Ben Affleck"Lügen sind unser Geschäft"

Der Schauspieler und Regisseur Ben Affleck im Gespräch über coole CIA-Agenten, iranische Wüteriche und seinen Politthriller "Argo". von Brigitte Steinmetz

Ben Affleck

Ben Affleck  |  © RAFA RIVAS/AFP/GettyImages

DIE ZEIT : Herr Affleck, haben Sie sich mit dem Politthriller Argo übernommen?

Ben Affleck: Vielleicht ein ganz klein bisschen. Aber mit Absicht. Das ist mein dritter Film, und ich habe mich immer weiter vorgewagt. In dem Krimi Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel konzentrierte ich mich auf die Schauspieler, beim Bankräuberfilm The Town lernte ich, wie man Spannung aufbaut und Actionszenen inszeniert, und jetzt wollte ich mit Argo meinen geografischen und historischen Horizont erweitern. Es ist ja eine tolldreiste Abenteuergeschichte: Die US-Botschaft von Teheran wird besetzt, und sechs Amerikaner verstecken sich in der kanadischen Botschaft. Ein CIA-Agent tut sich mit einem Hollywood-Maskenbildner und einem Produzenten zusammen, um mitten in der iranischen Revolution eine Location-Suche für einen Science-Fiction-Film zu inszenieren und die US-Bürger, getarnt als Filmcrew, aus Teheran zu schmuggeln.

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ZEIT: Und das alles mit dem Segen von Jimmy Carter.

Affleck: Ich habe selten so was Unglaubliches gelesen. George Clooneys Produktionsfirma schickte mir das Skript. Bis dahin wusste ich über die Hintergründe der Befreiung nicht mehr als die amerikanische Öffentlichkeit. Das Ganze schien nur eine Fußnote im Geiseldrama von 1979 zu sein.

Ben Affleck

Ben Affleck wurde 1972 in Berkeley, Kalifornien, geboren. Gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Matt Damon zog er nach Hollywood, wo die beiden das oscargekrönte Drehbuch von Good Will Hunting schrieben. Affleck spielte in kleinen Independent-Filmen (Dazed and Confused, Chasing Amy) und Blockbustern (Armageddon, Pearl Harbor). Die Anerkennung, die ihm als Schauspieler verwehrt blieb (er wurde sieben Mal für die Goldene Himbeere als schlechtester Darsteller nominiert), suchte er in den letzten Jahren als Regisseur. Sein neuer Film Argo, ein Thriller über die abenteuerliche Rettungsaktion eines CIA-Agenten (Affleck) während der iranischen Revolution 1979, wurde in den USA zum Überraschungshit der Saison.

ZEIT: Sie drehten in Istanbul , Washington und Los Angeles . Nur nicht in Teheran. Gab es Restriktionen?

Affleck: Nicht direkt. Ich wollte mir eigentlich ein Visum besorgen, um Locations zu besichtigen, schließlich können wir frei ein- und ausreisen. Aber das US-Außenministerium riet mir davon ab.

ZEIT: Warum?

Affleck: Die Drehgenehmigung hätten wir vielleicht sogar bekommen. Aber es hätte passieren können, dass irgendwelche Regierungsvertreter auftauchen und Bilder machen wollen. Es hätte so aussehen können, als ob wir gewisse Persönlichkeiten unterstützen, und ich wollte nicht in eine politische Situation hineingezogen werden. Ich wollte nur eine Geschichte erzählen.

ZEIT: Sind CIA-Agenten auch nur Schauspieler?

Affleck: Das wurde mir klar, nachdem ich ein paar von ihnen besser kennengelernt hatte. Der von mir gespielte Agent Tony Mendez und der oscargekrönte Planet der Affen- Maskenbildner John Chambers waren tatsächlich befreundet. Chambers unterstützte die CIA nicht nur bei dieser Aktion. Das allein zeigt schon die Gemeinsamkeiten. Lügen sind unser Geschäft. In Hollywood tun wir es, um Leute zu unterhalten, und bei der CIA, um sie auszuhorchen oder zu manipulieren. Die Grenzen sind fließend. 

  ZEIT: Die meisten Amerikaner verbinden mit der Revolution von 1979 die Bilder der US-Geiseln, die mit verbundenen Augen im Fernsehen vorgeführt wurden. Es war die Entstehung eines bis heute aktuellen Feindbilds. In dieser Hinsicht ist Argo kein Beitrag zur Völkerverständigung.

Affleck: Ich hielt mich an die Tatsachen. Und aus der Sicht der Amerikaner, die im Haus des kanadischen Botschafters Zuflucht fanden, fühlte sich die Situation nun mal klaustrophobisch und bedrohlich an.

Leserkommentare
    • TDU
    • 08. November 2012 13:32 Uhr

    "Schauspieler lügen und Politik ist ein schmutziges Geschäft, gesteuert vom großen Geld. Politik ist kleingeistig und hässlich." Na ja, ein Politologe darf ja übers Filmgeschäft auch urteilen, wie er will.

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    # "Schauspieler lügen und Politik ist ein schmutziges Geschäft, gesteuert vom großen Geld. Politik ist kleingeistig und hässlich." Na ja, ein Politologe darf ja übers Filmgeschäft auch urteilen, wie er will. #

    Es wäre zumindest keine Lüge...

  1. Durch stetige Wiederholung wird das Bild unserer Wirklichkeit geschaffen. Wenn man Menschen also lange genug mit Bildern von Heldenhaften US-Amerikanern auf der einen und einem tobenden iranischen Mob auf der anderen Seite füttert, dann halten die das irgendwann auch für Realität. Dann mischen sich über Jahre Abendnachrichten, YouTube Clips und Kinofilme zusammen - was bleibt ist das Bild im Kopf.

    Mir ist nicht klar warum der Film langweiliger geworden wäre, wenn auch nur EIN netter Iraner vorgekommen wäre.

    2 Leserempfehlungen
  2. für die nach iranophobischen Inhalten dürstenden Westmedien.
    Die Propaganda-Maschine läuft. Nach Samuel L. Jacckson, der in "Unthinkable" einer frau Namen 'Iran' mit einem Skalpell den Hals durchschneidet um sich anschließend daran zu machen deren Kinder zu foltern und John Travolta, der einer Pakistanierin in 'From Paris with Love' beim Abendessen einfach in den Kopf schießt nun also der nächste Hetz-Film. Diesmal mit Ben-Affleck. Warum nicht auch mal wieder einen Film über einen Juden, der sich mit einer Atombombe an Deutschland rächen will und vom 'coolen' Ben Becker gefoltert wird weil er bistimmt noch mehr Atombomben irgendwo in vielen Gemeinden und Synagogen versteckt hat??

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    • cafbad
    • 08. November 2012 15:02 Uhr

    Wow. Die Westmedien. Und zwar alle. Ohne Ausnahme. Iranophobisch (hübsches Wort übrigens) sind die. Muss ja eine gigantische Verschwörung sein. Ach, haben Sie den Film eigentlich gesehen, den Sie hier so in Bausch und Bogen als Propaganda abtun?
    Wie sieht denn ein Film aus, der keine Propaganda verkündet? Ist das zufällig ein Film, dessen vermeintliche "Aussage" sich mit Ihren Ansichten deckt, ja?

  3. Was aber eher auf den religiösen Konflikt zwischen Sunniten (Saudi-Arabien) und Schiiten (Iran) zurückzuführen ist.

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    • Bashu
    • 08. November 2012 15:12 Uhr

    Ich glaube die religiöse Seite des Konfliktes wird im Westen überstilisiert - am Ende geht es um Macht und Einfluss (wie eigentlich immer). Schiiten und Sunniten hassen sich nicht mehr als Katholiken und Protestanten - erstere sehen letztere bisweilen auch als Sektierer an.

    Iran und SA sind große Rivalen um die regionale Vorherrschaft. Vor der islamischen Revolution dominierte der Iran die Region und konnte danach nicht mehr daran anschließen.

  4. die ich in den letzten vierzig Jahren gesehen habe hatten immer eine "Message". Diese war zumeist so blöd eingebaut das ich mich häufig dabei erwischt mich fremd zu schämen.

    Von 29 Filmen die ich heute sehe ist höchstens einer aus den ZSA, da ich dieses Gut und Böse nicht mehr ertrage.

    Herr Afflek bitte spielen sie wieder selbst ohne Regie zu übernehmen.

  5. 6. Lügen

    # "Schauspieler lügen und Politik ist ein schmutziges Geschäft, gesteuert vom großen Geld. Politik ist kleingeistig und hässlich." Na ja, ein Politologe darf ja übers Filmgeschäft auch urteilen, wie er will. #

    Es wäre zumindest keine Lüge...

    Antwort auf "Ever clever"
    • GDH
    • 08. November 2012 14:54 Uhr

    Dieser Satz stößt bitter auf:
    "Politik ist kleingeistig und hässlich. Ich will nichts damit zu tun haben."

    Es ist ja schön und gut, dass der Mann keine Politik machen will (ich will auch keine Filme machen). Das ist sein gutes Recht aber sich derart herablassend über ein nunmal notwendiges Beschäftigungsfeld zu äußern ist vollkommen unangemessen. Insbesondere für einen, der keine Verbesserungsvorschläge mitbringt.

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    • Bashu
    • 08. November 2012 15:15 Uhr

    wenn man selbst Politiker ist.
    Ansonsten muss man Affleck beipflichten. Man denke nur an den Lobbyismus in Deutschland und insbesondere die Hochstaplerei (Gutti, Wulff & Konsorten) in der Regierungsfraktion. In USA ist angeblich alles schlimmer, und wenn das stimmt, dann kommt die amerikanische Politik mit "dreckig und hässlich" noch gut davon.

    Das heißt übrigens nicht, dass die Unterhaltungsindustrie moralisch ist...

    • cafbad
    • 08. November 2012 15:02 Uhr

    Wow. Die Westmedien. Und zwar alle. Ohne Ausnahme. Iranophobisch (hübsches Wort übrigens) sind die. Muss ja eine gigantische Verschwörung sein. Ach, haben Sie den Film eigentlich gesehen, den Sie hier so in Bausch und Bogen als Propaganda abtun?
    Wie sieht denn ein Film aus, der keine Propaganda verkündet? Ist das zufällig ein Film, dessen vermeintliche "Aussage" sich mit Ihren Ansichten deckt, ja?

    Antwort auf "Die nächste Runde"

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  • Schlagworte Ben Affleck | CIA | Film | George Clooney | Hollywood | Iran
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