DIE ZEIT: Frau Fischer, warum haben Sie Ihre Tochter Mandy genannt?

Ute Fischer: Eigentlich sollte sie Marlen heißen oder Maya. Anfangs haben mein Mann und ich mit diesen beiden Namen geliebäugelt, aber am Ende der Schwangerschaft gefielen sie uns nicht mehr. Dann trafen wir eine alte Freundin, Mandy, und wir dachten: Das klingt auch schön.

ZEIT: Und warum gefällt Ihnen der Name heute nicht mehr?

Fischer: Im Prinzip gefällt er mir immer noch. Er klingt etwas frech, das passt zu meiner Tochter. Und er hat eine schöne Bedeutung: die Liebenswerte. Inzwischen schäme ich mich aber manchmal dafür, sie so genannt zu haben. Das Problem sind die vielen Vorurteile.

ZEIT: Kannten Sie die etwa nicht?

Fischer: Nein. Damals, vor rund sieben Jahren, waren die Kevin-Studien noch nicht veröffentlicht. Ich wusste auch nicht, dass Mandy ein typischer Ost-Name ist. Eines Tages erzählte mir eine Verwandte davon. Sie sagte, Mandy klinge nach einer ostdeutschen Prostituierten.

ZEIT: ...nicht sonderlich nett.

Fischer: Nein, es ist vieles nicht sonderlich nett, was wir bisher erlebt haben. An Mandys erstem Schultag stand ich mit den Eltern auf dem Hof, wir kannten uns kaum. Eine der Mütter sagte dann, den anderen zugewandt, Kinder namens Mandy könne sie gar nicht leiden. Und englische Namen seien ohnehin hässlich, sagte ein Vater.

ZEIT: Haben Sie sich gewehrt?

Fischer: Ich hatte so eine Wut im Bauch, mir standen die Tränen in den Augen, ich konnte nichts sagen. Mandy wird sofort abgestempelt. Dabei sind wir eine normale Familie, haben ein Haus gebaut. Ich laufe nicht mit Jogginghosen und fettigen Haaren herum.

ZEIT: Was glauben Sie, warum der Name so ein schlechtes Image hat?

Fischer: Vielleicht sind diese Reality-Formate im Fernsehen schuld, in denen die Allerschlimmsten wohl Mandy genannt werden. Nur im Unterschied zu den anderen Eltern, die sich lustig machen, gucke ich diese Sendungen gar nicht.

ZEIT: Mag Ihre Tochter ihren Namen?

Fischer: Eigentlich ja, aber sie merkt, dass damit herumgealbert wird. Ich habe das Gefühl, es fällt ihr schwer, auf andere Kinder zuzugehen. Mein Sohn hat einen akzeptierten Namen, er hat ganz viele Freunde, aber Mandy nicht.

ZEIT: Was haben Sie jetzt vor?

Fischer: Ich würde sie gern umbenennen, ihr einen zweiten Vornamen geben. Dann könnte sie später entscheiden, welcher ihr lieber ist. Leider stellt sich das Jugendamt quer. Dort sagte man uns, es müsse ein triftiger Grund vorliegen, das Kind müsse Adolf heißen oder Axel Schweiß oder so. Dabei hatte ich mir schon ein Gutachten besorgt. Darin steht ganz klar, dass der Vorname Mandy negativ belastet ist, dass er sogar die Karriere behindern kann.

ZEIT: Und nun?

Fischer: Ich versuche, meine Tochter zu fördern, wo es nur geht. Sie lernt ein Instrument, ich suche einen Sportverein für sie. Mein Ziel ist, ihr viel Selbstbewusstsein mitzugeben. Ich achte darauf, dass sie gut vorbereitet in die Schule geht, und passe pingeligst auf, dass sie saubere Kleidung trägt. Nicht, dass es am Ende doch wieder heißt: »Die doofe Mandy.«

Auf Wunsch der Gesprächspartnerin wurde ihr Name von der Redaktion geändert