ErziehermangelSpielen mit den Holzwürmern

In loser Folge begleiten wir Menschen in ihrem Arbeitsalltag. Diesmal: Eine Erzieherin aus Griechenland, die in einem Kindergarten in München arbeitet. von Angelika Dietrich

Als die Erzieherin ein paar Tage da war, haben sie die Landkarte rausgeholt und mit der Holzeisenbahn einen langen Zug gebaut. Damit Frau Mylona einsteigen und in den Ferien in ihre Heimat reisen kann. Woher sie eigentlich kommt? »Albanien?«, sagt ein Junge fragend. »Kosovo! Ich komm aus Kosovo!«, ruft ein anderer Knirps. Die Erzieherin Androniki Mylona, 24, kommt aus Griechenland.

Den Kindern ist das völlig egal – dem Träger des Kindergartens in München nicht: Die Innere Mission, eine große diakonische Einrichtung der evangelischen Kirche, hat gezielt in dem südosteuropäischen Land nach Mitarbeitern gesucht. Denn in München fehlen Erzieher – in Griechenland dagegen sind Tausende ohne Job oder bekommen für ihre Arbeit keinen Lohn mehr, darunter viele gut ausgebildete Erzieherinnen. Warum also nicht das eine Problem mit dem anderen lösen? So startete die Innere Mission im Sommer in Griechenland eine Bewerbungsaktion, 16 Bewerber wurden schließlich zum Vorstellungsgespräch in Athen eingeladen. Zehn traten im September ihre unbefristeten Stellen an.

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Auf weiß-blauem Rautenpapier hängen vier Steckbriefe am schwarzen Brett der Kindertagesstätte Schwanthaler Höhe. Die neuen Mitarbeiter stellen sich vor: drei aus Griechenland, eine aus Deutschland. Eine Erzieherinnenstelle ist immer noch unbesetzt.

Androniki Mylona, die in der Schule Deutsch gelernt hatte und deren Großeltern einige Monate im Jahr in Nürnberg leben, betreut heute die Morgengruppe der »Holzwürmer«, 26 Kinder. Am Anfang wird gezählt: eins, zwei, drei – erst alle Kinder, dann die Mädchen, danach die Jungen. Es ist ein Ritual, die Kinder lernen spielend die Zahlen. Frau Mylona auch. Dann zieht sie einen Stapel Papiere hervor und sagt: »Wir können die Zahlen auch sehen.« Sie hat die Ziffern auf A4-Papier geklebt und dazu die gleiche Anzahl Bausteine aufgemalt. Immer in Fünferpäckchen. »Wer kennt die Sieben?« – »Wer findet die Zehn?« – »Ich weiß, wo die Zehn ist, Frau Mylona«, ruft Amelie. – »Wir sagen nicht vor«, mahnt Frau Mylona. »Die anderen Kinder sollen es selber finden.«

Nach 15 Minuten ist Schluss mit den Zahlen, »och nein«, rufen die Kinder. Es folgt das Regenbogenlied – die Kinder können es auswendig, ihre griechische Erzieherin holt sich das Liedblatt.

Kindergärtnerin in Deutschland – für die Griechin gibt es hier keine großen Unterschiede. In Griechenland würde sie den Tag auch so gestalten. Wenn man sie ließe.

An der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Thrakien in Alexandroupolis hat Androniki Mylona Vorschulpädagogik studiert, eine Zusatzausbildung für Blindenschrift gemacht. Vor drei Jahren ist sie fertig geworden. Dann verkaufte sie Klamotten bei Zara, und nachmittags brachte sie in einem staatlichen Kindergarten türkischen Kindern Griechisch bei. Leben konnte sie davon nicht.

Leserkommentare
  1. Die Freizügigkeit ist eine wichtige Grundfreiheit, die jedem EU-Bürger ermöglicht, seinen Wohn- bzw Arbeitsort innerhalb der EU frei zu wählen.
    Niemand muß an Visa und Arbeitserlaubnissen scheitern und deswegen in Arbeits- und Perspektivlosigkeit verharren.
    Das ist Emanzipation des Bürgers von staatlicher Bevormundung und damit ein Zuwachs an Freiheit.

    Die Vorgeschichte von Androniki Mylona:
    http://www.sueddeutsche.d...

    Die wieder erstarkten Europafeinde werden das wohl nie begreifen.

    k.

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    die innereuropäische Reise- und Arbeitsfreiheit; trotzdem habe ich beim Lesen des Artikels nicht nur positive Empfindungen.
    Diese Kindergärtnerinnen sind ja wohl nicht ganz freiwillig gekommen - der ökonomische Zwang hat sie getrieben. Natürlich hätten sie nicht kommen MÜSSEN, sie hätten auch in Griechenland bleiben und sich verarmt irgendwie durchschlagen können - in meinen Augen keine echte Alternative.
    Mir stellt sich hier die Frage, ob sie bei wirklich gleichen Bedingungen sowohl in Deutschland als auch in Griechenland wirklich gekommen wären. Nun handelt es sich ja um eine sehr kleine Anzahl - man kann also schwer von ihnen auf andere schließen.
    Sehe ich mir allerdings andere Artikel an, so findet offensichtlich gerade ein brain-drain aus Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal statt - und zwar aus ökonomischen Ursachen. Es kommt hinzu, daß in Deutschland das Lohnniveau dieser Arbeitsimmigranten nicht unbedingt dem bereits bestehenden Lohnniveau entspricht oder entsprechen soll. Für eine griechische Erzieherin SIND die Löhne in Deutschland sehr hoch - weil die Löhne in Griechenland eben extrem niedrig sind; sie verdient ja hier das Doppelte. Allerdings ist im Artikel auch davon die Rede, daß eine Personalagentur zwischengeschaltet wurde - die wird also vermutlich mitverdienen. Darauf wurde leider nicht näher eingegangen.
    In meinen Augen sieht eine wirkliche europäische Freizügigkeit doch etwas anders aus und von wirklicher Freiwilligkeit kann m.E. keine Rede sein.

  2. indem man wieder Gastarbeiter holt. Ironie des Schicksals.

  3. die innereuropäische Reise- und Arbeitsfreiheit; trotzdem habe ich beim Lesen des Artikels nicht nur positive Empfindungen.
    Diese Kindergärtnerinnen sind ja wohl nicht ganz freiwillig gekommen - der ökonomische Zwang hat sie getrieben. Natürlich hätten sie nicht kommen MÜSSEN, sie hätten auch in Griechenland bleiben und sich verarmt irgendwie durchschlagen können - in meinen Augen keine echte Alternative.
    Mir stellt sich hier die Frage, ob sie bei wirklich gleichen Bedingungen sowohl in Deutschland als auch in Griechenland wirklich gekommen wären. Nun handelt es sich ja um eine sehr kleine Anzahl - man kann also schwer von ihnen auf andere schließen.
    Sehe ich mir allerdings andere Artikel an, so findet offensichtlich gerade ein brain-drain aus Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal statt - und zwar aus ökonomischen Ursachen. Es kommt hinzu, daß in Deutschland das Lohnniveau dieser Arbeitsimmigranten nicht unbedingt dem bereits bestehenden Lohnniveau entspricht oder entsprechen soll. Für eine griechische Erzieherin SIND die Löhne in Deutschland sehr hoch - weil die Löhne in Griechenland eben extrem niedrig sind; sie verdient ja hier das Doppelte. Allerdings ist im Artikel auch davon die Rede, daß eine Personalagentur zwischengeschaltet wurde - die wird also vermutlich mitverdienen. Darauf wurde leider nicht näher eingegangen.
    In meinen Augen sieht eine wirkliche europäische Freizügigkeit doch etwas anders aus und von wirklicher Freiwilligkeit kann m.E. keine Rede sein.

    Eine Leserempfehlung
  4. ich denke, es würde Griechenland helfen, wenn eine griechische Erzieherin hier den vollen guten Arbeitslohn einer deutschen Erzieherin ohne Zwischenagentur bekäme.

    Dann könnte Sie nämlich regelmäßig 1 Drittel ihres Gehaltes nach Griechenland an ihre Eltern oder Verwandten überweisen, damit die dort nicht verhungern müssten.

  5. 5. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/cv

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    ich glaube eher, dass mein Kommentar entweder zu hoch für Sie war oder Sie wieder Mal Teil einer Löschorgie sind.

    Ganz willkürlich!

  6. ich glaube eher, dass mein Kommentar entweder zu hoch für Sie war oder Sie wieder Mal Teil einer Löschorgie sind.

    Ganz willkürlich!

    Antwort auf "[...]"

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