StudentenvertretungPhönix aus dem Asta

Nach 35 Jahren wird in Baden-Württemberg die Studentenvertretung wieder eingeführt. Darüber sind nicht alle glücklich. von Christoph Gurk

Dank der Grünen und der SPD hat Laura Maylein endlich eine neue Hose. Mit dieser dunkelblauen Jeans sitzt sie nun im Schneidersitz auf einem Drehstuhl in ihrem Büro. Laura ist 24, sie studiert Kroatisch und Philosophie an der Uni Freiburg. »Ich bin ein Karrieremensch«, sagt sie und verzieht das Gesicht, damit klar ist: Das meint sie nicht ernst. Die Sache mit der Hose hat sie durchgezogen. Auch wenn es am Anfang wie ein Scherz klang.

Vor einem Jahr wollte sich Laura gerade eine neue Hose kaufen, als es in Baden-Württemberg ein kleines politisches Erdbeben gab: Bei den Landtagswahlen 2011 flog die CDU nach 50 Jahren aus der Regierung. »Das war eine riesige Überraschung«, sagt Laura. Hochschulpolitische Forderungen, die jahrzehntelang an der CDU gescheitert waren, schienen auf einmal durchsetzbar. Und so leistete Laura, die zu der Zeit in der Studentenvertretung ihrer Uni war, einen Eid: Sie versprach, nicht eher wieder neue Kleidung zu kaufen, bis die Hochschulen in Baden-Württemberg das zurückhätten, was die CDU ihnen einst genommen hatte: eine verfasste Studierendenschaft.

Anzeige

Sie ist der Zusammenschluss aller Studenten einer Universität, gemeinsam wählen sie den Allgemeinen Studierendenausschuss, kurz Asta. Er vertritt die Studierendenschaft nach außen, gleichzeitig verhandelt er auch mit der Uni-Leitung, zum Beispiel über bessere Studienbedingungen. Bis 1977 war das auch in Baden-Württemberg so, dann schaffte ihn die CDU ab: zu links, zu aufmüpfig, unnötig. Ein ähnliches Gesetz gibt es bis heute nur in einem anderen Bundesland: Bayern.

Kein Erfolg, nur halbherzige Zugeständnisse

Generationen von Studentenvertretern haben versucht, die verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg wieder einzuführen – ohne Erfolg. Es gab nur halbherzige Zugeständnisse: An manchen Unis, so wie in Freiburg, blieben die Asten und behielten ihren Namen, aber sie hatten keine eigenen Gelder und nicht das Recht, sich hochschulpolitisch zu äußern. Als Reaktion darauf gründeten sich an vielen Unis unabhängige Studierendenschaften, sogenannte uAsten: Gewählte Asta-Vertreter wie Laura Maylein organisieren sich in ihnen außerhalb der Uni. So dürfen sie in den uAsten all das tun, was ihnen im offiziellen Asta nicht erlaubt ist. Dennoch: eine Notlösung und eine verwirrende Konstruktion, an der sich knapp 35 Jahre lang nichts änderte, bis vor einem Jahr die grün-rote Koalition kam.

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit schaffte sie die Studiengebühren ab und signalisierte, dass sie auch der Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft positiv gegenüberstehe. Um den Prozess zu beschleunigen, verbrachte Laura ihre gesamten Ferien damit, einen Entwurf für ein neues Gesetz zu schreiben. Im Juni dieses Jahres hat die neue grün-rote Regierung nun die Wiedereinführung beschlossen. Laura war zufrieden. Kurz nach dem Gesetzesbeschluss hat sie ihren Eid eingelöst und sich nach fast einem Jahr endlich eine neue Hose gekauft. Alles könnte gut sein, doch nicht alle freuen sich.

Die konservative Studentenvereinigung Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) sammelt im Internet Unterschriften gegen die verfasste Studierendenschaft. Von »Zwangsbeiträgen« ist dort die Rede, denn in Zukunft werden die Studenten jedes Semester einen festen Betrag für ihre Vertretung zahlen müssen – egal, ob sie mit der Politik und den Aktionen des Asta einverstanden sind oder eben nicht.

Solche allgemein verpflichtenden Beiträge für die verfasste Studierendenschaft gibt es in fast allen Bundesländern. Sie liegen pro Semester zwischen acht und zwölf Euro. Für den einzelnen Studenten ist das nicht viel, doch bei großen Unis kommen so schnell Beträge von mehreren Hunderttausend Euro zusammen. Mit den Geldern finanzieren die Asten Beratungs- und Serviceangebote, Partys oder Fahrradwerkstätten, doch immer wieder kam es in der Vergangenheit auch zu Verschwendung und Skandalen.

Leserkommentare
    • Prodavu
    • 13. November 2012 15:11 Uhr

    Ich bin ausreichend geschockt davon ,wie wenig hier die Grundrechte geachtet werden. In Deutschland herrscht das Recht auf negative Meinungsfreiheit. Gehe ich nicht zu einer Wahl, egal ob AStA oder Bundestag, dann hatt niemand das Recht zu sagen weswegen ich nicht gewählt habe. Auch nicht neunmal-kluge Zeit-Kommentatoren.

    Manche wären hier gut beraten dies auch zu akzeptieren. es gibt 500 Gründe wählen zu gehen, und 500 zuhause zu bleiben. Sie alle sind jedem Einzelnen überlassen, deshalb bitte nicht versuchen zu interpretieren weswegen jemand nicht wählt. Der Nicht-Wähler wählt nicht und sein gutes Recht ist es dann auch in Ruhe gelassen zu werden.

    Wahlbeteiligung ist nicht gleich Zustimmung zum Gesamtsystem. Manche Menschen sind ganz zufrieden mit dem politischen System in Deutschland und wollen diese Demokratieform behalten, gehen aber nicht wählen. Ähnlich kann es sich auch beim AStA verhalten.(Nur als kleiner Denkanstoss)

    Und soviele Langezitstudis wie hier immer erwähnt werden gibt es in den Studivertretungen gar nicht. Ein Blick auf die durchschnittlichen Wahllisten könnte reichen, aber da müsste man ja seine Engstirnigkeit überwinden und das verwerfen, was schon Opa über die Langhaar-Zottel die da immer demonstrieren gesagt hat. ;)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Rechte gehen mit Verantwortung einher. Wir haben seit fast 70 Jahren eine gute, funktionierende Demokratie. Ich nehme das Wort, was mir als Sprachwissenschaftler im Studium leicht fällt, mal auseinander. δῆμος (Demos) = Volk und κρατία (Kratia) = Macht, ein Wortkompositum, was als Δημοκρατία (Demokratia) zusammengesetzt ist, und bedeutet, dass die Macht vom Volke ausgeht. Das Volk hat dementsprechend die Macht, aber auch die Verantwortung zu tragen, das heißt auch für die von ihnen gewählten Repräsentanten. In Deutschland gibt es eine parlamentarische Demokratie. Können Sie noch folgen?! Gut.

    Das bedeutet letztendlich, dass jeder, wie Sie auch richtig herausgestellt haben, das Recht besitzt zu wählen oder es bleiben zu lassen. Das heißt aber auch, dass man für diese Entscheidung die Verantwortung übernimmt. Wenn Sie also nicht wählen gehen, müssen Sie, lieber Leser, mit den Konsequenzen Ihrer Entscheidung, nämlich die Wahl nicht wählen zu gehen, leben. Daher ziehe ich den Schluss, dass Sie nicht das Recht haben sich dann zu beschweren, wenn, ihres geistigen Unvermögens wegen, etwas über Ihren Kopf entschieden werden.

    Man sagt auch, dass Demokratie der Sieg der Gesäße über die Köpfe sei. Im Falle der Entscheidung NICHT wählen zu gehen, trifft dieses zu.

  1. Also Ich weiß nicht, an welcher Uni Sie waren, aber Sie haben sich anscheinend diese Stereotypen in der Vorlesungspause bei Burschenschaftlern geholt oder so.

    Ich nenne da ein Beispiel von meinem AStA an der CAU Kiel. Ich bin zufällig sehr gut befreundet mit dem FVK-Koordinator.
    Er ist a) nicht reich, b) sehr engagiert und c) kümmert sich um jeden der ein Problem hat. Diese Diffamierung des AStA ist eine Beleidung. Ohne den AStA hätten einige Universitäten das elitäre, konservative System noch härter durchgesetzt und ich könnte aufgrund aller Teuerungen garnicht studieren.

    Sicherlich, mein Freund ist Mitglied der Linken, aber er diskutiert immer im Rahmen der Universität und setzt durch, dass es da gerecht zugeht. Sie haben Null Ahnung wenn Sie nicht einmal selber für den AStA tätig gewesen sind. Oh und auch wenn sie trinken, dann lassen Sie sie. Das ist ihre Sache. Und wenn sich mehr Studenten engagieren würden bei z.B. Senatswahlen, dann würde es der AStA wesentliche einfacher haben. Anscheinend sind aber das Gro der Studenten Leute wie Sie, die einmal was hören und es ohne Sinn und Verstand weitertragen... Tss..

    Antwort auf "Total überflüssig"
  2. Rechte gehen mit Verantwortung einher. Wir haben seit fast 70 Jahren eine gute, funktionierende Demokratie. Ich nehme das Wort, was mir als Sprachwissenschaftler im Studium leicht fällt, mal auseinander. δῆμος (Demos) = Volk und κρατία (Kratia) = Macht, ein Wortkompositum, was als Δημοκρατία (Demokratia) zusammengesetzt ist, und bedeutet, dass die Macht vom Volke ausgeht. Das Volk hat dementsprechend die Macht, aber auch die Verantwortung zu tragen, das heißt auch für die von ihnen gewählten Repräsentanten. In Deutschland gibt es eine parlamentarische Demokratie. Können Sie noch folgen?! Gut.

    Das bedeutet letztendlich, dass jeder, wie Sie auch richtig herausgestellt haben, das Recht besitzt zu wählen oder es bleiben zu lassen. Das heißt aber auch, dass man für diese Entscheidung die Verantwortung übernimmt. Wenn Sie also nicht wählen gehen, müssen Sie, lieber Leser, mit den Konsequenzen Ihrer Entscheidung, nämlich die Wahl nicht wählen zu gehen, leben. Daher ziehe ich den Schluss, dass Sie nicht das Recht haben sich dann zu beschweren, wenn, ihres geistigen Unvermögens wegen, etwas über Ihren Kopf entschieden werden.

    Man sagt auch, dass Demokratie der Sieg der Gesäße über die Köpfe sei. Im Falle der Entscheidung NICHT wählen zu gehen, trifft dieses zu.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Hochschule | Student | Universität | Baden-Württemberg
Service