Las VegasWenn das Haus verliert

Im neu eröffneten Neon Museum erinnert sich Las Vegas an seine abgerissenen Kasinos. von 

Diese Schilder warben einmal für das Casinohotel Binion's Horseshoe. Jetzt weisen sie den Weg vom North Las Vegas Boulevard zum Neon Museum.

Diese Schilder warben einmal für das Casinohotel Binion's Horseshoe. Jetzt weisen sie den Weg vom North Las Vegas Boulevard zum Neon Museum.  |  © Neon Museum

Zur Sprengung steigt ein Feuerwerk; so macht man das in Las Vegas. Nicht nur die Eröffnung eines neuen Kasinos, auch der Abriss eines alten gibt Grund zum Feiern. Nach dreißig, vierzig Jahren hat fast jeder Palast am Strip seine Schuldigkeit getan. Dann bleibt ihm nur, mit einem letzten Spektakel Platz zu machen für einen noch größeren, neonbunteren, der seinen Besuchern noch effizienter das Geld aus der Tasche zieht. Wer wissen will, wo Frank Sinatra gesungen hat, wo Siegfried und Roy ihre Karriere begannen, der soll die alten Filme anschauen, wo Verschwundenes und Erfundenes sich mischen. Diese Unsentimentalität passt in eine Weltstadt, die vor kaum einmal achtzig Jahren aus dem Nichts entstand, erbaut mit dem Geld von Menschen, die selbst wenig Grund hatten, ihre Vergangenheit hervorzukehren.

Nur einen Ort gibt es, der an das Stardust, das Desert Inn, das Flamingo, das Aladdin’s Lamp, das Moulin Rouge, der an all die ehemaligen Kasinos, Hotels und Restaurants erinnert: der Neon Boneyard. Neon Museum heißt er offiziell, seit sich im Jahr 1996 eine Stiftung seiner annahm. Aber Wohltätigkeit und Las Vegas passen nicht gut zusammen; und mangels konservatorischer Errungenschaften behauptete sich der alte Name für das Gelände im maroden Norden der Stadt. Es handelt sich buchstäblich um den Schrotthaufen der Geschichte. Über 150 nutzlos gewordene Leuchtzeichen modern zum Teil schon seit Jahrzehnten unter freiem Himmel vor sich hin.

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Doch seit einigen Tagen will das Neon Museum sich seinen Namen verdienen. Nach 15 Jahren der Mittelbeschaffung wurde endlich sein Besucherzentrum eröffnet. Es hat die Form einer Muschel und war mal die Lobby des abgerissenen La Concha Motel aus den frühen Tagen des Strips.

Neon Museum

770 Las Vegas Boulevard North, Las Vegas, Tel. 001-702/3876366.

Geöffnet dienstags bis samstags 10–15.30 Uhr, halbstündlich Führungen. Tickets nur online erhältlich. Eintritt 18 Dollar

Besichtigungstouren führen zu den Reklameschildern, die für die Einweihungsparty beleuchtet wurden. Angeleuchtet, um es genau zu sagen, denn für eine Restauration der Ausstellungsstücke fehlt es bis jetzt an Geld. Vielleicht werden die erloschenen Lichter wieder funkeln, wenn der Finanzierungsplan der Stiftung aufgeht und während der nächsten zwölf Monate 150.000 Besucher kommen. Darauf zu warten wäre wohl trotzdem eine dumme Idee. Wenn dieses Museum eins lehrt, dann dies: Das Haus gewinnt nicht immer.

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Leserkommentare
  1. Photos bitte! ^^

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