StilkolumneBacklash für die Männer

Tillmann Prüfer über Steppjacken von 

Den Frauen wird immer wieder mal vorgeworfen, zwar die Emanzipation zu wollen, aber nicht den dazugehörigen Mann zu akzeptieren. Wer nämlich als Frau Karriere, Geld und alles möchte, braucht auch einen Mann, der all das eben nicht will. Der einer Arbeit nachgehen will, die ihn etwas beschäftigt, aber nicht unbedingt eine Familie ernährt; der nicht mit aller Macht aufsteigen möchte und sich lieber um die Kinder kümmert. Keinesfalls dürfte solch ein Mann abenteuerlustig und schon gar nicht unzuverlässig sein.

Das Männerbild, das in Mode und Werbung transportiert wird, legt aber genau diese Unzuverlässigkeit nahe. Überall finden sich markige Kerle mit Dreitagebart, eckigem Kinn und Sonnenbrille. Wie soll man so einem beibringen, dass er gefälligst um 14.30 Uhr das Kind aus der Kita abholen und zum Flötenunterricht bringen soll? Was die Mode angeht, ist nun für die Sache der Frau Besserung in Sicht. Der brave, angepasste Mann ist da. Sein Kleidungsstück ist die Steppjacke. Etwa jene aus der jüngsten Herrenkollektion von Burberry : Auf dem Laufsteg sah man ordentlich gescheitelte junge Herren, die das konservativste Kleidungsstück der Welt am Leib hatten. Von so einem Mann ist viel zu erwarten. Nur eben nichts Unerwartetes.

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Was war noch einmal die Steppjacke? Gestepptes Futter mit Daunen gab es schon früh. Sehr bekannt wurde es durch die Barbour-Jacke mit ihrem Tartan-, also karogemusterten Innenfutter. Steppjacken konnten sich in der Mode erst durchsetzen, als Pelz in den achtziger Jahren immer mehr in die Kritik geriet. Gänsedaunen lösten die Tierhaut ab. Allerdings gelang es der Steppjacke nie, ihr gemütliches Image loszuwerden. Wer Steppjacken trägt, der will es gerne warm haben und nimmt es dafür mit der erotischen Ausstrahlung nicht so genau.

Stilkolumne
Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Nun ist die Steppjacke wieder zu sehen. Nicht nur bei Burberry, sondern auch bei Kenzo, wo sie mit bunten Mustern kombiniert wird. Ein bisschen gemein ist, dass die gesteppte Jacke heute keineswegs richtig warm ist. Die Daunen fehlen. Das sind die Ungerechtigkeiten der Emanzipation für uns Männer. Jetzt tragen wir schon Steppjacken – und trotzdem sollen wir frieren, wenn wir mit den Kindern nach dem Flötenunterricht noch auf den Spielplatz gehen.

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Leserkommentare
  1. "Der einer Arbeit nachgehen will, die ihn etwas beschäftigt, aber nicht unbedingt eine Familie ernährt; der nicht mit aller Macht aufsteigen möchte und sich lieber um die Kinder kümmert. Keinesfalls dürfte solch ein Mann abenteuerlustig und schon gar nicht unzuverlässig sein."

    O.K. - und solch' ein Mann soll nun rund 2.700€ für eine Jacke ausgeben?
    Asugeben können?
    Was hat der für einen Job, was hat der für eine Frau - und wer von beiden zahlt die Jacke?

    Wundert sich: Ihr Leser Jens Siegfried

    8 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 12. November 2012 9:19 Uhr

    "In jedem Falle empfinde ich die Outdoorbekleidung von Barbour als deutlich (!) Chic'er/Stilvoller als den ganzen Kram von Jack Wolfskin, TheNorthFace und was es sonst noch an "modernen" Outdoormarken gibt, die die "urbanen Großstädter" heute so tragen."

    Einen Deutschen im Ausland erkennt man i.d.R. an den genannten Marken.

    Wobei, zu bestimmten Anlässen finde ich den "ganzen Kram" der besagten Marken durchaus passend, nämlich dann, wenn ich mich tatsächlich in der Landschaft aufhalte und nicht in der Großstadt.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ganz ehrlich!"
  2. Klar, die wird von Burberry Prorsum sein, da ist das ein realistischer Preis.

    Ich habe eine blaue Barbour-(Polar-)Steppjacke und mag sie eigentlich sehr gerne, weil ich sie zu vielem kombinieren kann, ein Jacket drunter passt und sie eben zu vielen Gelegenheiten ok ist. Ob das jetzt besonders "spießig" oder konservativ ist, ist mir eigentlich ziemlich schnurz. Ich würde zwar meine Barbour Wachsjacke nicht_unbedingt_gerne in der Stadt tragen, aber auch das geht durch, wenn das Wetter entsprechend ist.

    In jedem Falle empfinde ich die Outdoorbekleidung von Barbour als deutlich (!) Chic'er/Stilvoller als den ganzen Kram von Jack Wolfskin, TheNorthFace und was es sonst noch an "modernen" Outdoormarken gibt, die die "urbanen Großstädter" heute so tragen.

    5 Leserempfehlungen
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    • Infamia
    • 12. November 2012 9:19 Uhr

    "In jedem Falle empfinde ich die Outdoorbekleidung von Barbour als deutlich (!) Chic'er/Stilvoller als den ganzen Kram von Jack Wolfskin, TheNorthFace und was es sonst noch an "modernen" Outdoormarken gibt, die die "urbanen Großstädter" heute so tragen."

    Einen Deutschen im Ausland erkennt man i.d.R. an den genannten Marken.

    Wobei, zu bestimmten Anlässen finde ich den "ganzen Kram" der besagten Marken durchaus passend, nämlich dann, wenn ich mich tatsächlich in der Landschaft aufhalte und nicht in der Großstadt.

  3. Der Artikel war ein satirischer Verriss, keine Werbung - sie haben da etwas missverstanden...

    Und , @ restliche Kommentatoren: bitte nicht schon wieder das Outdoorklamottenbashing anfangen!

    Ich erinnere mich nämlich noch an den Mode-Artikel hier bei ZO zum Thema Rucksäcke und Outdoorklamotten in der Stadt, der ca 1.000 (!Keine Übertreibung!) Kommentare nach sich zog in denen Leser sich gegenseitig an den GoreTex-Kragen gegangen sind und sich der (Mode-)Sünde bezichtigt haben.

    Einmal war genug.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Kleider machen Leute"
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    Das war sehr lustig.

  4. Eine Steppjacke für 2695 €? Ehrlich?

    4 Leserempfehlungen
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    Klar, die wird von Burberry Prorsum sein, da ist das ein realistischer Preis.

    Ich habe eine blaue Barbour-(Polar-)Steppjacke und mag sie eigentlich sehr gerne, weil ich sie zu vielem kombinieren kann, ein Jacket drunter passt und sie eben zu vielen Gelegenheiten ok ist. Ob das jetzt besonders "spießig" oder konservativ ist, ist mir eigentlich ziemlich schnurz. Ich würde zwar meine Barbour Wachsjacke nicht_unbedingt_gerne in der Stadt tragen, aber auch das geht durch, wenn das Wetter entsprechend ist.

    In jedem Falle empfinde ich die Outdoorbekleidung von Barbour als deutlich (!) Chic'er/Stilvoller als den ganzen Kram von Jack Wolfskin, TheNorthFace und was es sonst noch an "modernen" Outdoormarken gibt, die die "urbanen Großstädter" heute so tragen.

    je nach Robustheit und Verarbeitungsqualität war wohl entweder 269,5€ oder eher 26,50€.

    Alles andere würde auf totale Dekadenz und mangelndes Qualitätsbewußtsein hinweisen.

  5. ... muss das Tragen hochwertiger und mithin auch kostspieliger Bekleidung immer gleich als ein Ausdruck von Dekadenz diskreditiert werden? Das ist doch albern.

    3 Leserempfehlungen
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    ... halbwegs kostruktives beizutragen:
    Das " Tragen hochwertiger und mithin auch kostspieliger Bekleidung [muss nicht] immer gleich als ein Ausdruck von Dekadenz diskreditiert werden".

    Wäre diese Jacke (ihren) Preis wert, dann hätten Sie ja Recht.

    Ich kann mir nur leider nicht vortellen, daß diese Jacke von Meister-Schneider(inne)n unter Verwendung von allerhochwertigstem Ployester aus heimisch-biologische-nachaltigem Anbau hergestellt wird. Und lebenslag Garabtie hat. Denn nur das würde diesen Preis zur Häfte rechtfertigen - alles andere bedeutet dann aber den Markennamen _kräftig_ mitzubezahlen.
    Und wer tut das? Leute, denen weniger die Qualtität wichtig ist, sondern die auf den Umstand wert legen, daß Ihresgleichen sieht, daß man sich das leisten kann.
    Nennen Sie es meinethalben Neid, aber mir fehlt das Verständniss für diese Art Kapitalanlage.

  6. 25. Das...:

    ... "weniger die Qualtität wichtig ist, sondern die auf den Umstand wert legen, daß Ihresgleichen sieht, daß man sich das leisten kann" ist selbstverständlich extrem vereinfacht.
    Kleidung ist doch immer AUCH ein Ausdruck einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit.
    Mag sein.
    Aber es geht letztendlich niemanden etwas an, wer was anzieht. Das zu kritisieren, finde ich übergriffig. Wer es sich leisten kann, soll das tun. Wenn es dafür keinen Markt gäbe, gäbe es das Angebot nicht.
    Und ich wiederum halte es für einen weitaus sprechenderen Ausdruck von Dekadenz, permanent zu H&M zu rennen und sich saisonalen Billigschrott zu kaufen, als einmal 2000 Euro für ein zeitloses und hochwertiges Kleidungsstück auszugeben.

    3 Leserempfehlungen
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    "[...] als einmal 2000 Euro für ein zeitloses und hochwertiges Kleidungsstück auszugeben."

    Aber damit meinen Sie doch nicht etwa eine Steppjacke?!?

    • andre-m
    • 12. November 2012 9:40 Uhr

    Dazu passt, dass die männlichen Models auf der Burberry Homepage häufig wie kleine Jungs aussehen, die von ihren, etwas nachlässigen, Müttern angezogen und gekämmt wurden.
    In manchen Fällen auch Jungs, die zum Schlafanzug aus bedrucktem? 300€ Hemd und Boxershorts, Papas Lackschuhe angezogen haben. Ein wirklich verwirrendes Männerbild.

    Wobei es die Frauen auf der Homepage auch nicht viel besser getroffen haben. Für die scheint immer noch eine Art kindlicher Drogenechic vorzuherrschen.
    (Zumindest wenn sie Bilder der Herrenkollektion dekorieren sollen, weiter habe ich nicht geschaut.)

    Was könnte man daraus lernen? Die gewünschte Zielgruppe sollte vermutlich nicht erwachsen werden wollen und sich gern irgendeinem Rausch hingeben. Und solange die Kleidung dabei deutlich teurer als das Rauschmittel ist, ist alles im grünen Bereich...

    2 Leserempfehlungen

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Burberry | Emanzipation | Kindertagesstätte | Mode | Pelz | Familie
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