Heinrich ClaßDer Jude ist an allem schuld

Ein Lehrbuch für Hitler: 1912 erschien in Leipzig Heinrich Claß' antisemitischer Bestseller "Wenn ich der Kaiser wär'". von Volker Weiß

Eine Gesundung unseres Volkslebens, und zwar aller seiner Gebiete, kulturell, moralisch, politisch, wirtschaftlich, [...] ist nur möglich, wenn der jüdische Einfluß entweder ganz ausgeschaltet oder auf das Maß des Erträglichen, Ungefährlichen zurückgeschraubt wird.« Der Autor hatte offensichtlich keine Zweifel, wer für die Misere der Gegenwart, ihre »moralische Entartung« und den »Raubbau an Rassekraft und Volksgesundheit« verantwortlich sein musste.

Doch auch wenn mit den Juden die Schuldigen für die Verstädterung und Proletarisierung, den verderblichen Einfluss der Massenmedien, für das unheilvolle Wirken von Warenhäusern und Banken gefunden schienen, so war die Rettung nicht einfach. Liberale Reformen hatten es dem Feind ermöglicht, sich in die Reihen der Deutschen zu schleichen. Seine Identifizierung müsse »mit Härte« vollzogen werden, »indem man zwar den Glauben als ursprüngliches Erkennungszeichen ansieht, aber die Rassenangehörigkeit ins Auge faßt und auch den vom jüdischen Glauben Abgewandten als Juden behandelt«, ja selbst »die Nachkommen von Mischehen« verfolge.

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Diese paranoide Fantasie von der Zersetzung des Deutschen Reiches durch jüdisches Blut stammt nicht aus einer nationalsozialistischen Quelle, sondern aus einem Bestseller des Jahres 1912. Wenn ich der Kaiser wär’ – Politische Wahrheiten und Notwendigkeiten ist das 235 Seiten starke Thesenbuch eines Autors, der sich Daniel Frymann nennt, erschienen in der ehrwürdigen Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges erlebt es fünf Auflagen (1914 geht es ins 25.Tausend) – weitere folgen.

Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Mainzer Anwalt Heinrich Claß. Geboren 1868 in Alzey bei Worms, wächst er in einer liberalen protestantischen Juristenfamilie auf. Nach dem Studium, vor allem in Berlin, und dem Staatsexamen in Mainz tummelt er sich bald in völkischen Kreisen. 1897 tritt er dem Alldeutschen Verband (ADV) bei, dessen Vorsitz er elf Jahre später übernimmt und den er von Berlin aus bis 1939 führt. Nach 1945 lebt er in Jena (ganz unbehelligt von der Obrigkeit der DDR), wo er 1953 auch stirbt. Claß sollte die Alldeutschen in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik zu einem antisemitischen Kampfbund machen – und selber zu einem der »Lehrer Hitlers« werden, wie es der Potsdamer Historiker Johannes Leicht formuliert, der Claß jüngst eine Biografie gewidmet hat.

Volker Weiß

Der Autor ist Historiker und lebt in Hamburg. Gerade erschien im Schöningh Verlag sein Buch Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservativismus (548 S., 68,– €).

Dabei ist der Alldeutsche Verband zunächst nur eine von vielen nationalistischen Organisationen, die im Reich eine immer stärkere Rolle spielen (und in denen selbstverständlich auch jüdische Deutsche Mitglied sind). Es gibt Krieger-, Flotten-, »Ost«- und Kolonialvereine. Bei der Radikalisierung der Altkonservativen zu einer modernen populistischen Rechten sind sie wesentliche Stationen. Ihre aggressiven Forderungen – vor allem nach »deutscher Weltgeltung« – bestimmen zunehmend die politische Agenda.

Für den Schleswiger Historiker Rainer Hering, Autor einer Geschichte des ADV, ist der 1891 in Berlin gegründete Verband die »Sammlungsbewegung für alle, die mit der ›lauen‹ Regierungspolitik unzufrieden waren«. Schon nach kurzer Zeit zählt man 21.000 Mitglieder und verfügt mit den Alldeutschen Blättern über eine einflussreiche Zeitschrift.

Organisationen wie der ADV agieren zwar in diskreter Abstimmung mit den Behörden, die sich eine propagandistische Begleitmusik zur Hochrüstung durchaus wünschen. Aber nicht immer lassen sich die entfesselten Leidenschaften kontrollieren. Oft eskalieren die Kampagnen der »Nationalen Opposition« regelrecht – bis hin zu außenpolitischen Krisen. So setzt der Protest nationalistischer Kräfte gegen das deutsche »Zurückweichen« in der zweiten Marokkokrise 1911 die Diplomatie gewaltig unter Druck. Deutsche Zeitungen führen im Zusammenspiel mit ihren britischen Antagonisten wahre Pressekriege.

In Claß’ »Kaiserbuch« indes geht es nicht mehr nur um diplomatische Demarchen. Hier rückt die Staatsspitze selbst ins Visier der Kritik, da »heute in der Tat das ganze Volk mit der Art unzufrieden ist, wie es regiert wird«. Schon 1903 hat Claß auf dem Verbandstag in Plauen mit der »vorsichtigen« Außenpolitik abgerechnet. Er ist nicht nur ein Verfechter der territorialen Expansion, er fordert auch »völkische Flurbereinigungen« in den zu erobernden Gebieten und vor allem im Osten ein »Land frei von Menschen«. Manches geht selbst der in Expansionsfragen wenig zimperlichen Wirtschaft zu weit – vergeblich versucht Ruhrbaron Hugo Stinnes, mäßigend auf Claß und denVerband einzuwirken.

Claß kennt die Macht der öffentlichen Meinung. Nicht nur das »Kaiserbuch« verrät einen modernen Politikstil. Es gibt Unterschriftensammlungen und Gesetzesinitiativen des ADV, unterstützt von Politikern aus dem konservativen und nationalliberalen Lager. Während des Ersten Weltkriegs wird Claß Miteigentümer der auflagenstarken Deutschen Zeitung und gibt zusammen mit dem in Bayreuth lebenden britischen Antisemiten Houston Stewart Chamberlain die Zeitschrift Deutschlands Erneuerung heraus.

Der ADV kann zwar keine Massen mobilisieren, aber er ist, wie man heute sagt, »gut vernetzt«. Die Mitgliedschaft von Honoratioren und strategische Allianzen (etwa mit dem Bund der Landwirte oder dem Deutschen Wehrverein) machen seine Agitation unüberhörbar. Generell, so betont der für die Bertelsmann Stiftung arbeitende Historiker Peter Walkenhorst, sammelte der Radikalnationalismus eher die Gewinner der wilhelminischen Modernisierung in seinen Reihen. Unter Claß’ Vorsitz kommt der Verband in den Genuss regelmäßiger Zuwendungen seitens der rheinisch-westfälischen Industrie. Bezeichnend ist auch, dass im Umfeld des ADV etliche Akteure auftauchen, die später eine unheilvolle Rolle spielen werden. So ist gleich zu Beginn 1891 der junge Alfred Hugenberg dabei; der Flottenpropagandist Ernst zu Reventlow und auch der spätere Putschist Wolfgang Kapp sind eng mit den Alldeutschen verbandelt.

Neben dem Kampf um die Weltmachtstellung geht es mehr und mehr um den Kampf gegen das »Judentum«. Bereits kurz nachdem Claß 1908 den Vorsitz des ADV übernommen hat, sorgt er dafür, dass Juden und »jüdisch Versippte« den Verband verlassen. Seine Krisendiagnostik im »Kaiserbuch« vier Jahre später präsentiert er in einer sorgfältigen Dramaturgie. Das Eingangskapitel zählt die »Schäden, Nöte und Gefahren« auf, die Deutschland drohen, und mündet in der Bestimmung der Schuldigen: »die Juden«. Es folgt eine Reihe teils drastischer »Reformvorschläge«, bevor er das Feld der Außenpolitik sondiert und sich den »Helfern und Gegnern« der nationalen Sache widmet. Die abschließenden Forderungen an Wilhelm II. persönlich zeigen, wie selbstbewusst die »Nationale Opposition« mittlerweile geworden ist.

Vor allem mit seinem »Reformvorschlag«, die Juden allesamt unters Fremdenrecht zu stellen, kündigt Claß die im 19. Jahrhundert schrittweise vollzogene und 1871 Reichsrecht gewordene Gleichberechtigung auf. Sein Antisemitismus verbindet sich charakteristischerweise mit einem ausgeprägten Demokratie-Hass, der durch die Wahlerfolge der SPD im Januar 1912 noch befeuert wird. Hinter den Sozialisten, so lautet Claß’ Warnung, stünde ebenso wie hinter den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht einzig »der Jude«. Zur Abhilfe schwebt ihm die Einführung eines Ständeparlaments und eines Fünf-Klassen-Wahlrechts vor, sowie ein erneutes Verbot der SPD: »Wer die jüdische Herrschaft sprengen will, muß ihre parlamentarische Schutzgarde sprengen.«

Mit seinem Versuch, die Emanzipation zu widerrufen, steht Claß in einer langen Tradition. Die Emanzipation bedeutete staatsbürgerliche Gleichstellung ohne Demutsgeste: Juden genossen als Juden die gleichen Rechte wie Nichtjuden. Der Emanzipationsprozess spiegelte eine Epoche, in der das abstrakte Recht zur notwendigen Grundlage des freien Handels und die Politik öffentlich wurde. Im Fehlschluss der Antisemiten wurde dieser Prozess nun gegen die Juden selbst gewendet: Die Zirkulation von Kapital und Waren, das abstrakte Recht, die Wahlen und überhaupt alle Modernisierungsschübe, von denen die Gesellschaft erfasst wurde, konnten nur Ausdruck des Judentums sein. Mache man die Emanzipation wieder rückgängig, so entledige man sich aller Zumutungen der Moderne insgesamt. Für den austrobritischen Historiker Peter Pulzer gehört die Emanzipationsabwehr daher zu den entscheidenden Triebfedern des Antisemitismus im 19. Jahrhundert: »Vor der Emanzipation war der Antijudaismus ein Syndrom von Einstellungen, das lange Zeit inaktiv bleiben konnte. Nach der Emanzipation war der Antisemitismus eine Bewegung mit einem Programm.«

Vor allem der Zugang der Juden zu öffentlichen Ämtern, ihre Beteiligung an politischer Macht, trieb ihre Gegner um. Schon gleich nach der Französischen Revolution, mit der die Emanzipation ihren Anfang genommen hatte, wurden Vernichtungs- und Ausrottungsfantasien laut. Gerade auch im protestantisch-liberalen Milieu: So lässt sich die Spur des Claßschen Antisemitismus bis in die Zeit um 1800 zurückverfolgen, bis zu den Pamphleten von Carl Wilhelm Friedrich Grattenauer und Friedrich Rühs, von fanatischen Deutschtümlern wie »Turnvater« Jahn, Ernst Moritz Arndt oder Hartwig von Hundt-Radowsky, der in seinem Bestseller Judenspiegel bereits 1819 eine Art Holocaust vorschlug.

Dergleichen setzte sich fort: 1860 bot Gutsbesitzer Heinrich Nordmann, der sich H. Naudh nannte, in seiner Schrift Die Juden und der deutsche Staat ein prototypisches Beispiel der Emanzipationsabwehr. Da das Judentum in seinem »Wesen dem Fundamente des christlichen Staates, der christlichen Moral feindlich« sei, könnten Juden unmöglich Ämter ausüben. Ohnehin sei das Judentum dem deutschen Volk »zuwider« und daher geeignet, »die mit ihm behafteten Aemter und Staatskörper unansehnlich zu machen«. Es sei als Ganzes eine »Kriegserklärung« und die »Vergötterung des nützlichen Unrechts«.

Schon lange ging es nicht nicht mehr um Religion, sondern um »Rasse«: »Die Religion ist einerlei, im Blute liegt die Schweinerei!« Der aus der Linken kommende Hamburger Journalist und Politiker Wilhelm Marr, der den Begriff Antisemitismus popularisierte, ließ im Titel seiner bekanntesten Schrift keinen Zweifel: Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum, nicht vom konfessionellen Standpunkt aus betrachtet. Vor den Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1879 gab er die Parole aus: »Wählt keine Juden!« Im selben Jahr gründete er die Antisemitenliga. Auch die »Antisemitenpetition« der Vereine deutscher Studenten 1880/81 forderte den Ausschluss der Juden von staatlichen Ämtern.

So hielt der Judenhass zu Beginn des Kaiserreichs Einzug in die Parteipolitik. Die Deutschkonservativen formulierten 1892 ihre entsprechende Haltung im sogenannten Tivoli-Programm – benannt nach dem Festsaal der Berliner Tivoli-Brauerei, in dem der Parteitag stattfand –, das sich außer gegen die Sozialdemokraten auch scharf gegen die Juden wandte. Daneben fungierten die Agrarlobby und zunehmend die Nationalliberalen als Reservoir der antisemitischen Bewegung – nicht zufällig dasselbe Milieu, aus dem sich Verbände wie der ADV rekrutierten.

Bei den Wahlen 1893 erzielten die als Antisemiten antretenden Christ-Sozialen und die Reformpartei mit zusammen 16 Sitzen ihr bestes Ergebnis. 1894 fusionierten die beiden Strömungen zur Deutsch-Sozialen Reformpartei unter Max Liebermann von Sonnenberg. Doch währte der Erfolg nicht lange. Zeitgenössische Beobachter schildern die DSRP als Querulantenpartei, die sich jenseits ihrer militanten Judenfeindschaft kaum auf ein gemeinsames Programm einigen konnte. Mit der DSRP war auch der Mediziner Gustav Stille verbunden, der um die Jahrhundertwende die Antisemitischen Jahrbücher herausgab. Der Osnabrücker Historiker Hans-Jürgen Döscher zitiert in seiner Stille-Biografie einen Parteitagsbeschluss der DSRP von 1899: »Dank der Entwicklung unserer modernen Verkehrsmittel dürfte die Judenfrage im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Weltfrage werden und als solche von den anderen Völkern gemeinsam und endgültig durch Absonderung und (wenn die Notwehr es gebietet) schließlich Vernichtung des Judenvolkes gelöst werden.«

Der Antisemitismus der Kaiserzeit ergab sich fast zwangsläufig: Je aggressiver sich der Nationalismus artikulierte, umso homogener musste sich die Nation definieren. Den französischen »Erbfeind« oder das »perfide Albion« konnte man zwar hassen, die Existenz des Gegners aber blieb grundsätzlich respektiert. Den Juden hingegen ermangelte es nicht nur an einem Staatsterritorium, sie waren sogar vollwertige Mitglieder der Gesellschaft geworden. Aus dem gängigen Freund-Feind-Schema des Nationalismus fielen sie heraus. Der Soziologe Klaus Holz kommt daher zu dem Schluss, dass die Semantik des »nationalen Antisemitismus« den Juden eine »dritte Position« zuwies, die nur durch Elimination aufzulösen war. Für diesen Befund sprechen sowohl die Hasstiraden in Claß’ »Kaiserbuch« als auch die Vernichtungsfantasien seiner Vorgänger.

1912, das Jahr des »Kaiserbuchs«, wird in der Geschichte des deutschen Antisemitismus ein Schlüsseldatum. Einerseits scheint zu diesem Zeitpunkt seine »parlamentarische Phase« gescheitert zu sein. Das Ergebniss der Reichstagswahlen im Januar ist niederschmetternd: ein Triumph der Sozialdemokraten, während sich der Stimmenanteil der Antisemiten drastisch reduziert hat. »Judenwahlen«, schäumt Claß.

Andererseits ist trotz dieser Niederlage der Siegeszug des Ressentiments kaum mehr zu übersehen. »Ihre Organisationen waren schwach, aber die Gesinnungen, die sie transportierten, überdauerten und trugen schließlich den Sieg davon«, fasst Peter Pulzer dieses Wechselspiel zusammen. Er beschreibt, wie sich der Judenhass in der Alltagskultur durchsetzte: »In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war der Antisemitismus als Haltung [...] enttabuisiert worden. Alldeutscher, Nationalist, Imperialist oder Gegner der Demokratie zu sein, bedeutete, Antisemit zu sein.«

Wenn ich der Kaiser wär’ führt diesen Prozess beispielhaft vor. Wie in einem Brennglas bündelt das Buch alle Defekte der wilhelminischen Mentalität. Zugleich verweist es auf Kommendes. Obwohl Claß’ Forderung »Der Kaiser als Führer« 1918 endgültig enttäuscht ist, wirkt sie, gleichsam umgekehrt, nach. Aus der »Kaiserenttäuschung« erwächst eine »Führererwartung«, wie es der Historiker Martin Kohlrausch formuliert hat. Selbst für eine mögliche Niederlage des Kaiserreichs und das Verschwinden des Monarchen hat Claß 1912 schon die passende Vision formuliert: »Werden wir besiegt [...] – so wird die heutige innere Zerrissenheit sich zum Chaos steigern, das nur durch den machtvollen Willen eines Diktators zur Ordnung zurückgebracht werden kann.«

In der Geschichte des deutschen Nationalismus ist Claß ein Verbindungselement zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert. Noch als Student in Berlin hat er begeistert die Vorlesungen des Historikers Heinrich von Treitschke besucht, dessen Aufsatz Unsere Aussichten dem Antisemitismus 1879 einen weiteren Reputationsschub gab. »Mir war Treitschke der Meister, der mein Leben bestimmte«, schreibt Claß rückblickend. Nach dem Ersten Weltkrieg trifft er dann mehrmals Adolf Hitler, den das »Kaiserbuch« ebenso beeindruckt hat wie die Deutsche Geschichte, die Claß 1909 unter dem Pseudonym Einhart publizierte. Die Folgen dieser Lektüre schlagen sich in Hitlers Programm Mein Kampf deutlich nieder.

Claß’ Schriften und die Aktivitäten der Alldeutschen nehmen in der Tat bereits alle Hauptthemen der NS-Ideologie vorweg. Das alldeutsche Idealbild einer rassenbiologisch konstruierten Volksgemeinschaft, die, nach innen in strikter Hierarchie geordnet, außenpolitisch bewusst aggressiv agiert, ist keine zufällige Komposition beliebiger Ressentiments. Es bildet bereits 1912 ein untrennbares Ganzes und kann heute als Blaupause der NS-Politik und -Gesellschaftsordnung betrachtet werden.

Claß’ Vorschläge zu einer Judengesetzgebung sollten ihre Umsetzung in den Nürnberger Gesetzen finden. 1933 bereits wird er für seine Vorarbeit mit einem Reichstagsmandat der NSDAP belohnt. Als in der Nacht des 9. November 1938 die Synagogen brennen, ist diese Barbarei eine Frucht auch seines Wirkens. 1939 löst der oberste Polizeichef des »Dritten Reiches« Reinhard Heydrich den ADV mit der Begründung auf, die Verbandsziele seien umgesetzt. Das stimmt. Der Holocaust kann beginnen.

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Leserkommentare
  1. in eine Reihe zu stellen mit Arndt und Jahn verunglimpft diese beiden Männer, die Großes geleistet haben im Freiheitskampf gegen französische Fremdherrschaft.
    Arndt verdanken die Deutschen auch die Beendigung der Leibeigenschaft.
    DerAntisemitismus von Jahn und Arndt liegt doch eher im Rahmen des durch Christentum und bes. Luther vorgegeben damaligen Zeitgeistes.

    2 Leserempfehlungen
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    Macht es das besser?

    • Azenion
    • 21. November 2012 17:55 Uhr

    Es gibt die traditionelle christliche Judenfeindschaft, die im Rahmen der üblichen Unleidlichkeiten der Religionen und Konfessionen zu sehen ist, und die z.B. in Österreich noch bis ins 20. Jahrhundert vorherrschte.

    Und es gibt die moderne, rassistische Judenfeindschaft, die ein Kind des Nationalismus ist, wie im Artikel ja auch überzeugend dargelegt, und die gleichsam das Bett der traditionellen Judenfeindschaft übernehmen konnte.

    Für den Nationalisten sind Völker gleichsam personalisiert gedachte Akteure der Geschichte. Man liest es in schlechten Presseartikel noch heute: "Deutschland" will dies, "Frankreich" jenes -- als ob es Personen dieser Namen gäbe.

    von Peter Hacks und Sie werden feststellen, dass in den Jahren nach 1800 diese beiden "Freiheitskämpfer" (Jahn, Arndt) zu einer politischen Bewegung zählten, die ihr vorrangiges Ziel darin sah, durch den Kampf gegen jeglichen bürgerlichen Fortschritt die Privilegien einer reaktionären Adelskaste zu sichern. (Ein anderes Programm hat der deutsche Konservatismus bis heute nicht entwickelt.)
    Und dass die Leibeigenschaft durch Arndt beendet wurde, behauptet vor allem Arndt.

  2. Macht es das besser?

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Fanatische Antisemiten"
  3. männer wie arndt und jahn hatten wesentlichen anteil an der genese jenes spezifischen konglomerats aus judenhass, volkstumsideologie und mystischem nationalismus, das dem deutschen antisemitismus seine 'totalitär-desktruktive' qualität verlieh und in auschwitz seinen praktischen ausdruck fand.
    die verkennung (bzw. verdrängung) dieser kontituitäten bedeutet die verkennung der wesentlichen eigenarten des deutschen vernichtungsantisemitismus.

    3 Leserempfehlungen
    • Liman
    • 21. November 2012 17:54 Uhr

    Die These "Der Jude ist an allem Schuld" sehe ich in den Kommentarspalten der ZEIT überall.
    Oder schauen wir uns die Piratenpartei an
    http://www.faz.net/aktuel...

    http://www.tagesspiegel.d...

    http://www.fr-online.de/p...

    http://www.die-linke-lueb...

    und ganz viel noch hier
    http://einzelfaelle.tumbl...
    Was interessiert die Vergangenheit da noch?

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vorallem in dem Kommentarbereich zu jedem auf Israel bezogenen Artikel merkt man, wie tief verankert diese Denkweise "Juden sind schuld" noch ist.

    Die jüdische Gemeinde in Deutschland kann man hier auf Zeit online ganz einfach so umreißen:

    http://www.zeit.de/politi...

    "Die Jüdische gemeinde in Deutschland und Ihre Funktionäre schlissen sich and en Politikern und anderen Kriegsgewinnlern an. Keiner von ihnen hat das leben in Israel, trotz Versuche, ausgehalten. Ihenen is es auch Recht, dass die Israelis als Kanonnenfleisch für sie fungieren. Deshalb die Kommentare von denen so aussehen."

    Menschen in Israel sind entweder Kriegsgewinnler, reisen aus
    oder sind auf Droge.

    So sind Sie halt.
    Soso.
    Die Zeit richtet das mit der Verbreitung.

    Es ist nicht so, dass der Kommentar nicht gemeldet wurde.
    Es wurden auch zwei Gegenreden eingestellt.

    Aber dieser Rundumschlag an Herabwürdigung - trifft halt die Richtungen. So sind sie halt, Kriegsgewinnler. Scheffel scheffel.

    Armselige Zeit. Wieder auferstanden die Presse, die das druckt und verbreitet.

    • Azenion
    • 21. November 2012 17:55 Uhr

    Es gibt die traditionelle christliche Judenfeindschaft, die im Rahmen der üblichen Unleidlichkeiten der Religionen und Konfessionen zu sehen ist, und die z.B. in Österreich noch bis ins 20. Jahrhundert vorherrschte.

    Und es gibt die moderne, rassistische Judenfeindschaft, die ein Kind des Nationalismus ist, wie im Artikel ja auch überzeugend dargelegt, und die gleichsam das Bett der traditionellen Judenfeindschaft übernehmen konnte.

    Für den Nationalisten sind Völker gleichsam personalisiert gedachte Akteure der Geschichte. Man liest es in schlechten Presseartikel noch heute: "Deutschland" will dies, "Frankreich" jenes -- als ob es Personen dieser Namen gäbe.

    Antwort auf "Fanatische Antisemiten"
    • Azenion
    • 21. November 2012 17:56 Uhr

    Das Pech der Juden war, daß sie nicht ins nationale Schema paßten. Ein Franzose sprach Französisch -- kein Problem. Ein Afrikaner war schwarz -- auch kein Problem. Doch moderne Juden sahen aus wie Nichtjuden, sprachen Deutsch, und betrachteten sich doch in irgendeinem Sinne als eigenes Volk. Damit waren sie prädestiniert, als im Innern wirkender Feind angesehen zu werden, denn im Nationalismus sind alle Angehörige von Fremdvölkern Feinde, allein weil sie "Glieder" eines anderen "Volkskörpers" sind und im Zweifel dessen Interessen vertreten.

    Daß Emanzipation und sonstige gesellschaftliche Modernisierungen (einschließlich als solcher empfundenen Ärgernisse) zusammenfielen, machte es den Antisemiten leicht, Ursachen und Wirkungen nach Gutdünken durcheinanderzuwirbeln, ohne daß ein klarer Gegenbeweis möglich war: ideal für Verschwörungstheorien.

  4. Ja, das kann daraus werden.
    Denke ich da an Das Alte Testament...
    Wenn ich danach heute Völker beuteilen würde, die sich darauf berufen, wo kämen wir hin?

    Auch eingedenk dessen, was ich mit Achtzehn noch auf Befehl getan hätte und drei, vier Jahre später schon auf keinen Fall mehr, versuche ich Personen der Vergangeheit im Rahmen ihrer Zeit, ihres Umfeldes zu verstehen.
    Dabei gehe ich nach recht einfachen Maßstäben vor, die sicher nicht BRD-zeitgemäß sind.
    Wer z. B. die langen, verschwurbelten Artikel der deutschen Wikipedia (BRD-Zeitgeist pur) zu Themen wie Nationalismus, Patriotismus, Volk usw.) liest und diese mit der enlischsprachigen Version vergleicht, wird vielleicht verstehen, was gemeint ist.

    Als Migrant lebe ich unter Patrioten und Nationalisten und fühle mich auch in der Beziehung gut aufgehoben.

    Ein älterer Einheimischer, der sowohl Frankreich wie auch Deutschland kennt, meinte übrigens einmal: "Ihr Deutschen habt das gleiche Problem wie die Juden. Ihr seid zu gut."

    Unsere Nachbarn haben anscheinend kaum Probleme mit ihrer martialischen Vergangenheit, mit Freiheitskampf und Nationalismus:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mazurek_Dąbrowskiego
    http://www.ipicture.de/na...

  5. Vorallem in dem Kommentarbereich zu jedem auf Israel bezogenen Artikel merkt man, wie tief verankert diese Denkweise "Juden sind schuld" noch ist.

    Eine Leserempfehlung

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