Stimmt's?Kann man die Echtheit von Gold mit den Zähnen testen?

…fragt Markus Knoll aus Wiesbaden. von 

Goldmedaille Gold Stimmt's Edelmetall Lucy Garner

Biss in die Medaille: Die britische Radfahrerin Lucy Garner gewann bei der WM 2012 Gold.  |  © Franck Fife/AFP/GettyImages

Man kennt die Szene aus Westernfilmen, aber auch von den Olympischen Spielen: Wer sich von der Echtheit einer Goldmünze oder -medaille überzeugen will, der beißt kräftig hinein. Sieht man die Bissspuren, so die Legende, ist die Münze echt.

Wären die Münzen und Medaillen aus reinem Gold, dann könnte man mit den Zähnen tatsächlich einen Abdruck hinterlassen. Gold ist ein sehr weiches Metall. Aber aus genau diesem Grund verwendet man für Münzen nur Goldlegierungen, die erheblich härter sind. An denen kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeißen.

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Außerdem kommen sie in ihrer Härte schon an Messing heran, und damit wird der mechanische Echtheitstest hinfällig: Selbst wenn man die Münze etwa mit einem Werkzeug eindellen würde – es wäre kaum ein Unterschied zwischen echtem Gold und falschem Messing festzustellen.

Manchmal kann die Bissfähigkeit einer Münze sogar ein Zeichen dafür sein, dass sie gefälscht ist: Oft überziehen Fälscher einen Kern aus Blei mit einer dünnen Schicht aus echtem Gold. Blei ist noch viel weicher als Gold, ein erfolgreicher Biss würde in diesem Fall also die Fälschung entlarven.

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Stimmt's?

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Vielleicht ist es ratsamer, an der Münze zu lutschen, als auf sie zu beißen: Weil Gold ein sehr edles Metall ist, das nur mit wenigen anderen Stoffen chemisch reagiert, schmeckt es ziemlich neutral. Eine Münze aus Messing dagegen reagiert mit dem Speichel im Mund, sie kann deutlich metallisch schmecken.

Völlig überflüssig ist der Bisstest auf dem olympischen Treppchen. Denn die letzten Goldmedaillen aus purem Gold wurden im Jahr 1912 verliehen. Heute legen die Richtlinien des Olympischen Komitees fest, dass die Medaillen zu 92,5 Prozent aus Silber bestehen. Der Biss ist nur eine Pose für die Fotografen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
    • gast007
    • 17. November 2012 12:56 Uhr

    92,5 Prozent Silber . Und dafür die ganze Plackerei !!??

    • Azenion
    • 17. November 2012 14:53 Uhr

    Als sorgsamer Sportler würde man sich auch nachträglich ärgern, wenn man seine eben errungene Medaille gleich mit Zahnabdrücken beschädigt hätte...

    Eine Leserempfehlung
  1. ... sind diejenigen Olympioniken, die auf ihre Silber- oder Bronzemedaille beißen. Hauptsache irgendeine Pose machen, aber keine Ahnung haben, woher der Brauch überhaupt kommt.

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