Ingvar KampradAlter Schwede, neue Milde

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ordnet sein Erbe und überwindet seinen Geiz. von 

Manchmal nennen sie sich bei Ikea ein »demokratisches Unternehmen«. Damit ist aber nicht mehr gemeint, als dass der Möbelmulti mit seinem Angebot auf die Masse der Konsumenten zielt. Und vielleicht noch, dass es im Unternehmen eine flache Hierarchie gibt und eine Duzkultur. Sonst ist Ikea eher einer Monarchie vergleichbar, in der die Macht von einer auf die nächste Generation vererbt wird. Mit der Besonderheit im Fall Ikea, dass der alte König gleich drei Thronfolger hat.

Die Buchstaben I und K in Ikea stehen für Ingvar Kamprad. Das E steht für Elmtaryd, so hieß der Waldbauernhof im schwedischen Småland, auf dem er aufwuchs. Das A für Agunnaryd, das nahe gelegene Dorf. Der Name sagt viel über dieses Unternehmen. Es gibt wenige Großkonzerne, die so stark und so lange durch die Persönlichkeit ihres Gründers geprägt wurden. Kamprad ist eine Art Steve Jobs seiner Branche.

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Der Ikea-Patriarch, der mit 17 seine Firma gründete, ist 86 Jahre alt. Vergangenes Jahr starb seine Frau Margarete, er selbst hat Herzprobleme. Daher kam es nicht überraschend, als der Aufsichtsratschef der in den Niederlanden beheimateten Ikea-Muttergesellschaft Ingka Holding, Göran Grosskopf, vor Kurzem in der schwedischen Boulevardzeitung Expressen mit der Aussage zitiert wurde, Kamprad ziehe sich zurück. Unerwartet war eher das Dementi einer Ikea-Sprecherin, die verkündete, Ingvar Kamprad bleibe, was er sei: Seniorberater der Ingka Holding.

Vollzieht sich gerade der Machtwechsel? Gibt es gar einen Kampf zwischen Kamprad und seinen drei Söhnen, wie in Medien gemutmaßt wurde? Und was bedeutet es für dieses einzigartige Unternehmen, wenn Ingvar, wie intern alle den Gründer nennen, nun ein Auslaufmodell ist?

Das Ganze sei ein Missverständnis gewesen, sagt Per Heggenes, der für die Familie Kamprad spricht. Drei nicht im Zusammenhang stehende Ereignisse seien vermengt und aufgebauscht worden. Erstmals hatten Kamprads Söhne (in einem Interview mit der Ikea-Mitarbeiterzeitschrift Readme) über ihre Rollen bei Ikea gesprochen. Zeitgleich benannte der Konzern einen neuen Vorstandschef, Peter Agnefjäll, der im September 2013 die operative Führung übernehmen soll. Und Aufsichtsratschef Grosskopf erklärte einem Journalisten, was Kamprad selber auch schon öfter gesagt hat: dass er altersbedingt kürzertreten müsse.

Von einem völligen Rückzug kann einstweilen tatsächlich keine Rede sein. Denn Ingvar Kamprad hat neben dem Beraterposten bei der Ingka Holding noch weitaus wichtigere Positionen in dem für Außenstehende kaum durchschaubaren Ikea-Reich inne – und daran soll sich auch nichts ändern. »Ich sehe nicht, dass er jemals zurücktreten wird«, sagt Heggenes sogar.

Kamprad will die ihm verbleibende Zeit und Kraft dafür verwenden, möglichst viele Einrichtungshäuser zu inspizieren, und mag daher keine Interviews mehr geben. Eine Ausnahme machte er jüngst doch. Dem Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz erklärte der am Genfer See lebende Exilschwede: »Ich will zwar weniger arbeiten, doch bin ich auch mit meinen 86 Jahren immer noch zu etwas nütze.«

Das war eine jener Untertreibungen, die für Ingvar Kamprad typisch sind. Tatsächlich hat der kauzig-knorrige Unternehmer Ikea ziemlich fest im Griff, nicht zuletzt, weil er eine Vaterfigur und Autorität für das überwiegend schwedische Management ist. »Es ist nicht wichtig, was Ingvar sagt«, lautet eine in diesen Kreisen gebräuchliche Redensart: »Es ist wichtig, was er meint.«

»Ingvar deuten und interpretieren zu können ist absolut essenziell, um im Unternehmen zu überleben«, schreibt Johan Stenebo in seinem 2010 erschienenen Buch Die Wahrheit über Ikea. Stenebo war in den neunziger Jahren der gemeinsame Assistent von Kamprad und dem damaligen Konzernchef Anders Dahlvig. Bis 2009 war er für Ikea in führenden Positionen tätig, dann überwarf er sich mit Kamprads ältestem Sohn Peter und ging.

Stenebo hat aus der Nähe beobachten können, wie Ingvar Kamprad Ikea regiert. Etwa durch die Abstufungen, die er beim Begrüßen von Mitarbeitern macht: »Händeschütteln ist ganz neutral, eigentlich nichts. Wirst du umarmt, bist du ganz in Ordnung. Wirst du umarmt und bekommst einen Kuss auf die Wange, dann gehörst du zu den Vertrauten. Und wenn du beim nächsten Mal keinen Kuss bekommst, wunderst du dich natürlich, warum. Aber Ingvar weiß genau, warum.«

Leserkommentare
    • Zack34
    • 16. November 2012 12:04 Uhr
  1. goldene Wasserhähne und Ferrari's für die Söhne.

    Aber einen kleinen Begeschmack hat es halt trotzdem, wenn reiche Unternehmer Geld verschenken, welches sie mit dubiosen Steuervermeidungskonstruktionen und Ausbeutung von Lieferanten bzw. deren Arbeiter "verdient"haben...

  2. Auch wenn der gute Ingvar Kamprad nun sein letztes Hemd verteilen würde, es gäbe immer die mit dem großen Zeigefinger, die mahnen würden "ja aber"...

    Sehr amüsant.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zack34
    • 16. November 2012 13:57 Uhr
  3. "..So steht es in der neuen Nachhaltigkeitsstrategie, die der Konzern gerade vorgelegt hat. Darin geht es um die Nutzung erneuerbarer Energie, um energiesparende Produkte, sichere Chemikalien und eine umweltverträglichere Nutzung von Holz und Wasser."

    Vielleicht sollte IKEA mal im eigenen Land roden, und nicht illegal in Russland und China - dann wär vom schönen Schweden bald nichts mehr übrig.

    Eine Leserempfehlung
    • Zack34
    • 16. November 2012 13:57 Uhr
    Antwort auf "Ingvar Kamprad"
  4. Sie sind doch alle gleich:

    Gesellschaft interessiert sie nicht; und was sie nicht interessiert, gibt es nicht (siehe Thatcher) - oder zumindest nur insofern es ihren ureigensten Interessen dient.

    Werte... bringen nichts; kennen sie nicht. Soziale Gerechtigkeit (Bildung, Kultur, Gesundheit, usw.) ist ihnen egal wie sonst etwas. Selbst Arbeit ist ihnen einen Dreck wert, zumindest wenn es um die anderer geht.

    Aber spenden tun sie dann - muss dem eigenen Ego irrsinnig gut tun. Anders läßt sich das wohl nicht erklären.

    • Bregens
    • 16. November 2012 15:46 Uhr

    .
    Der Mann ist eine Wanderheuschrecke par excellence.

    Ein auf Zwangsarbeit von DDR-Häftlingen begründetes Imperium.

    Welche Nationalitäten lässt er aktuell plündern?

  5. Es ist doch das Ziel einer solchen Stiftung, Steuern zu sparen indem man einen wesentlich geringeren Betrag allgemeinnützigen Zwecken zukommen lässt. Da gibt es selbst in den Niederlanden noch gesetzliche Forderungen, die am Gewinn des zugrunde liegenden Unternehmens orientiert sind.
    Die Steuerersparnis kostet eben die Weiterveräußerungsrechte.

    Das hat nichts, gar nichts mit Altersmilde zu tun.
    Das ist Kamprad-Marketing.

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