LebenswandelHinter diesen Mauern begann sein Aufstieg

Mit 23 Jahren geht Maik Bachmann als Kokainschmuggler ins Gefängnis. Sechs Jahre später kommt er frei – mit dem Abitur in der Tasche. Jetzt will er studieren. Was muss passieren, damit sich Potenzial entfaltet? von 

Wie eine Katze läuft Maik Bachmann* durch die Straßen. Eine, die gerade erst wieder auf die Füße gefallen ist, sich kurz geschüttelt hat – und jetzt, da sie sicheren Boden unter den Pfoten spürt, losläuft, federnd leicht, mit erhobenem Kopf. Es ist ein trüber Oktobermorgen in Freiburg, es riecht nach Winter. Maik kennt den Weg, in Gedanken ist er ihn schon sehr oft gegangen. Vorbei an dem alternativen Kino, den schmucken Altbauhäusern, in denen auch viele Freiburger Professoren wohnen, dann links über die Eisenbahnbrücke. Hier bleibt er kurz stehen, lässt den Blick schweifen. In der Ferne ragt der Turm des Freiburger Münsters in den grauen Himmel. Vor sechseinhalb Jahren verlor er den Boden unter den Füßen. Heute, am 15. Oktober, ist er wieder gelandet. Passgenau, auf beiden Füßen. Es ist sein zweiter Tag in Freiheit, nach sechseinhalb Jahren im Gefängnis. Jetzt läuft Maik wieder, sein Ziel heißt Universität.

Die Geschichte von Maik ist die Geschichte eines Aufsteigers. Sein Aufstieg beginnt am 11. Dezember 2006. An diesem Tag wird der 23-Jährige Maik Bachmann am Flughafen Charles de Gaulle in Paris, von São Paulo kommend, festgenommen, im Seitenfach seines Trolleys der Marke Tumi findet die französische Polizei Kokain, 4,695 Kilogramm mit einem deutschen Straßenverkaufswert von ungefähr 300.000 bis 400.000 Euro. Fast sieben Jahre später wird er sagen: »Wenn ich damals nicht erwischt worden wäre, säße ich heute vielleicht nicht in der Universität.« Das Gericht in Stuttgart verurteilt ihn zu sechs Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen.

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Sehr lange lief in Maik Bachmanns Leben zwar nicht alles normal, aber es war doch ganz in Ordnung. Er wächst in einem kleinen Ort in Schwaben auf, Uhlbach, einem Vorort von Stuttgart. 3.000 Einwohner leben dort, direkt hinter der elterlichen Wohnung schmiegt sich der Ort an die Weinberge. Seine Mutter ist 18, als er geboren wird, 13 Jahre später trennen sich seine Eltern, von da an lebt er mit seinem jüngeren Bruder bei seiner alleinerziehenden Mutter, die längst »mehr Freundin als Mutter« ist für ihn. Sabine Bachmann arbeitet als Nageldesignerin, viel Geld ist nicht da, aber es reicht. Maiks Vater zieht nach Wien und sieht seine Kinder selten, dafür ist Maik oft bei seinen Großeltern.

Er geht auf die Hauptschule. »Schule hat mich einfach nicht so sehr interessiert«, sagt er. Ein Gymnasium käme ohnehin nicht infrage: Keiner in seiner Familie war dort, und auch seine Noten sind nur mittelmäßig. Fragt man Sabine Bachmann nach ihrem Sohn, sagt sie: »Ich wollte meine Kinder nicht unter Druck setzen. Sie sollen das machen, was sie für richtig halten.« Seinen Großeltern wäre es am liebsten, wenn er bei Daimler am Fließband arbeitete, Hauptsache, etwas Festes, Sicheres. »Du bist nichts Besseres«, sagen sie oft zu ihm.

Maik häuft 10.000 Euro Schulden an

Maik aber will mehr, anders sein. Er fährt leidenschaftlich gerne Motorrad, auch Wettkämpfe, fliegt für die internationale Motorradmeisterschaft in die USA. Er mag die Schnelligkeit, den Wind, die Weite. Das Leben auf dem schwäbischen Land ist ihm zu eng. Leben heißt doch Veränderung, findet er. Irgendwie dachte er wohl auch: Ich kann doch was Besseres sein.

Er macht seinen Abschluss an der Hauptschule mit 3,0. Danach bekommt er einen Ausbildungsplatz im Bereich Bürokommunikation. »Okay war das«, sagt er, aber viel Spaß habe ihm das nicht gemacht, »nur die Arbeit mit den Computern war toll.« In seinem Zeugnis schreibt sein Chef: »Besonderes Interesse und Geschick hat Herr Bachmann bei der Erstellung und Pflege unserer Internet-Seiten gezeigt.« Übernommen wird er nach seiner Ausbildung aber nicht, die Noten sind nicht gut genug.

Maik lebt vom Arbeitslosengeld, jobbt immer wieder als Erntehelfer, er steht in einer Tankstelle hinter der Kasse, reinigt den Hof im Esslinger Krankenhaus, er versucht sich als Promoter, kellnert. »Früher war ich ein Chaot, ich hatte keine Linie«, sagt er. Rund 1000 Euro im Monat verdient er in dieser Zeit, das Geld ist immer schnell weg. Er ist ein Lebemann, geht gerne aus, feiert viel. 2006 hat er einen Unfall, sein alter BMW ist kaputt, muss repariert werden. Auch das ist teuer. Er leiht sich Geld, erst bei seiner damaligen Freundin, dann bei anderen, irgendwann hat er rund 10.000 Euro Schulden.

Sechs Jahre später steht Maik Bachmann in der Eingangshalle der technischen Fakultät in Freiburg. Mit Maik stehen andere Studenten in der Halle, warten darauf, dass es endlich losgeht. Ein Großteil ist männlich, viele von ihnen tragen Rucksäcke. Maik fällt hier nicht auf, nur die Gesichter der anderen sind jünger, die meisten haben gerade erst Abitur gemacht. Heute geht sein Informatikstudium los, eine Einführungsveranstaltung in Mathematik. Maik sitzt im Hörsaal schräg hinten, direkt neben dem Beamer, von dort hat er einen guten Blick auf die Leinwand, er will alles mitbekommen. Vorne steht Daniel, Fachschaftsmitglied mit Zopf und Ziegenbärtchen, und erklärt den Erstsemestern, was sie in der nächsten Woche erwartet, wirbt für die Ersti-Fahrt in die Vogesen. »Wer da mitfährt, der bricht sein Studium nicht ab«, sagt Daniel. »Wir schreiben zwar auch Rundmails, aber die wichtigsten Informationen gibt es nur dort.« Er lacht. Maik hört konzentriert zu, knackt mit seinen Fingern. An den Abendveranstaltungen kann er nicht teilnehmen, um 18 Uhr muss er sich bei der JVA zurückmelden. Die nächsten zehn Monate ist er im offenen Vollzug. Er wohnt in einem Haus, schräg gegenüber von der JVA, teilt sich das Zimmer mit einem anderen Freigänger.

An seinem ersten Tag als Freigänger war er schon einmal mit dem Bus zur technischen Fakultät gefahren. Zusammen mit einem anderen Freigänger, der auch studiert, ist er über den Campus geschlendert. Er lief ein Stück über den Rasen, seine Joggingschuhe versanken im Grün. »Wie weich das ist«, er freute sich. Es war die letzte Woche vor Uni-Beginn, der Campus war fast menschenleer. »Psst, sei mal still«, hatte Maik zu seinem Freund gesagt. Er hatte sich mit geschlossenen Augen vor das Gebäude der Informatik gestellt, tief ein- und ausgeatmet und die Ruhe genossen. Im Gefängnis ist es immer laut. Türen fallen zu, Schlösser werden geöffnet, jemand schreit. Als er das erste Mal durch die Freiburger Fußgängerzone lief, dachte er: »Die Menschen sind alle so dünn. Und so viele Frauen.« In den letzten sechs Jahren hat er vor allem muskulöse Männer gesehen, seine Mitinsassen. Sechs Stunden durfte Maik an diesem ersten Tag in Freiheit draußen bleiben. Die Universität angucken, das war nur ein Punkt auf seiner Liste. Diese Liste hatte er in den Wochen davor gemacht, Unicard aufladen, Handy und Notebook anschauen, er hat fast alle Sachen erledigt. Er will jetzt alles richtig machen, anders als früher.

Richtig ins Schlingern kam sein Leben im Sommer 2006. Während der Fußballweltmeisterschaft kellnert Bachmann auf einem Weinfest in Stuttgart. Ein Besucher des Weinfestes, Anfang 40, kommt immer wieder zu ihm, trinkt ein oder zwei Gläser bei ihm, sie kommen ins Gespräch. Auch nach der Schicht gehen sie zusammen einen trinken. Er stellt sich als Reiseleiter vor, Südamerika, Spanien. An einem Abend fragt ihn der Mann, ob er nicht auch Lust hätte, Reiseleiter zu sein. Nach Brasilien, nach São Paulo zu fliegen, das klingt aufregend in den Ohren von Maik, »ein Traum, raus aus Deutschland, die Welt sehen«, dachte er damals. Heute sagt er: Wie naiv war ich? Eines Abends sitzt er mit dem Mann, den er kaum kennt, zusammen, und plötzlich ist da die Rede von einem Koffer, den Bachmann mitnehmen soll. »Ich habe mir schon gedacht, dass das nicht ganz legal sein kann.« Dass er Kokain nach Deutschland transportiert, ist ihm zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Aber er willigt ein. Die erste Reise machen sie zusammen. In den folgenden Monaten fliegt Bachmann insgesamt drei Mal nach Brasilien. Zwei bis drei Wochen bleibt er immer im Land, von der Arbeit als Reiseleiter, wie ursprünglich geplant, ist keine Rede mehr, er hat frei, reist herum, sieht sich Manaus und São Paulo an. Er fährt durch das Land, lässt sich durch die Straßen von São Paulo treiben, fliegt von Brasilien nach New York, bleibt eine Woche dort, streift durch Bars, besteigt das Empire State Building.

Bei den Rückflügen nach Deutschland transportiert er in einem Seitenfach des Trolleys jedes Mal Kokain von »zumindest mittlerer Qualität«, wie es im Urteil steht. Um den gesamten zeitlichen Ablauf, die Hotel- und Flugbuchungen kümmert sich der Mann vom Weinfest. Per E-Mail und Telefon bekommt Bachmann in dieser Zeit Anweisungen, wann er wieder nach Brasilien fliegen und in welchem Hotel die Geldübergabe stattfinden soll. Für jeden Flug bekommt er ein paar Tausend Euro. »Hey, Maik, das ist doch nicht legal, was du da machst«, sagen seine Freunde zu ihm. Und auch seine Freundin wundert sich über das Geld – und die Reisen. Bachmann kann mit dem Geld wenigstens einen Teil seiner Schulden zurückzahlen – und er genießt die Reisen, verdrängt den Extrakoffer im Seitenfach und die Möglichkeit, aufzufliegen: »Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich habe einfach nicht in Betracht gezogen, dass ich geschnappt werden könnte.«

Im Gefängnis lernt er Französisch

Es ist halb eins am Mittag, Maik sitzt in der Mensa, vor ihm steht ein Teller mit Hähnchenschenkel, grünen Bohnen und Kartoffelecken, um ihn herum drängen die Studenten mit ihren Tabletts in der Hand an die freien Plätze. »Diese Zeit damals mit den Reisen nach Südamerika, das war wie im Film«, sagt er. »Du sitzt im Hotel und wartest, wann kommt er denn endlich, dann plötzlich das Klopf, Klopf an der Tür. Du öffnest die Tür, und dir wird ein Koffer in die Hand gedrückt.« Hat er sich damals keine Gedanken über die Konsequenzen gemacht? Maik lacht, muss seine Kartoffelecke mit einem Schluck Cola herunterspülen. »Sagen Sie mal einem Kind, das gerade laufen gelernt hat, dass es nicht laufen soll, weil es dann hinfällt.«

Aber als Maik Bachmann fällt, ist der Sturz schmerzhaft. Am Flughafen in Paris wird er von der Polizei festgenommen. Im Gefängnis in Frankreich sind sie nicht zimperlich, er muss sich eine Zelle mit einem Junkie teilen, zweimal am Tag hat er Hofgang, er versteht kein Wort Französisch, das Essen ist schlecht, kommt in Plastik verpackt auf den Tisch. Die Tage im Gefängnis sind lang. Bei den Hofgängen spielt er mit Steinen und Flaschendeckeln zusammen mit den anderen Insassen Dame und Schach, gegen die Langeweile. Ab und zu schickt ihm seine Familie Pakete mit Wurst. Als ihn seine Mutter das erste Mal besucht, bricht er zusammen. In einem kargen Besucherraum sitzen sie sich gegenüber, ein Wachmann hockt vor der Tür, 30 Minuten haben sie Zeit. »Arschloch«, sagt Sabine Bachmann, dann nimmt sie Maik in den Arm. Er weint. Die Besuche sind jedes Mal schlimm. »Wie Stiche ins Herz«, sagt Maik.

In diesen ersten Wochen merkt er schnell, dass er etwas tun muss, um nicht durchzudrehen. Maik lernt Französisch, die Anstaltsleitung besorgt ihm die Bücher. »Da habe ich mich ziemlich reingesteigert. Ich wollte doch mit den Menschen reden können.« Zwei Jahre lang ist er in Frankreich im Gefängnis, nachdem er die Sprache beherrscht, will er weitermachen. Da ist eine zarte Neugierde nach Wissen in ihm, gerade erst geweckt, und sie will wachsen. Er will mehr lernen, absolviert französische Ausbildungskurse, macht seine mittlere Reife in Frankreich. »So dumm kann ich doch gar nicht sein«, dachte er damals, neben seiner Neugierde war nun auch noch sein Ehrgeiz geweckt.

»Strafmildernd wird gewertet, dass Maik vorher ein nahezu straffreies Leben geführt hat. Darüber hinaus hat der Angeklagte (...) einen äußerst positiven Eindruck gemacht, insbesondere, da er sich in der Haft bereits fortgebildet hat und auch für seine weitere Haftzeit plant, sich effektiv auf sein Leben nach der Haftentlassung vorzubereiten«, heißt es in einem späteren Schreiben vom Gericht.

2008 lässt er sich nach Deutschland verlegen. Erst kommt er nach Stuttgart in die JVA, nach ein paar Monaten beantragt er den Wechsel nach Freiburg. Denn dort gibt es ein ganzes Bildungszentrum, eine Gefängnisschule mit eigenen Lehrern und Klassenräumen, man kann auch Abitur machen. Plötzlich hat Maik Bachmann wieder ein Ziel. Er ist Klassenbester und Klassensprecher. Parallel zum Unterricht macht er noch einen Fernkurs der Studiengemeinschaft Darmstadt: »Mit Persönlichkeitstraining zum Erfolg«. Über 1100 Euro kostet der gesamte Kurs, 60 Prozent bezahlt er selber, den Rest übernehmen seine Mutter und seine Großeltern. Er lernt in diesem Kurs vor allem auch etwas über seine Stärken und Schwächen. Disziplin, Konsequenz, Führungsstärke hat er, schwer fällt ihm, Verständnis für jemanden zu haben, der nicht so leistungsstark ist. Und mit Emotionen hat er manchmal Probleme. Den Kurs besteht er mit 1,1. In seinem Abschlusszeugnis werden ihm »hohe Zielstrebigkeit und hohes Durchhaltevermögen« bescheinigt. Eines Tages entdeckt er einen Computerraum – extra für Studenten. »Da will ich rein«, dachte er, sein nächstes Ziel stand fest.

Als Jugendlicher hatte er immer davon geträumt, Computerexperte zu werden. Also beginnt Maik Bachmann parallel zu den Abiturprüfungen einen Vorkurs an der Fernuniversität Hagen als Vorbereitung auf ein Informatik-Studium. Der Stoff ist nicht einfach für ihn, in jeder freien Minute sitzt er im Arbeitsraum der JVA vor dem Computer oder lernt in seiner Zelle. Abends hängt er zwei Schilder an die Tür. »Bitte keine Abendfreizeit«, daneben eines von der Fernuniversität Hagen: »Bitte nicht stören«. Die Schließer wissen so, dass er abends in seiner Zelle bleiben möchte, um in Ruhe zu lernen. Was für andere Insassen Pin-up-Girls oder Fotos von Freunden, Familie oder der Lieblingsband sind, ist für Maik die Universität Hagen. Ein Plakat an der Wand, der Rucksack in der Ecke, auch der Jahreskalender trägt das blau-weiße Label der Fernuniversität.

»Wenn ich nicht so viel gelernt hätte, würde ich heute nicht viel verstehen«, sagt er. Es ist Nachmittag mittlerweile, die Erstsemester sitzen in Kleingruppen zusammen. Vorn steht Fabian, er ist Mathe-Tutor. Doch bevor es um die Grundlagen der Mengenlehre gehen soll, stellen sich alle vor. Maik Bachmann sagt: Ich habe mein Abitur auf dem »zweiten Bildungsweg gemacht.« Bald möchte er ihnen auch von seiner Vergangenheit erzählen, aber noch nicht beim ersten Treffen. Und er sagt auch: »Ich bin 29 Jahre alt.« Alle hier sind unter 20, nur ein anderer ist 32. Maik ist der Erste, der die Hand hebt, als die Aufgaben an der Tafel vorgerechnet werden sollen. Er läuft nach vorn, der Gang federnd. Er trägt Joggingschuhe.

"Heute bin ich der, der ich immer sein wollte"

Seine Kleidung hat er meist per Katalog bestellt, in den letzten sechseinhalb Jahren ging es kaum anders. Leider hatte er noch keine Zeit, zum Friseur zu gehen oder ins Solarium. Die Uni sei der größte Heiratsmarkt, hat er gehört.

Es ist jetzt 17 Uhr. Maik sitzt in einem Café. Sein erster Café-Besuch seit sechs Jahren. »Das ist ja wie in Paris«, sagt er. Der Raum hat hohe Decken, mit Stuck und dunklen Möbeln und Tischen mit Marmorplatten. Maik trinkt eine heiße Schokolade und guckt nervös immer wieder auf die Uhr. Bis 18 Uhr darf er draußen bleiben. »Komme ich nur eine Minute zu spät, ist es vorbei mit dem Ausgang.«

Im Sommer des nächsten Jahres wird er ganz entlassen. Dann möchte er mit einem Freund, den er aus dem Gefängnis kennt, zusammen in eine Wohngemeinschaft ziehen. Der Freund wird als Gipser auf dem Bau arbeiten, und er wird weiter studieren. »Und richtig durchstarten.« Er grinst.

Gestern hat er sich bei Facebook angemeldet. Er hat seinen Bruder gegoogelt und sein Facebook-Profil gefunden. »Na, bist du überrascht?«, hat er ihm geschrieben. In den letzten Jahren hatten sie kaum Kontakt. Auch seine Exfreundin ist bei Facebook. Seit der Trennung hat er sie nicht mehr kontaktiert. »Aus Respekt. Ich war nicht immer nett zu ihr.« Vier Jahre lang waren sie zusammen, sie trennte sich von ihm während seiner Zeit im Gefängnis in Frankreich. Auf dem Profilbild sehe sie immer noch so aus wie damals, findet Maik. Schön halt. Er überlegt, ihr irgendwann zu schreiben, vielleicht, wenn er ganz draußen ist. Er möchte sich entschuldigen und sagen, dass es ihm leid tut: »Ich war damals ein ganz anderer Mensch. Heute bin ich der, der ich immer sein wollte.«

*Name von der Redaktion geändert

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
    • Clara69
    • 15. November 2012 10:53 Uhr

    Wer den Artikel "Die Schlechterungsanstalt" im August gelesen hat, bekommt nun das Gegenbeispiel geliefert. Gut, dass das Gefängnis entgegen seinem schlechten Ruf auch Chancen eröffnet. Wer nachlesen möchte, was Gefangene über den Zeit-Artikel vom August geschrieben haben, der wir hier fündig: http://www.freiabos.de/n_...

    • porph
    • 16. November 2012 10:12 Uhr

    Oder wie soll man 4.695 Kilogramm verstehen? Klar, man kann sich entscheiden ob man das Komma oder den Punkt als Dezimaltrenner verwendet (wenn auch in D das Komma üblich ist); verwirrend wird es aber dann, wenn im selben Satz beide Funktionen mit dem gleichen Zeichen erfüllt werden müssen ("300.000 bis 400.000 Euro"). Oder vielleicht wurde der Wert auf den Zehntelcent genau bestimmt, wer weiß? Sind dann aber sehr günstige 4 kg Kokain :-)

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    Tja, das dachte ich auch ....

    • ludna
    • 16. November 2012 10:32 Uhr

    aber eher was für einen Film als für einen Artikel in einer Zeitung.

    Wann berichtet mal man über Leute, die jeden Tag brav auf Arbeit gehen, sich an Gesetze halten, monogam leben, sich um ihre Kinder und Eltern kümmern ? Klar viel zu langweilig.

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    • TDU
    • 16. November 2012 12:22 Uhr

    Es gibt eben Menschen zwischen gelernter und angeborener Pflichterfüllung und asozialem "Selbst" verwirklichungswillen in Form von kriminellen Handlungen. Dann gibts auch welche, die überhaupt keine Noten hatten und was aufgebaut und erreicht haben.

    Wo sollte die Geschichten solcher Menschen ihren Platz haben, wenn nicht in der "Zeit".

    • TDU
    • 16. November 2012 10:33 Uhr

    Die Arbeit war gut, aber die "Noten nicht gut genug". Damit bekommt eine Gesellschaft was sie verdient.

    Ein prima Kerl, der sich nicht im Jammern und andere sind schuld eingerichtet hat. Alles Gute fürs Leben wünsche ich ihm.

    • snoek
    • 16. November 2012 10:40 Uhr

    4.695 Kilogramm kann ein Mensch nicht tragen. Auch nicht auf Koks. Wenn doch, dann betrüge der Marktwert 234.750.000,- €.

    Vielen Dank für den Hinweis. Die Schreibweise wurde im Text geändert. Die Redaktion/ls

  1. Tja, das dachte ich auch ....

    • propac
    • 16. November 2012 11:00 Uhr

    hab mich schon zu meiner Abi Zeit gewundert, die Jungs aus dem offenen Vollzug in meiner Klasse hatten eine schöne Wohnung, Internetanschluss und immer was zu Essen auf dem Tisch. Ich hab dagegen 4 Monate auf Bafög gewartet und war nach dem Abi total verschuldet....
    Schöne neue Welt !!!!!

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    Da spricht ja der pure Neid aus Ihrem Kommentar.

    Waren Sie auch neidisch darauf, dass "die Jungs" in ihrer Freiheit doch auch erheblich eingeschränkt waren (pünktlich zum Einschließen zurück, niemals woanders übernachten, keine Reisen, keine Kneipenabende, kein Alkohol, keine Frauen, eingeschränkte Grundrechte, etc.)? Und verstehen Sie unter "schöne Wohnung" tatsächlich eine Gefängniszelle?

    Einfach bitte mal nachdenken, bevor man den "Abschicken"-Button drückt.

    Und wenn Sie von 4 Monaten Baföglücke-überbrücken "total verschuldet" waren, muss ich mich fragen, was Sie wohl für einen Lebenswandel hatten.

    *kopfschüttelnd*

    • propac
    • 16. November 2012 12:35 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

  2. »Wenn ich damals nicht erwischt worden wäre, säße ich heute vielleicht nicht in der Universität.«

    Nein, er säße auf der Veranda seiner Strandvilla irgendwo in der Südsee, umgeben von jungen Model-Nixen, eine Zigarre rauchend, in den Sonnenuntergang blickend.

    Aber Uni ist auch super - Gratulation!

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    • TDU
    • 16. November 2012 12:20 Uhr

    "Nein, er säße auf der Veranda seiner Strandvilla irgendwo in der Südsee, umgeben von jungen Model-Nixen, eine Zigarre rauchend, in den Sonnenuntergang blickend."

    Vielleicht nach einem harten Arbeistag. Ich glaube erst mal, was er sagt. Er scheint eben keine auf eine faulen und illegalen Vorteil spekulierende Mentalität zu haben. Sonst hätte ich ihn nicht einen prima Kerl genannt.

    • snoek
    • 16. November 2012 15:44 Uhr

    Das glaube ich gar nicht. Sagen wir, dass ich ein wenig Erfahung habe in Sachen Drogenschmuggel und -handel. Reich wird dadurch sicher niemand. Ganz sicher nicht, indem er ein paar Kilo in einem Koffer über internationale Flughäfen schmuggelt. Dass es so lange gut ging ist bemerkenswert.

    Wer wirklich Geld für eine Villa in der Südsee verdienen will, der darf sich mit so Kleinkram nicht die Finger schmutzig machen. Man muss, um richtig abzusahnen, ein eigenes Vertriebssystem aufbauen und Kamele* beschäftigen, die den riskanten Teil der Arbeit erledigen. Das Risiko, von anderen Drogengroßhändlern umgebracht zu werden, ist dabei natürlich außerordentlich hoch.

    *Kamele sind Leute wie dieser Maik

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