Aktuell fehlen allein in München noch 160 Erzieher und 160 Kinderpfleger, rechnet der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband vor. Doch Vorschläge wie den von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen umzuschulen, kommentieren Erzieherinnen kritisch: »Fürchterlich!«, sagt eine deutsche Kollegin von Mylona. »Pädagogische Fachkraftstellen sollten auch mit Fachkräften besetzt werden!« Warum nicht auch aus Griechenland?

Androniki Mylona findet, die Inhalte in einem deutschen Kindergarten seien nicht viel anders als in einem griechischen. Wenn sie ein Thema wie Obst durchnähmen, stünde in Griechenland vielleicht die Weintraube im Mittelpunkt, in Deutschland sei es der Apfel.

Gewöhnungsbedürftig dagegen war für die junge Erzieherin die offene Struktur: Die Kinder sind nur im Morgenkreis in ihren Gruppen, dann stehen jedem Kind alle Räume des Hauses offen – Leseraum, Bauraum, Turnhalle, Kreativraum. »Ich habe meine 26 Kinder nicht den ganzen Tag, das ist eine große Umstellung.«

Nach dem Morgenkreis betreut jede Erzieherin einen Raum und macht den Kindern dort ein »Angebot«. Jetzt steht ein Experiment an: Die Griechin lässt die Kinder selbst einen Regenbogen erzeugen – passend zum Projektthema Herbst und Wetter. Mit einer Taschenlampe leuchten die Kinder auf eine CD. »Welche Farbe siehst du, Sophie?« Mylona lässt nicht locker, aufgeweckte Kinder rufen »Gelb und Violett und Pink«, den Schüchternen versucht sie ein »Blau« oder »Grün« zu entlocken.

Es wirkt ein bisschen wie Schule.

Inzwischen hat sie sich an den Alltag gewöhnt. Mit den Kindern auf Deutsch zu sprechen falle ihr leicht, sagt sie. Schwieriger sei es mit den Erwachsenen »und dem bayerischen Dialekt«. Es ist Mittag, ein Vater holt seinen Sohn ab. »Hallo«, sagt Frau Mylona, sie hat wieder Treppenhausdienst. »Servus«, sagt der Vater.

Er zieht dem Sohn die warme Jacke an, es ist kalt draußen. Androniki Mylona wird sich bald eine dicke Jacke kaufen. Am Wochenende hat sie mit ihren Freundinnen in Griechenland telefoniert – die erzählten, dass sie am Meer beim Baden waren. »Und ich? Habe hier acht Grad!« Immerhin hat es inzwischen zu regnen aufgehört. Ins Begrüßungspaket hatte die Innere Mission sicherheitshalber einen Schirm gepackt. Man könnte es symbolisch deuten – als eine Art privaten Rettungsschirm.