KrimiZeit-BestenlisteDie zehn besten Krimis im November

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. von Tobias Gohlis

1(–) Merle Kröger: Grenzfall
Argument/Ariadne, 352 S., 11,– €

Mecklenburg-Vorpommern / Rumänien , 1992–2012. Wie Wildschweine erschossen beim Grenzwechsel: Marius und Nicu. Die Jäger freigesprochen. Marius’ Tochter Adriana kehrt zurück, um sie zu stellen. Kluge Kriminalerzählung zum Dokumentarfilm Revision . Empathisch scharfer Blick in europäische Angstzustände.

2(7) Robert Littell: Philby
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence; Arche, 288 S., 19,95 €

Europa 1938–1963. Voll Hintersinn ruft Littell die Zeugen des größten Spionagefalls im 20. Jahrhundert auf: Kim Philby und vier andere Cambridge-Boys waren Sowjetagenten. Und verwandelt, als Autor, der alle Spionagewitze kennt, die alte Geschichte mit leichter Hand in eine neue. Bravourös

Anzeige

3(4) Carl Nixon: Rocking Horse Road
Aus dem Englischen von Stefan Weidle; Weidle, 240 S., 19,90 €

Christchurch, Neuseeland . Weihnachten 1980 wird Lucy Ashers Leiche an den Strand gespült. Und alles wird anders. Durch die Gewalt, den Mord. Eine Gruppe von Jungen verfällt der großen Suche nach dem Täter. Und der romantischen Liebe. Der stärkste Kriminalroman aus dem Gastland der Buchmesse

4(8) James Sallis: Driver 2
A. d. Engl. von Jürgen Bürger u. Kathrin Bielfeldt; Liebeskind, 160 S., 16,90 €

Phoenix. Die Angreifer kann Driver töten. Aber Elsa verblutet, angeschossen. Driver wird gehetzt, wehrt sich, tötet, will nur fahren, mit Spaß an 180-Grad-Wenden. Irgendwer aus der Vergangenheit des Fluchtfahrers gibt keine Ruhe. Das Leben: Fahren, Irren, Kämpfen. Sallis: einzigartig, erneut in Driver 2.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

5(1) Helon Habila: Öl auf Wasser
A. d. Engl. v. Thomas Brückner; Das Wunderhorn, 240 S., 24,80 €

Port Harcourt/Nigerdelta. Alltag im Delta: Ingenieursfrau entführt, Lösegeld gezahlt, "Rebellen" erschossen, Öl fließt weiter. Die Journalisten Rufus und Zaq hilflos, ahnungslos, am Sterben teilnehmende Betrachter. Reise – nicht ins Herz der Finsternis, zu Shells Gewinnquellen. Ohnmacht, Wut. Unerbittlich traurig.

6(–) Petros Markaris: Zahltag
A. d. Griechischen von Michaela Prinzinger; Diogenes, 518 S., 22,90 €

Athen. Trilogie der Krise Band 2: Die Armen bringen sich um, die Bourgeois hinterziehen Steuern, der Staat jault. Ein Erpresser wird Volksheld. Als "nationaler Steuereintreiber" zwingt er die Reichen zu Nachzahlungen. Und straft mit Schierling, Pfeil und Bogen. Böse, komisch, traurig: Pflichtlektüre in finsteren Zeiten.

7(–) Roberto Costantini: Du bist das Böse
A. d. Italien. v. Anja Nattefort; C. Bertelsmann, 576 S., 19,99 €
Rom 1982–2006. Mord im Zentrum der Macht. Die 18-jährige Elisa liegt verstümmelt im Graben. Exfaschist Commissario Balestreri hat Fußball, Frauen, Whisky im Kopf. 14 Jahre später geht es wieder los. Geritzte Frauen, und Balestreri quält die Schuld. Stark. Epos über Macht, Gewalt, Schuld mit laaangem Ende.

8(–) Don Winslow: Kings of Cool
A. d. Engl. von Conny Lösch; Suhrkamp, 356 S., 19,95 €

Laguna Beach/Baja California. Ben, Chon und O in den Tagen vor Zeit des Zorns . Revierkriege zwischen mexikanischen Fraktionen stören Frieden und Gewinne der lässigen Hydro-Dope-Farmer. "Leck mich am Arsch", an allem sind die Eltern schuld. Winslow betört durch verfeinerte Technik und fixe Pointen.

9(–) Johan Theorin: So bitterkalt
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann; Piper, 480 S., 19,99 €

Valla/Nordbro, östliches Schweden. In die Vorschule Lichtung gehen Kinder, deren Eltern in "Sankt Psycho" verwahrt sind. Einzige Verbindung ist das Zimmer, in dem sie sich begegnen. Ein Raum des Begehrens nicht nur für Erzieher Jan. Super tricky Thriller über die Fallen des Gutmenschentums.

10(–) Anila Wilms: Das albanische Öl oder Mord auf der Straße des Nordens
Transit, 176 S., 18,80 €

Albanien 1924. Eine Schande, unduldbare Verletzung der Gastfreundschaft: Im Bergland werden zwei amerikanische Touristen erschossen. Von Tirana, der provisorischen Kapitale, dringen Schockwellen bis London und Washington . Leidenschaftlich klug: Parabel über erzwungene Modernisierung und Staatenbildung.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ich kann Krimis nicht mehr sehen.. ähm lesen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tricky | Albanien | Neuseeland | Rumänien | Europa | Mecklenburg-Vorpommern
Service