InvestmentclubsHoffen auf die Schwarmintelligenz

Auf sozialen Plattformen wie moneymeets diskutieren Anleger ihre Portfolios. Social Trading heißt das. Aber treffen diese Investoren wirklich bessere Entscheidungen? von Sophie Crocoll

Deutscher Aktienindex

Deutscher Aktienindex  |  © Ralph Orlowski/Getty Images

Als junger Fußballmanager hat Uli Hoeneß einen Investmentclub gegründet. 1986 war das, Hoeneß zahlte eine Million Mark ein. Die Spieler konnten beisteuern, wie viel sie wollten. Rolf Breuer, damals Wertpapiervorstand der Deutschen Bank und später ihr Chef, sollte die Gruppe beraten. Ein Jahr nach der Gründung unterbrach ein Börsencrash den bis dahin längsten Aufwärtstrend der Nachkriegsgeschichte. Aus dem Plus von 20 Prozent wurde für den Club plötzlich ein Minus von 30 Prozent, später legte die Rendite wieder zu. Im Schnitt verdienten Hoeneß und die Spieler sieben Prozent im Jahr. Das sei doch gar nichts, bekam er zu hören. »Da haben wir den Investmentclub aufgelöst«, sagte Hoeneß in einem Interview, heute bereut er es: Hätten sie das Geld behalten, »wären heute viele, die damals rauswollten, reiche Leute.«

Investmentclubs haben Tradition in Deutschland. Privatleute treffen sich, diskutieren und entscheiden gemeinsam, wie sie investieren wollen. Da sie ihr Geld zusammenlegen und so die Anlagesumme erhöhen, steigen auch die möglichen Erträge; das Risiko lässt sich breiter streuen. Die Finanzkrise hat diese Idee nun neu belebt. Viele Anleger sind enttäuscht von Anlageprodukten und von den Beratern, die sie ihnen verkauften. Sie stört, dass die Berater an Provisionen verdienen, egal, wie sich eine Investition später entwickelt. Trotzdem trauen sich nicht alle zu, allein zu entscheiden, welche Anlage zu ihnen passt und eine angemessene Rendite erwirtschaftet. In der Gemeinschaft fühlen sie sich schlauer. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der Dachverband der deutschen Investmentclubs, spürt ein erstarkendes Interesse. Auffallend viele Privatanleger, heißt es dort, suchten derzeit Anschluss an einen Investmentclub.

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Dabei sind viele Leute offenbar bereit, Neues auszuprobieren: Im Internet entstehen besonders viele Möglichkeiten, sich über Anlagen auszutauschen, Beratungsleistungen zu bewerten und gemeinsam zu investieren. Im Schutz der Anonymität des Netzes entwickelt sich da etwas, was besonders in Deutschland vielen lange unangenehm war: Die Menschen sprechen über Geld.

Innenprovision

Fondsgesellschaften und andere Emittenten von Finanzprodukten bezahlen in der Regel eine Provision, wenn eine Bank – beziehungsweise ihr Berater – oder ein freier Finanzvermittler einem Anleger ihr Produkt verkauft. Das ist die Innenprovision. Als Vertriebsprovision erhalten Banken und Vermittler zudem oft einen Teil des Ausgabeaufschlags, bisweilen sogar den ganzen. Diesen Aufschlag muss der Anleger beim Kauf bezahlen.

Auf diesen Austausch zwischen Anlegern setzt die Internetseite moneymeets, die in Kürze startet. Sie soll, sagen ihre Gründer, die Funktionsweise Sozialer Netzwerke mit dem Thema Geldanlage zusammenbringen. »Menschen, die Entscheidungen treffen, wollen wissen: Was machen die anderen? Deshalb lesen sie bei Amazon und eBay, wie Produkte und Verkäufer bewertet werden«, sagt Johannes Cremer, der selbst Bankkaufmann ist und später als selbstständiger Berater arbeitete. Auf moneymeets, so die Idee, treffen Menschen nicht auf einen einzelnen Berater wie bei einer Bank, sondern auf andere Privatanleger sowie Finanzmarktprofis, die ihre Erfahrungen teilen. Wer will, veröffentlicht sein Depot und erklärt den anderen die Strategie – moneymeets stellt sicher, dass es das Mitglied und die Investition im realen Leben wirklich gibt. Auch wie sich die Anlage entwickelt wird dargestellt, wie viele Menschen das Depot positiv bewerten und ihre eigene Investition daran ausgerichtet haben. So soll die Schwarmintelligenz allen zu besseren Renditen verhelfen.

Wer über moneymeets mit Aktien oder Fonds handelt, erfährt zudem, welche Provisionen, Vergütungen und Aufschläge bei dem Geschäft an Banken, Finanzvermittler und die Plattform selbst fließen – was bei Beratern oft im Dunkeln bleibt. »Wir machen bis auf die zweite Nachkommastelle transparent, wer was verdient«, sagt Cremer. »Nicht alle werden uns dafür lieben.« Je nachdem, wie aktiv ein Mitglied in der Gemeinschaft ist, gibt moneymeets Teile der Innenprovisionen weiter – zwischen 25 und 66 Prozent dessen, was für das eigene Depot anfällt. Mit dem Rest will die Plattform ihr Geld verdienen. Mitglieder müssten nur die Depotkosten bei den angeschlossenen Banken bezahlen.

Social Trading nennen die beiden Gründer ihre Idee. Soziales Handeln. Finanzgeschäfte, die man gemeinsam mit anderen Anlegern macht. Und die trifft man im Internet.

Bei einer anderen Internetplattform, Wikifolio, kann sogar jeder private Anleger zu einer Art Fondsmanager werden. Wikifolio, sagt Gründer Andreas Kern, ausgebildeter Börsenhändler, sei für alle gemacht, »die besonders frustriert sind von Bankprodukten«. Seiner Ansicht nach sind das die meisten Leute. Er wolle daher eine Plattform von Anlegern für Anleger bieten. Die Idee: Der eine kennt sich gut mit Rohstoffen aus, der andere mit Banktiteln. Wer mag, eröffnet aus derzeit etwa 3.000 Werten – Aktien und Indexfonds (ETF) – ein entsprechendes Musterdepot, managt es und legt seine Erfahrung offen. Selbst muss er dafür kein Geld anlegen. Kern und seine Mitarbeiter kontrollieren die Beschreibung, beobachten 21 Tage die Entwicklung des Depots. Besteht das Wikifolio die Prüfung, erhält es eine Wertpapierkennnummer und wird an der Börse Stuttgart notiert. Jeder Anleger kann dann bei einem Broker ein Indexzertifikat der Lang & Schwarz AG kaufen, das das Depot abbildet – und so in die Strategien anderer investieren. Ein Investmentclub 2.0.

Leserkommentare
  1. " ... ein Indexzertifikat der Lang & Schwarz AG kaufen, das das Depot abbildet "

    Noch komplizierter und risikoreicher geht es wohl nicht.

    Eine Depotbewertung über 21 Tage ist reine Kaffesatzleserei und kurzfristige Hektik, sonst nichts.

    Investmentfonds kann ich direkt über die Börse kaufen, dann entfallen die üblichen 5 % fast ganz.

    Ich kaufe nur noch Aktien an der Börse, da sehe ich genau wer was erhält.

    Sicher ist, daß irgendwann so ein unfähiger Typ wie Reagen, Kohl oder Busch jun. die Finanzmärkte kräftig durchschüttelt. Nur wann, weiß ich auch nicht.

  2. Gefällt mir *Tump up*

    Na ja nicht ganz.

    Beim Programmieren nutzt man für Spamer so genannte "Honey Pots" also Fallen um möglichst viele Spamer ein zu fangen und selbst mit Müll zu versorgen.

    Wenn man bedenkt, wie Virales Marketing aufgebaut ist, dann stellt man schnell fest, dass solche Webseiten massiv missbraucht werden können um irgend welchen Schrott an den Mann zu bringen. Wenn es dann schief geht wird es keiner gewesen sein wollen.

    Warum müssen Banken Strafen bezahlen in den USA? Die sind einfach einfacher greifbar und da ist es schon schwer genug überhaupt etwas nachzuweisen.
    Wen will man verantwortlich machen, wenn man auf solche "Mist Erzähler" herein fällt?

    2 Leserempfehlungen
  3. Schwärme unterliegen denselben negativen Dynamiken wie andere Gruppen auch; sind manipulativ steuerbar.
    Social Trading ist eine Form der Lemmingproduktion.

    Wer die Frage: Was machen die anderen ? stellen muss, sollte lieber das Sparbuch behalten.

    2 Leserempfehlungen
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    • Dogz
    • 19. November 2012 9:36 Uhr

    ...die Schwarmintelligenz braucht keine Experten oder solche die behaupten Sie wären welche. Dadurch sind "Schwärme" meiner Meinung nach deutlich schwieriger manipulierbar und steuerbar als Gruppen die auf die Meinungen einzelener weniger hören.
    Ob Schwärme aber ingesamt bessere Entscheidungen treffen als "richtige" Experten, kann man wohl nicht pauschal beantworten. Ich denke da sollte man sich wieder dem ältesten Prinzip der Menschheit bedienen: Trial and Error

  4. Die Börse lebt von Schafen. Geld löst sich nicht in nichts auf. Es wechselt nur den Besitzer.

    Schwarmintelligenz an der Börse ist für mich wie Roulette mit Gewinnsystem.

    Eine Leserempfehlung
  5. Oh Mann, immer wieder schön zu sehen, wie sich die Leute selbst veräppeln - und denken, sie machen da etwas anderes als Glücksspiel.

    Wenn man davon ausgeht, dass alles allgemein bekannte Wissen bereits in den Anlagepreisen (Aktien, Rohstoffe etc.) eingepreist ist (alles andere wäre ein Marktversagen), dann können nur noch Informationen den Kurs beeinflussen, die zu diesem Zeitpunkt (fast) noch niemand hat. Und wenn niemand die Informationen hat, dann ist es Glücksspiel, denn diese können genauso gut positiv für den Kurs, wie auch negativ sein. Selbst wenn im Schnitt eher positive Nachrichten zu erwarten wären, wäre dies bereits im aktuell Kurs berücksichtigt, da auch dies dem Wissenstand zum Zeitpunkt des Kaufes entspricht.

    Die einzige Chance, den Markt nicht auf Basis von Glück langfristig zu schlagen, besteht im Insiderwissen - und Leute mit einem solchen Wissen werden dieses kaum auf solchen Plattformen kund tun (zumal es dann auch kein Insiderwissen mehr ist).

    Und auch wenn es trotzdem besonders erfolgreiche Fondsmanager und Aktienspekulanten gibt - auch der Erfolg im Glücksspiel Aktienhandel ist normalverteilt, es wird immer ein paar geben, die über Jahre hin Glück haben und ebenso viele, die über Jahre hin Pech haben. Und sehr, sehr viele, die entsprechend dem Markt abschneiden, aber Gebühren und Kosten für den Handel zahlen durften. Und dann gibt es eben die mit den guten Kontakten und dem Insiderwissen. Aber die handeln nicht die Aktien von Ottonormalinvestor ;-)

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    • Slater
    • 19. November 2012 11:54 Uhr

    "Wenn man davon ausgeht, dass alles allgemein bekannte Wissen bereits in den Anlagepreisen (Aktien, Rohstoffe etc.) eingepreist ist (alles andere wäre ein Marktversagen),
    [..]
    Die einzige Chance, den Markt nicht auf Basis von Glück langfristig zu schlagen, besteht im Insiderwissen"

    Schwarmintelligenz ist in der Tat widersinnig, es geht zum großen Teil um Wissensvorsprung, um das 'Schlagen' anderer, wären alle gleich schlau wären die Möglichkeiten geringer,

    aber ganz bei Null stehen sie nicht, es gibt kein alleiniges allgemeines Wissen aus dem sich der Kurs bestimmt,
    theoretisch schon, aber soweit ist es bisher noch nie allen offenbart gewesen, nichtmal den Experten,
    der Rest ist nicht nur reines Glück sondern schlaue Bewertung von Entwicklungen

    niemand kann heute ultimativ sagen, ob nicht Facebook in 10 oder 20 Jahren pleite ist oder entgegengesetzt die alles beherrschende Firma sein wird, ob aufgrund allgemeiner Entwicklung oder noch besonders geschickte unternehmische Entscheidungen, z.B. Exklusiv-Kooperation mit Apple und Ausschluss des normalen Internets,
    was bei Kunden scheitern kann oder angenommen wird,

    jeder Mensch hat die Möglichkeit, das nach eigenen Gedanken zu beurteilen und deshalb eine Aktie zu kaufen die andere vielleicht nicht haben wollen,

    das ist schon Glückspiel, aber bisschen was anderes als nur eine Münze zu werfen,
    vielleicht meinten Sie mit 'Basis von Glück' nicht unbedingt 'Basis von Zufall'

    • Dogz
    • 19. November 2012 9:36 Uhr

    ...die Schwarmintelligenz braucht keine Experten oder solche die behaupten Sie wären welche. Dadurch sind "Schwärme" meiner Meinung nach deutlich schwieriger manipulierbar und steuerbar als Gruppen die auf die Meinungen einzelener weniger hören.
    Ob Schwärme aber ingesamt bessere Entscheidungen treffen als "richtige" Experten, kann man wohl nicht pauschal beantworten. Ich denke da sollte man sich wieder dem ältesten Prinzip der Menschheit bedienen: Trial and Error

    • yellowT
    • 19. November 2012 11:29 Uhr

    Lach, wusste ich es nicht schon immer, dass der "Mainstream" eine berechenbare grösse darstellt?

    • Slater
    • 19. November 2012 11:54 Uhr
    8. Glück

    "Wenn man davon ausgeht, dass alles allgemein bekannte Wissen bereits in den Anlagepreisen (Aktien, Rohstoffe etc.) eingepreist ist (alles andere wäre ein Marktversagen),
    [..]
    Die einzige Chance, den Markt nicht auf Basis von Glück langfristig zu schlagen, besteht im Insiderwissen"

    Schwarmintelligenz ist in der Tat widersinnig, es geht zum großen Teil um Wissensvorsprung, um das 'Schlagen' anderer, wären alle gleich schlau wären die Möglichkeiten geringer,

    aber ganz bei Null stehen sie nicht, es gibt kein alleiniges allgemeines Wissen aus dem sich der Kurs bestimmt,
    theoretisch schon, aber soweit ist es bisher noch nie allen offenbart gewesen, nichtmal den Experten,
    der Rest ist nicht nur reines Glück sondern schlaue Bewertung von Entwicklungen

    niemand kann heute ultimativ sagen, ob nicht Facebook in 10 oder 20 Jahren pleite ist oder entgegengesetzt die alles beherrschende Firma sein wird, ob aufgrund allgemeiner Entwicklung oder noch besonders geschickte unternehmische Entscheidungen, z.B. Exklusiv-Kooperation mit Apple und Ausschluss des normalen Internets,
    was bei Kunden scheitern kann oder angenommen wird,

    jeder Mensch hat die Möglichkeit, das nach eigenen Gedanken zu beurteilen und deshalb eine Aktie zu kaufen die andere vielleicht nicht haben wollen,

    das ist schon Glückspiel, aber bisschen was anderes als nur eine Münze zu werfen,
    vielleicht meinten Sie mit 'Basis von Glück' nicht unbedingt 'Basis von Zufall'

    Antwort auf "Oh Mann..."

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