Warum darf Arbeit keinen Spaß machen? Weil die Menschen aus dem Paradies in die Wirklichkeit des Broterwerbs vertrieben wurden? Weil ein gewisses Arbeitsethos und eine gewisse Lustfeindlichkeit Tradition sind? Der lustvolle und lustige Mensch, für den die Arbeit ein Spiel ist, scheint auch in der modernen Wirtschaft Ängste auszulösen. Denn wer glücklich ist, ist frei und unkontrollierbar. Vielleicht kommt daher die neue Chefmode, sich demonstrativ um die Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter zu sorgen. Befahl der Chef früher, man solle Dampf machen, ergeht jetzt der Ratschlag: Machen Sie mal Urlaub!

Komisch, dass der Rat oft von Leuten kommt, die sich selber innerlich schon in den Urlaub verabschiedet haben. Die keine Lust mehr haben, arbeitend die Welt zu verändern. Aber dafür Angst vor Konkurrenz. Wovor muss man wirklich Angst haben? Seit Adornos Kapitalismuskritik wissen wir, dass es gefährlich ist, wenn sich alle libidinösen Sehnsüchte auf den Job richten, weil man dann gleich der Willkür seiner Chefs ausgeliefert ist. Und seit der amerikanische Soziologe Richard Sennett seinen Bestseller Der flexible Mensch schrieb, fürchten wir uns vor plötzlicher unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Doch die ist nicht nur aus ökonomischen Gründen fürchterlich. Verlust von Arbeit ist Verlust von Sinn. Ohne sie kann ein Mensch verkümmern. Deshalb sollte man arbeiten, solange es noch Spaß macht. Und wenn die Lebensberater einem einreden wollen, dass man sich jetzt unbedingt aktiv ausruhen müsse – dann sagt man: Nein danke, ich arbeite lieber. Und ausruhen kann ich mich, wenn ich tot bin.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio