Siemens-ChefEin Top-Manager ohne Fortüne

Seit rund fünf Jahren führt der Österreicher Peter Löscher den Siemens-Konzern an. Doch der Erfolg lässt nach, viele Ankündigungen kann er nicht halten. von 

Siemens-Chef Peter Löscher

Siemens-Chef Peter Löscher  |  © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Es gibt Situationen, in denen Peter Löscher schweigt, obwohl er etwas sagen müsste. Wenn Journalisten ihn in einem Hintergrundgespräch bitten, eine Einschätzung zu den Alternativen bei der Euro-Rettung zu geben und er die Frage mit der Bemerkung abtut, davon verstehe er nichts, das solle man lieber die Banker fragen, ist das womöglich eine ehrliche Antwort. Sie ist unpassend für einen Mann, der sich kurz zuvor in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat wählen lassen.

Oder neulich beim Besuch der Kanzlerin in China, als Premierminister Wen Jiabao und Angela Merkel gemeinsam mit den Wirtschaftsleuten diskutierten. Der Premier wollte von den mitgereisten Managern hören, wo es in der Zusammenarbeit konkret hake. Löscher, der dem Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft vorsteht, fiel außer Gemeinplätzen und diplomatischen Floskeln nichts ein. Er sei allzu »höflich«, rügte der Premier den Siemens-Chef: »Sie wollen die Probleme wohl nicht so deutlich ansprechen.«

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Peter Löscher liegt die freie Rede nicht, das schnelle Spiel von Frage und Antwort ist auch nicht seine Sache. Es gibt TV-Interviews, in denen er rüberkommt wie ein Beschuldigter beim Verhör und nicht wie der Chef eines Weltkonzerns. Selbst wenn er vom Blatt ablesen kann wie auf der Bilanzkonferenz des vergangenen Jahres, wirkt er angespannt. In solchen Situationen misslingt ihm regelmäßig der Dativ. »In unseren Heimatland Deutschland...«, sagt er dann. Oder: »Siemens hat eine eigene Basis in praktisch jeden Schwellenland.«

Er wirkt nicht wie der Weltmann, den seine Karriere erwarten ließe

Man hört die Sprachfärbung des Österreichers, etwa wenn er von der »ehnzikartigen Stärke« seines Unternehmen spricht oder dessen »dächnologische Führerschaft« preist. Von einem Schmäh ist aber bei Löscher nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der Siemens-Chef wirkt noch deutscher als deutsch.

Das ist ziemlich erstaunlich bei einem, dessen Familie und Karriereweg so international sind. Löscher hat italienische Vorfahren, er ist mit einer Spanierin verheiratet, zwei seiner drei Kinder haben einen amerikanischen Pass, eines ist spanischer Nationalität. Er selbst hat einst in Wien, Hongkong und Harvard studiert. Er war für Hoechst in Deutschland, in den USA und in Spanien tätig und für die deutsch-französische Nachfolgefirma Aventis in Japan. Er wechselte dann zum britischen Pharmakonzern Amersham und wurde bald darauf mitsamt dieser Firma vom US-Riesen General Electric (GE) übernommen. Als Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme 2007 auf ihn aufmerksam wurde, war Löscher gerade Vorstand der US-Pharmafirma Merck & Co in New Jersey.

Ein Provinzler ist der Manager, dessen erster Berufswunsch Diplomat war, also sicher nicht. Man kann sich bei YouTube anhören, wie er spanisch redet, und angeblich kriegt er solche Ansprachen auch auf Japanisch hin. Aber wie der Weltmann, der er eigentlich sein müsste, wirkt der 55-Jährige nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass der Sohn eines Kärntner Bauern und Sägewerksbesitzers ein über die Maßen kontrollierter Typ ist. Ganz anders als der gewitzt-joviale frühere Konzernlenker Heinrich von Pierer oder dessen Nachfolger, der charismatische Draufgänger Klaus Kleinfeld. Löscher ist einsilbig, vorsichtig, stets auf Fehlervermeidung bedacht. Bloß nicht verplappern, keine unnötigen Festlegungen, das scheint seine Maxime zu sein.

Natürlich lässt sich so kein Weltkonzern führen, der 370.000 Menschen in 190 Ländern beschäftigt und der darauf angewiesen ist, dass ihm seine Aktionäre gewogen bleiben. Deshalb gibt es neben dem übervorsichtigen Löscher noch einen zweiten Löscher. Der ist ein Mann der großen vollmundigen Ankündigungen (»Siemens steht für saubere Geschäfte – immer und überall«), ein Freund markiger Sätze (»Wir haben Siemens völlig neu positioniert«), an deren Ende er die dunklen buschigen Augenbrauen auf dramatische Weise hochzieht.

Leserkommentare
  1. 1. dieser

    hohe Verlust bei der Solarenergie - 800mio - ein Wunder das da noch genug in der Kasse ist um nicht eine Insolvenz anmelden zu müssen und merkwürdig wo wir doch kurz vor dem Atomausstieg stehen.

    • kausz
    • 18. November 2012 19:08 Uhr

    Schauen wir zurück. Was hat Peter Löscher zu seinem Start bei Siemens übernommen ? Gab es da nicht diverse Anschuldigungen wegen Korruption (und Siemens Mitarbeiter wurden vor Gericht für schuldig befunden) ?

    Siemens repräsentiert definitiv nicht das andere Standbein Deutschlands. Den innovativen Mittelstand, die Hidden Champions. Unternehmen die sehr viel weniger an den Subventionstöpfen hängen. Andererseits, der Konzern wurde stark umgebaut und oft auch neu positioniert.

    Was die Schausteller von Pierer und Kleinfeld angerichtet haben war rückblickend nicht gut. Lieber ein unscheinbarer Macher und integrator. Wenn es bessere Leute gibt, gerne. Aber, Peter Löscherr ist definitiv nicht schlechter als viele Verwalter deutscher Großkonzerne. Er hat einiges erreicht und sollte nicht unterschätzt werden. Wirkliche Gestalter finden sich äußerst selten. Oft zeigt sich erst hinterher wie das Feld bestellt ist.

  2. ... und gerade auch, wenn man dazu noch von außen kommt, ist, dass praktisch alle an der Basis mehr Ahnung vom Geschäft haben als derjenige, der den Laden steuern soll.

    Paradebeispiel dafür ist Daimler in den 80er und 90er Jahren.

    • Ebs1
    • 18. November 2012 22:43 Uhr

    Siemens ist für mich auch heute noch eher ein Gemischtwarenladen als ein erfolgreich geführter Konzern. Doch dies an der Person Löscher fest zu machen halte ich für verfehlt, auch wenn dieser seit 5 Jahren Verantwortung trägt. Im Grunde besteht Siemens aus einer Vielzahl von Baustellen, aktuelle und mindestens genau so viele, die in einer Warteschleife hängen. Für einen wirklich radikalen Schnitt werden die Eigentümer nicht zu begeistern sein. Und trotzdem wird sich einer finden müssen, der dies tut. Das wird schmerzhaft für alle Seiten werden.

  3. ... ist ein unglaublich hoch subventionierter Konzern, der snscheinend für die deutsche Politik alternativlos und systemrelevant ist.
    Die Führung durch Herrn Löscher ist so wie sein auftreten. Allein den Aktionären und der Dividende verpflichtet, keinerlei soziales Gewissen und Standorte und die damit verbundenen Menschen interessieren diese Art von "Managern" schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, die stören eigentlich nur bei der rein betriebswirtschaftlich-gewinnmaximierende Sichtweise. Humankapital ist ja normalerweise der unberechenbarste Kostenfaktor. Außer in Deutschland. Da wird Ausbeutung mittlerweile als unumgänglich akzeptiert, bei den sogenannten Experten der Ökonomie sogar als wichtiger Faktor im Globalisierungswettstreit gefordert. Weiter so Deutschland ! Lauft diesen angeblich cleveren Seelenverkäufern weiter hinterher in der Hoffnung selbst ein möglichst großes Stück von deren Riesenkuchen abzubekommen. Oder wählt weiter deren Steigbügelhalter in der Politik. Wobei ich hier leider zugeben muss, dass man wählbare Alternativen leider so gut wie nicht mehr findet. Die Parteiendiktatur scheint schon zu weit fortgeschritten.
    Denn die Devise lautet nicht: "Anpassung der Dritt- und Schwellenländer an unser Niveau!", nein, das würde die Konzerngewinne und Dividenden zu sehr schmälern, sondern wir müssen unser Lohnniveau deren Standards anpassen um angeblich "überhaupt konkurrenzfähig" zu sein.

    Leider keine Ironie !

  4. Als seinerzeit Klaus Kleinfeld CEO der Siemens AG wurde, gab es beim Konkurrenten General Electric (GE) spürbar Nervositäten. Als dann kurz darauf dieser österreichische Schauspieler und Schaumschläger zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde, war man wieder sehr "relaxed" und es gab allgemeine Entwarnung, da Löscher sich als keine echte Bedrohung für GE darstellte - zu Recht, wie sich heute herausstellt.

    Ebenso kein Fortune hatte er mit der Besetzung seines weiblichen Aufsichtsrates. Die Besetzung der "roten Gitti" ist eher ein schlechter Witz, jedoch mit einem gewissen Unterhaltungswert vor allem bei ihren Präsentationen in englischer Sprache. Die schweizerische Quotenfrau Barbara Kux ist dagegen vollends abgetaucht und ihr steter Ruf nach "Diversity" klingt mittlerweile auch ziemlich einsilbig und abgedroschen.

    Als Ex-Siemens Manager der "Lehmschicht" kann ich allen nur folgendes Buch dazu wärmstens empfehlen. Es heisst: "des Kaisers neue Kleider"

  5. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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