Taylor Swift"Die Tagträume meiner Kindheit sind alle wahr geworden"

Im Traum singt Taylor Swift Fantasie-Songs, während sie allein durch den Wald irrt. Manche dieser Melodien verwandelte sie in reale Hits - und wurde damit weltberühmt. von Christoph Dallach

Seit meiner Kindheit vermischen sich in meinem Leben Traum und Realität. Dazu beigetragen hat, dass ich auf einer Weihnachtsbaumfarm aufgewachsen bin. Wenn deine Familie davon lebt, Weihnachtsbäume zu verkaufen, gibt es das ganze Jahr über kaum ein anderes Thema. Und trotzdem ist Weihnachten für mich noch immer ein magisches Fest, ich freue mich immer sehr darauf.

TAYLOR SWIFT

22, ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Musikerinnen der Gegenwart. Die in Nashville lebende Sängerin und Songschreiberin verbindet in ihren eingängigen Songs sehr persönliche Texte mit einer Mischung aus Country und Pop. Kürzlich erschien ihr neues Album »Red«

Als Kind träumte ich immer wieder von Märchenwelten voller sprechender Tiere. Musik begleitete alle diese Träume, aber erst seit ich erwachsen bin, ist mir bewusst, dass ich im Schlaf tatsächlich Liedern lausche, die es in der realen Welt gar nicht gibt. Da höre ich tolle Melodien, während ich allein durch einen dunklen Wald irre. Oder ich gebe im Traum ein Konzert und singe Fantasie-Songs. Das ist einerseits wunderbar und andererseits schrecklich, weil ich immer Angst davor habe, dass mir diese Melodien entgleiten, sobald ich aufwache. An glücklichen Tagen erinnere ich mich an die Traummusik und summe die Melodie sofort in mein Smartphone. Ich habe auch immer eine Gitarre neben dem Bett liegen, um solche Songs gleich nachzuspielen. The Lucky One von meinem neuen Album ist so ein Lied, das mir im Traum zuflog.

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Das Aufwachen am Morgen ist für mich eine weitere Schnittstelle von Traum und Realität. So wie überhaupt mein ganzer Beruf: In dem verschwimmen Fantasie und Alltag ja ohnehin ständig. Für mich ist es ein toller Traum, eine berühmte Musikerin zu sein. Die Tagträume meiner Kindheit, die mich in der Schule oft vom Unterricht ablenkten, sind alle wahr geworden.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Eine Sache, die mich beschäftigt, ist, dass heute die Schulen in den USA mit immer weniger Geld auskommen müssen. Und was immer zuerst gekürzt wird, wenn gespart werden muss, ist die Kultur. Es ärgert mich, dass der Musikunterricht in vielen amerikanischen Schulen in den vergangenen Jahren drastisch eingeschränkt wurde. Ohne diesen Unterricht hätte ich in meinem Beruf keine Chance gehabt. In der Schule lernte ich, zu singen, Gitarre zu spielen, Songs zu schreiben und mich auf der Bühne zu bewegen. Dieses Wissen half mir schon bei meinen ersten Auftritten zu Hause vor dem Spiegel, wo ich gern in Haarbürsten hineinsang. Und erst recht half es mir später, als ich an ersten Talentwettbewerben teilnahm, in Cafés auftrat und schließlich in den Charts landete. Mein künstlerisches Selbstbewusstsein habe ich also Schulfächern zu verdanken, die in den USA zunehmend abgeschafft werden. Ich bin jetzt 22, seit ungefähr sechs Jahren erfolgreich, und jedes dieser Jahre war ein Traum. Ich habe es immer als großen Vorteil empfunden, so früh erfolgreich zu sein. Mit Druck umzugehen und Verantwortung zu übernehmen: Das lernt man besser, wenn man noch jung ist. Es mag sich manchmal wie ein Albtraum anfühlen, wenn ich vor die Tür gehe und immer irgendwo Fotografen lauern. Aber Leute, die sich darüber beschweren, wie schrecklich es ist, berühmt zu sein, habe ich nie verstanden. Wem das zu hart ist, der kann jederzeit aufhören. Ich wollte diese Karriere, und ich habe sie bekommen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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    • Serie Ich habe einen Traum
    • Schlagworte Album | Fest | Gitarre | Konzert | Musiker | Schlaf
    • Der Autor Diedrich Diederichsen

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