Deutscher Aktienindex © Ralph Orlowski/Getty Images

Als junger Fußballmanager hat Uli Hoeneß einen Investmentclub gegründet. 1986 war das, Hoeneß zahlte eine Million Mark ein. Die Spieler konnten beisteuern, wie viel sie wollten. Rolf Breuer, damals Wertpapiervorstand der Deutschen Bank und später ihr Chef, sollte die Gruppe beraten. Ein Jahr nach der Gründung unterbrach ein Börsencrash den bis dahin längsten Aufwärtstrend der Nachkriegsgeschichte. Aus dem Plus von 20 Prozent wurde für den Club plötzlich ein Minus von 30 Prozent, später legte die Rendite wieder zu. Im Schnitt verdienten Hoeneß und die Spieler sieben Prozent im Jahr. Das sei doch gar nichts, bekam er zu hören. »Da haben wir den Investmentclub aufgelöst«, sagte Hoeneß in einem Interview, heute bereut er es: Hätten sie das Geld behalten, »wären heute viele, die damals rauswollten, reiche Leute.«

Investmentclubs haben Tradition in Deutschland. Privatleute treffen sich, diskutieren und entscheiden gemeinsam, wie sie investieren wollen. Da sie ihr Geld zusammenlegen und so die Anlagesumme erhöhen, steigen auch die möglichen Erträge; das Risiko lässt sich breiter streuen. Die Finanzkrise hat diese Idee nun neu belebt. Viele Anleger sind enttäuscht von Anlageprodukten und von den Beratern, die sie ihnen verkauften. Sie stört, dass die Berater an Provisionen verdienen, egal, wie sich eine Investition später entwickelt. Trotzdem trauen sich nicht alle zu, allein zu entscheiden, welche Anlage zu ihnen passt und eine angemessene Rendite erwirtschaftet. In der Gemeinschaft fühlen sie sich schlauer. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der Dachverband der deutschen Investmentclubs, spürt ein erstarkendes Interesse. Auffallend viele Privatanleger, heißt es dort, suchten derzeit Anschluss an einen Investmentclub.

Dabei sind viele Leute offenbar bereit, Neues auszuprobieren: Im Internet entstehen besonders viele Möglichkeiten, sich über Anlagen auszutauschen, Beratungsleistungen zu bewerten und gemeinsam zu investieren. Im Schutz der Anonymität des Netzes entwickelt sich da etwas, was besonders in Deutschland vielen lange unangenehm war: Die Menschen sprechen über Geld.

Auf diesen Austausch zwischen Anlegern setzt die Internetseite moneymeets, die in Kürze startet. Sie soll, sagen ihre Gründer, die Funktionsweise Sozialer Netzwerke mit dem Thema Geldanlage zusammenbringen. »Menschen, die Entscheidungen treffen, wollen wissen: Was machen die anderen? Deshalb lesen sie bei Amazon und eBay, wie Produkte und Verkäufer bewertet werden«, sagt Johannes Cremer, der selbst Bankkaufmann ist und später als selbstständiger Berater arbeitete. Auf moneymeets, so die Idee, treffen Menschen nicht auf einen einzelnen Berater wie bei einer Bank, sondern auf andere Privatanleger sowie Finanzmarktprofis, die ihre Erfahrungen teilen. Wer will, veröffentlicht sein Depot und erklärt den anderen die Strategie – moneymeets stellt sicher, dass es das Mitglied und die Investition im realen Leben wirklich gibt. Auch wie sich die Anlage entwickelt wird dargestellt, wie viele Menschen das Depot positiv bewerten und ihre eigene Investition daran ausgerichtet haben. So soll die Schwarmintelligenz allen zu besseren Renditen verhelfen.

Wer über moneymeets mit Aktien oder Fonds handelt, erfährt zudem, welche Provisionen, Vergütungen und Aufschläge bei dem Geschäft an Banken, Finanzvermittler und die Plattform selbst fließen – was bei Beratern oft im Dunkeln bleibt. »Wir machen bis auf die zweite Nachkommastelle transparent, wer was verdient«, sagt Cremer. »Nicht alle werden uns dafür lieben.« Je nachdem, wie aktiv ein Mitglied in der Gemeinschaft ist, gibt moneymeets Teile der Innenprovisionen weiter – zwischen 25 und 66 Prozent dessen, was für das eigene Depot anfällt. Mit dem Rest will die Plattform ihr Geld verdienen. Mitglieder müssten nur die Depotkosten bei den angeschlossenen Banken bezahlen.

Social Trading nennen die beiden Gründer ihre Idee. Soziales Handeln. Finanzgeschäfte, die man gemeinsam mit anderen Anlegern macht. Und die trifft man im Internet.

Bei einer anderen Internetplattform, Wikifolio, kann sogar jeder private Anleger zu einer Art Fondsmanager werden. Wikifolio, sagt Gründer Andreas Kern, ausgebildeter Börsenhändler, sei für alle gemacht, »die besonders frustriert sind von Bankprodukten«. Seiner Ansicht nach sind das die meisten Leute. Er wolle daher eine Plattform von Anlegern für Anleger bieten. Die Idee: Der eine kennt sich gut mit Rohstoffen aus, der andere mit Banktiteln. Wer mag, eröffnet aus derzeit etwa 3.000 Werten – Aktien und Indexfonds (ETF) – ein entsprechendes Musterdepot, managt es und legt seine Erfahrung offen. Selbst muss er dafür kein Geld anlegen. Kern und seine Mitarbeiter kontrollieren die Beschreibung, beobachten 21 Tage die Entwicklung des Depots. Besteht das Wikifolio die Prüfung, erhält es eine Wertpapierkennnummer und wird an der Börse Stuttgart notiert. Jeder Anleger kann dann bei einem Broker ein Indexzertifikat der Lang & Schwarz AG kaufen, das das Depot abbildet – und so in die Strategien anderer investieren. Ein Investmentclub 2.0.