"Das Trucker-Gen liegt bei uns in der Familie: Mein Vater fährt nebenberuflich Lkw, mein Onkel arbeitet in der gleichen Firma wie ich, und auch mein Großvater war Trucker. Als ich meine Entscheidung verkündete, das auch zu machen, waren viele besorgt, dass ich der schweren körperlichen Arbeit dieses »Männerjobs« nicht gewachsen sein könnte. Und es stimmt, es ist ein anstrengender Job. Transport und Sicherung der Ladung kosten Kraft, besonders, wenn die Produkte sperrig oder schwer sind. Aber ich finde immer Helfer und bekomme oft Tipps von älteren Mitarbeitern aus der Branche.

Erst einen Tag vor Beginn der Ausbildung wurde ich 18 Jahre alt. Damals hatte ich nicht mal den Autoführerschein. Mittlerweile bin ich im zweiten Ausbildungsjahr und steuere 40-Tonner, aber immer zusammen mit Kollegen, denn als Auszubildende fährt man noch nicht alleine, das wäre zu viel Verantwortung. In der Berufsschule lerne ich das nötige theoretische Wissen: Wie funktioniert der Motor? Wie die Elektrik? Wie sind die Sicherungen aufgebaut? Man muss zwar selten größere Reparaturen ohne Hilfe durchführen, aber man sollte wissen, wie es funktioniert.

Die Kunden sind bei der ersten Begegnung mit mir oft irritiert, und auch Autofahrer und Fußgänger werfen mehr als einen Blick auf mich, wenn sie mich hinter dem Steuer sitzen sehen.

Mein Freund macht die gleiche Ausbildung, wir haben uns an der Berufsschule kennengelernt. Er hat darum Verständnis für meine Arbeitszeiten und akzeptiert, wenn ich über Nacht weg bin oder auf eine längere Reise muss. Es kann sein, dass der Trip für eine Woche geplant ist, aber ein neuer Auftrag für eine Verlängerung sorgt. Genau diese Spontaneität reizt mich."

Nathalie De Keyser, 19, ist Berufskraftfahrerin

Die Kapitänin:

"Zur See fahren! Seit ich 15 Jahre alt bin, war das mein Traum. Meine Mutter allerdings war nicht begeistert, »mach etwas Vernünftiges«, hat sie gesagt. Also machte ich erst einmal eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin (MTA). Nebenher belegte ich einen Kurs zur Segellehrerin – und so begann mein berufliches Doppelleben. Ich arbeitete immer mehr als Segellehrerin, bald war MTA eigentlich nur noch ein Nebenjob.

Mit 29 wagte ich dann die große Veränderung und schrieb mich für ein Nautik-Studium ein. Gleich zu Beginn des Studiums verbrachte ich sechs Monate auf einem Chemietanker, fuhr von Rotterdam bis Kanada, in die Karibik und nach Venezuela. Ich war eines von 20 Crew-Mitgliedern – und die einzige Frau. Der spanische Bootsmann sagte oft: »Das kannst du nicht, du bist eine Frau.« Getroffen hat mich das nicht.

Inzwischen bin ich Kapitänin und trage die Verantwortung für das Schiff und die Crew, führe von der Brücke aus das Kommando. Das ist besonders wichtig in schwierigen Situationen, wie bei der Fahrt in oder aus dem Hafen, bei schlechtem Wetter oder einer hohen Verkehrsdichte auf See. Auch mit der Technik des Tankers kenne ich mich aus. Im Maschinenraum arbeiten zwar ausgebildete Ingenieure, ein Grundwissen über diesen Bereich sollte man als Kapitänin aber haben.

Mein Beruf bringt auch viel Organisatorisches mit sich; die Häfen verlangen umfassende Infos über das Schiff und die Ladung. Manchmal gehe ich auch ziemlich banalen Aufgaben nach: Ab und zu suche ich im Internet nach Rezepten für den Schiffskoch. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin, sondern dass unser Koch mit seinen Gerichten leider nicht immer den Geschmack der Crew trifft."

Silke Nissen, 43, ist Kapitänin auf einem Öltanker