung, den Spenderzahlen einen kräftigen Schub zu geben.

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Doch nun könnte das Gegenteil passieren. Denn die Befragung kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Im März gerieten Vorwürfe von selbstgerechten Manipulationen innerhalb der DSO in die Presse. Im Mai wurde bekannt, dass Ärzte in Regensburg und Göttingen anscheinend über Jahre hinweg Laborwerte gefälscht hatten, um Organe an den offiziellen Wartelisten vorbei vergeben zu können. "Die Vorwürfe der Datenmanipulation haben das Vertrauen massiv erschüttert", klagt Kirste. Schon Anfang des Jahres musste die DSO rückläufige Spenderzahlen vermelden. Der Transplantationsbetrug , fürchtet Kirste, könnte diesen Trend verfestigen – durch die jetzige Umfrage vielleicht auf viele Jahre hin.

Die vielen einzelnen Skandale drohen damit den Dauerskandal zu verschärfen: den chronischen Mangel an Organen in Deutschland. Um gerade einmal rund 20 Prozent sind die Spenderzahlen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. "Ich hatte gehofft, dass wir weiter vorankommen", sagt Kirste ernüchtert. 12.000 Patienten warteten hierzulande auf ein Organ, als der Mediziner 1996 seine Arbeit in der DSO begann – 12.000 Patienten sind es noch heute. Jeden Tag läuft die Frist für drei Patienten auf der Warteliste ab. Ohne Organe aus anderen Ländern wäre die Todesrate noch höher.

Organspende

Ehe jemand als Spender infrage kommt, müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Dieser tritt ein, sobald im Großhirn, im Kleinhirn und im Hirnstamm keinerlei Aktivität mehr gemessen werden kann. Damit die Organe nicht geschädigt werden, muss der Spender künstlich beatmet werden.

Grafik: Organspende
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Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.  |  © Simone Gödecke

Wenn geklärt ist, dass Organe entnommen werden dürfen, wird der hirntote Spender auf Tumorerkrankungen und Infektionen untersucht. Das soll sicherstellen, dass der Empfänger eines Organs nicht gefährdet wird.

Die Daten des Spenders werden an die europäische Vermittlungsstelle Eurotransplant geschickt. Hier wird auf den Wartelisten nach passenden Empfängern gesucht.

Anschließend werden dem Verstorbenen die Organe entnommen, die er bereit war zu spenden. Der Leichnam wird dann für eine Aufbahrung vorbereitet und kann bestattet werden.

Die Organe werden gekühlt und verpackt und an ihren Bestimmungsort gebracht. Sie werden mit dem Krankenwagen transportiert oder in dringenden Fällen auch per Flugzeug ausgeflogen.

Spenden nach dem Tod

Wer in Deutschland nach dem Hirntod seine Organe spenden möchte, muss einer Entnahme ausdrücklich zustimmen. Seit dem 1. November 2012 gilt dazu ein neues Transplantationsgesetz: Jeder Krankenversicherte wird regelmäßig angeschrieben und gefragt, ob seine Organe im Todesfall verwendet werden dürfen.

Wie bisher gibt es einen Organspendeausweis. Darin steht, ob derjenige generell mit einer Organ- und Gewebespende einverstanden ist oder auch nicht. Die Bereitschaft lässt sich auch einschränken: Wer etwa nicht möchte, dass sein Herz entnommen wird, kann dies auf dem Ausweis vermerken.

Bisher wurden, wenn ein möglicher Spender zu Lebzeiten nichts verfügt hatte, nach seinem Tod die Angehörigen gefragt, ob sie einer Spende zustimmen. Auch in Zukunft werden Angehörige informiert, wenn ein potenzieller Spender verstirbt. Maßgeblich ist juristisch dann aber der zu Lebzeiten formulierte Wille des Verstorbenen.

In Österreich und Belgien gilt eine Widerspruchslösung: Hier zählt jeder von Geburt an als Organspender. Wer gegen eine Entnahme von Gewebe und Organen ist, muss dies ausdrücklich erklären. Allerdings wird auch in diesen Ländern immer auch mit den Angehörigen gesprochen und geklärt, ob Einwände gegen die Spende bestehen.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die wichtigsten Fragen und Antworten zur Neuregelung der Organspende zusammengefasst.

Spenden im Leben

Das seit 1997 geltende Transplantationsgesetz regelt auch Organspenden während des Lebens. Auch nach der Reform von 2012 gilt: Wer zeitlebens etwa eine Niere spenden will, muss volljährig sein und über alle Risiken aufgeklärt werden. Ein Organ kann nur Verwandten, Ehegatten, Lebenspartnern oder engen Freunden gespendet werden. Jeder Lebenspender hat aber heute einen Anspruch gegen die Krankenkasse des Organempfängers auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachsorge, Rehabilitation sowie Krankengeld.

Organe dürfen nur in den deutschlandweit gut 40 Transplantationszentren übertragen werden. Wer als Empfänger infrage kommt, ist auf einer Warteliste vermerkt. Bei jedem Organ wird geprüft, wer es am dringendsten benötigt und bei wem die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung am größten erscheinen. Dabei ist es unabhängig, ob eine Person arm oder reich, berühmt oder der Öffentlichkeit unbekannt ist. Nach den jüngsten Skandalen wurden die Kontrollen verschärft.

Das Gewebegesetz ergänzt das Transplantationsgesetz und regelt unter anderem die Entnahme von Knochen, Knorpeln, Augenhornhäuten und Herzklappen.

Der Handel mit Organen ist nach dem Gesetz verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Abgeschwächte Strafen gelten für den Verkauf und Erwerb von Produkten, die aus Gewebe und Organen hergestellt worden sind.

Seit Beginn der Arbeit von Eurotransplant, der zwischenstaatlichen Vermittlungsstelle für Organe, führt die Bundesrepublik mehr Organe ein, als sie zur Verfügung stellt. Hier ist der Exportweltmeister Deutschland Nettoimporteur. Trotz einer hohen (theoretischen) Spendebereitschaft der Bevölkerung, trotz aller Bekenntnisse von Politik und Ärzteschaft zur Organspende, trotz eines großen Gesundheitsbudgets, in dem die Kosten für Transplantationen nur einen Promille-Anteil ausmachen.

Länder wie Spanien , Kroatien oder Belgien zählen mehr als doppelt so viele Spender wie Deutschland. Woran liegt das? Diese Länder haben die Widerspruchslösung, sagen Transplantationsmediziner: Wer nicht ausdrücklich Nein sagt, ist dort automatisch ein Spender. Die deutschen Kliniken kümmerten sich zu wenig um das Thema, kritisiert die DSO. Die Krankenhäuser wiederum klagen, die Organspende sei ein Minusgeschäft. Gesundheitsökonomen verweisen auf die weltweit einzigartige Zersplitterung der Zuständigkeiten in Deutschland.

Und alle haben recht. Wie jede Organtransplantation selbst ist auch die nationale Organisation der Organspende ein extrem komplexes Unterfangen. Sie ist höchst anfällig für Störungen und angewiesen auf die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten. Genau daran mangelt es in Deutschland, und das wird das neue Gesetz kaum heilen.

Für eine Klinik macht die Organspende viel Arbeit und bringt keine Vorteile

Kein Land weltweit habe es bislang vermocht, allein durch eine Änderung seiner Gesetze die Spenderquote deutlich zu erhöhen, sagt Rafael Matesanz, Direktor der spanischen Organización Nacional de Trasplantes (ONT). Der Nephrologe darf sich "Vater des spanischen Modells" der Organspende nennen, das weltweit als vorbildlich gilt. Als Matesanz die ONT 1989 gründete, stagnierten die spanischen Zahlen dort, wo die deutschen heute liegen: bei rund 15 Spendern pro eine Million Einwohner. Heute liegt die Quote bei 35 Spendern, nur Kroatien weist weltweit mehr Spender auf. Der Balkanstaat hat das spanische Modell vor ein paar Jahren eins zu eins übernommen.

Leserkommentare
    • Gomulka
    • 01. November 2012 7:17 Uhr

    Das "Logo" der Blödzeitung auf dem Ausweis schreckt mich persönlich ab - und verleiht dem Ganzen auch etwas "schmuddeliges".

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    ja, das habe ich auch gerade gedacht...pfui teufel, geht das nicht ohne BLÖD?

    Laut Google Bildersuche gibt den Organspendeausweis auch ohne BILD Logo, in der Regel scheint wohl das Logo der jeweiligen Krankenkasse abgedruckt zu sein.

  1. Warum bieten die Krankenkassen keine Prämie an, wenn man einen Organspendeausweis nimmt? Da hätten die potentiellen Organspender noch zu Lebzeiten etwas davon! Sagen wir mal 1000€.

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    • Gomulka
    • 01. November 2012 7:47 Uhr

    ...würde das Arbeitsamt die Prämie gleich "verrechnen"? Nicht das noch ein arbeitsloser freiwilliger Spender was davon hätte - das darf nicht sein...

    1000€ Prämie wären vermutlich zuviel, es würde sich wahrscheinlich nicht rechnen. Aber die Grundidee (=echte Anreize zu schaffen, Organspender zu werden) erscheint mir im ersten Moment so sinnvoll und naheliegend, dass ich mich gerade ernsthaft frage warum diese Idee in der Debatte um Organspenden normalerweise gar nicht auftaucht...

    • short24
    • 01. November 2012 10:10 Uhr

    hab gerade auf der WEB Pager der Uniklinik Heidelberg FAQs gelesen: "Die Kosten für eine Lebertransplantation können zwischen 150.000 bis 200.000.– € liegen" - die Kosten der Prämie sind also verm. nicht das Problem. Es könnte aber dazu führen, dass gerade "prekäre" Schichten zu einem Ersatzteillager der Gesellschaft werden. Aber vll. Kostenzuschuss für die Angehörigen nach dem Tod - genauso Problematisch.

    • Ijon
    • 01. November 2012 10:16 Uhr

    Ich hoffe, es ist Ihnen bekannt, dass der Verkauf sämtlicher, egal welcher, Körperteile und Körperbestandteile völlig illegal ist.

    Ich weiß nicht, ob es bei Ihnen auch Plakate gibt, die für Plasma- und Blutspende werben - da wird 20€ bezahlt und auf dem Plakat steht überdeutlich, dass es sich um eine Aufwandsentschädigung für den *Zeit*aufwand handelt.

    Wenn Sie ein wenig darüber nachdenken, ist diese Regelung vielleicht gar nicht so dumm.

    Jedenfalls könnte man sich getrost von Zweifeln verabschieden, ob sich die Bürger frei von moralischem Druck für eine Organspende entscheiden. Kleines erfundenes Beispiel: Eine der Organspende abgeneigte Mutter hat eine Tochter, die gern auf Landschulwoche mitfahren würde. Jedoch hat die Mutter eigentlich nicht genug Geld, um die Sache zu bezahlen. Dem sozialen und mütterlichen Druck nachgebend, entscheidet sie sich für die Organspende und bekommt 1000€ bar auf die Kralle.

    Dessen nicht genug, wird die Sache hier erst lustig, wenn man sich folgendes überlegt: Darf die Mutter dann überhaupt noch aussteigen? Oder muss sie in dem Fall ihre Organe wieder "zurückkaufen" für 1000 oder gar mehr Euronen? Oder darf sie kostenlos aussteigen, dann aber gar nicht mehr einsteigen?

    Da wär' es ja noch besser, man würde die Opt-Out-Regelung implementieren, als die Bürger vor eine moralisch wirklich unvertretbare Entscheidung zwischen Geld und Gewissen zu stellen.

    • ribera
    • 02. November 2012 1:45 Uhr

    Die Kosten des Gesundheitssystems belaufen sich auf 250 Milliarden Euro. Derzeit haben wir 12.000 Empfänger auf der Warteliste. Einmal abgebaut, bräuchten wir deutlic weniger als 10.000 Spender jährlich.
    Böte man generell 10.000€ für jeden Spender, der sich zu Lebzeiten einverstanden erklärt hat, keinen senbstmord begangen und dann wirklich auch genommen würde - dann wären das 0,04% des Gesundheitshaushaltes.
    Generell zeigt sich am thema Organspende aber die Unfähigkeit unseres politischen Systems, naheliegende und zweckmäßige Lösungen zu finden.
    Eine Widerspruchslösung wie in Spanien respektiert den Individualwillen zu 100% und löst den Bedarf an Spenderorganen ebenfalls zu fast 100%. Wartezeit in Spanien durchschnittlich unter einer Woche.

    • Gomulka
    • 01. November 2012 7:47 Uhr

    ...würde das Arbeitsamt die Prämie gleich "verrechnen"? Nicht das noch ein arbeitsloser freiwilliger Spender was davon hätte - das darf nicht sein...

    Antwort auf "Die Lösung..."
  2. 5. 'BILD'

    Was hat das 'Volksblatt' damit zu tun? Haben die die Ausweise
    gesponsert?
    Voellig daneben.
    Und was heisst, 'die Krankenversicherten muessen'?
    Ich muss gar nichts.
    Die Widerspruchsregelung waere vernuenftig gewesen.

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    Paragraph 2a des Gesetzes (Fassung von 1997) sagt klar "(2a) Niemand kann verpflichtet werden, eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende abzugeben.".

    Schade das der Autor das Gesetz nicht richtig gelesen hat.

    Es handelt sich also "nur" um eine Aufklaerungskampagne.

    "Bild" steht für "Hirntod"

  3. Könnte ich meine Organe vielleicht ins Ausland spenden? Da scheint es ja Leuten mit mehr Menschlichkeit zu helfen.

  4. Daniel Bahr: Sowas von auf die Tränendrüse:

    "Es sterben im Zeitraum XXX eine Anzahl von YYY Personen weil keine Spendenorgane da sind."

    FALSCH: Die Menschen sterben, weil sie krank sind oder Unfälle hatten. NIEMAND stirbt weil ich meine Niere nicht hergebe.

    Diese Umkehrung der Verhältnisse ist die perfide Unverschähmtheit an der ganzen Sache!

    Es ist ein grosses Glück und eine Gnade WENN jemand überlebt WEIL ein Organ gespendet wird. Daraus erwächst jedoch KEIN - auch nur noch so wager - ANSPRUCH darauf, dass andere spenden.

    NIEMAND stirbt WEIL es keine Spendenorgane gibt!

    Solange wie versucht wird über diese miese, pseudomoralische Tour an Organe zu kommen - solange sollte die Spendebereitschaft weiter zurückgehen.

    WENN die FDP unbedingt LEBEN retten will - da böten sich genug andere Felder an.
    Zu nenn wären da die etwa die vielen Tausend MRSA Tote ( http://de.wikipedia.org/w... )

    DAS ist ein Thema, dass von Ärzten / Krankenhäusern / Krankenkassen etc. leider noch tot geschwiegen wird.

    DAMIT kann aber auch kein Geld verdienen --- ein Schelm wer ...

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    "Wir hören immer nur Zahlen, dass soundsoviel Menschen täglich sterben müssen", so Bergmann, "weil es zu wenige Organspender gibt. Diese Menschen sterben nicht, weil es keine Organspender gibt, sondern sie sterben, weil sie todkrank sind."

    "..."Kannibalismus in der Hightech-Medizin? Ein harter Vorwurf. Im Fall der Organspende steht die Ethik des Sterbens gegen die Segnungen des medizinischen Fortschritts. Wer auf dem Spenderausweis nichts einschränkt, spendet praktisch alles: Knochen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Venen, Därme die Haut - das ganze Warenlager. Die Ökonomisierung des Lebens macht auch vor dem Sterben nicht Halt... "
    http://www.3sat.de/page/?...

    Ein hervorragender Beitrag in 3sat! Der das Thema nicht aus der Sicht einer Werbekampagne betrachtet.

    Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass es nur Lebendspenden von gesunden Organen gibt.

    Die Medizin muss deshalb den Tod so definieren, dass SIE (!) noch leben. Praktisch vordatieren.

    Andere Sichtweise: Die Medizin muss das Leben solange künstlich verlängern, bis sich eine ökonomische Verwertbarkeit ergibt.

    Angehörige, in dieser schwierigen Situation mit Suggestivfragen unter Druck zu setzen, finde ich amoralisch.

    Jeder sollte sich gut Informieren und überlegen, ob er Organspender sein will.

    Das gleiche Gilt für Angehörige, wenn sie nach ihrer Zustimmung gefragt werden.

    • antlew
    • 01. November 2012 12:02 Uhr

    verbrämen seit Monaten diese absurde Kausalität, von Gestorbenen, für deren Tod die Ablehnung der Organspende die Ursache sei.
    Das ist an Perfidie, Dreistigkeit und Unverschämtheit tatsächlich nicht zu überbieten.
    Und kaum einem fällt es auf.
    Keine Kolumne widmete sich dieser verlogenen Anmaßung.

    In einer korrekten Demokratie wären die Verantwortlichen einer derartigen Meinungsmache bei einem öffentlich rechtlichen Institut sofort zu entlassen!

    "Solange wie versucht wird über diese miese, pseudomoralische Tour an Organe zu kommen - solange sollte die Spendebereitschaft weiter zurückgehen."

    Richtig. Jedoch ist diese "Tour" wohl der Ausdruck einer generellen Unredlichkeit in der Sache der Organspende.

    [...]

    Ob Sie es glauben oder nicht, Geschehnisse können mehr als eine kausale Bedingung haben. Wahnsinn, oder?
    Nehmen wir an, sie bekommen eine Blutvergiftung (Sepsis) und dem Krankenhaus stehen (z.B. aufgrund einer Katastrophe) die lebensrettenden Antibiotika nicht zur Verfügung. Dann sterben Sie, 1. WEIL sie eine Blutvergiftung haben und 2. WEIL die lebensrettenden Medikamente nicht zur Verfügung steht.
    Genauso stirbt ein Patient, dem eine Organtransplantation das Leben retten würde, es aber kein Spenderorgan gibt, 1. WEIL er eine Grunderkrankung hat, die tödlich ist, 2. WEIL ihm kein Spenderorgan zur Verfügung steht.
    Jeweils bedingen beide Bedingungen den Tod. Wäre nämlich eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, würde der Patient leben.

    [...] Gekürzt. Bitte äußern Sie sich weiterhin sachlich und differenziert. Danke. Die Redaktion/kvk

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  • Schlagworte Spanien | Arzt | Bundestag | Krankenhaus | Organspende | Belgien
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