Energiewende : Die Egostromer

Eine abgestimmte Energiepolitik der EU brächte enorme Gewinne.

Ein Architekt, der die Sonnenterrasse an der Nordseite eines Hauses plant, würde gefeuert, ein Gärtner, der seinen Elektromäher mit Verlängerungskabel im Dachgeschoss anschließt, für verrückt erklärt. In Europas Energiepolitik gehören Fehlplanungen und Verrücktheiten zur Folklore, sie werden sogar mit Milliarden subventioniert. So stehen die meisten Solaranlagen Europas auf deutschen Dächern und Feldern. Im sonnenreichen Süden der EU, in Spanien oder Griechenland, brächten sie bei gleichen Investitionskosten den doppelten Stromertrag.

Genauso absurd verlaufen die nationalen Anbindungen neuer Offshorewindparks in Nord- und Ostsee, für die Hunderte Kilometer extrem teurer Kabel im Meeresboden versenkt werden. Der Windstrom soll nur dort ankommen, wo die höchsten Subventionen für ihn fließen.

Welch ein Unfug! Verbände man die Kraftwerke auf hoher See stattdessen über Landesgrenzen hinweg miteinander, dann entstünde ein Netz, das Europa mit gewaltigen Mengen erneuerbarer Energie beliefern könnte – deutlich billiger und zudem wesentlich verlässlicher als bisher. Es wäre weitgehend unabhängig von den Launen des Wetters. Denn in einem europaweiten Verbund gleichen sich schwankende Erträge aus. Tobt ein Sturm in Schottland, scheint in Polen noch die Sonne. Beginnt es dort zu stürmen, herrscht über der Nordsee wieder blauer Himmel.

Würde das Offshorenetz auch noch mit den gewaltigen Speicherkraftwerken Norwegens verknüpft, könnte es bis 2030 die 80 Atomkraftwerke ersetzen, die derzeit noch ein Viertel des europäischen Stroms liefern. Technisch wäre das machbar und auch bezahlbar, das haben Studien im Auftrag der EU gezeigt.

Doch die besten Erkenntnisse nützen nichts, solange 27 Mitgliedstaaten auf ihre nationalen Konzepte pochen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) stellt die unübersehbare Konzeptvielfalt regelmäßig zusammen. Allein die Rahmenbedingungen für Ausbau und Förderung erneuerbarer Energie füllen ein mehr als hundert Seiten dickes Dossier – und zwar für jedes Land ein eigenes. Selbst für Brüsseler Experten ist es unmöglich, den Wust aller Einspeisegesetze, Steueranreize, Exportbeschränkungen oder Investitionszuschüsse zu überblicken.

Auf die EU entfallen sieben Prozent der Weltbevölkerung, aber 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs. An guten Ideen und politischen Plänen, dieses Missverhältnis nachhaltig zu korrigieren, mangelt es nicht. Was dringend gebraucht wird, ist ein gemeinsames Energiekonzept.

Dass Energiekommissar Günther Oettinger so wenig Erfolg hat, liegt nicht an ihm, sondern an mangelnder Unterstützung durch die großen EU-Staaten, allen voran Deutschland. Es genügt eben nicht, wenn die Bundesregierung angesichts galoppierender Strompreise endlich beginnt, die widersprüchlichen Interessen hierzulande unter einen Hut zu bringen. Mindestens genauso engagiert müsste sie sich für ein stimmiges supranationales Konzept einsetzen. Wenn überall gespart wird, dann bitte auch an teuren, irrationalen Egoismen. Nur wenn wir bereit sind, europäisch statt national zu denken, wird »the Energiewende« zum Exportschlager.

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48 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Wirrwarr

Gegen den Widerstand der Ökolobby und der Absahner schafft es ja selbst Deutschland nicht, seine Länder zu koordinieren, jede Gemeinde will ein Stück vom Kuchen, jeder Investor.

Hier beweist Oettinger Durchblick, das wird aber wenig nützen, solange die hunderte von Milliarden auf Umverteilung warten. Zudem ist ja ein großes Stück des Kuchens in Deutschland schon auf 20 Jahre verteilt.

Die Lemminge hält keiner mehr auf.

Konzeptlos, planlos, orientierungslos.

Nachdem inzwischen 23000 Windräder in Deutschland stehen, treffen sich Deutschlands Ministerpräsidenten, um über einen Plan für die Energiewende zu beraten. Sie kommen anschließend mit der Bundeskanzlerin zusammen, behaupten, sie hätten sich geeinigt, und beschließen, sich in einem halben Jahr wieder zu zusammenzusetzen.

Und danach geht es unkoordiniert weiter wie bisher. Deutschland handelt konzeptlos, planlos, orientierungslos. Wie sollte das in Europa anders sein?

In Deutschland ist die Zeit reif für eine Vollbremsung. EEG abschaffen, Ausbau der Windenergie stoppen. Das ist die Lösung.

Gut, daß das Wetter immer wieder zeigt, wer Herr im Hause ist. Als dieser Artikel ins Netz gestellt wurde, waren 95 Prozent der Windenergie in Deutschland nicht verfügbar. Eine gewaltige Hochdruckbrücke zwischen dem Atlantik und Kasachstan sorgt für Schwachwind überall. Da gleicht sich gar nichts aus, und die Abhängigkeit vom Wetter bleibt erhalten wie gewohnt.

Und wer Offhore-Turbinenfelder nicht nur mit dem nächstgelegenen Land verbinden will, sondern zusätzlich mit entfernten Offshore-Kraftwerken, der schlägt vor, Geld zu verbrennen.

Das Märchen von Norwegens Speicherkraftwerken als der Batterie Europas sollte diese Zeitung wirklich nicht verbreiten. Norwegens Speicher reichen am Ende strenger Winter nicht einmal für die Eigenversorgung. Dann ist das Land abhängig von Stromimporten.

Windenergie an Land und vor den Küsten ist eine Blase. Sie platzt gerade.

So in etwa habe ich mir Ihre Antwort vorgestellt.

Sie haben keine Lösung aufgezeigt, Sie wiederholen lediglich Ihre Behauptungen:
"Die sogenannten Erneuerbaren, vorweg die Windenergie, haben noch kein einziges Problem gelöst, aber fast beliebig viele neue geschaffen."
"Das Abschaffen des EEG und der damit verbundene Baustopp würde das weitere Anwachsen der Probleme verhindern. Im nächsten Schritt ist der Rückbau der nutzlosen Anlagen vorzunehmen."
Sie fordern sogar einen Rückbau? Wo genau liegen denn da die Vorteile? Von der Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens mal ganz zu schweigen (Enteignungen, ...).

Und "Als Sie heute kommentierten, brachten die WKA in Deutschland 200 Megawatt zusammen" stimmt, alledings mit Österreich zusammen waren es schon700 MW: http://www.transparency.e...
Zur gleichen Zeit wurden in Deutschland außerdem gut 4000 MW Solarstrom erzeugt! http://www.transparency.e...
Wenn man sich nun vorstellt die EE würden europaweit massiv ausgebaut, dann ist da einiges an Potential vorhanden! Siehe z.B. die bereits geposteten Frauenhoferstudien.
[...]

Asendorpf schreibt Unsinn

Erneuerbare Energie muß nicht dort aufgebaut werden wo sie am meisten erzeugt sondern da wo sie am billigsten Strom produzieren kann!

Das ist dann also ganz sicher nicht im Meer wo je kwh mehr als doppelt soviel gezahlt werden muß wie in Süddeutschland.
Asendorpf vergißt auch die hohen Kosten des Neubaus von Stromleitungen.
Ein dezentraler Zubau von EE wie bei PV zeigt daß dies möglich ist. In Bayern hat man schon heute über 10% Solarstromanteile im Stromnetz u. Stromengpässe aufgrund fehlender Leitungen gibt es dort nicht. Die lokalen Verteilnetze wurde einfach erweitert wenn es nötig war.

Daß Oettinger so wenig Erfolg mit seinen "Argumenten" hat liegt einzig daran daß diese nichts taugen. So überbezahlt wie der ist sollte sich Oettinger endlich einmal über EE informieren denn anders wie im fossilatomaren Bereich müssen EE dezentral aufgebaut werden weil dies günstiger ist.