Stimmt's?Speichert ein Fotokopierer alles, was er kopiert hat?

…fragt Michael Hansen aus Hamburg von 

Früher war ein Fotokopierer eine Art Sofortbildkamera: Das Dokument wurde sozusagen abfotografiert, und die ausgespuckte Kopie war der einzige »Abzug« dieses Bildes. Im Gerät blieb keine Spur davon zurück.

Moderne Fotokopierer sind hingegen Scanner mit angeschlossenem Drucker. Das Originaldokument wird eingescannt und als Bilddatei abgespeichert, ein eingebauter Laserdrucker druckt diese Datei aus.

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Ob man es mit einem Kopierer der alten oder der neuen Art zu tun hat, merkt man, wenn man mehrere Kopien desselben Originals anfertigt: Alte Kopierer müssen dazu jedes Mal aufs Neue das Dokument abfotografieren, die neuen Geräte können nach einem Scanvorgang beliebig viele Kopien auswerfen.

Was passiert mit der gespeicherten Datei? Manche Kopien werden »vergessen«, sobald man den Kopierer ausschaltet, andere bleiben dauerhaft auf einer internen Festplatte. Selbst als gelöscht markierte Dateien kann ein kundiger Schnüffler oft noch nach Monaten auslesen.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Den Kopiererfirmen ist das Problem bekannt, einige bieten für ein paar Hundert Euro ein »Security Kit« an, das die Bilddaten verschlüsselt. Aber den meisten Firmen fehlt das Problembewusstsein, sie sparen sich diese Zusatzkosten.

Deshalb kann der Rat nur lauten: Wer sensible Dokumente kopieren will, etwa die Steuererklärung oder eine Bewerbung auf eine neue Stelle, der sollte das nicht am Kopierer im Büro tun – man weiß nie, wer mitliest.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Ob man es mit einem Kopierer der alten oder der neuen Art zu tun hat, merkt man, wenn man mehrere Kopien desselben Originals anfertigt [zitat ende]

    Kaum wahrscheinlich, dass man noch einen "historischen" Fotokopierer irgendwo antrifft. Die letzten Geräte dieser Art habe ich Mitte der 80er gesichtet.

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    Ohne konkrete Zahlen zu haben:

    Aber dass heute jeder Kopierer einen Permanentspeicher besitzt bezweifele ich. Flüchtige Speicher (RAM) mit 256 MB und mehr sind schon 10+ Jahren so billig, dass dies in vielen aktuellen Geräten der Speicher der Wahl sein dürfte.

    Das ist allrdings eine Spekulation und wenn man wirklich kompromittierende/heikle Informationen zu kopieren hat, dann sollte man sich überlegen, wo man das am besten kopiert.

    Vielleicht in dem Zusammenhang auch erwähnenswert (wenn auch OT ..), dass alle Farbkopierer eine (unsichtbare) spezifische Signatur mitdrucken, anhand derer die Drucker wiedererkannt werden können. IIRC soll das zur Forensik bei Geldnotenfälschung und Erpresserbrief-Identifikation dienen.

    Es werden sogar noch fabrikneue analoge Kopierer verkauft. Der Hinweis im Text war daher durchaus sinnvoll. Ich benutze so einen Kopierer nahezu täglich und werde ihn auch erst austauschen, wenn er defekt sein sollte.

  2. Ohne konkrete Zahlen zu haben:

    Aber dass heute jeder Kopierer einen Permanentspeicher besitzt bezweifele ich. Flüchtige Speicher (RAM) mit 256 MB und mehr sind schon 10+ Jahren so billig, dass dies in vielen aktuellen Geräten der Speicher der Wahl sein dürfte.

    Das ist allrdings eine Spekulation und wenn man wirklich kompromittierende/heikle Informationen zu kopieren hat, dann sollte man sich überlegen, wo man das am besten kopiert.

    Vielleicht in dem Zusammenhang auch erwähnenswert (wenn auch OT ..), dass alle Farbkopierer eine (unsichtbare) spezifische Signatur mitdrucken, anhand derer die Drucker wiedererkannt werden können. IIRC soll das zur Forensik bei Geldnotenfälschung und Erpresserbrief-Identifikation dienen.

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    Die großen Kopierer in Büros, Universitäten, Betrieben haben oft noch in der aktuellen Generation richtige 3,5" HDDs eingebaut, auf denen sich oft abertausende Dokumente finden. Einige der Servicedienste (die man für den Unterhalt ohnehin hat) kümmern sich bei der Entsorgung für einen kleineren Betrag um die physische Vernichtung der Platte.

  3. haben heute meist nicht nur eine interne Festplatte, sondern auch einen Netzwerkanschluss samt vollständiger IP-Konfigurierung zur Fernwartung.

    Große Unternehmen können dadurch Kosten einsparen, weil die Mitarbeiter des Kopiererherstellers nicht in jedem Falle hinfahren müssen um ein Problem zu beheben bzw. die Erstdiagnose von ihrem Büro aus durchführen können.

    Deshalb kann der Rat nur lauten ... siehe den letzten Absatz des Artikels!

    • Chaled
    • 10. November 2012 12:50 Uhr

    Da auf den meisten Geräten viel gedruck/kopiert wird und Flash-Speicher teuer ist muss (zumindest momentan) noch zwingen eine Festplatte verbaut sein.

    Bei der Verschrottung kann man als Privatanwender das Gerät aufschrauben und nachschauen und die Platte entfernen.

    Ich habe bei Consumergeräten (<500€) bisher noch keine HDD gefunden. Hingegen sind Markierungen bzw. Signaturen des Druckers durchaus vorhanden. Siehe dazu auch ein schon etwas älteren (aber immer noch aktuellen) Artikel:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Buergerrechtler-wollen-Spionage-p...

  4. Die großen Kopierer in Büros, Universitäten, Betrieben haben oft noch in der aktuellen Generation richtige 3,5" HDDs eingebaut, auf denen sich oft abertausende Dokumente finden. Einige der Servicedienste (die man für den Unterhalt ohnehin hat) kümmern sich bei der Entsorgung für einen kleineren Betrag um die physische Vernichtung der Platte.

  5. Kopierer haben proprietäre Betriebssysteme, ein direkter Zugriff mit den nötigen Tools ist nicht möglich.

    Dazu müsste eine eventuell vorhandene Festplatte ausgebaut und an einen Rechner angeschlossen werden.
    Mit eingebautem Flashspeicher wird das noch schwieriger (Frage der Kompatibilität von Hard- und Software).

    Inwieweit das in einer Arbeitsumgebung für Dritte überhaupt ohne weiteres möglich ist, stelle ich mal in Frage.

    Dazu kommt, dass man gelöschte Daten zwar mit entsprechenden Kenntnissen wiederherstellen kann, aber auch nur solange die Speicherbereiche nicht neu beschrieben wurden.
    Bei viel genutzten Kopierern dürfte die Zeitspanne also recht kurz sein, in der das noch geht.

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    Bedingt ein proprietäres Betriebssystem auch, dass proprietäre Dateisysteme verwenden werden? Das eine bedingt ja nicht das andere.

    Nicht jedes Betriebsystem ist so begrenzt beim Dateisystem wie Windows oder MacOS/iOS. Und welcher Kopierer-Hersteller wird sich den Aufwand, ein wirklich eigenes Filesystem für Standard-HDDs zu entwickeln, selber ans Bein binden?! Klar will niemand IPR-Probleme mit Microsoft für FAT o.ä. zahlen, aber ext2/3/4, xfs, ufs, und diverse freie FS sind ja industriell seit Jahrzehnten in breitem industriellen Einsatz.

    Ich würde erwarten, dass man mit einem beliebigen Linux recht leicht an die Daten heran kommt, lasse mich aber ggf. gern von Fakten überzeugen ..

  6. Es werden sogar noch fabrikneue analoge Kopierer verkauft. Der Hinweis im Text war daher durchaus sinnvoll. Ich benutze so einen Kopierer nahezu täglich und werde ihn auch erst austauschen, wenn er defekt sein sollte.

  7. Bedingt ein proprietäres Betriebssystem auch, dass proprietäre Dateisysteme verwenden werden? Das eine bedingt ja nicht das andere.

    Nicht jedes Betriebsystem ist so begrenzt beim Dateisystem wie Windows oder MacOS/iOS. Und welcher Kopierer-Hersteller wird sich den Aufwand, ein wirklich eigenes Filesystem für Standard-HDDs zu entwickeln, selber ans Bein binden?! Klar will niemand IPR-Probleme mit Microsoft für FAT o.ä. zahlen, aber ext2/3/4, xfs, ufs, und diverse freie FS sind ja industriell seit Jahrzehnten in breitem industriellen Einsatz.

    Ich würde erwarten, dass man mit einem beliebigen Linux recht leicht an die Daten heran kommt, lasse mich aber ggf. gern von Fakten überzeugen ..

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