StilkolumneMargiela für Alle

Tillmann Prüfer über den Designer und H&M von 

Jacke aus der Margiela-Kollektion für H&M, 299 Euro

Jacke aus der Margiela-Kollektion für H&M, 299 Euro  |  © Peter Langer

2009 verabschiedete sich der Designer Martin Margiela von seiner Marke. Zuvor hatte er sein Haus an den Konzern des Diesel-Gründers Renzo Rosso verkauft, sei dann jedoch mit der Kommerzialisierung seiner Kollektionen nicht zurechtgekommen, heißt es. Genau kann man das nicht wissen, denn Martin Margiela äußert sich nicht, gibt nie schriftliche Interviews, zeigt sich nicht. Ob der Meister sich für eine Kollektion des schwedischen Modediscounters H&M hergegeben hätte oder nicht – darüber lässt sich nur spekulieren.

Martin Margiela ist der Dekonstruktivist der Mode. Es hat ihr Inneres herausgekehrt, indem er Nähte nach außen kehrte, Kleidungsteile kombinierte, die nicht zusammengehören, sie auseinanderriss und wieder zusammenflickte. All das, was Kleidung normalerweise zusammenhält, fiel bei ihm auseinander und schaffte so neue Freiräume.

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Margiela-Entwürfe haben nichts von der Uniform, die unsere Emotionen schützt. Kleider mit der Handschrift Margielas stellen gnadenlos aus. Die Marke Maison Martin Margiela verfolgt auch nach dem Weggang des Meisters konsequent eine Idee: Auf Modenschauen treten die Models häufig mit verdecktem Gesicht auf, Mitarbeiter tragen weiße Apothekermäntel, der Duft heißt »untitled«. Die Marke als große Leerstelle. Wie kaum ein anderes Label steht MMM für Avantgarde.


Da der Meister ohnehin nie zu sehen war, fällt nun auch nicht auf, dass er weg ist. Nur an der Mode lässt es sich ablesen: Sie ist gewissermaßen in der Avantgarde eingefroren. Da es keine Person gibt, die für MMM steht, kann auch niemand etwas wirklich Neues machen. Die Kollektionen von MMM sind berechenbar geworden. Das sollte Avantgarde nicht sein.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Die H&M-Kollektion von Maison Margiela erinnert in Teilen an einen Gang durchs MMM-Archiv: Ein hautfarbenes Top etwa, auf das ein schwarzer BH aufgenäht ist, war schon 2007 auf dem Laufsteg. Klassiker wie ein Kleid, dessen Schleppe an die Schulter gepinnt ist, weiß bemalte Schuhe, Patchwork aus Leder – die Kollektion ist eher Retrospektive als Zukunftsschau. Allerdings: Man hat die Stücke vielleicht schon auf dem Laufsteg gesehen, aber nie in Massen auf der Straße. Das ist etwas total Neues und wird Margiela bestimmt gefallen.

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Leserkommentare
    • garl
    • 15. November 2012 12:50 Uhr

    margiela und avantgarde?...das mag in den 80ern so gewesen sein

    Eine Leserempfehlung
  1. "Ein hautfarbenes Top etwa, auf das ein schwarzer BH aufgenäht ist, war schon 2007 auf dem Laufsteg. Klassiker wie ein Kleid, dessen Schleppe an die Schulter gepinnt ist, weiß bemalte Schuhe, Patchwork aus Leder – die Kollektion ist eher Retrospektive als Zukunftsschau."

    Wann waren die H&M-"Designer"-Kollektionen jemals wegweisend? Meist sahen die Stücke aus wie von Praktikanten entworfen und es wurde billigstes Material verarbeitet und nur der Name verkauft. Ich denke mit Schaudern an die Comme des Garcons-Kollektion für H&M zurück, von der man auch mehr erwartet hätte.

    So gesehen kann die Margiela-Kollektion nur ein Fortschritt sein, wenn es sich um einigermaßen gute Kopien alter Entwürfe handelt und die Sachen nicht wie gewohnt trashig in der Qualität sind.

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Avantgarde | Duft | Emotion | Mode | Modenschau | Retrospektive
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