Männer, die als zu spontan wahrgenommen werden, können mit dieser Jacke etwas dagegen tun. Von Burberry, 2695 Euro © Peter Langer

Den Frauen wird immer wieder mal vorgeworfen, zwar die Emanzipation zu wollen, aber nicht den dazugehörigen Mann zu akzeptieren. Wer nämlich als Frau Karriere, Geld und alles möchte, braucht auch einen Mann, der all das eben nicht will. Der einer Arbeit nachgehen will, die ihn etwas beschäftigt, aber nicht unbedingt eine Familie ernährt; der nicht mit aller Macht aufsteigen möchte und sich lieber um die Kinder kümmert. Keinesfalls dürfte solch ein Mann abenteuerlustig und schon gar nicht unzuverlässig sein.

Das Männerbild, das in Mode und Werbung transportiert wird, legt aber genau diese Unzuverlässigkeit nahe. Überall finden sich markige Kerle mit Dreitagebart, eckigem Kinn und Sonnenbrille. Wie soll man so einem beibringen, dass er gefälligst um 14.30 Uhr das Kind aus der Kita abholen und zum Flötenunterricht bringen soll? Was die Mode angeht, ist nun für die Sache der Frau Besserung in Sicht. Der brave, angepasste Mann ist da. Sein Kleidungsstück ist die Steppjacke. Etwa jene aus der jüngsten Herrenkollektion von Burberry : Auf dem Laufsteg sah man ordentlich gescheitelte junge Herren, die das konservativste Kleidungsstück der Welt am Leib hatten. Von so einem Mann ist viel zu erwarten. Nur eben nichts Unerwartetes.

Was war noch einmal die Steppjacke? Gestepptes Futter mit Daunen gab es schon früh. Sehr bekannt wurde es durch die Barbour-Jacke mit ihrem Tartan-, also karogemusterten Innenfutter. Steppjacken konnten sich in der Mode erst durchsetzen, als Pelz in den achtziger Jahren immer mehr in die Kritik geriet. Gänsedaunen lösten die Tierhaut ab. Allerdings gelang es der Steppjacke nie, ihr gemütliches Image loszuwerden. Wer Steppjacken trägt, der will es gerne warm haben und nimmt es dafür mit der erotischen Ausstrahlung nicht so genau.

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Nun ist die Steppjacke wieder zu sehen. Nicht nur bei Burberry, sondern auch bei Kenzo, wo sie mit bunten Mustern kombiniert wird. Ein bisschen gemein ist, dass die gesteppte Jacke heute keineswegs richtig warm ist. Die Daunen fehlen. Das sind die Ungerechtigkeiten der Emanzipation für uns Männer. Jetzt tragen wir schon Steppjacken – und trotzdem sollen wir frieren, wenn wir mit den Kindern nach dem Flötenunterricht noch auf den Spielplatz gehen.