Ben Affleck © RAFA RIVAS/AFP/GettyImages

DIE ZEIT : Herr Affleck, haben Sie sich mit dem Politthriller Argo übernommen?

Ben Affleck: Vielleicht ein ganz klein bisschen. Aber mit Absicht. Das ist mein dritter Film, und ich habe mich immer weiter vorgewagt. In dem Krimi Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel konzentrierte ich mich auf die Schauspieler, beim Bankräuberfilm The Town lernte ich, wie man Spannung aufbaut und Actionszenen inszeniert, und jetzt wollte ich mit Argo meinen geografischen und historischen Horizont erweitern. Es ist ja eine tolldreiste Abenteuergeschichte: Die US-Botschaft von Teheran wird besetzt, und sechs Amerikaner verstecken sich in der kanadischen Botschaft. Ein CIA-Agent tut sich mit einem Hollywood-Maskenbildner und einem Produzenten zusammen, um mitten in der iranischen Revolution eine Location-Suche für einen Science-Fiction-Film zu inszenieren und die US-Bürger, getarnt als Filmcrew, aus Teheran zu schmuggeln.

ZEIT: Und das alles mit dem Segen von Jimmy Carter.

Affleck: Ich habe selten so was Unglaubliches gelesen. George Clooneys Produktionsfirma schickte mir das Skript. Bis dahin wusste ich über die Hintergründe der Befreiung nicht mehr als die amerikanische Öffentlichkeit. Das Ganze schien nur eine Fußnote im Geiseldrama von 1979 zu sein.

ZEIT: Sie drehten in Istanbul , Washington und Los Angeles . Nur nicht in Teheran. Gab es Restriktionen?

Affleck: Nicht direkt. Ich wollte mir eigentlich ein Visum besorgen, um Locations zu besichtigen, schließlich können wir frei ein- und ausreisen. Aber das US-Außenministerium riet mir davon ab.

ZEIT: Warum?

Affleck: Die Drehgenehmigung hätten wir vielleicht sogar bekommen. Aber es hätte passieren können, dass irgendwelche Regierungsvertreter auftauchen und Bilder machen wollen. Es hätte so aussehen können, als ob wir gewisse Persönlichkeiten unterstützen, und ich wollte nicht in eine politische Situation hineingezogen werden. Ich wollte nur eine Geschichte erzählen.

ZEIT: Sind CIA-Agenten auch nur Schauspieler?

Affleck: Das wurde mir klar, nachdem ich ein paar von ihnen besser kennengelernt hatte. Der von mir gespielte Agent Tony Mendez und der oscargekrönte Planet der Affen- Maskenbildner John Chambers waren tatsächlich befreundet. Chambers unterstützte die CIA nicht nur bei dieser Aktion. Das allein zeigt schon die Gemeinsamkeiten. Lügen sind unser Geschäft. In Hollywood tun wir es, um Leute zu unterhalten, und bei der CIA, um sie auszuhorchen oder zu manipulieren. Die Grenzen sind fließend. 

  ZEIT: Die meisten Amerikaner verbinden mit der Revolution von 1979 die Bilder der US-Geiseln, die mit verbundenen Augen im Fernsehen vorgeführt wurden. Es war die Entstehung eines bis heute aktuellen Feindbilds. In dieser Hinsicht ist Argo kein Beitrag zur Völkerverständigung.

Affleck: Ich hielt mich an die Tatsachen. Und aus der Sicht der Amerikaner, die im Haus des kanadischen Botschafters Zuflucht fanden, fühlte sich die Situation nun mal klaustrophobisch und bedrohlich an.