LehrerausbildungLehren lernen, aber richtig

Eine neue Untersuchung zeigt, wie sich die Lehrerausbildung verbessern lässt. Ekkehard Winter erklärt, worauf es ankommt. von 

DIE ZEIT: Herr Winter, kommt die Reform der Lehrerbildung in Deutschland voran?

Ekkehard Winter: Mein Eindruck ist, dass sich etwas bewegt, aber noch nicht schnell und druckvoll genug. Die Lehrerbildung wird an vielen Hochschulen nach wie vor davon beeinflusst, dass dort gerade auch aufgrund der Exzellenzinitiative das Primat der Forschung regiert und die Lehrerbildung deshalb nicht so viel Aufmerksamkeit erhält, wie es notwendig wäre.

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ZEIT: Gemeinsam mit zwei anderen Partnern und dem Centrum für Hochschulentwicklung haben Sie für den Monitor Lehrerbildung nun zum ersten Mal bundesweit alle relevanten Daten und Fakten zur ersten Stufe der Lehrerbildung zusammengetragen, also jene Phase, die an den Hochschulen stattfindet. Was erhoffen Sie sich davon?

Winter: Unsere Hoffnung ist es, dass sämtliche Akteure, die mit der Lehrerbildung zu tun haben, durch diese Daten aufgerüttelt werden. Sie könnten den Wettbewerb innerhalb der Hochschulen anheizen. Natürlich ist Transparenz eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung für Wettbewerb. Bisher fehlte die Grundlage für einen Vergleich aber völlig. Die haben wir nun geschaffen. Der Monitor Lehrerbildung ist kein weiteres Ranking, und doch könnte er langfristig zu einem Gradmesser für die Qualität der Lehrerbildung werden. Wir werden die Daten von nun an einmal jährlich aktualisieren, und über die Jahre wird man ablesen können, was sich getan hat. Den Hochschulen muss klar werden, dass das Profil und die Leistungsfähigkeit ihrer Lehrerbildung ein Wettbewerbsvorteil ist – und nicht allein die absolute Exzellenz in der Grundlagenforschung.

ZEIT: Sie haben rund 8000 Daten aus allen 16 Bundesländern und über 60 Hochschulen zusammengetragen. Was hat Sie besonders überrascht?

Ekkehard Winter

Ekkehard Winter, 54, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung
 

Winter: Überrascht war ich nicht. Der Dschungel innerhalb der Lehrerbildung ist so groß und unübersichtlich, wie wir das erwartet haben, das gilt für den Vergleich der Bundesländer ebenso wie für den Vergleich der Hochschulen – sogar innerhalb eines Landes. Die Heterogenität der Angebote und Strukturen ist extrem groß.

ZEIT: Dabei zeigt sich, dass die Bologna-Reform die Unübersichtlichkeit eher noch befördert hat...

Winter: Ja, die Tatsache, dass mehr als zehn Jahre nach der Einführung der neuen Studienstrukturen immer noch nicht alle Hochschulen auf Bachelor und Master umgestellt haben, ist schon erstaunlich. In zwei Bundesländern kann man nach wie vor nur mit dem Abschluss Staatsexamen studieren, und in fünf weiteren Bundesländern gibt es keine vorgeschriebene Struktur; hier können die Hochschulen sowohl gestufte als auch grundständige Angebote machen.

Leserkommentare
  1. Zitat: "Überrascht war ich nicht. Der Dschungel innerhalb der Lehrerbildung ist so groß und unübersichtlich, wie wir das erwartet haben, das gilt für den Vergleich der Bundesländer ebenso wie für den Vergleich der Hochschulen"
    Um es wie Cato zu wiederholen: Der Föderalismus war die Rache der Aliierten an einem funktionierenden Deutschlande. Wenn es doch nur die (Lehrer-)Bildung wäre.

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